Der musikalische Adventskalender 2015 – Tag 10: ‚All I want for Christmas is you‘ aus ‚Love actually‘ (vorgestellt von ‚Mama on the rocks‘)

Auch dieses Jahr steigert der musikalische Adventskalender die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche. Diesmal mit ganz vielen phantastischen Gastautorinnen und Gastautoren, die ihre liebsten Lieder zur Weihnachtszeit vorstellen. Viel Spaß beim Hören!

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Durch den musikalischen Adventskalender weht ein wenig internationaler Flair, denn den heutigen Song stellt Séverine von ‚Mama on the rocks‘ aus der Schweiz vor (Hier bitte kurz die Eurovisions-Melodie pfeifen). Sie schreibt auf ihrem Blog sehr amüsant, häufig komisch und manchmal nachdenklich über das Leben mit ihren beiden Kindern ‚Lady Gaga‘ und ‚Copperfield‘. Einmal hätten wir uns fast auf einem Blogger-Treffen persönlich getroffen und Séverine hat mir sogar ein großzügiges Schweizer Schokoladen-Geschenk mitgebracht, dass dann treuhänderisch von Johnny vom ‚Weddinger Berg‘ verwahrt und gegessen wurde. Bei anderer Gelegenheit trafen wir uns dann tatsächlich, dann aber leider ohne Schokolade (oder Johnny hat sie ihr vorher abgeknöpft).

Das Lied, das Séverine vorstellt, ist ein moderner Weihnachtsklassiker. Während man sich an dem Original schon ein wenig überhört hat, ist das Cover aber umso besser.

‘Mama on the rocks, möchte zu Weihnachten alles

Im Sommer 1994 war ich zum ersten Mal ohne meine Eltern im Urlaub – für einen ganzen Monat war ich zusammen mit einer Freundin und ihrer Mutter in Paralia Katerini in der Nähe von Thessaloniki. Vier Wochen Strandleben pur. Und die große Liebe. Jaja, ich habe mich dort unsterblich verliebt in einen Griechen, Yannis. Mein Mann heißt nicht Yannis, ihr könnt euch also denken, dass die Geschichte damals kein Happy End hatte. Der Herzschmerz war enorm, ich süße 17 Jahre alt. Und ich weiß noch genau, wie ich im Advent 1994 zum ersten Mal diesen Song von Maria Carey hörte: «All I want for Christmas is you».

Was habe ich gelitten, was habe ich dieses Lied geliebt! Ich wollte nur ihn: Yannis. Mariah Carey brachte auf den Punkt, was ich fühlte. Tatsächlich rief mein Grieche an Sylvester 1994 an, obwohl wir uns schon in den Ferien wieder getrennt hatten. Ich hörte danach aber nie wieder von ihm.

Viele Jahre habe ich ihm nachgeschmachtet. Und immer, wenn im Advent dieses Lied lief, dachte ich an meine unglückliche Liebe ohne Happy End. Ich trauerte, schrieb Gedichte, träumte von ihm. Teenie-Liebe ist ja so intensiv!

Irgendwie ging das Leben aber weiter. Yannis war verarbeitet. Stattdessen kamen (und gingen) andere Männer, andere Weihnachten, an denen ich um irgendeine Liebe trauerte und ALL I WANT FOR CHRISTMAS schmachtete. Schließlich muss man das laut mitsingen! Und es gab immer einen Mann, der eben NICHT bei mir war, denn ich schaffte es, an Weihnachten meistens Single zu sein. Vielleicht weil man sich dann insgeheim fragt: Möchte ich den da wirklich meinen Eltern vorstellen?!

2003 kam der Film «Love, actually» in die Kinos, ein Episodenfilm mit vielen wunderbaren Geschichten rund um Weihnachten, die sich am Ende zu einem Ganzen verknüpfen. Ich liebe diesen Film (wer nicht?!) und schaue ihn eigentlich jedes Jahr einmal an. Relativ am Ende singt die zehnjährige Joanna den Carey-Song an der Schulvorführung. Sam, der heimlich in sie verliebt ist, hat für sie Schlagzeug spielen gelernt. Als sie am Ende des Songs nochmals den Refrain singt, zeigt sie auf Sam, der zu strahlen beginnt, nur um direkt danach ins Publikum zu zeigen. Sams empörter Blick ist unbezahlbar:

Ende November 2009 kam LadyGaga zur Welt. Und plötzlich bekam das Lied eine völlig neue Bedeutung für mich. Weihnachten 2009 verbrachten wir zum ersten Mal nur zu dritt. Es war ruhig, es war besinnlich und so so schön, mit der eigenen kleinen Familie zu sein. Alles, was ich an diesem Weihnachtsfest wollte, lag in meinen Armen. Mehr brauchte es nicht. Ein unbeschreibliches Gefühl!

Und seither denke ich bei diesem Song nicht mehr an unerwiderte Liebe. Ich denke daran, was ich gewonnen habe im Leben: meine Familie, meine Kinder. Mehr brauche ich nicht an Weihnachten.

PS Bei der Recherche zu diesem Beitrag habe ich noch eine Version des Grauens gefunden: Mariah Carey singt den Song zusammen mit Justin Bieber. Es gibt eine Kotz- und Röchelgarantie, wenn ihr euch das anschaut. Carey räkelt sich die ganze Zeit lasziv an einer Wand, Bieber möchte man einfach nur in die Fresse hauen (sorry for that, Merry Christmas to you all und so!)

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Vielen Dank, liebe Séverine, für dieses tolle Lied. Und noch viel mehr dafür, dass du uns die Carey-Bieber-Variante erspart hast. Zumindest halbwegs.

Mehr von ‚Mama on the rocks‘ gibt es übrigens hier:

 

Der musikalische Adventskalender 2015 – Tag 2: ‚Christmas is all around‘ von Bill Nighy (vorgestellt von ‚Zwillingswelten‘)

Auch dieses Jahr steigert der musikalische Adventskalender die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche. Diesmal mit ganz vielen phantastischen Gastautorinnen und Gastautoren, die ihre liebsten Lieder zur Weihnachtszeit vorstellen. Viel Spaß beim Hören!

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Heute gibt sich Sven vom Blog ‚Zwillingswelten‘ die Ehre im musikalischen Adventskalender. Sven hat schon vor vielen, vielen Jahren, einen Bücherblog. Damals gab es noch nicht einmal Facebook und viele Menschen fragten sich, was überhaupt ein Blog ist (also noch mehr als heutzutage). Inzwischen schreibt Sven seit 2008 auf ‚Zwillingswelten‘ über das Familienleben mit seinen beiden Söhnen und gibt er zahlreiche Tipps, wie man das Leben mit Zwillingen meistern kann. Schon zwei Mal hatte ich das Vergnügen, Sven persönlich zu treffen. Es nötigt mir den größten Respekt ab, dass sein täglicher Koffeinkonsum den meinen sogar noch übertrifft.

Musikalisch geht es heute um ein großartiges Weihnachtscover des Troggs-Klassikers ‚Love is all around‘. Und zwar von dem formidablen Bill Nighy in dem jetzt schon als legendär zu bezeichnenden Weihnachtsfilm ‚Love actually‘.

Bei den ‚Zwillingswelten‘ ist ‚Chrismas all around‘

Was wäre Weihnachten ohne einen Weihnachtsbaum? Ohne Schnee? Ohne Lebkuchen? Marzipan? Ohne Tatsächlich Liebe? Es wäre nur ein halbes Fest. Und das darf es nicht sein.

Wenn Bill Nighy in seinem Hawaii-Hemd versucht, den Weihnachtssong für die neue CD einzuspielen, hat der Film noch nicht einmal begonnen und ich bin vor Lachen nicht vom Fußboden zu bekommen. Ich muss aufpassen, dass ich da schnell wieder Luft bekomme, denn der Film gehört zu unseren ausgesprochenen Lieblingsfilmen während der Weihnachtszeit. Und niemand flucht so schön, wie Bill Nighy.

Naja, vielleicht noch Hugh Grant. Wenn er als englischer Premierminister in Anzughose und Hemd durch die Downing Street 10 tänzelt, ist es ganz um mich geschehen. Unsere Jungs werden mir Taschentücher und Riechsalz reichen, damit ich schnell wieder bei Kräften bin, wenn wir in diesem Jahr zum ersten Mal gemeinsam den Film ansehen.

Ein wenig ungläubig schauen werden sie, was 50% der Erziehungsberechtigten plötzlich haben und sich fragen, ob sie helfen können. So ist das noch in ihrem Alter. Vielleicht machen sie später komische Wischbewegungen vor ihren Köpfen, bis sie verstehen, was den Film ausmacht.

Stars soweit man schaut

Die Garde an Schauspielern, die bei „Tatsächlich Liebe“ (Original: Love Actually) auftreten, ist wahrlich ein Weihnachtsfest sondergleichen. Neben der von mir verehrten Emma Thompson, als Anglist ein Muss, sind auch Liam Neeson, Colin Firth, Keira Knigthley und Heike Makatsch mit dabei, um nur einige zu nennen. Die einzelnen Charaktere, die im Filmverlauf immer mehr miteinander verwoben sind, sind einfach herzerwärmend. Und auch wenn ich mir jedes Mal sagen, ich weiß, was da jetzt passiert, habe ich doch gewisse Szenen nicht mehr ganz so im Kopf. Womöglich lag es an meinen Lachanfällen, dass ich diese verpasst habe.

Wie gut, dass unsere Jungs in diesem Jahr den Film mit uns zusammen schauen. So können sie mir dann hoffentlich erzählen, was ich verpasst habe.

Warum ich den Film mag?

Ich mag den Film nicht nur wegen der Garde an Hauptdarstellern. Es sind die lustigen und auch schmalzigen Momente des Filmes. Wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn sich ansehen. Taschentücher bitte bereithalten. Die Mischung macht es. Genauso wie das Auswickeln der Geschenke zu Hause, oder die Gäste, die vorbeikommen. Die Seitenhiebe im Film rund um das Weihnachtsfest, das uns alle anscheinend immer in Stress verfallen lässt, kommen gut an – wenn man mal mit dem Lachen stoppen kann.

Seit 12 Jahren hat er unser Weihnachtsfest geprägt und wird es wohl auch weiterhin tun. Und jetzt kommt, jetzt singen wir gemeinsam „I feel it in my fingers…“

Frohe Weihnachten!

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Herzlichen Dank, lieber Sven, für diesen großartigen Hit, der uns nun alle fluchend durch den Tag gehen lässt.

Mehr von „Zwillingswelten“ gibt es hier zu lesen: