Gespräche mit dem Tod (11): Vom Fensterputzen, Gunter Gabriel und Helmut Kohl

Es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr. Ich stehe im Wohnzimmer auf einer Leiter und putze Fenster. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört, denn aufgrund des unebenen Dielenbodens schwankt die Leiter bei jeder Bewegung von mir bedrohlich. Daher muss ich mich sehr konzentrieren, damit weder ich noch der volle Putzeimer von der Leiter fällt.

Plötzlich höre ich, wie die Wohnungstüre geöffnet wird und Schritte im Flur ertönen. Ich versuche, mich auf der Leiter umzudrehen, die sich daraufhin zur Seite neigt. Im letzten Moment hält jemand die Leiter fest. Es ist mein Freund, der Tod.

„Herrjemine, pass doch auf“, ruft er. „Ich hab‘ auch so schon genug zu tun.“

Der Tod.

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Gespräche mit dem Tod (7): Die Imagekampagne

Freitagabend, 20.30 Uhr. Sitze missmutig im Büro und schreibe an einem Konzeptpapier zu einer Kommunikationskampagne. Die Deadline rückt bedrohlich näher, denn das Konzept muss noch heute zum Kunden. Die späte Stunde und das nahende aber doch so ferne Wochenende sind weder der Originalität meiner Gedanken noch der Eloquenz meiner Ausführungen zuträglich.

Überlege, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Bier zu trinken. Komme zu dem Schluss, dass es zumindest nicht der falsche Zeitpunkt ist, und mache mich auf den Weg in die Büroküche, um den Kühlschrank zu inspizieren. Entdecke erfreut im Gemüsefach noch einige Biere und will mir gerade eins nehmen, als es plötzlich an der Tür klingelt. Bin etwas irritiert, denn normalerweise kommt nie jemand bei uns im Büro vorbei (ungünstigerweise nicht einmal Paketboten und Kuriere).

Öffne zögerlich die Tür und befürchte, von ein paar zur späten Stunde marodierenden Zeugen Jehovas das Ende der Welt verkündet zu bekommen. Atme erleichtert auf, als ich sehe, wer vor der Tür steht. Es ist mein Freund, der Tod.

Der Tod.

Der Tod. Auf Besuch.

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