Föhrien 2013 – 10. Tag: Der Kunde als König

Kehre auf dem Rückweg vom Bäcker im Café Steigleder ein und erfrage höflich, ob es möglich sei, schon zu der frühen Stunde ein Stück Friesentorte zu erwerben, was von der resoluten Konditorin mit einem barschen “WAS, Sie essen MORGENS schon Torte?” #aufschrei beantwortet wird. Meine schüchtern-devote Entgegnung, die Torte sei einfach so lecker, dass sie bereits zur Morgenstund‘ zum Föhrzehr #check geeignet sei, wird mit einem achselzuckenden “Na, das müssen Sie selbst wissen.” quittiert. Ernte nach einer fast 10-minütigen Anschneideprozedur der neuen Torte #malwiedergefangenimraumzeitkontinuum noch einen missbilligenden Blick, da ich es unföhrzeilicherweise #check2 wage, nicht passend zu bezahlen. Föhrlasse #check3 #iamonfire demütig und voller Dankbarkeit den Laden.

Sinniere mittags am Strand über weitere aussichtsreiche Geschäftsmöglichkeiten, die den dauerhaften Verbleib auf der Insel ermöglichen. Während speziell in Wyk eine geradezu beängstigende Dichte an Bekleidungsläden mit ästhetisch grenzwertigen und überteuerten Klamotten #überangebotanfunktionskleidung zu verzeichnen ist, gibt es gleichzeitig ein eklatantes Angebotsdefizit an trendiger Mode auf Föhr. Die quasi komplette Abwesenheit von genießbaren Kaffeespezialitäten, die den Namen verdienen, ist weiterhin frappierend. Habe bisher auch noch kein Sushi-Restaurant gesehen #warumauch und ein gut sortierter Buchladen mit englischsprachiger Literatur im Angebot stellt ebenfalls einen Mangel auf dem Eiland dar.

Hege allerdings gewisse Zweifel, ob mit einem Coffeeshop, in dem ein leicht zerzauster mit einem farblich nicht auf die Hose abgestimmten T-Shirt bekleideter Mann rohen Fisch auf Reis anbietet und den wenig modeaffinen Inseltouristen hippe Szene-Klamotten nebst ausländischer Lektüre andrehen will, tatsächlich genügend Profit erzielt werden kann, um an der Strandpromenade eine Wohnung mit Balkon und Meerblick zu erwerben #unbedingtzeitinderprallensonnereduzieren. Da kommt mir der Gedanke, dass es auf Föhr auch keine Table-Dance-Bar mit männlichen Stangentänzern gibt. Beschließe, den morgigen Tag zu nutzen, um die Geschäftsaussichten für diese Unternehmung genauer zu eruieren #unbedingtzeitinderprallensonnestarkreduzieren.

Die Föhrer Piratentage erweisen sich unterdessen als voller Erfolg: Für schlappe zehn Euro aus der ausgedünnten Urlaubskasse #fastwieeineflascheleer gewinnen die Kinder beim Dosenwerfen, Entenangeln und Armbrustschießen hochwertige Sonnenbrillen, ein Buch mit anspruchsvollen gender-gemainstreamten Pferdegeschichten und ein hochwertiges güldenes Glockenwindspiel.

Karrieremöglichkeit auf Föhr

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Todsichere Geschäftsidee

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Nie war die erste Millionen näher

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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel "Nackte Kanone" geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch "Wenn's ein Junge wird, nennen wir ihn Judith"* erschienen. (*Affiliate-Link)

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