Der musikalische Adventskalender 2015 – Tag 1: ‚Stop the cavalry‘ von Jona Lewie (vorgestellt von ‚Essential Unfairness‘)

Auch dieses Jahr steigert der musikalische Adventskalender die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche. Diesmal mit ganz vielen phantastischen Gastautorinnen und Gastautoren, die ihre liebsten Lieder zur Weihnachtszeit vorstellen. Viel Spaß beim Hören!

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Der musikalische Adventskalender freut sich zum Start über einen Kracher-Weihnachtssong und über eine Gastautorin von einem Kracher-Blog: „Essential Unfairness“. Unter diesem Namen bloggt Saskia gemeinsam mit ihrem Mann seit zweieinhalb Jahren sehr lesenswert und unterhaltsam über das mitunter turbulente Familienleben. Denn wenn Eltern mit einem Kind stöhnen, wie sie Familie, Beruf, Kindertermine, soziale Verpflichtungen und Hobbies auf die Reihe bekommen, kann Saskia wahrscheinlich nur müde lachen. Sie und ihr Mann haben nämlich vier Kinder (und zwei Katzen) und daher leitet sich der Name ihres Blogs von einem Zitat der englischen Schriftstellerin Nancy Mitford ab: „The great advantage of living in a large family is that early lesson of life’s essential unfairness“.

Im Haus Essential läuft „Stop the Cavalry“

Wir freuen uns, unser weihnachtliches Lieblingslied vorzustellen: „Stop the Cavalry“ von Jona Lewie.

Wir haben uns im Hause Essential auf „Stop the Cavalry“ geeinigt, lieben aber noch viel mehr Weihnachtslieder.

Jedes Jahr singen wir beispielsweise zusammen im elterlichen Duett am Heiligabend „Twelve Days of Christmas“ (tja-ha, DAS würdet Ihr jetzt gerne hören, ne?) und jedes Kind hat sowieso noch ein eigenes Lieblingslied.

Es war daher nicht leicht, uns auf dieses Stück hier zu einigen:

  • Ich, Miss Essential, habe dieses Lied als Kind schon sehr gemocht – ich liebte den schwungvollen Marsch irgendwie – Kinder lieben starke Rhythmen, weiß man ja.
  • Nummer 3 gefiel es ebenso gleich beim ersten Hören. Rhythmen und so.
  • Nummer 2 wollte hier lieber „I Want a Rock and Roll Guitar“ vorstellen, aber das würgte ich ab mit „Hätteste dich mal lieber im Gitarrenunterricht angestrengt, dann wärste nicht aus der Gruppe geflogen, du Noob!“
  • Nummer 1 liebt „Maria durch ein Dornwald ging“ und singt es uns einmal jährlich vor – sehr gekonnt übrigens. Aber sie wurde nicht gefragt. Weil sie mal wieder YouTube guckend im Bett lag.
  • Mister Essential hätte unser Duett ausgesucht, doch da gab es nur eine sehr infantile Duett-Version auf YouTube und es fiel daher flach.

In diesem Sinne einigten wir uns eben völlig demokratisch.

Nummer 4 hörte dieses Lied eben zum ersten Mal im Leben, es erklang die zum Angriff blasende Kavallerie-Trompete und er riss zuerst die Augen auf. Dann rief er völlig euphorisch: „Aua machen!!“. Wieso genau er da den Zusammenhang erkannte, weiß hier niemand, aber so bildete sich prompt eine neue Weihnachtsanekdote.

Zum Lied selber: Den völlig zeitlosen Irrsinn des Krieges und das traurige Dasein des müden, sehnsuchtsvollen Soldaten mit Heimweh kann man sofort nachvollziehen. Und der pazifistische Ansatz, den es durch seine berührenden aber einfachen Worte ausdrückt, liegt ja ohnehin jedem am Herzen, ne?

Den schwungvollen Marsch mögen inzwischen hier alle und das macht mir so ein weihnachtliches Nostalgie-Gefühl …

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Liebe Saskia, vielen Dank für das großartige Lied, das einen mehr als würdigen Auftakt für den musikalischen Adventskalender darstellt.

Wer mehr von „Essential Unfairness“ lesen möchte, wird hier fündig:

 

Der musikalische Adventskalender – Tag 9: „Stop the cavalry“ von Jona Lewie

Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche zu steigern, stellt der musikalische Adventskalender jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor – von Perlen der Weihnachtsmusikgeschichte über Nerv tötende Evergreens bis hin zu Grausamkeiten aus dem musikalischen Giftschrank ist alles dabei. Viel Spaß beim Hören!

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Nach dem gestrigen Ausflug in die musikalische und visuelle Diarrhoe mit der Ausschlag auslösenden Bros-Interpretation von „Silent Night“ möchte der musikalische Adventskalender die Hörerinnen und Hörer heute gnädig stimmen, sofern er sie gestern nicht dauerhaft vertrieben hat: mit dem schmissigen „Stop the cavalry“ von Jona Lewie.

Der Song, der laut Lewie ursprünglich gar nicht als Weihnachtslied, sondern als Protestsong gegen Krieg gedacht war, ist der erfreuliche und hoffnungsvoll stimmende Beleg, dass Weihnachtsmusik nicht per se grauenvoll sein muss und es nicht zwingend notwendig ist, sie auf eine Weise darzubieten, die eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt als begrüßenswerte Alternative erscheinen lässt.

Darüber hinaus macht es sich immer gut, in der Weihnachtszeit durch das Hören eines Anti-Kriegs-Song demonstrativ eine pazifistische Grundhaltung zur Schau zu stellen. Mit etwas Glück fällt es auch niemandem auf, dass dies die bequemste Art des Protest gegen Krieg ist. Man kann es sich mit heißem Kakao im wohl gewärmten Wohnzimmer vor der Stereo-Anlage bequem machen, anstatt sich in der Kälte auf der Straße die Beine in den Bauch stehen und sich die Stimme mit „Nie wieder Krieg“–Sprechchören heiser schreien zu müssen. In diesem Sinne sollte der musikalische Adventskalender in den nächsten Tagen vielleicht noch einige Weihnachtssongs gegen den Klimawandel sowie gegen Armut und Hunger in der Welt präsentieren.

Aber jetzt erstmal viel Spaß beim Hören!