Fragen über Fragen (3) – Papaganda

Immer mal wieder werde ich netterweise von einigen Bloggerinnen und Bloggern mit so genannten Awards bedacht. Diese Auszeichnungen gehen mit der Verpflichtung ehrenvollen Aufgabe einher, ein paar Fragen zu beantworten, die sich die Bloggerinnen und Blogger ausgedacht haben. Das mache ich natürlich sehr gerne. 

Heute beantworte ich (endlich) die Fragen von Holger von Papaganda. Ich mag seinen Blog sehr, denn er berichtet immer erfrischend aus dem Alltag mit den Kindern, zum Beispiel wie er mit einem seiner Kinder mit Pfeil und Bogen auf die Jagd ging. Vielen Dank für die Fragen!

[Meine Antworten an Anne vom Blog „Anspruch & Wirklichkeit Schreibwut“ findet ihr hier und die an Das Nuf gibt es hier.]

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Was war dein erster Gedanke, als du dein erstes Kind zum ersten Mal zu Hause in Ruhe genießen konntest?

Das erste Mal konnte ich meine Tochter noch im Krankenhaus genießen, als ich sie direkt nach der Entbindung wickeln und anziehen durfte. Ich war überwältigt davon, dass ich jetzt für dieses kleine Geschöpf verantwortlich bin und ihr ganzes Leben beeinflussen werde. Und dabei habe ich ihr einen unglaublich hässlichen verwaschenen altrosafarbenen Strampler angezogen. Sie hat ein bisschen geweint.

 

Zu Streit unter Kindern gibt es gewagte Thesen. Wie verhältst du dich in solchen Situationen?

So lange es auf der verbalen Ebene bleibt – und das ist es bei unseren Kindern bisher glücklicherweise immer geblieben – versuche ich, mich an das Drei-Affen-Prinzip zu halten: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

 

Mit Kindern beim Einkaufen. Eines deiner Kinder möchte unbedingt etwas haben. Wie verhältst du dich?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass du nur einmal die Situation überstehen musst, wenn dein Kind vor dem Regal mit den Schokoriegeln eskaliert. Wenn du nicht einknickst, weiß das Kind, dass es damit nicht durchkommt (Wegen solcher progressiven Aussagen erwarte ich, irgendwann eine Einladung in den pädagogischen Beirat des Eliteinternats Salem zu erhalten).

Mindestens ebenso anstrengend wie das zeternde Kind sind aber andere Kundinnen und Kunden – zumeist schon im fortgeschritteneren Alter –, die ungefragt mit guten Ratschlägen aufwarten. Leider ist es nicht opportun und kein gutes Vorbild für die Kinder, solchen Leuten eine Kopfnuss zu verpassen.

Inzwischen sind die Kinder schon so alt, dass sie meistens gar nicht mit zum Einkaufen kommen. Und die Aufforderung, mich zu begleiten, wird von ihnen aufgenommen, als hätte ich ein lebenslanges Fernsehverbot ausgesprochen. Somit sind die Gelegenheiten für Konflikte im Supermarkt auf ein Minimum reduziert.

 

Wie stark haben dich am Anfang Ratgeber und Ärzte im Verhalten deinem Kind gegenüber geprägt? Hat es dir geholfen?

Unser erstes Kind war am Anfang vor allem nachts sehr quengelig. Sehr hilfreich fanden wir dabei den Ratgeber „Oje, ich wachse“. Die Autoren erklären, dass bei einem Kind alle paar Wochen die Gehirnwindungen neu zusammengelötet werden und es in dieser Phase sehr viel weint und anstrengend ist, danach aber ganz viele neue Dinge kann. Wir haben uns einfach eingeredet, dass sich unsere Tochter in den ersten sechs Monaten in einem permanenten Entwicklungsschub befand. Bedauerlicherweise konnte sie danach aber trotzdem keine Bach-Etüden auf dem Klavier spielen.

 

Hast du schon jemals darüber nachgedacht, mit der Familie einfach anders leben zu wollen? (z.B. Kommune, auf dem Bauernhof, in einem anderen Land, etc.)

Als Kind hätte ich gerne im Schlaraffenland gelebt, wie es bei Erich Kästner in „Der 35. Mai“ beschrieben wurde. Da gab es nämlich Mauern aus Pudding und die Eltern mussten in die Schule gehen. Meine Kinder würden da bestimmt auch gerne leben. Vielleicht können wir uns darauf einigen, ins Schlaraffenland zu ziehen.

 

Wie beeinflusst dich deine Umgebung im Umgang mit deinen Kindern? Schwiegereltern, eigene Eltern, Freunde, etc.

In vielen Fällen zeigt mir meine Umwelt, wie ich nicht mit meinen Kindern umgehen möchte und bestätigt mich – bei aller gebotenen Selbstkritik – in meinen eigenen idealtypischen und nie erreichten Erziehungsansätzen.

 

Hast du durch deine Kinder frühere Freunde verloren? Habt ihr irgendwann wieder zueinander gefunden?

Frühere Freunde habe ich eher aufgrund räumlicher Distanz als wegen der Kinder aus den Augen verloren.

 

Wenn du entscheiden dürftest: mehr Kinder oder mehr Politiker?

Schwierige Frage. Kinder und Politiker sind sich ja ohnehin ziemlich ähnlich: Primär streben sie nach kurzfristiger Lustmaximierung (entweder der eigenen Lust oder der Lust der Wählerinnen und Wähler, um ihre Chancen auf eine Wiederwahl zu erhöhen) und machen sich dabei keine Gedanken um langfristige Konsequenzen. Allerdings sind mir keine Politiker bekannt, die sich, wenn sie nicht ihren Willen bekommen, auf den Boden werfen und mit den Fäusten trommeln. Schade eigentlich!

 

Was würdest du für Familien aus politischer Sicht ändern wollen? (kein großes Fass aufmachen ;))

Alles, was eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie ermöglicht und zwar für alle Familienformen – egal ob gemischtgeschlechtliche oder gleichgeschlechtliche Eltern oder Alleinerziehende. Dazu gehören unter anderem mehr Kinderbetreuungsplätze, mehr Erzieherinnen und Erzieher, die adäquat bezahlt werden, Anreize für flexiblere Arbeitszeiten und –orte und bessere Bezahlung von Frauen, damit Väter nicht aufgrund höherer Verdienste auf Elternzeit verzichten müssen (beziehungsweise keine Ausrede haben, sich vor der Elternzeit zu drücken). Außerdem sollte steuerlich das Ehegattensplitting abgeschafft und durch ein Familiensplitting ersetzt werden.

 

Welche Blogs liest du gerne. Was macht aus deiner Sicht einen guten Blog-Artikel aus?

Formal wünsche ich mir von guten Artikeln, dass die deutsche Grammatik und Rechtschreibung zumindest größtenteils korrekt angewendet wurde (Ich freue mich schon auf zukünftige Kommentare, die mich auf Fehler in meinen Artikel hinweisen.). Richtig Spaß machen mir Artikel, die durch Sprachwitz glänzen, wie zum Beispiel bei Maximilian Buddenbohm auf „Herzdamengeschichten“. Stellvertretend sei auf seinen Bericht verwiesen, wie sein Sohn eine Fahrkarte am Automaten kaufen möchte und dabei von einer Dame mit „Qualm in der Kanzel“ drangsaliert wird.

Inhaltlich gefallen mir Blog-Artikel, die mit ironischer Distanz über Alltagsbanalitäten berichten, wie zum Beispiel Henrike, die auf „Nieselpriem“ den Supermarktbesuch zum Eventshopping macht, Frau Müller, die von den Herausforderungen berichtet, einen gelungenen Abend zu gestalten, wenn man einen Babysitter bestellt hat, oder Tina von „Werden und Sein“, die Tipps gibt, wie man sich gegen Drängler an der Supermarktkasse zur Wehr setzen kann.

Darüber hinaus mag ich Artikel, die sehr offen über persönliche Erfahrungen berichten. Johnny vom „Weddingerberg“ hat beispielsweise einen ganz tollen Artikel darüber geschrieben, wie es ist, ohne Vater aufzuwachsen. Oder Janina schreibt auf „Herzmutter“ immer mal wieder ohne Schönfärberei über die anstrengenden Seiten des Mutterseins.

Schließlich lese ich auch gerne polemische Blog-Artikel, wie zum Beispiel auf „Das Nuf“, die sich kürzlich über Aufzugshonks ereifert hat und mir quasi aus der Seele geschrieben hat (Trotzdem habe ich kurz nach der Lektüre Schweißausbrüche bekommen, als ich versehentlich zwei Mal auf einen Aufzugsknopf gedrückt habe.).

Leider würde es den Rahmen des Fragebogens sprengen, noch alle anderen tollen Blogs angemessen zu würdigen, die ich regelmäßig lese.

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel "Nackte Kanone" geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch "Wenn's ein Junge wird, nennen wir ihn Judith"* erschienen. (*Affiliate-Link)

5 commentaires sur “Fragen über Fragen (3) – Papaganda

  1. Brav will ich sein und mich auch hier bedanken. Ist mir eine große Ehre, Teil eines kurzweiligen „Interviews“ sein zu dürfen. :) Schönet Ding!

  2. Oha, da hatte ich doch schon wieder meine eigenen Fragen fast vergessen ;) Ich habe sehr amüsiert gelesen. Das mit den auf den Boden trommelnden Politikern hat mich sehr zum Lachen gebracht. Ich denke aber auf der Meta-Ebene würde das auf den Boden trommeln folgender Verhaltensweise eines Politikers entsprechen, der auch nur seinen Willen möchte:

    https://www.youtube.com/watch?v=tJbD3MLdr5g

    Und jetzt sitze ich da und frage mich, welche Verhaltensweise schlimmer ist. Hm.

    Dass deine Kinder schon so alt sind, dass sie nicht mehr mit einkaufen ist zu begrüßen. Wir arbeiten auch konstant auf diesen Punkt hin und überreden sie immer zu allerlei pädagogisch wertlosen Handlungen wie Handy spielen, YouTube schauen, oder oder oder… Leider scheinen unsere Exemplare resistent zu sein.

    Zuletzt noch vielen Dank für die Empfehlung anderer Blogs. Ein paar sind in meinem Feedreader gelandet. Sehr witzige Geschichten schreiben Menschen in dieses Internet. Danke dafür.

    • Diese Schäuble-Pressekonferenz und wie er seinen Pressesprecher vor laufender Kamera bloß gestellt hat, fand ich wahnsinnig unangenehm und beschämend. Das hatte auf jeden Fall etwas von einem grausamen Kind, das einen Schwächeren quält. Schröders Basta-Politik hatte auch son ein bisschen was von auf dem Boden trommeln.

      Freut mich, dass dir die anderen Blogs gefallen. Sind alle sehr lesenswert.

      • Quälen trifft es sehr gut. Beschämend noch besser. Und irgendwie könnte ich an solchen Situationen wirklich ernsthaft verzweifeln. Ich glaube ich würde einfach hinschmeissen und mit einer gesalzenen Antwort vom Parkett treten. Das wirklich Grausame ist aber die Vermutung, dass es hinter den Kulissen wohl nicht anders ablaufen wird. Wie kann man sich nur so behandeln lassen?

        Wobei, als Eltern lassen wir das ja auch ab und an über uns ergehen. Nur mit einem Lächeln im Gesicht ;)

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