Gespräche mit dem Tod (12): Der Geburtstag

Es ist Samstagabend kurz vor Mitternacht. Ich stehe in der Küche und räume den Geschirrspüler aus, als es plötzlich an der Wohnungstür klopft. Zu dieser späten Stunde erwarte ich eigentlich keinen Besuch. Und Besuch, der zu so später Stunde kommt, möchte ich eigentlich auch nicht erwarten.

Das Klopfen, das zögerlich begann, wird allmählich energischer. Verärgert öffne ich die Tür. Im Hausflur steht eine hagere Gestalt, die in eine modrige Kutte gehüllt ist und in der rechten Hand eine große Sense hält. Meine Miene hellt sich auf. Es ist mein Freund, der Tod. Er scheint außer Atem zu sein.

„Gerade noch rechtzeitig“, keucht er zur Begrüßung.

„Wieso rechtzeitig?“, frage ich.

Der Tod räuspert sich und fängt an, aus voller Kehle zu singen: „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.“

Sein Vortrag besticht durch Leidenschaft, aber weniger durch das Treffen der richtigen Töne. Schnell ziehe ich ihn in die Wohnung, bevor sich die Nachbarn wundern, warum der Tod mitten in der Nacht in unserem Haus Geburtstagsständchen zum Besten gibt.

Der Tod.

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The Making of ‚Das Buch‘ (Teil 9): Das Baby ist da. Oder: Was man alles mit einem Buch machen kann.

Mein liebes Tagebuch,

die folgenden Zeilen schreibe ich dir mit Tränen der Rührung in den Augen. Denn hier liegt es nun vor mir: Das fertig gedruckte Judith-Buch!

Das Baby kam schon zwei Wochen vor dem Entbindungstermin.

Ein von Familienbetrieb (@betriebsfamilie) gepostetes Foto am

Mit einem Gewicht von 180 Gramm und einer Größe von knapp 19 Zentimetern ist es recht zart und von geradezu fragiler Statur. Das ist aber auch kein Wunder, ist es doch schon zwei Wochen vor dem geplanten Erscheinungstermin fertig geworden. Da haben der Seitenstraßen Verlag und die Druckerei einen großartigen Job gemacht. Auf Twitter war man deswegen auch schnell der Ansicht, dass sie sich damit für höhere Aufgaben qualifiziert haben.

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The Making of ‚Das Buch‘ (Teil 5): Von Judiths, Käsekuchen und Spediteuren

Mein liebes Tagebuch,

wie du weißt, habe ich letzte Woche die Leserinnen und Leser auf dem Blog, bei Facebook und bei Twitter um Feedback zu dem möglichen Buchtitel gebeten. Trotz der Androhung, bei entsprechendem Lospech mit einer signierten Erstausgabe bestraft zu werden, gab es sensationellerweise mehr als 100 Einsendungen. Dafür ein großes Dankeschön an alle, die mitgemacht haben. Und ein noch größeres Dankeschön, dass es keinen einzigen Kommentar gab, ich solle das mit dem Buchschreiben doch lieber ganz lassen.

Bleistifte an Notizbuch

Bleistifte an Notizbuch

Aber nun zu den Rückmeldungen: Der Favorit ist „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“, gefolgt von „Hauptsache, es mag Käsekuchen“. Daneben gab es mehr als einmal den Vorschlag das Buch mit „Wenn’s ein Käsekuchen wird, nennen wir ihn Judith“ zu betiteln.

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Gespräche mit dem Tod (6): Sport ist Mord

Sonntagmorgens, 8 Uhr, im November. Jogge verschlafen die Spree entlang. Mein verzweifelter und sysiphosischer Versuch, meine durch kohlehydrathaltige Teigwaren und zuckriges Hefegebäck weniger adonishaft als barock geformten Hüften durch regelmäßiges Laufen zu stählen. Trabe daher mit trüben Gedanken über alternative Freizeitbeschäftigungen, die mein Bedürfnis nach hedonistischer Lustmaximierung viel besser befriedigen könnten, über den Kiesweg.

Plötzlich holt mich eine stark keuchende Gestalt ein. Sie trägt ein weites Kapuzenoberteil aus dunkelbraunem grob gewebtem Leinenstoff (wahrscheinlich nicht atmungsaktiv), das einen süsslich-modrigen Geruch verbreitet. Die Beine stecken in einer labberigen kurzen Hose aus dem gleichen müffelnden Material und an den Füßen trägt sie ein Paar Laufschuhe, die schon zu Zeiten Emil Zatopeks nicht mehr dem aktuellen orthopädisch-sportwissenschaftlichen Stand entsprachen.

Die Gestalt krächzt mir ein freundliches „Guten Morgen!“ entgegen. Da erkenne ich, dass es mein Freund, der Tod, ist. Ich mag ihn wirklich gern, aber ihn beim Sport zu treffen, beunruhigt mich doch ein wenig.

Der Tod.

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Gespräche mit dem Tod (5): Auf Freiersfüßen

Sitze in einem Straßencafé und genieße den sonnigen Herbsttag. Habe mich hierhin zurückgezogen, um mir eine neue Geschichte für den Blog auszudenken, denn der letzte Beitrag liegt schon einige Wochen zurück. Versuche meine Gedanken zu ordnen und stelle fest, gar nicht so viele Gedanken zu haben. Eigentlich nur einen. Ob der Käsekuchen in der Vitrine so gut schmeckt, wie er aussieht. Da dies nur in einem Feldversuch geklärt werden kann, bestelle ich mir ein Stück und dazu einen Kaffee.

Will mir gerade eine Gabel voll Kuchen in den Mund schieben, als eine dürre Gestalt in zerschlissener, müffelnder Kutte an meinen Tisch tritt. Es ist der Tod, der mich regelmäßig besucht, um ein Schwätzchen zu halten.

„Hallo, alter Freund!“, begrüßt er mich fröhlich. „Was dagegen, wenn ich mich zu dir setze?“

„Ganz und gar nicht“, sage ich und mache eine einladende Handbewegung auf den leeren Stuhl mir gegenüber.

„Ist der Kaffee hier gut?“, will der Tod wissen.

Ich nicke: „Aber auch ziemlich stark. Der erweckt sogar Tote wieder zum Leben.“

„Dann trinke ich lieber Tee“, erwidert der Tod und ordert einen.

Der Tod. Auf Besuch.

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Die noch vollere Wahrheit – Nachtrag zur Buchrezension „Sehr gerne, Mama, du Arschbombe“ von Patricia Cammarata

Im Nachklang zu meiner gestrigen Vorstellung des Buchs „Sehr gerne, Mama, du Arschbombe“* hat Patricia auf ‚Das Nuf‘ einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie die Wahrheit über das Arschbomben-Buch preisgibt. Zusammengefasst schreibt sie, das Buch bestünde lediglich aus leeren Seiten und einem hastig zusammengeschusterten Cover. Das „Buch“ habe sie erfunden, damit ich eine Rezension auf dem von ihr – Zitat Anfang – „sehr geschätzten“ – Zitat Ende – ‚Familienbetrieb‘ veröffentliche. Diese Posse hätte ich, laut Patricia, in meinem Post lediglich nicht aufgedeckt, um sie nicht bloßzustellen.

Das Nuf - Die volle Wahrheit

Zugegebenermaßen ist die Idee eines leeren Buches durchaus reizvoll. Es ist billig im Druck, der Aufwand für das Layout ist überschaubar und das Lektorat bereitet ebenfalls kaum Mühe. Außerdem ergeben sich ungeahnte Marketingmöglichkeiten, wie beispielsweise Lesungen in tibetanischen Schweigeklöstern. Außerdem schmeichelt mir die Darstellung von Patricia natürlich sehr. Dennoch muss ich offenlegen, dass Patricia noch nicht die volle Wahrheit über die Entstehung ihres Buches kundgetan hat.

Tatsächlich hatte ich nämlich vor ungefähr zwei Jahren die Idee, dass es die Blog-Texte von Patricia in gedruckter Form geben sollte, damit ich eine anbiedernde, einschleimende und bei den Leserinnen und Lesern Fremdscham erzeugende Buchvorstellung auf meinem Blog veröffentlichen kann. Der Bastei Lübbe-Verlag, den ich über meine wahren Absichten im Unklaren ließ, war sofort Feuer und Flamme für die Idee. Was nicht weiter verwunderlich ist, da selbst ein des Lesens unkundiger mongolischer Schafshirte das Marktpotenzial von ‚Das Nuf‘ erkannt hätte. Glücklicherweise erklärte sich Patricia dazu bereit, Texte ihres Blogs auszuwählen und zu überarbeiten, so dass das Arschbomben-Buch am 13. August in den Handel kam.

Daher kann ich Ihnen versichern, dass das Buch entgegen der Aussage von Patricia ganz großartige, lesenswerte, kurzweilige, lachtränenerzeugende Texte enthält. Sie können es also getrost kaufen. Also, sobald die zweite Auflage erhältlich ist. Denn selbstverständlich hat sich das Cammaratasche Erstlingswerk wie geschnitten Brot verkauft.

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Lesen Sie dann demnächst bei ‚Das Nuf‘, wie Patricia den ‚Familienbetrieb‘ erfunden hat, damit hier eine gefällige Rezension zu ihrem Buch erscheint. Danach berichtet Bastei Lübbe, wie sie vor über zehn Jahren das Projekt ‚Das Nuf‘ starteten, um im Spätsommer 2015 den Verkaufsschlager des Jahres im Programm zu haben. Aber eigentlich ist das alles nur eine Erfindung der Käsekuchenindustrie, die mit diesem Bubenstück den Käsekuchen als anerkannte Bestechungswährung für Gefälligkeitsrezensionen positioniert.

Käsekuchen. Von WeightWatchers gehasst.

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Patricia Cammarata: Sehr gerne, Mama, du Arschbombe. Tiefenentspannt durch die Kinderjahre. Bastei Lübbe 2015, 238 Seiten für 8,99 €. ISBN 978-3-404-60840-9*

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Bretagne 2015 – 11. Tag: Von 40ern, Beach-Tennis und Kuchen. Sehr viel Kuchen.

Wache morgens auf, blinzle mit den Augen und da steht sie nun und lässt sich nicht länger verleugnen: die 40. Sie winkt mir aus der Ecke des Schlafzimmers freundlich zu. Winke zurück. Reibe meine Augen und als ich sie öffne, ist sie verschwunden. Scheint ein wenig schüchtern zu sein, die 40.

40! Was, jetzt schon?

40! Was, jetzt schon?

Gehe erstmal ins Bad. Das Spiegelbild scheint den Eintritt ins fünfte Lebensjahrzehnt weniger gelassen zu nehmen (was bei der Formulierung ‚Eintritt ins fünfte Lebensjahrzehnt‘ auch mehr als verständlich ist). Auf dem Kopf trägt es eine Baseball-Kappe (verkehrt herum), im Gesicht eine dunkle Sonnenbrille und um den Hals eine schwere Silberkette, so dick wie ein Kinderarm. Es hält mir die Faust zum Ghetto-Gruß hin. Berühre zögerlich mit meiner Faust den Spiegel. Weiterlesen

Bretagne 2015 – 8. Tag: Von Zauseln, Spaziergängen und Wunsch-Feen

Wache morgens kurz nach 7 Uhr auf und danke Wettergott und Wetter-App auf den Knien: Es regnet und stürmt. Das heißt, der vom Bonner Freund gestern Abend angeregte 16/17-Kilometer-Lauf nach Pont Croix muss leider entfallen. Wie bedauerlich!

Esquibien bei Regen. Mal wieder.

Esquibien bei Regen. Mal wieder.

Öffne drei Stunden später erneut die Augen. Nach Adam Riese, der immer herhalten muss, wenn einfachste Rechenoperationen korrekt ausgeführt wurden, ist es jetzt 10 Uhr. Im Haus schlafen alle anderen noch. Kontrolliere kurz, ob die Kinder noch atmen. Glücklicherweise sind sie wohlauf und schlummern tatsächlich noch friedlich.

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Gehe ins Bad und mustere mich im Spiegel. Ein ungekämmter, sonnengebräunter Zausel mit struppigem Bart schaut mich an. Etwas verwahrlost, jedoch nicht vollkommen unsympathisch. Zumindest in meinen Augen.

Unter normalen Umständen wäre es angebracht, mal wieder den Kamm zu bemühen und das Gesichtshaar ein wenig zu trimmen. Aber es ist Urlaub und im Urlaub gebe ich mich gerne als leicht zerzauster, entrückter Intellektueller. Visuell gelingt mir das schon ganz gut. Und so lange ich den Mund halte.

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Ein Hoch dem Käsekuchen – vielen Dank, Andrea Harmonika!

Ich wusste schon immer, dass der Familienbetrieb die besten Leserinnen und Leser der Welt hat. Und bevor andere Bloggerinnen und Blogger jetzt aufschreien: Auch Sie haben selbstverständlich die besten Leserinnen und Leser der Welt. Das ist genau wie bei Eltern, die alle die allertollsten Kinder haben. Das hat etwas mit der Heisenbergschen Unschärferelation, der Luhmannschen Beobachterperspektive und mit Hormonen zu tun. Oder mit dem Wetter!?!

Allerdings kann ich die Großartigkeit der Leserinnen- und Leserschaft des Familienbetriebs nun auch an harten Fakten messen. Ich habe nämlich ein Geschenk bekommen, ein auch noch ganz toll eingepacktes Geschenk. Und zwar von der einzigartigen, phantastischen und unvergleichlichen Andrea Harmonika. Meine fragilen Diät-Bemühungen aufs Gröbste torpedierend hat sie mir ein Käsekuchen-Backbuch geschenkt.

Ein Geschenk. Von Andrea. Für mich. Bin gerührt.

Ein Geschenk. Von Andrea. Für mich. Bin gerührt.

Das Buch ist absolut großartig. Nun kann ich ganz viel Käsekuchen backen und ihn an Freunde, Verwandte, Kollegen und Wildfremde verschenken. Dann werde ich der beliebteste Mensch der Welt (und wahrscheinlich auch der dickste Mensch der Welt) und gründe eine Glaubens- und Genussgemeinschaft, die einzig und allein auf dem Verzehr von Käsekuchen basiert. Das Gute daran: Käsekuchen kann man an kein Kreuz und auch nirgendwo sonst ran nageln.

Vielen Dank, liebe Andrea!!! *knutsch*

In der Männer-Bäckerei

Der PR-Berater des Familienbetriebs hat angeraten, dass sich der Blog stärker an die weibliche Zielgruppe anbiedern und thematisch mehr an anderen Mama-Blogs orientieren solle, um eine nachhaltige Leserinnen- und Leserbindung zu erreichen. Obskure Alltagsgeschichten seien dafür nicht ausreichend, sondern die Artikel müssten einen praktischen Mehrwert bieten, der zukünftige Besuche des Familienbetriebs erstrebenswert erscheinen lässt.

Unglücklicherweise eignen sich meine Bastel- und Do-it-yourself-Kompetenzen allenfalls zu tollpatschigen Slapstick-Einlagen und meine ausgeprägte Handarbeits-Legasthenie bietet ebenfalls keinen Stoff für spannende, lesenswerte Artikel mit Erkenntnisgewinn. Zum Backen reichen meine grobmotorischen Fähigkeiten aber gerade noch aus.

Käsekuchen. An nichts.

Käsekuchen. An nichts.

Somit präsentiert der Familienbetrieb heute stolz einen Back-Post. Mit nützlichen Praxis-Tipps und bebildert durch gleichermaßen hochwertige wie ansprechende Fotos. Der hoffnungsvolle Anfang eines erfolgreichen Back-Blogs oder doch nur ein einmaliger Ausflug in die Backhölle des Grauens? Egal. Viel Spaß beim Lesen und – möglicherweise – Nachbacken!

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