Bretagne 2015 – 13. Tag: Von radelnden Senioren, kalten Meeren und unschönem Kniffeln

Trete morgens auf die Terrasse und werde von der Sonne, der klaren Luft und dem mit Schleierwolken durchzogenen Himmel begrüßt. Grüße zurück. Ein wahrhaft würdiges Wetter für meine Abschieds-Berg-Radtour zum Bäcker.

Esquibien. Napoleonisches Kaiserwetter.

Esquibien. Napoleonisches Kaiserwetter.

Im Wissen, das letzte Mal die Hügel, Berge und Anstiege zwischen Esquibien und Audierne alleine mit der Muskelkraft meiner Beine bezwingen zu müssen, radle ich übermütig pfeifend los. Meine persönliche Tour d’Honneur, wie sie sonst nur Radprofis auf der letzten Etappe der Tour de France erleben. Die trinken allerdings sogar zum Start ein Gläschen Champagner. Bei mir fehlt nicht nur der französische Schaumwein, sondern auch die Abwesenheit jubelnder Menschenmassen am Straßenrand schmälert meint Hochgefühl ein wenig.

Lasse mich aber nicht entmutigen und winke den vereinzelten frühen Spaziergängern fröhlich zu. Diese sind etwas irritiert und ihre Beifallskundgebungen könnten etwas enthusiastischer ausfallen. Also, wenn sie überhaupt reagieren würden, wäre das schon ganz schön.
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Bretagne 2015 – 7. Tag: Von Märkten, Frisbee-Kunst und der Rückkehr der furzenden Schweine

Wache morgens auf und ein Blick aus dem Fenster und auf die Wetter-App zeigen: der bretonische April geht weiter. Nach dem gestrigen verregneten Tag gibt es heute strahlenden Sonnenschein. Der Strand ruft!

Esquibien. Morgenidyllisch.

Esquibien. Morgenidyllisch.

 

Aber vor das Badevergnügen hat der Urlaubsgott die obligatorische Fahrrad-Berg-Tour zum Bäcker gesetzt. Fröhlich pfeifend radle ich mit leichtem Tritt von Hügel zu Hügel gen Audierne.

Bitte glauben Sie nicht den Gerüchten, dass ich mich keuchend und rotgesichtig über die Berge mühe. Das sind böswillige Unterstellungen, um meinen guten Ruf zu schädigen. Dass ich gar keinen guten Ruf habe, ist übrigens ebenfalls eine böswillige Unterstellung.

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Bretagne 2015 – 2. Tag: Von Regen-Läufen, Spinnennetzen und bretonischem Senkblei

Das Unglück nahm bereits gestern Abend seinen Lauf. Als der Bonner Freund fragte, ob wir morgen – als heute – joggen gehen wollen. Nach der gestrigen Velo-Höchstleistung, wollte ich „Nein“ sagen. Aus meinem Mund kam aber ein „Ja“. Das machen Männer so. Man will ja keine Schwäche zeigen, sondern täuscht Leistungsfähigkeit, Tatendrang und Willensstärke vor. Wie so ein Vollidiot!

Stehen also früh morgens auf der Terrasse und dehnen uns. Das Wetter ist traumhaft schön. Für Südostasien in der Regenzeit. Sonst eher nicht. Es nieselt ziemlich stark und ist sehr neblig. Schaue dem Bonner Freund in die Augen. Er zuckt nicht, ich auch nicht. Das heißt, keiner macht einen Rückzieher und wir laufen tatsächlich. Verdammt!

Esquibien. Wolkenlos bei 29 Grad.

Esquibien. Wolkenlos bei 29 Grad.

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Bretagne 2014 – 13. Tag: Au revoir!

Das Wetter meint es gut mit uns am letzten Urlaubstag. Es schenkt uns einen fast wolkenlosen Himmel.

Morgenstund. Idyllischer wirds nicht mehr.

Morgenstund. Idyllischer wirds nicht mehr.

Mache mich schweren Herzens das letzte Mal mit dem Rad auf den Weg zum Bäcker. Während ich mir wehmütig den Strand, die Küste und die liebgewonnenen Hügel, Anstiege und Berge beschaue, singt Peter Alexander in meinem Kopf „Sag‘ zum Abschied leise Servus!“. Verrückt. Weiterlesen

Bretagne 2014 – 10. Tag: Picture postcards from Brittany

Mache mich in der Morgensonne auf zur morgendlichen Laufrunde. Bin erneut allein unterwegs. Der Bonner Freund ist immer noch außer Gefecht gesetzt. Der kleine Zeh. Die offene Blutblase. Ich möchte nicht tauschen.

Sonnenaufgang über Esquibien. Mehr Morgenromantik geht nicht.

Sonnenaufgang über Esquibien. Mehr Morgenromantik geht nicht.

Laufe vereinsamt die Küstenstraße entlang. Nicht einmal die gestrige Regenwolke begleitet mich. Hätte so gerne eine Laufbegleitung!

Stoße, während ich vor mich hinlaufe, leise und dezent auf. Stelle fest, dass es weder leise noch dezent war. Und dass vor mir eine Frau joggt. Sie schüttelt missbilligend den Kopf. So schließt man keine Laufbekanntschaften. Weiterlesen

Bretagne 2014 – 8. Tag: Vom Winde verweht

Werde durch den Regen, der an den Rollladen prasselt und vom Wind, der an demselbigen rüttelt, geweckt. Heute ist eigentlich ein Lauftag mit dem Bonner Freund angesetzt. Hoffe, dass er einknickt und wir das Laufen bei dem schlechten Wetter ausfallen lassen.

Wetter. Laufunfreundlich.

Wetter. Laufunfreundlich.

Treffen uns im Wohnzimmer, wo knurrend der Morgengruß ausgetauscht wird. Tragen beide bereits unsere Laufklamotten und tauschen uns darüber aus, wie schlecht das Wetter sei, so unwirtlich und laufunfreundlich. Zeigen aber beide kein Zeichen der Schwäche, dass der andere dahingehend interpretieren könnte, dass wir nicht loslaufen wollen.

Nur die Vorbereitungsschritte dauern alle etwas länger: Schuhe werden sehr sorgfältig gebunden, Bänder ausgiebig gedehnt und Laufuhren akribisch kontrolliert. Treten schließlich auf die Terrasse, wo uns der Wind den Regen ins Gesicht peitscht. Da jedoch keiner von uns Anstalten macht, diesen Wahnsinn abzubrechen, laufen wir los.

Kaum sind wir am Gartentor angelangt, verzieht der Bonner Freund schmerzverzerrt das Gesicht. Die offene Blase am kleinen Zeh, sie reibe ganz fürchterlich. Es gehe heute beim besten Willen nicht.

Erstaune mich selbst, indem ich antworte: „Dann werde ich das Los des langen Laufs einfach für dich mittragen, mein Freund!“ Bin irritiert. Nicht nur wegen der schwülstigen Ausdrucksweise, sondern noch mehr wegen des Inhalts meiner Aussage.

Eine passende Antwort wäre gewesen: „Komm‘, stütz dich bei mir auf. Ich trage dich zurück ins Haus.“ Oder: „Das hat wirklich keinen Sinn. Lass‘ uns lieber im Haus einen Kaffee trinken.“ Aber nein, wir nehmen uns kurz und fest in den Arm, weinen ein bisschen und ich mache mich tatsächlich alleine auf den Weg.
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Bretagne 2014 – 5. Tag: Männergespräche

Habe einen wunderbaren Traum, in dem ich auf dem Rad geschmeidig und wie eine Gazelle die bretonischen Berge hinauffahre. Ein leichter Schweißfilm hat sich auf meiner bronzenen gebräunten Haut gebildet, der in der Morgensonne glitzert und mir majestätische Eleganz verleiht. Die stimmungsvolle Hintergrundmusik rundet das Gesamtbild von Ästhetik und Dynamik angenehm ab.

Allerdings wird der Traum zunehmend wirklichkeitsgetreuer. Realisiere plötzlich, dass ich mich tatsächlich im Anstieg nach Audierne befinde. Allerdings sind meine Bewegungen eher schwerfällig und unrund. Außerdem rinnt mir der Schweiß in Bächen den Rücken hinunter. Verströme einen wenig angenehmen Geruch und die Schmeißfliegen halten respektvoll Abstand. Die akustische Untermalung besteht lediglich in meinem rachitischen Keuchen, mit dem ich gute Chancen hätte, bei Dampflok-Imitationswettbewerben vordere Plätze zu belegen. Weiterlesen

Bretagne 2014 – 1. Tag: Ein Tag am Meer

Wache morgens auf und bemerke, dass mir im Bett ungefähr fünfzehn Zentimeter Platz am äußersten Rand zur Verfügung stehen. Rekonstruiere, dass zuerst der Sohn und dann die Tochter uns einen Besuch abstatteten. Beide beschlossen einfach über Nacht zu bleiben. Aber im Urlaub will man das ja nicht so eng sehen. Zumindest nicht so eng, wie es im Bett war.

Stellen nach dem Aufstehen fest, dass wir vergessen haben, Kaffeefilter mitzubringen und es auch keine Reste von Vormietern gibt. Dies löst bei den Erwachsenen eine leichte bis mittelgroße Panik aus. Erkläre mich daher gemeinsam mit dem Bonner Freund selbstlos bereit, zum nächsten Supermarkt zu fahren, um den Mangel an Kaffeefiltern zu beseitigen und auch andere Einkäufe zu erledigen.

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Unseren ersten Halt legen wir aber bei der örtlichen Bäckerei ein, wo ich meine ‚French Challenge‘ für den Tag absolvieren will. Allerdings kommt mir der Bonner Freund zuvor und gibt sehr souverän die Bestellung auf. Kann erst einschreiten, als die Bäckersfrau nach den falschen Baguettes greift. Mache mich mit einem elaborierten: „Non! Un moment, Madame.“ Bemerkbar. Mit einem rhetorisch etwas unbeholfenen „Les!“ zeige ich auf die Weißbrotstangen unserer Wahl. Die Verkäuferin schaut den Bonner Freund mitfühlend an und bringt mit einem empathischen Lächeln ihre Bewunderung zum Ausdruck, dass er mit seinem offensichtlich minderbemittelten Freund in den Urlaub fährt. Weiterlesen