Griechenland 2016 – Tag 8: Von Inneren Schweinehunden, Notsonnencremes und Urlaubsbekanntschaften

Es ist bereits 8.45 Uhr als ich die Augen öffne. So lange habe ich hier noch nie geschlafen. Fühlt sich ungewohnt an. Aber gut.

Guten Morgen, Psakoudia.

Ein von Familienbetrieb (@betriebsfamilie) gepostetes Foto am

Eigentlich müsste ich heute die gestrige Laufrunde nachholen. Jetzt um kurz vor 9 Uhr ist es aber wahrscheinlich schon zu heiß dafür. Der innere Schweinehund stimmt mir zu. Erkläre ihm, ich stünde dafür morgen extra früher auf, um zu joggen. Der innere Schweinehund klopft mir anerkennend auf die Schulter, dann entfernt er sich. Sein schallendes Gelächter klingt mir noch eine Weile im Ohr. Weiterlesen

Griechenland 2016 – Tag 7: Von inneren Schweinehunden, erotischen Strand-Beobachtungsstudien und kaputten Duschköpfen

Wache morgens um 8.05 Uhr auf. Eigentlich stünde mal wieder eine Laufrunde an. (Ganz eigentlich hätte sie ja gestern schon angestanden, aber am Geburtstag joggen zu gehen, wirkt so calvinistisch überdiszipliniert. Das macht einen dann ein wenig unsympathisch.) Gerade mit zunehmendem Alter darf man, was das Sporttreiben angeht, nicht nachlässig werden. Allerdings bin ich gestern Abend recht spät ins Bett gegangen, weil ich noch ganz viele Geburtstagswünsche auf den drölfzig Social-Media-Kanälen beantwortet habe. Das sehr reichhaltige Essen gestern sowie der überdurchschnittliche Konsum alkoholischer Getränke sprechen ebenfalls dagegen, heute in der Früh durch Psakoudia zu laufen und sich mit den Straßenkötern Wettrennen zu liefern.

Der innere Schweinhund pflichtet mir bei, dass dies alles sehr gute Gründe seien, die Laufschuhe Laufschuhe sein zu lassen und sich stattdessen erstmal ein opulentes Frühstück zu gönnen. Wo er Recht hat, hat er Recht. Und morgen ist ja auch noch ein Tag zum Laufen. Der innere Schweinehund nickt. Dann bricht er in schallendes Gelächter aus.

Beim Frühstück animiere ich Tochter und Sohn, Nektarinen zu essen. Wenn man schon nicht laufen geht, muss man zumindest konsequent sein, was das Essen angeht. Zumindest denke ich das, während ich mir mein fluffiges Brötchen mit Schoko-Creme einverleibe.

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Griechenland 2016 – Tag 6: Von nächtlichen Geburtstagstischen, Notkäsekuchen und würdevollem Altern

Es ist kurz vor Mitternacht und der Rest der Familie hat mich in das Bad unseres Ferienhauses verbannt. Ich habe nämlich gleich Geburtstag. Und den nimmt der Rest der Familie im Gegensatz zur mir sehr ernst. Während ich in dem muffigen kleinen Bad warte, rumort es draußen geschäftig.

Mit zunehmendem Alter wird mir das Konzept des Geburtstagsfeierns immer suspekter. Warum lässt man jemanden hochleben, nur weil er auf die Welt gekommen ist? Eigentlich müsste doch die Mutter gefeiert werden, die das Kind nach neun beschwerlichen Monaten mit Übelkeit, Wassereinlagerungen und hormonellen bedingten Stimmungsschwankungen unter Schmerzen aus sich rauspresst. (Ich sollte Mutter vielleicht mal wieder anrufen.)

Frage durch die Tür, ob ich endlich das Bad verlassen darf. Ich darf nicht.

Betrachte mich etwas genauer im Spiegel, um festzustellen, ob man mir die bald 41 Jahre ansieht. Entdecke im Bart und an den Schläfen das ein oder andere graue Haar. Darüber hat Pur mal ein Lied gesungen. „Ein graues Haar, wieder geht ein Jahr.“ Schlimmer Reim, schlimmes Lied, schlimme Band. Alles schlimm.

Daher würde ich bei mir auch nicht von grauen Haaren sprechen, sondern von silbernen Strähnen, die mein ansonsten dunkles und vor allem, was ich betonen möchte, dichtes Haar durchweben. Das klingt nach gut aussehendem, distinguiertem Herrn mit intellektueller Ausstrahlung.

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Griechenland 2016 – Tag 5: Von fehlenden fluffigen Brötchen, unschönen Taucherlebnissen und hochwertigen Souvenirs

Morgendliches Aufwachen heute um 8.15 Uhr. Allmählich nimmt das Ausschlafen hier studentische Ausmaße an.

Stelle fest, dass meine Kopfhaut ein wenig brennt. Wenn ich sie berühre, tut sie weh. Möglicherweise habe ich doch einen ganz leichten Sonnenbrand auf dem Kopf, einen Hauch von Sonnenbrand. Werde dies gegenüber der Frau aber nicht erwähnen. Erstens, soll sie nicht denken, dass sie Recht hatte (So etwas ist selbst in einer ausnahmslos harmonischen Partnerschaft, wie wir sie pflegen, irgendwann von Nachteil.) und zweitens, könnte sich sonst ihre Lügenkampagne bezüglich meines angeblich schütteren Haupthaars bei den Leserinnen und Lesern des Blogs verfangen. (Die Frau hat übrigens immer noch viel mehr graue Haare als ich. Aber das nur am Rande.)

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Griechenland 2016 – Tag 2: Von hündischen Laufbegleitern, chilligen Strand-DJs und Einhand-Kniffeln

Es ist 6.30 Uhr und ich bin hellwach. Wahrscheinlich eine Art senile Urlaubsbettflucht. Allerdings ohne aufs Klo zu müssen.

Trete auf den Balkon, um zu sehen, was der Tag klimatisch und meteorologisch so bringen wird. Der Himmel ist leicht bedeckt, es weht ein laues Lüftchen und die Temperaturen liegen bei knapp 20 Grad. Eigentlich ideale Bedingungen, um Laufen zu gehen. Also, wenn es im Urlaub morgens um halb Sieben überhaupt ideale Laufbedingungen geben kann.

Aber wer abends Feta und Moussaka mit fettreicher Béchamelsauce in industriellen Mengen verzehrt und dazu ordentlich Bier trinkt, der muss halt morgens laufen. Ein den Körperkult unangemessen überhöhendes Postulat, das eigentlich kultur- und gesellschaftskritisch hinterfragt gehört, aber durchaus seine Berechtigung hat, möchte man doch nach 14 Tagen Urlaub nur ungern die Heimreise als Moby-Dick-Look-Alike antreten.

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Bretagne 2015 – 13. Tag: Von radelnden Senioren, kalten Meeren und unschönem Kniffeln

Trete morgens auf die Terrasse und werde von der Sonne, der klaren Luft und dem mit Schleierwolken durchzogenen Himmel begrüßt. Grüße zurück. Ein wahrhaft würdiges Wetter für meine Abschieds-Berg-Radtour zum Bäcker.

Esquibien. Napoleonisches Kaiserwetter.

Esquibien. Napoleonisches Kaiserwetter.

Im Wissen, das letzte Mal die Hügel, Berge und Anstiege zwischen Esquibien und Audierne alleine mit der Muskelkraft meiner Beine bezwingen zu müssen, radle ich übermütig pfeifend los. Meine persönliche Tour d’Honneur, wie sie sonst nur Radprofis auf der letzten Etappe der Tour de France erleben. Die trinken allerdings sogar zum Start ein Gläschen Champagner. Bei mir fehlt nicht nur der französische Schaumwein, sondern auch die Abwesenheit jubelnder Menschenmassen am Straßenrand schmälert meint Hochgefühl ein wenig.

Lasse mich aber nicht entmutigen und winke den vereinzelten frühen Spaziergängern fröhlich zu. Diese sind etwas irritiert und ihre Beifallskundgebungen könnten etwas enthusiastischer ausfallen. Also, wenn sie überhaupt reagieren würden, wäre das schon ganz schön.
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Bretagne 2015 – 12. Tag: Von Küstenläufen, Strandküchen und Sandflöhen

Trete morgens früh auf die Terrasse und lasse den Blick über den Garten hinaus aufs Meer schweifen. Die Luft ist klar, der Himmel wolkenlos, die Sonne scheint. Ein Tag, wie geschaffen, um ganz Besonderes zu leisten. Um Helden zu zeugen, um Kontinente zu entdecken, um Medizin gegen unheilbare Krankheiten zu entwickeln oder um eine Rhinozerosherde die atlantische Küste entlang zu treiben.

Esquibien. Ein Tag für ganz besondere Großtaten.

Esquibien. Ein Tag für ganz besondere Großtaten.

Da unsere Familienplanungen bereits abgeschlossen sind, die Erde weitestgehend kartographiert ist und wir über keine nennenswerten medizinisch-naturwissenschaftlichen Kenntnisse verfügen, entscheiden sich der Bonner Freund und ich für die letzte Option: Wir wollen einen letzten 10-Kilometer-Urlaubslauf einlegen, romantisch und größtenteils ebenerdig verlaufend die Küste entlang in westliche Richtung und dann über die Dörfer zurück nach Esquibien. Weiterlesen

Bretagne 2015 – 11. Tag: Von 40ern, Beach-Tennis und Kuchen. Sehr viel Kuchen.

Wache morgens auf, blinzle mit den Augen und da steht sie nun und lässt sich nicht länger verleugnen: die 40. Sie winkt mir aus der Ecke des Schlafzimmers freundlich zu. Winke zurück. Reibe meine Augen und als ich sie öffne, ist sie verschwunden. Scheint ein wenig schüchtern zu sein, die 40.

40! Was, jetzt schon?

40! Was, jetzt schon?

Gehe erstmal ins Bad. Das Spiegelbild scheint den Eintritt ins fünfte Lebensjahrzehnt weniger gelassen zu nehmen (was bei der Formulierung ‚Eintritt ins fünfte Lebensjahrzehnt‘ auch mehr als verständlich ist). Auf dem Kopf trägt es eine Baseball-Kappe (verkehrt herum), im Gesicht eine dunkle Sonnenbrille und um den Hals eine schwere Silberkette, so dick wie ein Kinderarm. Es hält mir die Faust zum Ghetto-Gruß hin. Berühre zögerlich mit meiner Faust den Spiegel. Weiterlesen

Bretagne 2015 – 7. Tag: Von Märkten, Frisbee-Kunst und der Rückkehr der furzenden Schweine

Wache morgens auf und ein Blick aus dem Fenster und auf die Wetter-App zeigen: der bretonische April geht weiter. Nach dem gestrigen verregneten Tag gibt es heute strahlenden Sonnenschein. Der Strand ruft!

Esquibien. Morgenidyllisch.

Esquibien. Morgenidyllisch.

 

Aber vor das Badevergnügen hat der Urlaubsgott die obligatorische Fahrrad-Berg-Tour zum Bäcker gesetzt. Fröhlich pfeifend radle ich mit leichtem Tritt von Hügel zu Hügel gen Audierne.

Bitte glauben Sie nicht den Gerüchten, dass ich mich keuchend und rotgesichtig über die Berge mühe. Das sind böswillige Unterstellungen, um meinen guten Ruf zu schädigen. Dass ich gar keinen guten Ruf habe, ist übrigens ebenfalls eine böswillige Unterstellung.

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Bretagne 2015 – 5. Tag: Von Brioches, Altglas-Philosophie und gefüllten Blasen

Wache morgens mit einem leichten Kratzen im Hals auf. Schlucke ein, zwei Mal und ja, es ist eindeutig ein Hauch von Schmerz zu spüren. Hoffentlich ist keine tödliche Männergrippe im Anmarsch und rafft mich dahin wie ein siechendes Tier. Die Freundin teilt meine Befürchtungen allerdings nicht ganz und sieht das Ganze mit wenig Empathie und dafür umso mehr Pragmatismus. Sie findet es tröstlich, dass die Nähe zum Meer wenigstens eine günstige Seebestattung ermögliche.

Verzichte sicherheitshalber auf das heutige Joggen, um dem geschwächten Leib nicht zu viel zuzumuten. Der Bonner Freund drückt ein paar halbherzige Worte des Bedauerns aus, scheint aber nicht besonders unglücklich zu sein.

Esquibien. Morgenromantik.

Esquibien. Morgenromantik.

Absolviere statt des Laufs mit dem Rad die Berg-Tour zum Bäcker. Warum das für meinen Körper besser sein soll als das Laufen, weiß ich auch nicht. Aber am fünften Urlaubstag sollte man auch nicht mehr allzu viel logisches Denken erwarten. Zumindest nicht von mir. Wobei die Erwartungen diesbezüglich auch im normalen Arbeitsalltag bei mir nicht zu groß sein sollten.

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