Griechenland 2016 – Tag 5: Von fehlenden fluffigen Brötchen, unschönen Taucherlebnissen und hochwertigen Souvenirs

Morgendliches Aufwachen heute um 8.15 Uhr. Allmählich nimmt das Ausschlafen hier studentische Ausmaße an.

Stelle fest, dass meine Kopfhaut ein wenig brennt. Wenn ich sie berühre, tut sie weh. Möglicherweise habe ich doch einen ganz leichten Sonnenbrand auf dem Kopf, einen Hauch von Sonnenbrand. Werde dies gegenüber der Frau aber nicht erwähnen. Erstens, soll sie nicht denken, dass sie Recht hatte (So etwas ist selbst in einer ausnahmslos harmonischen Partnerschaft, wie wir sie pflegen, irgendwann von Nachteil.) und zweitens, könnte sich sonst ihre Lügenkampagne bezüglich meines angeblich schütteren Haupthaars bei den Leserinnen und Lesern des Blogs verfangen. (Die Frau hat übrigens immer noch viel mehr graue Haare als ich. Aber das nur am Rande.)

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Aktiviere mittels eines ersten Kaffees mein frühmorgendliches Sprachzentrum und frage den Sohn, ob er mich zum Bäcker begleiten will. Er will. Die Männer ziehen los, Brötchen holen, deklamiert er. Hört sich bei ihm so an, als zögen wir mit Keulen los, um die Brötchen auf der Straße zu jagen und zur Strecke zu bringen.

Beim Bäcker erwartet uns eine böse Überraschung: Die uns so lieb gewordenen fluffigen Brötchen sind aus! Oder ich sehe sie nicht.

Der Bäcker ruft. Wir rufen zurück.

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Unerklärlicherweise – und für mich nicht ganz nachvollziehbar – kann der Verkäufer mit meiner Frage „Fluffy fluffy?“ nichts anfangen. Er scheint nicht besonders polyglott zu sein und macht lediglich eine ausladende Handbewegung Richtung Brotregal hinter ihm. Das hilft mir aber nicht weiter, denn dort liegen keine der fluffigen Brötchen. Wohl oder übel entscheide ich mich für zwei andere Weißbrote und verlasse missmutig mit dem Sohn den Laden.

Auf dem Heimweg entdeckt der Sohn auf der Straße ein eigenartiges Insekt.

Mutierter Monsterkäfer? Man weiß es nicht.

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Ich kann nicht wirklich identifizieren, was es sein könnte. Das ist aber auch nicht verwunderlich ist, da ich über ein nur sehr begrenzte faunatische Expertise verfüge. (Sollten Sie jemals bei „Wer wird Millionär?“ sitzen und eine Insektenfrage für den Millionengewinn beantworten müssen, dann rufen Sie mich um Himmels Willen nicht an.)

Vielleicht ist es ein Monsterkäfer, der alle auffrisst, spekuliert der Sohn. Hätten wir jetzt unsere Keulen dabei, könnten wir uns gegen ihn verteidigen. So bleibt uns nur die Flucht Richtung Ferienhaus.

Beim Frühstück stellt sich heraus, dass das Ersatzbrot (Eigentlich möchte ich es lieber als „Notbrot“ bezeichnen.), nicht nur nicht fluffig, sondern im Gegenteil von einer sehr harten Kruste ummantelt ist. Die Begeisterung meiner Kauleisten und meines Kiefers hält sich in Grenzen, sind sie es doch gar nicht mehr gewohnt, so viel Arbeit am frühen Morgen verrichten zu müssen.

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Am Strand die nächste unliebsame Überraschung: Der uns mittlerweile vertraute Strandbar-Kellner, zu dem wir freundschaftliche Bande geknüpft haben, hat heute frei. Daher muss ich einem Ersatzkellner (Eigentlich möchte ich ihn lieber „Notkellner“ nennen.) lang und breit unsere übliche Bestellung erläutern.

Nach dem Fehlen der erwünschten Backwaren nun schon die zweite Abweichung von bewährten Strukturen und Ritualen, die einem gerade im Urlaub Sicherheit geben und Entspannung stiften. Wenn das heute so weiter geht, wird der Tag noch in reinste Hektik und puren Stress ausarten. (Falls Sie es nicht schon gemerkt haben, bin ich im Urlaub sehr veränderungsavers und meine Anpassungsbereitschaft ist nur äußerst gering ausgeprägt. Die Frau meint, zuhause sei das auch nicht anders, aber das stimmt nicht. Grauhaarige neigen anscheinend zum pathologischen Lügen.)

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Den größten Teil des Vormittags verbringe ich am Strand mit Lesen. Der neue Roman von Stefan Schwarz: „Oberkannte Unterlippe“.

Stefan Schwarz: „Oberkante Unterlippe“. Exzellente Lektüre. Nicht nur am Strand.

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Über einen unerbittlichen Sorgerechtsstreit dargeboten als Komödie. Oder wie es der Autor selbst nennt: „Ein komplexes Thema in gefälliger Verpackung.“

Es ist ein großartiges Buch. Wortgewaltig, lustig und trotzdem tiefgründig. Vielleicht sollte ich einfach ein paar Seiten daraus abschreiben. Das wäre für alle Beteiligten eine Win-Win-Win-Situation: Ich habe nicht so viel Arbeit, die Blogleserinnen und –leser bekommen hier endlich mal etwas Anständiges zu lesen und der Autor profitiert von ein wenig Werbung. Authentisches Leser-Endorsement sozusagen, das dann voll viral geht! (Ich müsste nur noch Stefan Schwarz davon überzeugen, mir 70 Prozent seines Gewinns abzutreten. Als meine Fall-Back-Option, falls das mit den 60.000 Exemplaren meines eigenen Buchs nicht funktioniert. Da hat er sicherlich Verständnis.)

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Am Nachmittag überredet mich die Tochter dann, ins Wasser zu kommen. Sie will mit mir Tauchen üben. Meine Tauchfähigkeiten sind allerdings sehr beschränkt. Und selbst diese Formulierung ist ein die Realität unbotmäßig verzerrender Euphemismus. Wahrscheinlich gibt es altersschwache Paarhufer, die sich mit mehr Eleganz und Anmut unter Wasser bewegen können als ich.

Daher kommt mir bei unserer gemeinsamen Tauchunternehmung ein begrüßenswert passiver Part zu. Ich muss mich breitbeinig wie John Wayne ins Wasser stellen und die Tochter versucht, hindurch zu schwimmen. Das klappt auch sehr gut und wir sind beide sehr zufrieden. (Im Urlaub braucht es bei mir nicht sehr viel, um bei mir Endorphinausstöße auszulösen und Glücksgefühle hervorzurufen.) Bis die Tochter bei einem ihrer Tauchgänge nicht genügend Schwung hat und dies mit einem beherzten Fußtritt nachholt, während sie unglücklicherweise meine geöffneten Beine noch nicht ganz durchquert hat.

Lassen Sie mich meine körperliche Empfindung folgendermaßen veranschaulichen. Als 17-jähriger Knabe bekleidete ich im Handballverein die Position des Torwarts und habe mal, bevor ich mein Suspensorium angelegt hatte, einen Ball genau in den Schritt bekommen. Das fühlte sich verglichen mit dem heutigen Pferdetritt der Tochter wie eine ayurvedische Wellness-Behandlung an.

Aber zum Glück haben wir die Familienplanung schon abgeschlossen und mir eröffnen sich ganz ungeahnte neue berufliche Perspektiven. Möglicherweise kann ich mir an der Deutschen Oper ein kleines Zubrot verdienen, indem ich dort als Kastrat auftrete.

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Den mahnenden Zeigefinger der Urlaubskasse im Blick, kochen wir heute wieder selbst. Geschmorte Auberginen und Zuccini, Tomaten-Gurken-Salat, Tsatsiki, Knoblauchbrot und dazu ordentlich Feta. Schon hat man seine eigene kleine Taverne auf dem Balkon. Vor allem nach zwei Mythos-Bier. Allerdings nicht aus der Flasche, sondern aus der Dose. Die ist hier nämlich ein noch sozial-ökologisch akzeptiertes Getränkebehältnis.

Abendmahl. Darf’s ein bisschen Feta sein?

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Nachdem Abendessen bestehen die Kinder darauf, dass wir noch einmal in den Ort gehen und einen der Souvenir-Shops aufsuchen. Sie haben nämlich von den Großeltern Urlaubsgeld bekommen und das brennt ihnen jetzt unter den Nägeln.

Beide sind Verfechter eines keynesianischen geprägten Umgangs mit Taschengeld, bei dem Sparen verpönt ist und Geld möglichst schnell durch den Kauf von Zeitschriften, Sammel-Sticker, Comics und Ähnlichem dem Wirtschaftskreislauf zugeführt werden muss. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Ankurbelung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und damit der Produktion und Beschäftigung. Ein Ansatz, der speziell in Griechenland sicherlich sehr gut ankommt.

Der Souvernir-Laden, zu dem wir gehen, ist bis zur Decke mit ramschigen Andenken und Urlaubsgebrauchsgegenständen vollgestopft, die wahrscheinlich irgendwo in Südostasien unter ökologisch bedenklichen und dem Fair-Trade-Gedanken ins Gesicht spuckenden Bedingungen hergestellt wurden. Außerdem machen sie den Eindruck als verstießen ihre Inhaltsstoffe gleich gegen mehrere EU-Richtlinien zum Verbot umweltgefährlicher chemischer Substanzen und die Verarbeitungsqualität ist auch weit davon entfernt irgendeiner DIN-Norm zu entsprechen.

Hochwertige Souvenirs. Ökologisch unbedenklich und fair gehandelt.

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Den Kindern ist das egal. Die Tochter kauft Fußkettchen, Armbänder und Schlüsselanhänger für sich und ihre Freundinnen, der Sohn erwirbt einen kleinen gelben Ball, auf den ein zwinkerndes Smiley gedruckt ist. Den habe er extra gekauft, damit wir uns damit jetzt immer im Wasser super zuwerfen könnten, erklärt er mir enthusiastisch. Bin zwar gerührt von seinem gemeinschaftsstiftenden Kauf, hege aber die Befürchtung, dass in den nächsten Tagen mehr körperliche Betätigung von mir erwartet wird, die ich eigentlich so nicht eingeplant hatte. Aber wenigstens konnte den Sohn davon abhalten, ein Stofftier in Form eines Kackhaufen-Emojis zu kaufen.

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Beim abendlichen Spielen gewinne ich sowohl im Kniffel als auch beim Mensch-ärgere-dich-nicht souverän. Trotzdem will mich die Familie nicht auf den Schultern durch Psakoudia tragen, damit mir Touristen wie Einheimische angemessen huldigen können. In meiner Erregung habe ich leider nicht die entsprechenden Paragraphen aus der deutschen Kniffel- und der deutschen Mensch-ärgere-dich-nicht-Verordnung (beide von 1831) parat, die genau dieses Ritual festschreiben.

Gute Nacht!

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12 commentaires sur “Griechenland 2016 – Tag 5: Von fehlenden fluffigen Brötchen, unschönen Taucherlebnissen und hochwertigen Souvenirs

  1. Ich finde es äußerst lobenswert, dass euer Nachwuchs die griechische Wirtschaft so ankurbelt.
    Schade, dass es kein Foto des Plüsch-Kackhaufens gibt. Wäre bei mir in der engeren Auswahl gelandet. ;-)

    • Ich will nicht ausschließen, dass der Plüsch-Kackhaufen noch in den Besitz des Sohnes übergeht. Dann gibt es auf jeden Fall ein Foto.

  2. Haha, ich habe uns bzw. meine Kinder direkt zweimal im Eintrag wieder gefunden.
    Auch hier sind innerhalb von 14 Tagen 3 Zeitungen pro Kind eingezogen. Und den Plüschkackhaufen hatte der Sohn auch schon in der Hand 😂

  3. Guten Morgen und alles Liebe zu Deinem Geburtstag! Wir wünschen Dir einen wunderschönen Tag mit fluffigen Brötchen, Lieblingskellnern und souveränen Einhand-Knuffeln (nur anerkannt als livestream, s. Kniffelordnung)

    • Vielen Dank. Ich werde die Einhand-Kniffel heute mit verbundenen Augen mit dem Rücken zum Tisch werfen.

  4. wenn mich alles nicht täuscht, gibt es den plüsch-kackhaufen auch im nanunana in deutschland.
    was den sonnenbrand auf dem kopf angeht, joghurt (auch griechischer) auftragen, das kühlt, und später doch die kopfhaut eincremen oder mützchen tragen. (die sonst potentiell zu erwartende krebsbehandlung könnte das kopfhaar auf jeden fall empfindlich lichten) ;)

    • Ich denke ja tatsächlich vor jedem Urlaub, eigentlich müsstest du dir noch eine Mütze besorgen und jedes Mal vergesse ich es dann. Aber nächstes Jahr, nächstes Jahr werde ich daran denken. Hoffentlich.

  5. Super interessant dieser blog bis jetzt :) aber ich frag mich ob der Familienbetrieb auch mal einen kleinen Ausflug macht sofern das die Urlaubskasse zulässt :)

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