Griechenland 2016 – Heimreise: Von Ferienhausübergaben, letzten Strandbesuchen, turbulenten Heimflügen und grandiosen Crowd-Funding-Ideen

Wache morgens um kurz vor 7 Uhr auf. Am Heimreisetag ist der Schlaf einfach nicht mehr so tief und schon gar nicht erholsam. Der innere Schweinehund taucht kurz auf und fragt höhnisch, ob ich heute wieder einen auf preußischen Gardeoffizier mache und Laufen gehe. Schüttele den Kopf und er verschwindet.

Auf Wiedersehen, Psakoudia.

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Begebe mich runter zur Frau, die schon seit einer Stunde auf ist. Die bereits gestern gepackten Koffer werden ein letztes Mal geöffnet, doch noch benötigte Sachen wieder rausgeholt, andere Sachen hineingelegt. Danach werden die Koffer erneut ein letztes Mal geöffnet, andere Sachen entnommen und neue Sachen reingestopft. (Dieses Prozedere wiederholt sich vier bis acht Mal.)

Dann wecken wir die Kinder und nehmen ein schnelles, karges Frühstück ein. Mit viel Feta, viel Marmelade, wenig Wurst und wenig Butter. Und sehr wenig Schokocreme. Damit es keinen Geschwister-Zwist gibt, opfere ich mich und esse sie auf. Bevor sich Kinder streiten, sollen sie lieber mich hassen. (Da ich Schokocreme zum Frühstück hatte, ist mir das vollkommen egal.)

Um 10 Uhr steht die Übergabe des Ferienhauses an. Wie es sich für den Sohn eines ehemaligen Beamten gehört, sind wir schon um 9.30 Uhr fertig und bereit, die Wohnung abnehmen zu lassen.

Die gesamte Familie sitzt im Wohnzimmer auf dem Sofa und wartet. Die Stimmung ist angespannt. Eltern und Kinder starren ausdruckslos vor sich auf den Boden. Es wird wenig bis gar nicht geredet. Der Sekundenzeiger der Wanduhr tickt geräuschvoll, alle 60 Sekunden wandert der Minutenzeiger mit einem Klacken weiter. Ab und an springt der Motor des Kühlschranks an und brummt. Ansonsten Stille. Eine Atmosphäre wie in einem französischen Art-House-Film. Nur unangenehmer.

Um 11.15 Uhr erscheint endlich der Mitarbeiter der Ferienhausverwaltung. Die Übergabe dauert zwei Minuten, dann nimmt er unsere Koffer zur Aufbewahrung mit. Da unser Flug erst abends geht, beschert uns dies einen abschließenden Strandbesuch. Die Atmosphäre wechselt zu amerikanischer Familienkomödie. Nur nicht so ausgelassen.

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Wir bemühen uns, ein letztes Mal Sonne, Strand und Meer zu genießen. Es will uns nicht recht gelingen.

Unternehme einen finalen Anlauf mit den Kindern, unseren Volleyball-Pritsch-Rekord zu brechen. Wir scheitern. Die Luft ist raus. Bei uns genauso wie beim Ball.

Bemühe mich dann, noch alles zu lesen, was ich in den letzten vierzehn Tagen nicht geschafft habe (Zum Beispiel „Die Titanic und Herr Berg“ von Kirsten Fuchs und „Wir bleiben in der Nähe“ von Tilman Rammstedt) Ich scheitere. Der Akku ist leer. Bei mir und bei meinem eBook-Reader.

Später nötigt mich der Sohn noch einmal ins Wasser zum Spielen. Und dann haben wir unseren Moment. Einen Moment, bei dem sich die Erde zuerst langsamer dreht, bis die Zeit komplett stillsteht. Streitende Paare versöhnen sich, Hunde und Katze kuscheln, Hase und Igel laufen einträchtig nebeneinander her, Donald Trump gesteht Hillary Clinton seine Liebe. Und der Sohn und ich spielen Wasser-Volleyball, wie wir noch nie in unserem Leben Wasser-Volleyball gespielt haben. Wie an Schnüren verbunden, pritschen wir uns den Ball zu. Weder Salzwasserspritzer noch die blendende Sonne noch herumtollende Kinder können uns etwas anhaben. Wie von Magneten angezogen, findet der Ball immer wieder unsere Fingerspitzen. 105 Mal! Neuer Vater-Sohn-Familienbetrieb-Weltrekord. Wir liegen uns in den Armen und verlassen dann das Wasser in dem Wissen, dass wir in diesem Urlaub sportlich alles erreicht haben.

Wasser-Volleyball. Bunt.

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Kurze Zeit später duschen wir uns am Strand notdürftig Salzwasser, Sonnenmilch und Schweiß von den Körpern und ziehen uns für den Flug um. Schwitze in der heißen Sonne sofort wieder und verströme Gerüche, die wohl in den wenigsten Kontexten als angenehmen empfunden werden. (Es sei denn, man ist Mitglied einer Büffelherde.) Die Fluggäste, die nachher neben uns sitzen müssen, sind wahrlich nicht zu beneiden.

Ein-Raum-Ferienwohnung. Strand fußläufig erreichbar.

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Um uns für den Flug zu stärken, essen wir noch eine Kleinigkeit. Danach gehe ich noch einmal an den Strand, um mich von unserem Kellner zu verabschieden. Gebe ihm die Hand und teile ihm mit, dass wir heute abreisen. Kann es hinter seiner dunklen Sonnenbrille nicht genau erkennen, aber ich denke, in seinen Augen glitzern Tränen.

Möchte ihm trotz der Sprachbarriere sagen, dass für mich unsere Beziehung etwas ganz Besonderes war. Nicht wie die von Gast und Kellner, sondern mehr von einer Thomas Mannschen Qualität. Ich der Aschenbach (nur nicht so siechend) und er der Tadzio (nur nicht so knabenhaft). Die Frau kuckt schon ganz komisch, weil ich so lange die Hand des Kellners halte, ohne ein Wort herauszubringen. So viel bleibt ungesagt zwischen uns. Vielleicht können wir ja Brieffreunde werden.

Drücke noch einmal kernig seine Hand, dann trennen sich endgültig unsere Wege. Oben an der Straße schaue ich noch einmal über meine Schulter, falls er sich ebenfalls umdreht, um mir zu winken. Tut er aber nicht. Er nimmt gerade die Bestellung von zwei griechischen Strandschönheiten auf und schäkert mit ihnen. Ob er wohl dabei an mich denkt?

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Um kurz vor 19 Uhr holt uns das Taxi ab und bringt uns zum Flughafen.

Letzte Ausfahrt Psakoudia.

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Es ist der gleiche Fahrer, der uns vor zwei Wochen in Thessaloniki abgeholt hatte. Er weiß wieder durch erfrischende Schweigsamkeit zu gefallen. Das einzige Mal, dass er redet, ist als ein Bus vor ihm ausschert, ohne zu blinken. Leider verstehe ich ihn nicht richtig, sonst hätte ich mir einen umfangreichen Wortschatz mit griechischen Kraftausdrücken aneignen können.

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Am Airport angekommen, geben wir unser Gepäck auf und passieren die Sicherheitskontrolle.

Heimflug nach Berlin. Over and out.

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Zur Enttäuschung der Kinder werde ich diesmal nicht zum Sprengstofftest herausgewunken. (Obwohl ich mit meinem urlaubsverlotterten, struppigen Bart wesentlich klandestiner als noch auf dem Hinflug aussehe.)

Im Boarding-Bereich geben wir unsere letzten Euros für Getränke und Snacks aus. Die Urlaubskasse verabschiedet sich mit den Worten, ihr Job sei jetzt erledigt und sie wünsche uns einen guten Heimflug.

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Der Flug verläuft zunächst ereignislos, bis es zu einigen unschönen Turbulenzen kommt. Für die Besatzung und Vielflieger mit CO2-Fußabdrücken in der Größe von Siebenmeilenstiefeln mag es ein kleines Wackeln sein, nicht so für unsere kleine flugphobische Reisegruppe. Meine Schweißdrüsen arbeiten unter Hochdruck und produzieren mehr Transpirationswasser als am Strand in der griechischen Gluthitze. Und meine Oberschenkel sind angespannter als bei meinem legendären Berglauf in Psakoudia. Nach knapp zehn Minuten ist alles wieder vorbei. Zum Entsetzen der Frau und der Tochter müssen wir dann aber noch fast eine Dreiviertelstunde fliegen. (Und ich finde das auch nicht sehr schön.)

Zurück in Berlin.

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In Berlin gelandet, bekommen wir relativ schnell unsere Koffer und fahren mit dem Taxi nach Moabit. Als wir um 0.40 Uhr unser Zuhause erreicht haben, schlage ich vor, wir könnten doch noch eine letzte Partie Mensch-ärgere-dich-nicht spielen. Die anderen winken müde ab. Nun gut, ich hätte sowieso gewonnen. Sagt die Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Verordnung von 1831.

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Nachts liege ich noch lange wach und kann nicht einschlafen. Denke an den schönen Urlaub und überlege, mit welchem Geschäftsmodell ich genügend Geld einnehmen könnte, um ihn dauerhaft zu verlängern. Die Vorbestellungszahlen für das Judith-Buch sind zwar schon recht viel versprechend, aber kurzfristig werden wohl nicht die 60.000 Exemplare erreicht, die nötig sind, um ganzjährig in Psakoudia zu leben. (Zumindest deutet der Amazon-Verkaufsrang von 186.303 darauf hin.)

Amazon-Verkaufsrang

Entwickle im Bett daher ein ausgeklügeltes Crowd-Funding-Modell, bei dem Sie, werte Leserinnen und Leser, eine entscheidende Rolle spielen. Spenden sie einfach Geld, damit meine Familie und ich nach Griechenland zurückkehren können. Dafür blogge ich dann fleißig weiter und Sie können täglich unsere Urlaubserlebnisse nachlesen.

Da dieses Angebot unter Umständen nicht attraktiv genug ist, gibt es je nach Spendenhöhe zusätzliche Präsente:

  • 5 Euro: Ein Stein vom Strand aus Psakoudia
  • 10 Euro: Leere Dose Mythos, aus der ich getrunken habe
  • 20 Euro: Eine Postkarte von mir aus Psakoudia
  • 30 Euro: Eine Postkarte von der Frau aus Psakoudia
  • 40 Euro: Eine Postkarte von den Kindern aus Psakoudia
  • 80 Euro: Eine Sonnenbrille von einem der fliegenden Händler
  • 120 Euro: Compilation-CD mit der besten Strandmusik aus Psakoudia
  • 200 Euro: Ein von den Straßenhunden apportierter Stock
  • 250 Euro: Speisekarte von Kostas (für 300 Euro mit Unterschrift von Kostas)
  • 1.000 Euro: Ein Foto von unserem Strandkellner (für 1.250 Euro mit Unterschrift des Strandkellners)
  • 1.500 Euro: Eine von mir aus Feta geformte griechische Strandschönheit (Geschlecht nach Wunsch)
  • 5.000 Euro: Originalausgabe der Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Verordnung von 1831

Da ich dem gestressten internationalen Bankenwesen misstraue und mir die Möglichkeit für gewisse Steueroptimierungen offen halten möchte, bitte ich Sie das Geld in bar an folgende Adresse zu schicken:

The Road House
For the Attention of the good looking waiter with the black beard
Psakoudia
Griechenland

Vielen Dank im Voraus für Ihre zahlreichen Spenden

Gute Nacht!

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Alle Beiträge des Griechenland-2016-Tagebuchs gibt es hier.

3 commentaires sur “Griechenland 2016 – Heimreise: Von Ferienhausübergaben, letzten Strandbesuchen, turbulenten Heimflügen und grandiosen Crowd-Funding-Ideen

  1. Die Reiseberichte hier sind immer so süffisant (im positiven Sinne) geschrieben und mit so vielen Fremdwörtern („klandestin“ z.B.), da schäme ich mich immer, dass ich so ein ungebildeter Mensch (noch dazu aus dem Schwäbischen) bin.

    Muss ich immer gerne und viel googeln!

    Und wenn ich mal einen Satz verstehe, freue ich mich sehr drüber!

  2. Ach schade, schon vorbei.
    Ihr habt euch hoffentlich ausreichend erholt und wir Leser freuen uns schon auf den nächsten Betriebsurlaub. :-)

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