Gespräche mit dem Tod (11): Vom Fensterputzen, Gunter Gabriel und Helmut Kohl

Es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr. Ich stehe im Wohnzimmer auf einer Leiter und putze Fenster. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört, denn aufgrund des unebenen Dielenbodens schwankt die Leiter bei jeder Bewegung von mir bedrohlich. Daher muss ich mich sehr konzentrieren, damit weder ich noch der volle Putzeimer von der Leiter fällt.

Plötzlich höre ich, wie die Wohnungstüre geöffnet wird und Schritte im Flur ertönen. Ich versuche, mich auf der Leiter umzudrehen, die sich daraufhin zur Seite neigt. Im letzten Moment hält jemand die Leiter fest. Es ist mein Freund, der Tod.

„Herrjemine, pass doch auf“, ruft er. „Ich hab‘ auch so schon genug zu tun.“

Der Tod.

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Mein Leben als digitaler Höhlenmensch

Inspiriert durch das kürzliche Microsoft-Bloggertreffen zum Thema „Familization of IT“ hat Co-Daddylicious Kai Bösel darüber geschrieben, wie Software, Apps und Devices seinen Tag als Vater und Unternehmer einerseits erleichtern, andererseits aber auch zum dominierenden Faktor werden können. Und weil er so schön in Fahrt war, hat er dazu unter dem Hashtag #einfachmachen eine Blogparade gestartet und unter anderem mich gefragt, ob ich mich beteilige. Da ich auch mal den Eindruck erwecken möchte, ein cooler Dad zu sein, bin ich gerne mit von der Partie. Als Ausdruck meiner tiefen Wertschätzung für Kai sowie meiner grenzenlosen Kreativität kopiere ich seinen ethnologischen Auto-Beobachtungsansatz und beschreibe ebenfalls, wie die Digitalisierung meinen Alltag beeinflusst oder auch nicht: Mein Leben als digitaler Höhlenmensch!

 

5.45 Uhr

Der Wecker klingelt unerbittlich. Es ist kein Handy-Wecker oder gar ein iPod, der mich mit einem meiner Lieblingslieder begrüßt, sondern ein neun Jahre alter Radio-Wecker. Somit bin ich auf Gedeih und Verderb der Musikredaktion von Radio Eins ausgeliefert, die mich hoffentlich mit einem guten Lied in den Tag schickt.

Das Radio ist schon etwas altersschwach und wenn man auf die Snooze-Taste drückt, besteht die Gefahr, dass sich der Sender-Regler verschiebt. Daher ist es allen Familienmitgliedern – und insbesondere denen unter 12 Jahren – strengstens verboten, besagte Taste zu berühren. Man möchte schließlich nicht, dass sich der Regler auf einen Schlager-Sender einstellt und Helene Fischer morgens bei einem mit ‚Atemlos‘ einen anaphylaktischen Schock auslöst.

Radio Eins beschert mir heute Morgen dankenswerterweise ‚Lieblingsfarben & Tiere‘ von Element of Crime und damit die für heute programmatischen Liedzeilen:

„Die Emails und die Kurznachrichten
kannst Du zusammen mit den
Excel- und Word-Dokumenten dahin tun,
wo die Sonne auch an warmen Tagen
niemals scheint und wo auch schon die Meetings
und die Skype-Kontakte ruhn.“

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