Adventskalender 2025 – Tag 02: Plätzchen

Plätzchen: das Hauptnahrungsmittel im Monat Dezember, das uns mit lebenswichtigen Makronährstoffen versorgt. Sie liefern uns 25 Prozent des Tagesbedarfs an Proteinen, 137 Prozent an essenziellen Fetten, 204 Prozent an Kohlenhydraten sowie 316 Prozent unseres Tagesbedarfs an Kalorien. Außerdem enthalten sie Spurenelemente von Vitaminen.

Die Eigenproduktion von Weihnachtsplätzchen wird für gewöhnlich ab dem späten November oder frühen Dezember hochgefahren. Dagegen tauchen die kommerziellen Verwandten bereits ab August im Handel auf. Da schlenderst du durch den Supermarkt, um einen Sack Grillkohle oder eine Wassermelone zu kaufen und – zack – stehst du plötzlich vor einem Regal mit Lebkuchen, Dominosteinen und Spekulatius.

Draußen: 30 Grad, drinnen: es weihnachtet sehr. Darauf einen Glühwein. Oder einen Aperol Spritz.

Dunkelroter Hintergrund, auf dem "Plätzchen" steht.

Die Vorzüge von Plätzchen liegen auf der Hand. Sie sind lecker und bestehen zu 93 bis 95 Prozent aus kurzkettigen Kohlenhydraten. Die ballern direkt ins Lust- und Belohnungszentrum des Gehirns und lassen das Dopamin in Strömen fließen. Nicht umsonst heißt es: Spritzgebäck ist das neue Heroin.

Der große Nachteil selbst gebackener Weihnachtsplätzchen: Du musst dafür Zutaten kaufen. Bei den stetig steigenden Preisen für Butter, Zucker, Schokolade und Vanille führt das schnell in die Privatinsolvenz. Früher hat man seinen Reichtum zur Schau gestellt, indem man ein mit Blattgold verziertes Steak verzehrt hat. Heute lassen sich die Reichen und Schönen dabei fotografieren, wie sie ein Vanillekipferl verputzen.

Der reinste Horrortrip ist die Weihnachtsbäckerei mit Kindern im Kita- oder Grundschulalter. Auch wenn das auf weichgezeichneten Insta-Bildern ganz anders erscheint. Dort siehst du blank geputzte Landhausküchen, in denen strahlende Kinder mit mehlbestaubten Nasenspitzen Kekse ausstechen. Daneben stehen Mütter – in seltenen Fällen Väter – und betrachten voller Liebe den Nachwuchs, während sie eine Träne der Rührung verdrücken.

Auf einer Arbeitsplatte – ebenfalls blank geputzt – ist ein Blech mit akkurat geformten Plätzchen drapiert, warmes Kerzenlicht erleuchtet die Szenerie, im Hintergrund läuft heimelige Weihnachtsmusik.

Das ist natürlich vollkommen unrealistisch. Mit dem echten Leben hat diese Bullerbü-Idylle so viel gemein wie ein Wellness-Wochenende in einem Luxus-Spa mit einem Kegelausflug zum Ballermann.

Im echten Leben knetest du im Schweiße deines Angesichts Teig, während du verzweifelt versuchst, die Kinder im Zaum zu halten. Ohne Erfolg. Das eine hustet ins Mehl, das andere popelt etwas Undefinierbares aus der Nase, das dritte isst so viel rohen Teig, bis es Bauchweh hat.

Im echten Leben bricht um das einzige Nudelholz ein Geschwister-Streit aus, gegen den die Schlacht um Helms Klamm wie ein Proseminar in aristotelischer Diskursethik erscheint.

Im echten Leben sehen die Ausstech-Ergebnisse der motorisch vollkommen unterbegabten Kinder im besten Fall wie ein Atompilz aus, im schlechtesten wie ein deformierter Sie-wissen-schon – und statt die Plätzchen sorgfältig mit Perlchen, Sternchen und Schneeflöckchen zu verzieren, schütten die Kinder so viele bunte Streusel übers Blech, als hätte sich ein Einhorn im Schwall erbrochen.

Im echten Leben spielt eines der Kinder am Temperaturregler des Ofens herum, sodass sämtliche Plätzchen verkohlen. Was wenigstens den Vorteil hat, dass du sie nicht essen musst und einer hochgradigen Lebensmittelvergiftung entgehst.

Im echten Leben ist der perfekte Soundtrack für die Familien-Bäckerei auch keine romantische O-Tannenbaum-Melodie. Stattdessen spielt eine finnische Death-Metal-Band ein „Jingle Bells“-Cover und trinkt dabei Blut aus den Köpfen frisch geschlachteter Rentiere.

Am Ende der Back-Apokalypse sieht die Küche wie nach einer Gang-Bang-Party mit Mehl, Eiern, Zucker und bunten Streuseln aus. (Also ein ganz normaler Adventssonntag im Kitkat-Club.) Da stellt sich die Frage, ob du das mit dem Kärcher reinigst oder gleich die ganze Bude abfackelst, und du schwörst dir nie wieder auch nur ein einziges Plätzchen zu backen.

Irgendwann sind die Kinder dann so groß, dass sie kein Bock mehr auf Weihnachtsbäckerei haben und lieber in ihren Zimmern hocken und in einem Ego-Shooter Aliens wegballern. Dann denkst du im Advent nostalgisch-verklärt, wie schön das doch damals war, als ihr gemeinsam Plätzchen ausgestochen, verziert und gebacken habt. (Im Hintergrund schüttelt ein Einhorn den Kopf, die Finnen grölen „Last Christmas“.)


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2 Kommentare zu “Adventskalender 2025 – Tag 02: Plätzchen

  1. Ich komme gerade aus einem Wochenende Plätzchen backen mit meinen drei kleinen Kindern und ich musste mit jeder Zeile mehr lachen. Vielen Dank für den Adventskalender und eine schöne Vorweihnachtszeit! Ich hör jetzt erstmal eine Runde Last Christmas:))

Erwähnungen

  • Christian Hanne
  • Isabella

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