Wissen macht: Hä? – #04 | Alles rund um Valentinstag (Teil 2)

Teil 1


4) Liebe, Romantik und Kommerz

Als Tag der romantischen Liebe gilt der Valentinstag seit dem 14. Jahrhundert. Das Gedicht „Das Parlament der Vögel“ des englischen Schriftstellers Geoffrey Chaucer ist eines der frühesten Nachweise, dass Valentinstag der Tag der Verliebten ist.

Denn Feiertag Sankt Valentins war’s eben,
an dem zur Gattenwahl
nach diesem Ort sich alle Vögel,
die man kennt, begeben.

Dass Vögel Hochzeit feiern, wurde uns allen per Volkslied schon im Kindergarten beigebracht, aber was zur Hölle ist ein Parlament der Vögel? Vor allem würde mich interessieren, wer in der Vögel-Volksvertretung die AfD darstellt. Wahrscheinlich die Tauben. Die scheißen auf alles und (fast) niemand mag sie.

Der Valentinstag war zunächst ein höfisches Fest und entwickelte sich erst im England des 18. Jahrhunderts zu dem Tag wie wir ihn heute kennen und breitete sich von dort in der englischsprachigen Welt aus. Mit Blumen, Schoki, Grußkarten und dem ganzen Bums, die zum Valentinstag gehören wie Ketchup und Mayo zu Pommes, Altherrenwitze zu Büttenreden und der Arsch zum Eimer.

Weltweit werden zum 14. Februar über eine Milliarde Karten verschickt. 85 Prozent davon von Frauen.

Den Brauch des Blumenverschenkens gibt es bereits seit dem Mittelalter. Damals glaubten die Menschen, Frauen heirateten den Burschen, den sie an Valentinstag als erstes sehen. Deswegen versuchten besagte Burschen, ihrer Angebeteten am 14. Februar möglichst früh einen Strauß Blumen zu schenken. Dass sie ihre Chancen bei der Frau ihrer Träume erhöhten, indem sie sie um 2 Uhr in der Früh aus dem Bett klingelten und ihr halb verwelkte Rosen ins Gesicht drückten, darf allerdings bezweifelt werden.

Trotzdem hat sich das Blumenschenken an Valentinstag durchgesetzt. Weltweit gehen am 14. Februar rund 126 Millionen Rosen über die Ladentheke. Auch hier gibt es einen Gender Gap. In Deutschland werden 73 Prozent der Blumen von Männern gekauft.

Mit Süßigkeiten – hauptsächlich Schokolade – werden jedes Jahr eine Milliarde Euro Gewinn erzielt. Mit Schmuck, Karten, Essen und Co. werden weltweit weitere 13,5 Milliarden Euro umgesetzt.

Die Deutschen sind, was die Valentinsschenkerei angeht, etwas knauserig. Sie geben dafür im Schnitt 25 Euro aus. Deutlich generöser geht es bei den Briten und Franzosen zu. Die berappen am 14. Februar durchschnittlich 100 Euro. (Gut für die Beschenkten in Großbritannien und Frankreich, schlecht für die Schenkenden.)

Wer kurzfristig noch auf der Suche nach einem ganz besonderen Valentinsgeschenk ist, wird vielleicht in New York fündig. In einem Zoo in der Bronx kann man zum Valentinstag einer Kakerlake einen Namen geben. Vielleicht weniger ein Geschenk für aktuelle Partner*innen, sondern eher für den Ex oder eine Verflossene.

5) Die Deutschen und der Valentinstag. Es ist kompliziert.

In Deutschland wurde der Valentinstag erst nach dem Zweiten Weltkrieg populär. 1950 gab es in Nürnberg den ersten Valentinsball. Im Laufe der Jahre erfreute sich der Tag der Verliebten zunehmender Beliebtheit.

Uneingeschränkt positiv stehen die Deutschen dem Valentinstag allerdings nicht gegenüber. Laut Statista sind 40 Prozent der Deutschen der Meinung, es brauche keinen besonderen Tag, um Zuneigung auszudrücken. (98 Prozent dieser Personen drücken an keinem Tag ihre Zuneigung aus.)

Sogar 75 Prozent finden, der Valentinstag habe keine Bedeutung für die Liebe und sei ein rein kommerzieller Feiertag. (No shit, Sherlock!)

Rund 14 Prozent der Deutschen würden den Valentinstag lieber mit ihrem Haustier als mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin verbringen. (Im Saarland 84 Prozent.)

6) Andere Länder, andere Sitten

In Italien hängen Verliebte an Valentinstag Vorhängeschlösser – sogenannte Liebesschlösser – an Brückengeländer. Irgendwann sind die ganzen Schlösser zu schwer, gefährden die Brückenstatik und die Geländer müssen weggeflext werden. Was das für die zusammengeschlossenen Liebenden bedeutet, ist unbekannt.

In Japan ist es üblich, dass die Frauen die Geschenke machen. Vor allem dunkle Schokolade, die sie ihren Partnern oder Ehemännern überreichen. Aber auch Freunden, Verwandten, Kollegen und sogar Chefs. Ob letztere dazu Sexualpartner sein müssen, ist nicht überliefert. Einen Monat später sind die Männer an der Reihe und verschenken ebenfalls Schokolade. Allerdings nur weiße, die gemeinhin als minderwertigste Form der Schokolade gilt und von Schoko-Feinschmeckern verachtet wird.

Bei den Schweden gibt es keine Schoki zum 14. Februar, sondern rote Weingummi-Herzen. In Finnland wiederum ist der Valentinstag eine Liebeserklärung an die Freundschaft und hat den schönen Namen „Ystävänpäivä“.

Die polnische Stadt Chelmno gilt als die „Stadt der Liebe“ oder „Stadt der Liebenden“. Weil die dortige Pfarrkirche Maria Himmelfahrt eine Reliquie des heiligen Valentins besitzt: einen kleinen Teil seines Schädels. Verliebte, die es romantisch mögen, können am 14. Februar nach Chelmno reisen und sich ein Stück Totenkopf anschauen.

In Wales wird nicht der Valentinstag gefeiert, sondern schon am 25. Januar St. Durgnwen, die Schutzpatronin der Liebe. Zu diesem Anlass werden kunstvoll geschnitzte Holzlöffel verschenkt. So genannte Love Spoons, was sich wie eine Vanilla-Sex-Stellung anhört. Oder wie ein Fetisch-Toy für eine kinky Sex-Praxis. (Welche das sein könnte, denken Sie sich bitte selbst aus.)

Den wohl verrücktesten Valentinsbrauch gab es früher in Frankreich. Dort wurden per Los Valentins und Valentines bestimmt. Die mussten dann ein Jahr als Verlobte zusammenleben (Holy shit!). Da konntest du nur hoffen, dass du beim Valentin-Wichteln nicht Mundgeruch-Michel oder Schweißfuß-Jacqueline abbekommst. Kein Wunder, dass sich diese Tradition auf Dauer nicht durchgesetzt hat.

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In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Valentinstag. Oder einen schönen Mittwoch. Oder ein schönes Ystävänpäivä.


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Ein Kommentar zu “Wissen macht: Hä? – #04 | Alles rund um Valentinstag (Teil 2)

  1. Zum Parlament der Vögel: Bei uns im randsorbischen Gebiet wird Ende Januar die Vogelhochzeit gefeiert. Hatte ich bisher als erstes Ritual in Richtung „Winter, verzeih dich, jetzt soll es Frühling werden“ verstanden, geht aber evtl. auch in diese Richtung.

    Japan finde ich interessant mit der Retourkutsche im Monat darauf. Hierzulande schenken typischerweise Männer am 14.02. Blumen und Schoki (was Frauen sich angeblich wünschen), dafür ist am 14.03. der nicht ganz so bekannte SchniBlo-Tag. Echte Männer macht man als gutes Weibchen mit Schnitzel und Bl*wJob glücklich. Mit Blumen könnte der eh nichts anfangen.

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