Das Lochis-#zwilling-Konzert. Ein Abenteuerbericht.

„Das ist das geilste Weihnachtsgeschenk ever!“ Mit diesem Ausruf fielen sich Tochter und Sohn an Heiligabend jubelnd um den Hals und tanzten durchs Wohnzimmer. Normalerweise freut man sich als Eltern ja, wenn man mit einem Geschenk für die Kinder ins Schwarze getroffen hat. In diesem Fall war die Situation etwas komplizierter.

Bei dem die Kinder in Ekstase versetzenden Präsent handelte es sich nämlich um Eintrittskarten für ein Lochis-Konzert. Nicht nur um zwei, sondern um drei, und auf eine von ihnen war das Wort „Elternteil“ gedruckt. Und in einem Anflug von geistiger Umnachtung hatte ich mich vor ein paar Wochen bereiterklärt, die Kinder zu begleiten. „Klar, ich gehe gerne mit“, waren die exakten Worte, die ich zu meiner Frau gesagt hatte. Inzwischen vermute ich, dass sie mir vorher Drogen ins Essen gemischt hatte.

Lochis-Eintrittskarten. Freud und Leid eng beieinander.

Lochis-Eintrittskarten. Freud und Leid eng beieinander.

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Niemand hat die Absicht, Elternvertreter zu werden

Ein kollektiver Stoßseufzer der Erleichterung in Windstärke 8 geht durch die Kehlen von Millionen Eltern: Endlich sind überall die Sommerferien vorbei und die Kinder müssen nicht länger rund um die Uhr bespaßt und bei Laune gehalten werden. Stattdessen werden sie nun wieder durch die Beschäftigungstherapie ‚Schule‘ auf Trab gehalten.

Aber die Eltern sollten nicht zu ekstatisch werden. Denn mit Beginn des neuen Schuljahres steht auch wieder das Unvermeidliche vor der Tür: Der Elternabend!

Nichts ist so erlabend, wie ein Elternabend. Außer barfuß in Lego zu treten.

Nichts ist so erlabend, wie ein Elternabend. Außer barfuß in Lego zu treten.

Erstklässler-Eltern haben möglicherweise eine naiv-romantische Vorstellung von Elternabenden und denken, man trifft sich dort in entspannter Atmosphäre, es werden Getränke und Knabbereien gereicht, man plaudert ein wenig über dieses und jenes und zum Abschluss geht es gemeinsam zum Griechen um die Ecke auf ein Glas Wein. Ich kann Ihnen versichern, solche Elternabende existieren nicht. Höchstens in einem Paralleluniversum, aber nicht in der Realität. Im echten Leben regieren auf Elternabenden Dumpf- und Wahnsinn in einer unheilvollen Koalition, durch eine Anomalie im Raum-Zeit-Kontinuum bewegt sich dort der Sekundenzeiger im Minutentakt und es gibt keine Nichtigkeit, die trivial genug ist, um nicht in aller Ausführlichkeit diskutiert zu werden. Dabei werden Fragen erörtert, bei denen man sich am liebsten in Embryonalstellung in eine Ecke legen möchte, um sich hospitalisierend wippend ins Koma zu wimmern.

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Ordnung ist das halbe Leben

Es ist Samstagmorgen. Dieser ist bei uns traditionell für Aufräumen und Putzen reserviert. Da die Freundin und ich beide berufstätig sind, schaffen wir es nämlich werktags lediglich eine mit viel Wohlwollen als oberflächlich zu beschreibende Ordnung aufrechtzuerhalten. Mit Fortschreiten der Woche gelingt uns selbst dies kaum noch. Spätestens am Freitag haben Schuhe, Ranzen, Sporttaschen und Rucksäcke Besitz vom Flur ergriffen. Und die Kleiderhaken an der Wand haben wir anscheinend auch nur, damit die Kinder wissen, an welcher Stelle sie ihre Jacken auf den Boden schmeißen müssen.

Professionelle Reinigungshilfe

Professionelle Reinigungshilfe

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Die Einschulung: Ein Drama in drei Akten – 3. Akt: Der erste Schultag. Sponsored by Tempo.

Dies ist eine Geschichte aus den frühen Jahren des Familienbetriebs. Das komplette Einschulungsdrama finden Sie hier.

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Morgen ist es nun endlich soweit. Die Einschulung der Tochter. Inzwischen sind so gut wie alle Vorbereitungen getroffen. Die Tochter ist glückliche Besitzerin eines Elfen-Feen-Einhorn-LSD-Ranzens und irgendwie ist es uns gelungen, alle Schulmaterialien rechtzeitig zu besorgen. Heute ist nur noch sehr wenig zu erledigen. Die Freundin muss die Schultüte für die Tochter fertig basteln und eine kleine Tüte für den Sohn anfertigen, damit es keinen familiendiplomatischen Eklat gibt, wenn er leer ausgeht. Und ich muss den Inhalt für die Schultüten kaufen.

Schultüten

Meine größte Aufgabe besteht aber eigentlich darin, die Freundin moralisch und mental zu unterstützen, damit sie bis morgen früh keinen Nervenzusammenbruch erleidet. Es scheint nämlich, als verkrafte sie die Einschulung der Tochter nur so semi. In den letzten Tagen sah ich sie häufiger, wie sie sich mit Tränen in den Augen Babyfotos der Tochter anschaute. Dabei strich sie sich versonnen über den Bauch und murmelte: „Oh, mein kleines Baby. Mein süßes kleines Baby.“

Auch unseren dreijährigen Sohn schaute sie des Öfteren verklärt an. Als sie vorgestern mit ihm auf dem Sofa kuschelte, sah es kurz so aus, als wolle sie ihm am liebsten die Brust geben. Der Sohn wollte aber lieber gegen Monster kämpfen und damit hatte sich das erledigt.

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Die Einschulung: Ein Drama in drei Akten – 2. Akt: Ruin durch Schulutensilien

Dies ist eine Geschichte aus den frühen Jahren des Familienbetriebs. Das komplette Einschulungsdrama finden Sie hier.

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Nachdem wir gestern den Ranzen für die Tochter erstanden haben, denken wir nun, für die Einschulung gut gerüstet zu sein. Ein spektakulärer Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Denn heute, zwei Tage vor dem großen Ereignis, finden wir im Postkasten einen mehrseitigen Brief vom Umfang des Quelle-Katalogs: ‚Die Erstklässler-Schulmaterialliste‘ (ein sperriges Wortungetüm, das hohe Gewinnchancen beim Galgenmännchen verspricht).

Stifte

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Die Einschulung: Ein Drama in drei Akten – 1. Akt: Der Ranzenkauf

Die folgende Geschichte stammt aus den frühen Jahren des Familienbetriebs. Das komplette Einschulungsdrama finden Sie hier.

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Noch drei Tage, dann steht ein großes Ereignis an, dessen Bedeutung für unsere Familie vergleichbar ist mit dem Wunder von Bern (1954), der Mondlandung (1969), dem Fall der Mauer (1989) oder der Markteinführung von Ben & Jerry‘s Strawberry-Cheesecake-Eiscreme (2005). Die Tochter wird eingeschult!

Schulanfang

Vor die Einschulung hat der Schulgott aber einige Hürden gestellt, die es zu überwinden gilt, bevor wir die Tochter in den Ernst des Lebens schicken können. Zunächst müssen wir einen geeigneten Schulranzen aussuchen. Dies ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört.

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Summer of Love. Oder: Die Bonobos sind los

Wir leben in Berlin in einem Haus mit einer sehr netten Mietergemeinschaft. Man grüßt sich im Treppenhaus, nimmt gegenseitig Päckchen an, leiht sich Eier und Zucker und wenn man mal im Urlaub ist, gießen die Nachbarn für einen die Blumen. Fast so idyllisch wie in Bullerbü. Aber eines Sommers wurde dieses harmonische Mieter-Soziotop empfindlich gestört. Davon handelt de folgende Geschichte aus den sehr frühen Jahren des Familienbetriebs.

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„Ja, ja, ja, ja, ja!“, erschallt es aus dem Hinterhof in unser geöffnetes Schlafzimmerfenster. Schrecke im Bett hoch und versuche, mich zu orientieren. Es ist 1 Uhr morgens und drückend heiß. Wir haben Anfang August und ganz Deutschland leidet unter einem Jahrhundertsommer mit tropischen klimatischen Bedingungen. Tagsüber klettert das Thermometer regelmäßig auf über 35 Grad und auch nachts kühlt es nur unwesentlich ab.

Die Freundin leidet ganz besonders unter der Hitze. Sie ist im fünften Monat schwanger. Allerdings hat ihr Bauchumfang bereits Ausmaße angenommen, als sei sie kurz vor der Entbindung eines Drillingspärchens. Ein Umstand, der jedoch  auf keinen Fall zur Sprache gebracht werden darf. Männer mit schwangeren Frauen kennen das: Die Hormone der Frauen tanzen Samba, ihre Gefühle schwanken zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt und sie sind unausgeglichener und reizbarer als Klaus Kinski. Eine unbedachte Äußerung des Mannes und zack! verbringt man die Nacht auf dem Sofa. Als treusorgender Freund weiß ich selbstverständlich, dass scherzhafte Bemerkungen über die körperliche Konstitution der Freundin insbesondere in Verbindung mit Analogien aus der Welt der Dickhäuter gerade so opportun sind wie Schoko-Muffins auf einem Weight-Watchers-Treffen anzubieten.

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Die Freundin schläft aufgrund ihrer schwangerschaftsbedingten Leibesfülle und der schwülen Temperaturen nur noch sehr schlecht – und ich damit ebenfalls. Da sind nächtliche Ruhestörungen eher ungünstig. Aber wieder und immer wieder dringt ein weiblich-ekstatisches „Ja, ja, ja, ja, ja!“ zu uns ins Schlafzimmer. Irgendwo im Haus drückt eine Frau entweder mit überschäumendem Enthusiasmus ihre Zustimmung für was auch immer aus oder sie hat einen wahnsinnigen Orgasmus. Oder ein wahnsinniges schauspielerisches Talent. Seit ‚Harry & Sally‘ und der berühmten Restaurantszene sind Männer ja etwas unsicher, was ihre sexuellen Befriedigungsfähigkeiten angeht. Beglücken sie gerade tatsächlich ihre Sexualpartnerin oder geht diese im Kopf gelangweilt die To-Do-Liste für den morgigen Tag durch und stöhnt ein wenig rum in der Hoffnung, das ungelenke Rumgefummel des Mannes ist bald vorbei?

Bonobos. Enthaltsam. Ausnahmsweise.

Bonobos. Enthaltsam. Ausnahmsweise.

Wie dem auch sei, die euphorischen Schreie dauern mehr als fünfzehn Minuten an. Dann ertönt ein wohliges männliches Grunzen und es herrscht Stille. Schaue die Freundin an und wir kichern wie zwei pubertierende Teenager.

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Der kolossale Kinobesuch. Oder: Die Fünf Freunde – Hölle.

Ich gehe sehr gerne ins Kino. Dort gibt es bequeme Sitze, einen phantastischen Sound und eine Bildqualität hochauflösender als die Realität. Alles Annehmlichkeiten, die unser altersschwaches Sofa und unser zehn Jahre alter Fernseher mit unzuverlässigem DBTV-Empfang nicht bieten.

Kinosaal. Leer.

Kinosaal. Leer.

 

Gut, im Kino stören manchmal die anderen Zuschauerinnen und Zuschauer. Insbesondere wenn sie aufgrund ihrer letzten Mahlzeit olfaktorisch herausfordernd sind und ihre Vorstellungen von Körper- und Haarpflege vom sozial akzeptierten Standard deutlich abweichen. Diese Menschen sitzen nämlich grundsätzlich neben mir. Anscheinend gibt es in den modernen Kino-Buchungssystemen Fragen wie, „Haben Sie Bier getrunken?“, „Hatten Sie zum Abendessen einen Döner mit extra Knoblauchsauce?“ und „Lehnen Sie die Verwendung von Seife und Deodorants grundsätzlich ab?“. Wenn ein Kinobesucher dies alles bejaht hat, platziert ihn der Computer automatisch auf den Sitz direkt neben mir. Weiterlesen

Die famose Familienfeier

Mit Familienfeiern halte ich es eigentlich wie mit Grippeviren, Rosenkohl und Casting-Shows: Ich versuche tunlichst, mich von Ihnen fernzuhalten. Aber da liegt dieser schicksalhafte Brief auf unserem Küchentisch. Eine Cousine der Freundin wird 50. Und wir sind eingeladen. In der nordhessischen Diaspora. Mehr Familienfeier geht nicht.

Familienfeier

Unternehme einen Versuch, mich vor der Feier zu drücken. Erkläre der Freundin mit bedauerndem Dackelblick, dass meine Anwesenheit leider, leider, leider nicht möglich sein wird. Womöglich war das ein leider zu viel, denn bevor ich irgendeinen hanebüchenen Grund vorbringen kann, der mein Fernbleiben rechtfertigt, gibt mir die Freundin unmissverständlich zu verstehen, dass meine Teilnahme zwingend erforderlich sei.

Die Freundin erklärt, die Cousine sei ihre Patin und somit sei es für sie aus familienpolitischen Gründen nicht opportun, nicht bei der Feier zu erscheinen. Darüber hinaus erwarte die Verwandtschaft seit der Geburt unserer Tochter, diese in regelmäßigen Abständen präsentiert zu bekommen. Allein könne sie aber nicht zu dem Fest gehen, da sonst die Verwandtschaft tratsche, unsere Tochter müsse ohne Vater als Bastard aufwachsen. Außerdem stünde sie einen Abend mit ihrer Mischpoke alleine nicht durch.

Entnehme ihrem Blick, dass Widerworte unter keinen Umständen geduldet werden. Gebe also zähneknirschend klein bei. Die Tochter sitzt derweil unter dem Tisch, zerknäult die Einladung und lutscht fröhlich daran. Aufgrund der Gnade ihres sehr jungen Alters von gerade mal zehn Monaten kennt sie den Schrecken und das Grauen von Familienfeiern noch nicht. Das glückliche Kind!

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Mein Leben als digitaler Höhlenmensch

Inspiriert durch das kürzliche Microsoft-Bloggertreffen zum Thema „Familization of IT“ hat Co-Daddylicious Kai Bösel darüber geschrieben, wie Software, Apps und Devices seinen Tag als Vater und Unternehmer einerseits erleichtern, andererseits aber auch zum dominierenden Faktor werden können. Und weil er so schön in Fahrt war, hat er dazu unter dem Hashtag #einfachmachen eine Blogparade gestartet und unter anderem mich gefragt, ob ich mich beteilige. Da ich auch mal den Eindruck erwecken möchte, ein cooler Dad zu sein, bin ich gerne mit von der Partie. Als Ausdruck meiner tiefen Wertschätzung für Kai sowie meiner grenzenlosen Kreativität kopiere ich seinen ethnologischen Auto-Beobachtungsansatz und beschreibe ebenfalls, wie die Digitalisierung meinen Alltag beeinflusst oder auch nicht: Mein Leben als digitaler Höhlenmensch!

 

5.45 Uhr

Der Wecker klingelt unerbittlich. Es ist kein Handy-Wecker oder gar ein iPod, der mich mit einem meiner Lieblingslieder begrüßt, sondern ein neun Jahre alter Radio-Wecker. Somit bin ich auf Gedeih und Verderb der Musikredaktion von Radio Eins ausgeliefert, die mich hoffentlich mit einem guten Lied in den Tag schickt.

Das Radio ist schon etwas altersschwach und wenn man auf die Snooze-Taste drückt, besteht die Gefahr, dass sich der Sender-Regler verschiebt. Daher ist es allen Familienmitgliedern – und insbesondere denen unter 12 Jahren – strengstens verboten, besagte Taste zu berühren. Man möchte schließlich nicht, dass sich der Regler auf einen Schlager-Sender einstellt und Helene Fischer morgens bei einem mit ‚Atemlos‘ einen anaphylaktischen Schock auslöst.

Radio Eins beschert mir heute Morgen dankenswerterweise ‚Lieblingsfarben & Tiere‘ von Element of Crime und damit die für heute programmatischen Liedzeilen:

„Die Emails und die Kurznachrichten
kannst Du zusammen mit den
Excel- und Word-Dokumenten dahin tun,
wo die Sonne auch an warmen Tagen
niemals scheint und wo auch schon die Meetings
und die Skype-Kontakte ruhn.“

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