Happy New Year

Nachdem der musikalische Adventskalender die Leserinnen und Leser an 24 Tagen mal erfreut und mal gequält hat, gibt es nun zum Jahresausklang einen Nachschlag: „Happy New Year“ von den schwedischen Pop-Titanen ABBA.

Happy New Year von
Abba auf tape.tv.

Es ist zwar nur mäßig originell, sich mit dem ABBA-Klassiker „Happy New Year“ vom ausklingenden Jahr zu verabschieden, aber der Massengeschmack des Mainstreams muss ja nicht per se schlecht sein. Und außerdem wage ich auch nicht zu behaupten, über guten, exquisiten Geschmack zu verfügen (die Auswahl des musikalischen Adventskalenders sollte Beleg genug für diese realistische Selbsteinschätzung sein).

Ein ganz großes Dankeschön an alle Leserinnen und Lesern, die das Blog-Motto „Kann man lesen, muss man aber nicht“ nicht zu ernst genommen und dem Familienbetrieb immer wieder mal einen Besuch abgestattet haben. Ich wünsche Ihnen allen einen guten Start in das neue Jahr. Machen Sie das Beste aus 2015; es dauert nur zwölf Monate!

Der musikalische Adventskalender – Tag 24: „Feliz Navidad“ von José Feliciano

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Am Tag zuvor war es zynisch und böse im musikalischen Adventskalender und Eric Idle durfte „Fuck Christmas“ singen. Dafür wird es heute zum Abschluss pietätsvoll, verpackt in flotte Rhythmen: mit „Feliz Navidad“ von José Feliciano.

Der musikalische Adventskalender ist sich bewusst, mit seiner Liedauswahl eine Menge Kummer und Leid über die tapfere Hörerinnen- und Hörerschaft gebracht zu haben, aber für das letzte Türchen gibt es mit „Feliz Navidad“ eines der populärsten modernen Weihnachtslieder der Welt.

Laut eigenen Angaben hat José Feliciano das Lied innerhalb von fünf Minuten geschrieben. Alles andere wäre auch überraschend, besteht das Lied doch laut Wikipedia aus nur drei Akkorden, der 21-fachen Wiederholung der Wörter „Feliz Navidad“ sowie neun Mal „I wanna wish you a merry Christmas“. Die Einfachheit des Songs hat seinen weltweiten Erfolg nicht verhindert, sondern wahrscheinlich sogar begünstigt.

Einen einzigen Vorwurf kann und muss man José Feliciano machen: mit großem Erfolg kommt auch große Verantwortung und man müsste den guten José einmal fragen, ob er tatsächlich sämtliche juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um die Coverversion von David Hasselhoff zu verhindern. Es hat den musikalischen Adventskalender zwar kurz in den Fingern gejuckt, die Variante von ‚The Hoff‘ zu spielen, aber erstens geht in diesem Fall nichts über das Original und zweitens hat überraschenderweise auch der Kalender Grenzen der Pietät und des guten Geschmacks.

Dafür hat der musikalische Adventskalender eine ganz besondere Darbietung von „Feliz Navidad“ durch José Feliciano ausgewählt. Selten wurde ein Weihnachtslied wohl unweihnachtlicher präsentiert als bei diesem Auftritt und besondere Beachtung sollte auch das einstimmende Husten bei Sekunde 20 finden.

Der musikalische Adventskalender bedankt sich bei allen treuen Hörerinnen und Hörern, die bis zum Schluss durchgehalten haben und wünscht fröhliche Weihnachten, erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!

Der musikalische Adventskalender – Tag 23: „Fuck Christmas“ von Eric Idle

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Heute wartet der musikalische Adventskalender mit einem Lied auf, an dem der Grinch seine wahre Freude hätte: Es ist ordinär, es ist vulgär und es ist absolut großartig: mit „Fuck Christmas“ von Eric Idle.

Die Adventszeit befindet sich auf den letzten Metern der Zielgeraden, man ist der Plätzchen überdrüssig, der Gedanke an billigen zu Glühwein erwärmten Fusel lässt einen schaudern, die letzten Geschenke wollen noch gekauft und eingepackt, der Baum besorgt und geschmückt werden und nicht wenigen kann gleich das ganze Weihnachtsfest gestohlen bleiben. Ein ganz großes Dankeschön geht an die liebe Sonja von ‚Mama notes‘, die mich auf dieses wunderbare Lied von Monty Python-Mitglied Eric Idle aufmerksam gemacht hat.

Eric Idle, der eigentlich für das lebensbejahende „Always look on the bright side of life“ aus „Life of Brian“ bekannt ist, hat es geschafft unter dem Deckmantel der Sozial- und Konsumkritik, das Wort ‚Fuck‘ 18x in einen 90-Sekunden-Song zu packen, d.h. im Schnitt fällt alle 5 Sekunden das Wort ‚Fuck‘. Ein ‚Fuck‘-Quotient, den man eigentlich nur von Tennis-Matches mit John McEnroe kennt. Wenn man jedes ‚Fuck‘ überpiepen wollte, um es beispielsweise in der altehrwürdigen BBC zu spielen, könnte man es gleich mit der Blockflöte vortragen.

Lasst uns heute noch einmal Kraft vor dem großen Tag morgen sammeln, lasst uns in den Armen liegen und gemeinsam ein katharsisches „Fuck Christmas!“ singen. Viel Spaß beim Hören und Mitsingen.

Der musikalische Adventskalender – Tag 22: „Merry Christmas“ von Udo Jürgens & Hape Kerkeling

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Heute verabschiedet sich der musikalische Adventskalender aus aktuellem Anlass von einem der größten deutschsprachigen Entertainer, der gestern überraschend im Alter von 80 Jahren verstarb: Udo Jürgens. Wir ehren ihn mit seinem „Merry Christmas“-Duett mit Hape Kerkeling.

Hinter dem 13. Türchen hatte sich bereits Udo Jürgens versteckt, wo er gemeinsam mit Nana Mouskouri eine sehr besondere und leicht gewöhnungsbedürftige Version von „Leise rieselt der Schnee“ zum Besten gab. Dass er auch fehlerfrei Klavier spielen und ohne Pseudotremolo singen kann, beweist er in seinem schmissigen Duett mit Hape Kerkeling, in dem die beiden den ganz normalen Familienwahnsinn an Heiligabend besingen.

Im Jahr 2000 hatte ich die Freude, Udo Jürgens live in der Max-Schmeling-Halle in Berlin zu sehen. Dabei wurde ich Zeuge, wie er durch seine Musik Lahme zum Tanzen und Stumme zum Singen brachte (fast). Danke für die Musik und ruhe in Frieden!

Der musikalische Adventskalender – Tag 21: „Lametta“ von Erdmöbel und Maren Eggert

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Mit großer Zuversicht verkündet der musikalische Adventskalender für den heutigen 4. Advent ein mehr als würdiges Stück ausgewählt zu haben und präsentiert voller Freude das unglaublich phantastische „Lametta“ von Erdmöbel mit der unfassbar bezaubernden Maren Eggert.

Überschäumender Enthusiasmus ist ein Wesenszug, der dem musikalischen Adventskalender eigentlich fremd ist, aber heute bedauert er, dass er nicht genügend Adjektive kennt, um die Wertschätzung für das heutige Lied auch nur annähernd adäquat ausdrücken zu können: fabelhafte Musik gepaart mit einem überirdisch herausragendem Text und veredelt durch ein zauberhaftes Video.

Der brilliante Text vereint Alltagspoesie mit dadaistischen Elemente und lässt die Vermutung aufkommen, der Erdmöbel-Sänger und -Texter Markus Berges sei einer außerehelichen Liaison Sven Regeners und Rainald Grebes entsprungen. Welches andere Weihnachtslied wartet schon mit solch einzigartigen Zeilen auf wie:

ich habe weihnachten vergessen
wie treu sind deine blätter?
ich will tannenzweige essen

Dass der Text mindestens Grimme- und Pulitzer-Preis verdächtig ist, bestätigt sich spätestens in der vierten Strophe mit:

weihnachten ist mir entglitten
kein laub getragen sieben jahr‘
lieber tauf‘ ich diesen schlitten

Das zum Lied gehörige Video ist dem Text uneingeschränkt würdig. Zunächst erscheint es ein wenig minimalistisch mit seinem Fokus auf einen Tisch, an dem sich Markus Berges und die wunderbare Maren Eggert, die wir noch aus den Kieler Tatorten als Polizeipsychologin Frieda Jung kennen, gegenübersitzen. Aber spätestens wenn Maren Eggert mit geradezu laszivem Zungenschlag ihr „lala lalala metta“ haucht, entfaltet sich mehr knisternde Erotik als bei allen pornösen Musikvideos von Lady Gaga, Miley Cyros und Madonna zusammen. Da wünscht man sich, einmal mit Axel Milberg alias Kommissar Borowski tauschen zu können und intensive Gespräche mit Frieda Jung zu führen (Sollte die Freundin diese Zeilen gerade etwas irritiert lesen, sei sie beruhigt, dass es sich hier nur um ein paar hirnrissige Phantastereien eines verwirrten Mannes kurz vor der Midlife Crisis handelt. Bringe auch gleich den Müll runter. Versprochen!).

Die Entdeckung des überragenden „Lametta“-Liedes habe ich dem liebenswerten Hank Belane zu verdanken, der es mir auf Twitter empfohlen hat. Daher werfe ich mich vor ihn in den Staub und benetze seine Schuhe mit Tränen tiefster Dankbarkeit. Und die Hörerinnen und Hörer sollten es mir gleich tun – selbst wenn sie die ekstatische Begeisterung des musikalischen Adventskalender für den heutigen Song nicht teilen mögen. Denn der Belanesche Tipp hat dafür gesorgt, dass sich heute nicht Florian Silbereisen hinter dem Türchen verstecken konnte, um uns gemeinsam mit einem chinesischen Kinderchor mit „O Tannenbaum“ zu beglücken.

Der musikalische Adventskalender wünscht viel Spaß beim Hören und droht für den Fall, dass Erdmöbel und Maren Eggert heute nicht mindestens 50 Facebook-Likes bekommen, den Silbereisen an Heiligabend auszupacken. Viel Spaß!

Der musikalische Adventskalender – Tag 20: „Christmas Griping“ von R.E.M.

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Gestern begeisterte der musikalische Adventskalender (zumindest mich) mit der phantastischen „Little Drummer Boy“-Version von Wyclef Jean wird es heute wieder etwas grinchiger: mit „Christmas Griping“ von R.E.M.

Dieses Lied von R.E.M. ist eine Rarität und eine der Fan Club Singles, welche die Band immer zur Weihnachtszeit veröffentlichte. Michael Stipes und Co. scheinen keine allzu großen Fans des Weihnachtsfests zu sein, lässt sich der Titel des Lieds doch etwas frei als „Weihnachts-Darmkolik“ übersetzen. Auch der Text deutet auf eine latente Ablehnung des Festes zur Geburt Jesus und insbesondere die einhergehende Kommerzialisierung hin: dem rotnasigen Rentier Rudolf soll es mit einer Flinte an den Kragen gehen, den Erfinder des ‚Fruit Cake‘ möchten sie erwürgen und bei dem Gedanken an geröstete schokoladenüberzogene Marshmallows kommt den Jungs das Kotzen.

Der Vorzug des Liedes besteht aber darin, dass R.E.M. in dem Song gleich mehrere Weihnachtsliedklassiker verarbeitet haben, die noch nicht im musikalischen Adventskalender gespielt wurden und einem somit die Entscheidung für ein einziges dieser Lieder abgenommen wird. Außerdem gibt es wohl auch nicht all zu viele Weihnachtslieder, in denen die Zeile „Boom shaka laka laka“ vorkommt.

Viel Spaß beim Hören!

Der musikalische Adventskalender – Tag 19: „Little Drummer Boy“ von Wyclef Jean

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Der musikalische Adventskalender hat einen richtigen Lauf und holt nach der gestrigen grandiosen „Silent Night“ von Tom Waits auch heute ein seltenes Kleinod aus dem Setzkasten der Weihnachtsmusik: „Little Drummer Boy“ dargeboten von Wyclef Jean.

In den 1940er/50er Jahren geschrieben und komponiert gehört „Little Drummer Boy“ (oder im Deutschen „Der kleine Trommler“) zu einem der weltweit am meisten gecoverten Weihnachtsliedern. Darunter wunderbare Versionen von Bing Crosby und David Bowie oder von Johnny Cash und Neil Young. Allerdings wurde der kleine Trommler, der ohnehin schon unter materialler Not zu leiden hat, auch oftmals musikalisch gedemütigt und verhöhnt beispielsweise durch an Körperverletzung grenzenden Darbietungen der Kastelruther Spatzen, von der Goombay Dance Band oder gar Wolfgang „Wolle“ Petry. Es wird die Hörerinnen und Hörer mit tiefer Dankbarkeit erfüllen, dass der musikalische Adventskalender der Versuchung widerstand, eine dieser Versionen auszuwählen.

Stattdessen befreit heute der ex-Fugee Wyclef Jean den kleinen Trommler aus der musikalischen Vorhölle. Sein Auftritt besticht, durch einen minimalistischen Bewegungsradius, einen voluminösen und wahrscheinlich leicht entflammbaren Kunstpelzmantel sowie leicht irritierende Halo- und Blue-Screen-Effekte mit eingespielter Berg- und Winterlandschaft. Nie klang der „Little Drummer Boy“ besser und nie wurde er cooler vorgetragen. Well done, Wyclef, well done!

Gleich singen alle im Chor: „Ram, rabababam!“ und der musikalische Adventskalender wünscht viel Spaß beim Hören!

Der musikalische Adventskalender – Tag 18: „Silent Night + Christmas card from a hooker in Minneapolis“ von Tom Waits

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Der musikalische Adventskalender ist sich durchaus bewusst, dass er nach dem gestrigen Nena-„Hurra es schneit“-Desaster Wiedergutmachung zu leisten hat. Daher präsentiert er mit großer Freude einen wahren Höhepunkt der Weihnachtsmusikgeschichte: die sensationelle Kombination von „Silent Night“ mit „Christmas card from a hooker in Minneapolis“ durch den phänomenalen Tom Waits.

Die heutige Auswahl möchte der musikalische Adventskalender auch als Abbitte gegenüber dem Komponisten von „Stille Nacht, Heilige Nacht“, Conrad Franz Xaver Gruber, verstanden wissen, dessen Meisterwerk am Tag 8 durch die Version von Bros nachhaltig geschändet wurde. Die Waitssche Interpretation von „Silent Night“ ist dagegen eine äußerst wohltuende Alternative zu der tremoloverseuchten Bros-Interpretation, die nur als Ankündigung der musikalischen Apokalypse verstanden werden konnte.

Es bleibt ein Geheimnis, was Tom Waits vor dem Auftritt geraucht, getrunken und/oder eingeworfen hat, aber es tut seiner Darbietung keinen Abbruch. Im Gegenteil. Aus wohl nachvollziehbaren Gründen kommt einem beim Anschauen des Videos ein Zitat aus dem Film „Love Actually“ von dem alternden Rockmusiker Billy Mack in den Sinn: „Don’t buy drugs. Become a pop star, and they give you them for free!”

Während der musikalische Adventskalender für die heutige Auswahl von den Hörerinnen und Hörern jubelnd auf den Schultern getragen wird, ruft er mit großer Zuversicht: „Viel Spaß beim Hören!“

Der musikalische Adventskalender – Tag 17: „Hurra es schneit“ von Nena

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Nachdem den Hörerinnen und Hörern gestern mit Bad Religion und „Hark! The Herald Angels Sing“ eine punk-rockige Darbietung kredenzt wurde, wagt es der musikalische Adventskalender heute eine Grausamkeit aus dem Giftschrank des deutschen Fernsehens zu holen: „Hurra es schneit“ von Nena.

Es kann mit einiger Gewissheit davon ausgegangen werden, dass das heutige Video mehrere Artikel der Genfer Menschenrechtskonvention verletzt. Wenn der Antichrist jemals die Hölle verlassen hat, um die Erde als Lied heimzusuchen, tat er dies definitiv in Form von „Hurra es schneit“ gesungen von Nena. Der Text gespickt mit unfassbar dümmlichen Paarreimen („Immer wieder auf und ab, geht’s an unserem Berg tripp trapp“?), eine Melodie so unerträglich süßlich, die sofort Darm- und Hirnverstopfung hervorruft, und dazu Nena in einem Ensemble, das die Frage aufwirft, warum sie bei einem Fernsehauftritt einen silber-roten Pyjama trägt und sich eine Jacke aus räudigem Yetifell übergeworfen hat.

Wer sich bis Minute Zwei noch nicht mit einem rostigen Schraubenzieher ins Ohr gestochen hat, bekommt als Zugabe noch ein weiteres Lied, bei dem die Frage aufkommt, wie sehr Nena Weihnachten hassen muss, dass sie dieses Lied erschaffen hat, um das Fest aller Feste zu demütigen. Den Abschluss des Videos bildet dann ein Interview von Uwe Hübner mit Nena und ein paar Kindern, das als Beleg dafür gelten kann, dass Kommunikation nicht immer sinnhaft sein muss.

Der musikalische Adventskalender verspricht, dass wieder bessere Tage kommen werden und wünscht beim Sprung in den Fluchtwagen: „Viel Spaß beim Hören!“

Der musikalische Adventskalender – Tag 16: „Hark! The Herald Angels Sing“ von Bad Religion

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Um das Weihnachts-Karma nach dem gestrigen bitterbösen und zynischen „Merry F#?!in’ Christmas“ von Denis Leary wiederherzustellen, wird es heute im musikalischen Adventskalender traditionell: mit „Hark! The Herald Angels Sing“. Damit es nicht zu besinnlich wird, gibt es eine Version von Bad Religion.

Laut Wikipedia hat Charles Wesley den Großteil des Textes von „Hark! The Herald Angels Sing“ bereits 1739 geschrieben, die Melodie wurde 1840 von Felix Mendelssohn Bartholdy komponiert. Weltweite Berühmtheit erlangte das Lied, nachdem es 1965 in einem Peanuts-Special „A Charlie Brown Christmas“ in einer Fassung von Vince Guaraldi dargeboten wurde.

Dankenswerterweise hat mich Michael Simons auf Twitter auf die Interpretation von Bad Religion aufmerksam gemacht. Diese ist wesentlich jünger und wurde von der Band im letzten Jahr veröffentlicht. Und was könnte dem musikalischen Adventskalender mehr Freude bereiten, als die Ankunft des Stifters einer der Weltreligionen von einer Band mit dem Namen „Bad Religion“ bejubeln zu lassen? Vielleicht ein Teller Dominosteine, sonst aber nichts.

Viel Spaß beim Hören!