Der musikalische Adventskalender 2015 – Tag 20: ‚Ding ding dong (Jesus weint schon)‘ von Erdmöbel (vorgestellt von ‚Herzdamengeschichten‘)

Auch dieses Jahr steigert der musikalische Adventskalender die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche. Diesmal mit ganz vielen phantastischen Gastautorinnen und Gastautoren, die ihre liebsten Lieder zur Weihnachtszeit vorstellen. Viel Spaß beim Hören!

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Die Freude des musikalischen Adventskalender könnte nicht größer sein, denn heute stellt ein – und dies schreibe ich mit größtmöglicher Ehrerbietung – Urgestein der deutschen Blogger-Szene ein Lied vor. Seit mehr als elf Jahren bloggt Maximilian Buddenbohm bereits, was ihn quasi zu einem Großvater der Blogosphäre macht. Auf ‚Herzdamengeschichten‘ schreibt er über seine Familie, aber auch über nachhaltige Wirtschaft, Soziales und allerlei Anderes. Dabei geht er so virtuos mit Worten um, wie Ann-Sophie Mutter mit der Geige, Paul Bocuse mit dem Kochlöffel oder Cristiano Ronaldo mit dem Ball (Eine so miese Metapher bekommen Sie auf ‚Herzdamengeschichten‘ nie zu lesen.).

Dass Maximilian Buddenbohm außerdem über einen exquisiten Musikgeschmack verfügt, beweist er mit der heutigen Liedauswahl.

‚Herzdamengeschichten‘ lässt Jesus weinen

Die vermutlich einzige deutsche Band neuerer Zeit, die sich mehrmals und auch noch höchst ehrenhaft ums Weihnachtsliedgut verdient gemacht hat. Sie haben sich am Fest immer wieder abgearbeitet, alle Jahre wieder, auf alle denkbaren und angemessenen Arten, mal sarkastisch, mal zynisch, mal melancholisch, immer mit sehr feinen Texten, die Stücke kann man wirklich durch die Bank ohne jeden Peinlichkeit mitsingen. Wie überhaupt Erdmöbeltexte alle Beachtung wert sind, gar keine Frage. Die Band hat es sogar geschafft, mit dem “Lametta”-Song, gesungen mit Maren Eggert, ein Weihnachtsliebeslied nebst Video aufzunehmen, bei dem man sich nicht fremdschämen muss, das ist eine Leistung, mit der wirklich keiner mehr rechnen konnte. Wie oft kann man sich das Video dazu ansehen? Hundertmal? Ich bin immer noch in der Forschungsphase. Und sie haben, da wird es womöglich noch sportlicher, eine hörbare deutsche Version von “Last Christmas” eingespielt, mit der man alle Erinnerungen an die englische Originalversion prima überlagern kann. Es gibt tatsächlich auch eine Weihnachts-CD der Band, so etwas traut sich ja sonst keiner, der halbwegs ernst genommen werden möchte. Man würde sich daneben vielleicht noch eine Weihnachts-CD von Element of Crime wünschen. Aber na gut, man kann nicht alles haben. Wobei es von Element of Crime immerhin eine schöne Version von “Leise rieselt der Schnee” gibt, aber leider ohne Video bei Youtube.

Und Erdmöbel hat mit “Ding ding ding dong” einen Weihnachtsohrwurm geschrieben, dessen Refrain perfekt zum Weihnachtserlebnis im dezent fortgeschrittenen Alter passt. Ding ding ding dong, Jesus weint schon. Jo. Here we go again. Genau, Mutter, steh im Stau, Mutter. Ja, Papa, bin gleich da, Papa. Ich habe eines der Konzerte der Band bei der letztjährigen Weihnachtstournee besucht, da gab es zu diesem Song eine riesige Polonaise mit dem ganzen Publikum durch den Saal, immer wieder sangen und spielten sie den Refrain,es hörte gar nicht mehr auf, ding ding ding dong, klingelingeling ding ding dong, Jesus weint schon, noch einmal, noch einmal, immer weiter im Kreis, das ganze Publikum eine verknotete Schlange auf den Spuren der Band, ding ding ding dong. Und was soll ich sagen – hinterher fühlten wir uns gestärkt und doch wieder einsatzbereit für das große Familienfest. Ich werde zwar nie wieder Weihnachten feiern können, ohne permanent ding ding ding dong im Kopf zu haben, aber das macht nichts. Wenn man das Video bis zum Ende ansieht, da gibt es eine Menschenmenge in Ding-ding-ding-dong-Ekstase. Ich kann das jederzeit zur Nachahmung empfehlen. Das klappt vermutlich auch in der Kleinfamilie, zu zweit oder vor dem Spiegel.

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Vielen Dank, lieber Maximilian, für diese kenntnisreiche Einführung in das Erdmöbelsche Weihnachts-Oeuvre und dieses grandiose Lied. Wir sollten alle mehr Erdmöbel hören. Nicht nur in der Adventszeit.

Mehr von ‚Herzdamengeschichten‘ gibt es hier:

Der musikalische Adventskalender – Tag 21: „Lametta“ von Erdmöbel und Maren Eggert

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Mit großer Zuversicht verkündet der musikalische Adventskalender für den heutigen 4. Advent ein mehr als würdiges Stück ausgewählt zu haben und präsentiert voller Freude das unglaublich phantastische „Lametta“ von Erdmöbel mit der unfassbar bezaubernden Maren Eggert.

Überschäumender Enthusiasmus ist ein Wesenszug, der dem musikalischen Adventskalender eigentlich fremd ist, aber heute bedauert er, dass er nicht genügend Adjektive kennt, um die Wertschätzung für das heutige Lied auch nur annähernd adäquat ausdrücken zu können: fabelhafte Musik gepaart mit einem überirdisch herausragendem Text und veredelt durch ein zauberhaftes Video.

Der brilliante Text vereint Alltagspoesie mit dadaistischen Elemente und lässt die Vermutung aufkommen, der Erdmöbel-Sänger und -Texter Markus Berges sei einer außerehelichen Liaison Sven Regeners und Rainald Grebes entsprungen. Welches andere Weihnachtslied wartet schon mit solch einzigartigen Zeilen auf wie:

ich habe weihnachten vergessen
wie treu sind deine blätter?
ich will tannenzweige essen

Dass der Text mindestens Grimme- und Pulitzer-Preis verdächtig ist, bestätigt sich spätestens in der vierten Strophe mit:

weihnachten ist mir entglitten
kein laub getragen sieben jahr‘
lieber tauf‘ ich diesen schlitten

Das zum Lied gehörige Video ist dem Text uneingeschränkt würdig. Zunächst erscheint es ein wenig minimalistisch mit seinem Fokus auf einen Tisch, an dem sich Markus Berges und die wunderbare Maren Eggert, die wir noch aus den Kieler Tatorten als Polizeipsychologin Frieda Jung kennen, gegenübersitzen. Aber spätestens wenn Maren Eggert mit geradezu laszivem Zungenschlag ihr „lala lalala metta“ haucht, entfaltet sich mehr knisternde Erotik als bei allen pornösen Musikvideos von Lady Gaga, Miley Cyros und Madonna zusammen. Da wünscht man sich, einmal mit Axel Milberg alias Kommissar Borowski tauschen zu können und intensive Gespräche mit Frieda Jung zu führen (Sollte die Freundin diese Zeilen gerade etwas irritiert lesen, sei sie beruhigt, dass es sich hier nur um ein paar hirnrissige Phantastereien eines verwirrten Mannes kurz vor der Midlife Crisis handelt. Bringe auch gleich den Müll runter. Versprochen!).

Die Entdeckung des überragenden „Lametta“-Liedes habe ich dem liebenswerten Hank Belane zu verdanken, der es mir auf Twitter empfohlen hat. Daher werfe ich mich vor ihn in den Staub und benetze seine Schuhe mit Tränen tiefster Dankbarkeit. Und die Hörerinnen und Hörer sollten es mir gleich tun – selbst wenn sie die ekstatische Begeisterung des musikalischen Adventskalender für den heutigen Song nicht teilen mögen. Denn der Belanesche Tipp hat dafür gesorgt, dass sich heute nicht Florian Silbereisen hinter dem Türchen verstecken konnte, um uns gemeinsam mit einem chinesischen Kinderchor mit „O Tannenbaum“ zu beglücken.

Der musikalische Adventskalender wünscht viel Spaß beim Hören und droht für den Fall, dass Erdmöbel und Maren Eggert heute nicht mindestens 50 Facebook-Likes bekommen, den Silbereisen an Heiligabend auszupacken. Viel Spaß!