Der musikalische Adventskalender 2015 – Tag 7: ‚Title and registration‘ von Ben Gibbard (vorgestellt von ‚Weddinger Berg‘)

Auch dieses Jahr steigert der musikalische Adventskalender die Vorfreude auf das Weihnachtsfest ins Unermessliche. Diesmal mit ganz vielen phantastischen Gastautorinnen und Gastautoren, die ihre liebsten Lieder zur Weihnachtszeit vorstellen. Viel Spaß beim Hören!

###

Es erfüllt den musikalischen Adventskalender mit großer Freude, dass sich heute die Avantgarde der Weddinger Familienblogger-Szene die Ehre gibt. Johnny, der eigentlich Tobias heißt, aber auch auf „Haste Lust `nen Kaffee zu trinken“ hört, schreibt seit Februar 2014 auf dem ‚Weddinger Berg‘ ein „Sammelsurium schräger Alltagsgeschichten und Gedanken aus dem Leben mit töchterlicher Urgewalt“. Damit trägt er maßgeblich zur Rehabilitation des als Problembezirk stigmatisierten Weddings bei und zeigt, dass man dort sehr gut als junge Familie leben kann (Anti-Gentrifizierungs-Aktivisten schicken ihre Beschwerden bitte direkt an istmirdochegal@weddingerberg.de.). Es ist außerdem Johnnys Verdienst, die Blogger-Aktion ‚12 von 12‘, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 12. eines Monats 12 Bilder aus ihrem Alltag präsentieren, auf ein neues Level gehoben zu haben. In den letzten Monaten hat er an einem Tag 12 Kugeln Eis beziehungsweise 12 Stück Kuchen in verschiedenen gastronomischen Einrichtungen des Weddings zu sich genommen. Wir verneigen uns in Ehrfurcht vor dieser Leistung.

Das Lied, das Johnny heute vorstellt, ist eigentlich gar nicht besonders weihnachtlich. Das hängt damit zusammen, dass Weihnachten in seiner Kindheit keine große Rolle gespielt hat und er die von der Konsumgüterindustrie inszenierte Kulturtechnik des Weihnachtsfests als Familienvater erst in einem autodidaktischen Aneignungsprozess erlernen muss.

Ben Gibbard „Title and registration“. Oder: Dezember in Auschwitz

Aufgrund der Tatsache, dass die weihnachtlichen Feiertage seit geraumer Zeit schon kaum noch Relevanz in meinem Leben entfalten, verbinde ich auch keine allzu frischen Erinnerungen mit ihnen. Keine besonders besonderen Momente, aber auch keine besonderen Dramen. Nichts. Und Musik, sofern es sich nicht um die aller klassischste Weihnachtsmusik à la „Last Christmas“ handelt? Nein, nichts, komplette Fehlanzeige!

Dachte ich jedenfalls. Vielleicht gibt es aber doch eine kleine Ausnahme und zwar ein Lied mit dem „Title & registration“ von Ben Gibbard, seines Zeichens Sänger der Gruppe Death Cab for Cutie. Hierfür muss ich aber ein Stück weit ausholen und es ist auch keine echte Weihnachtserinnerung, sondern ein Dezember-Erlebnis, dass sich zufällig nah an Weihnachten genau so zugetragen hat:

Im Dezember des Jahres 2009 (lange her also) befand ich mich ganz unverhofft für eine ganze Woche auf einer Lehrertagung in der IJBS Oswiecim (IJBS = Internationale Jugendbegegnungsstätte). Der deutsche Name dieses kleinen verschlafenen Nestleins in Polen, damit auch jeder weiß, was gemeint ist: Auschwitz. Auschwitz!

Mit deutschen und polnischen Lehrerkollegen verbrachte ich meine Vormittage auf den verschiedenen Geländen des ehemaligen Arbeits- und Vernichtungslagers Auschwitz, sprach mit Überlebenden, die den Boden der Hölle berührt haben und wie durch ein Wunder wiederkehrten, um mich dann bis in die Abendstunden hinein in Arbeitsgruppen und Präsentationen darüber zu diskutieren, wie man sich dem Thema möglichst pädagogisch nähern könnte. Abends wurde dann standesgemäß und massiv dem billigen Alkohol gefrönt. So mancher rauchte Zigarre. Lehrer und ihr natürliches Verhalten eben.

Kurz vor meiner Abreise mit dem Warschau Express in Richtung Polen fiel mir der Mitschnitt eines Akustik-Konzerts von Ben Gibbard aus dem Jahr 2007 in die Hände. Ein Zufallsfund, der mir seit jenem verhängnisvollen Tag in elektronischer Dauerschleife um die Ohren zu dröhnen hatte. Bis, ja bis zu meiner Abreise Montag Morgen um 6:30h. Am Hauptbahnhof hörte ich die Stimme Gibbard’s dann erst einmal zum letzten Mal.

Danach herrschte eine Woche lang Stille. Sieben Tage ohne Musik. Nur einmal noch versuchte ich in Oswiecim, Gibbards akustischem Treiben zu lauschen, aber nach wenigen Sekunden schon drückte ich hastig die STOP-Taste. Nicht jetzt, nicht hier, es ging nicht, fühlte sich auch gar nicht richtig an. Erst, als ich längst wieder zu Hause in Berlin war, begann ich langsam wieder damit, den im übrigen legalen Mitschnitt laufen zu lassen. Lied für Lied und irgendwann auch wieder ganz am Stück.

Im Dezember 2009 habe ich kein Weihnachten gefeiert. Eben genauso, wie ich es schon so häufig und in den Jahren zuvor nicht getan habe. Weihnachten fand einfach nicht statt. Statt dessen habe ich ganz unfeierlich eine Flasche Wein geleert und so viel „Herr der Ringe“ geschaut, wie es mir menschenmöglich erschien.

Bis heute denke ich ab dem ersten Akkord dieses Liedes an jene Zeit im Dezember 2009, rund um Weihnachten, als ich mit Kolleginnen und Kollegen in Polen weilte. Ich denke daran, wie ich auf der ehemaligen Rampe stand oder am Teich, als ich in „Kanada“ herumirrte und später die ehemalige „Sauna“ betrat. Ich denke an die langen Abende, die kurzen Nächte, die viel zu langen Tage und die Köchinnen, die mir immer eine extra Portion Nachtisch reservierten. Wie könnte ich das vergessen?

Letztes Jahr war das erste Jahr, dass ich wirklich wieder bewusst Weihnachten gefeiert, besser gesagt: begangen habe. Dieses Mal ganz neu und alles frisch mit Freundin und kleiner Tochter. Diese Erfahrung und die Angst, eigentlich gar nichts zu diesem Feiertag beisteuern zu können, teilte ich auf meinem Blog „Weddinger Berg“. Außer vielleicht ‚Kartoffelsalat mit Würstchen‘.

Was ich mir seit letztem, also meinem ersten Weihnachten fest vorgenommen habe, ist: Neue Lieder zu hören, um irgendwann sagen können: „Hey, weißt Du noch, damals, Weihnachten?“, ohne an das Jahr 2009 denken zu müssen. 2009 war gut, war schön, war komplett durchgeknallt und auch ein bisschen verloren. 2009 ist aber längst vorbei und so langsam erscheint mir die Zeit reif für neue Erinnerungen. In diesem Sinne: „I’m proposing a swift and orderly change.“

###

Lieber Johnny, vielen Dank für das wunderbare Lied.

Wer mehr von ihm lesen möchte, wird hier fündig:

Das Bloggen der Anderen (41)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre stoße ich immer wieder auf viele interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Aufgrund des (schon etwas zurückliegenden) Urlaubs ist die Auswahl diesmal etwas ausführlicher und teilweise auch schon etwas älter. Aber auf jeden Fall lesenswert. Viel Spaß!

  • In manchen Bundesländern hat die Schule schon wieder angefangen, aber einige Eltern fahren vielleicht demnächst mit dem Auto in den Urlaub oder machen sich auf die Rückreise. Hilfreiche Tipps, wie man die stundenlangen Fahrten mit dem irgendwann nicht mehr ganz so lieben Nachwuchs übersteht, gibt es bei ‚Mama arbeitet‘ und bei ‚Frau Mutter‘.

Weiterlesen

Familien-Tweets der Woche (59)

Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist der Auswahlprozess gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Aber diesmal sind die Familien-Tweets nicht hier zu lesen, sondern der dufte Johnny vom ‚Weddinger Berg‘ war so reizend, während ich mich in der Bretagne vergnüge, die Urlaubsvertretung zu übernehmen und hat sich die Mühe gemacht, ganz famose Tweets zusammenzustellen.

Aber lesen Sie hier! Und schauen Sie auf jeden Fall häufiger auf dem Weddinger Berg vorbei. Es lohnt sich!

Weddinger Berg

Das Bloggen der Anderen (40)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre stoße ich immer wieder auf viele interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Viel Spaß beim Lesen!

Weiterlesen

Das Bloggen der Anderen (38)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre stoße ich immer wieder auf viele interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Viel Spaß beim Lesen!

  • Die ‚Huffington Post‘ findet, dass wir unsere Kinder nicht verweichlichen lassen sollen (Wenn ich es richtig falsch verstanden habe, wird stattdessen angeraten, sie zu zwingen Petersilie zu essen, bis sie kotzen, weil uns – bzw. der Autorin des ‚Huffington Post‘-Artikels – das ja auch nicht geschadet hat.). Familienführer ‚Andrea Harmonika‘ fasst den Artikel folgendermaßen zusammen: „Eine Erziehung ist erfolgreich, wenn das Kind sie überlebt hat.“ Außerdem gibt es eine sehr lesenwerte Replik auf ‚Gewünschtestes Wunschkind‘ mit dem wundervollen Satz: „Meine Aufgabe als Mutter ist es nicht, meine Kinder möglichst anpassungsfähig zu erziehen, sondern sie stark zu machen, dass sie die Welt bewegen.“

Weiterlesen

Das Bloggen der Anderen (35)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre stoße ich immer wieder auf viele interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Viel Spaß beim Lesen!

Weiterlesen

Das Bloggen der Anderen (34)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre stoße ich immer wieder auf viele interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Viel Spaß beim Lesen!

Weiterlesen

Das Bloggen der Anderen (19)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre  stoße ich immer wieder auf interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen:

  • Der Johnny-Tobi vom ‚Weddinger Berg‘ hat sich über zwei-, drei- bzw. mehrsprachige Erziehung von Kindern (und Haustieren) Gedanken gemacht. Er kommt zu dem Schluss, dass Ratgeber, die Eltern das Gefühl vermitteln, es sei geradezu fahrlässig ihre Kinder nur einsprachig aufwachsen zu lassen, dahin geschickt gehören, „wo der Pfeffer nachts die Locken hat“. Alleine für diese Formulierung lohnt es sich, den Artikel zu lesen. Aber auch wegen des Rests.

Weiterlesen

Das Bloggen der Anderen (17)

Beim Recherchieren für meinen Blog stoße ich immer wieder auf interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen:

  • Die ‚New York Times‘ hat ein sehr schönes Experiment unternommen und eine Gruppe von Zweitklässlern in das New Yorker Nobelrestaurant ‚Daniel‘ geschickt, wo sie ein 7-Gänge-Menü serviert bekommen haben. Dazu gibt es ein Video mit den absolut großartigen Reaktionen der Kinder. Und am Ende muss der Sternekoch ernüchtert feststellen, dass die Kinder beim nächsten Mal doch lieber Makkaroni mit Käse anstatt seines 220-Dollar-Menüs essen möchten. Gefunden habe ich den Artikel auf dem Blog ‚Hermsfarm‘.

Weiterlesen

Das Bloggen der Anderen (2)

Beim Recherchieren für meinen Blog stoße ich immer wieder auf Artikel, die zu gut oder manchmal auch zu grauenvoll sind, um sie nicht weiterzuempfehlen.

Weiterlesen