Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
09. März 2026, Berlin
Meine Eltern waren letzten Samstag auf einer Ü40-Party. Das erzählen sie mir bei unserem sonntäglichen Telefonat, das ausnahmsweise montags stattfindet.
Sie waren nicht als Gäste dort – da hätten sie angesichts ihres Alters jeweils zweimal gehen können –, sondern haben den Eintritt organisiert. Sie waren quasi der Sven Marquardt von Westerburg. Nur ohne Gesichtstattoo und mit nachsichtigerer Einlasspolitik.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
02. März 2026, Berlin
Nachmittags-Spaziergang. Am Ende der Oldenburger Straße begegnet mir ein Kühlschrank. Weiß und mittelgroß steht er mitten auf dem Bürgersteig. Ausrangiert, ausgemustert, aussortiert. Wild entsorgt oder ein „Zu-verschenken“-Angebot. Da sind in Berlin die Grenzen fließend.
Auf der linken Seite prangt in großen schwarzen Buchstaben: „Alles wird gut!“ In der heutigen Zeit eine fast schon naiv und unangemessen positive Botschaft. Überall Krieg, Rechtspopulisten und -radikale erfreuen sich größter Beliebtheit, die Klimaaussichten sind katastrophal, Friedrich Merz ist Bundeskanzler, die Unterhose zwickt. Woher kommt da diese „Alles wird gut!“-Hoffnung in einer hoffnungslos erscheinenden „Alles ist scheiße!“-Welt?
Vielleicht, weil der Kühlschrank ein etwas älteres Modell ist. Jünger als ich, aber unter den Haushaltsgroßgeräten gilt er wohl als betagt – sogar als gestrig, als nicht mehr State-of-the-art. Aus einer Zeit, in der Kühlschränke noch keinen Internetzugang hatten und nicht smart waren.
Wahrscheinlich ist genau das smart. Sich nicht ständig im World-Wide-Web rumtreiben, nicht über alles informiert sein, nicht unablässig doomscrollen. Stattdessen lieber rausgehen, einen Spaziergang machen, die Sonne genießen und sich von einem Kühlschrank aufmuntern lassen. Ich nicke ihm zu und gehe weiter.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
23. Februar 2026, Berlin
Die Woche beginnt träge und antriebslos. Und ein wenig schwermütig. Nach vierzehn Tagen Urlaub mit Karneval, Besuch im Westerwald und 80. Geburtstag meiner Mutter bin ich noch nicht bereit für Alltag und Arbeit.
Da ist noch zu viel Karnevals-Blues in mir. Außerdem hatte ich in den letzten Tagen auf den Geburtstagsfeierlichkeiten so viele soziale Interaktionen, dass ich nun erschöpft und ausgelaugt auf dem Sofa sitze.
Mein Versuch, mittels Kaffee meine Lebensgeister zu wecken, ist rückblickend als hoffnungslos überambitioniert und gescheitert zu bezeichnen.
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Raffe mich trotzdem zu meiner morgendlichen Laufrunde auf. Treffe im Wildtiergehege im Volkspark Rehberge auf ein riesiges Wildschwein. Es schläft friedlich. Mein neues Krafttier. Würde mich am liebsten dazulegen. Befürchte allerdings, meine Sympathie und Zuneigung könnten nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. Und für ein Wettrennen mit einem missgelaunten Wildschwein fühle ich mich definitiv nicht fit genug.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
09 Februar 2026, Köln
In der Stadt laufen die Vorbereitungen für den Straßenkarneval. Kneipen werden geschmückt, Toilettenhäuschen aufgestellt und in Schaufenstern informieren Aushänge über die Ladenöffnungszeiten während der tollen Tage. Beziehungsweise über die Nicht-Öffnungszeiten.
Ein solcher Zettel hängt auch an der Tür von Zendo Köln, einem Verein, der Zazen praktiziert – die stille Sitzmeditation im Zen – und anderen zugänglich machen will. Aber nicht an Weiberfastnacht und Rosenmontag. Da wird nicht sitzmeditiert, sondern Karneval gefeiert. „Alaaf“, statt „Ommm“.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
02. Februar 2026, Berlin
Der Sohn hat sich den Wecker gestellt. Für 6 Uhr. Weil er mit Freunden zum Schlittenfahren verabredet ist. Bei -9° (gefühlt -15°). Anschließend gehen sie ins Gym.
Was ist nur mit der Jugend von heute los? Muss man sich da Gedanken machen?
Nun gut, wenigstens konsumieren sie keine Drogen. Zumindest nicht beim Rodeln.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
26. Januar 2025, Berlin
Krkkk, krkkk, krtsch, krtsch, ratsch, ratsch.
Kurz vor 6. Unschöne Geräusche dringen ins Schlafzimmer und reißen mich aus der REM-Phase. Unschöne Geräusche, die nichts Gutes verheißen.
Straße und Bürgersteig liegen unter einer Puderzuckerschicht, Menschen kratzen eingefrorene Windschutzscheiben frei, Fußgänger trippeln vorsichtigen Schrittes über den Gehweg, wie Pinguine nach einem aus dem Ruder gelaufenen Kneipenbesuch.
Ich möchte das alles nicht mehr. Zugegebenermaßen ist das für Ende Januar natürlich keine vollkommen ungewöhnliche Wetterlage. Schließlich sind wir mitten im Winter. Sogar nicht einmal in der Mitte. Er vier Wochen haben wir hinter uns gebracht, zwei Monate stehen uns noch bevor. Eine Erkenntnis, die weder die Gegenwart noch den Ausblick auf die Zukunft erträglicher macht.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
19. Januar 2025, Berlin
Nachmittäglicher Einkaufsspaziergang. Das 10.000-Schritte-Tagesziel erreicht sich nun mal nicht von allein.
In der Beusselstraße komme ich an einem Späti vorbei. Im Schaufenster läuft Werbung für die EXPO 2035 in Berlin.
Wusste bis zu diesem Moment nicht, dass die EXPO 2035 in Berlin stattfindet. Da sieht man: Werbung wirkt.
Allerdings nicht so richtig. Später google ich nach und lerne, es geht gar nicht um die EXPO 2035 selbst, sondern um die Bewerbung dafür.
Frage mich, was eine Expo eigentlich überhaupt ist. Also, eine Weltausstellung, das ist mir schon klar. Aber wofür? Für Kunst, Unterhaltungselektronik oder Landwirtschaftsmaschinen? Für Katzentrockenfutter vermutlich nicht.
Und wie steht man zu einer EXPO? So politisch-moralisch. Findet man das gut, wegen Fortschritt, Fremdenverkehr, Steuereinnahmen? Oder muss man das ablehnen, wegen Kapitalismus, Geldverschwendung und weil man in Berlin prinzipiell anti ist?
Während ich so nachdenke, fällt mir auf: 2035 bin ich 60. Somit bin ich eindeutig gegen die EXPO 2035.
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12. Januar 2025, Berlin
Heute ist Festtag der fabelhaften wilden Männer. Bei der aktuellen Weltlage bräuchten wir eher einen Festtag der weniger fabelhaften, aber dafür ganz und gar unwilden Männer.
Ich möchte nicht ausschließen, dass ich diesen Gedanken am 12. Januar schon einmal hatte. Und ich werde ihn wieder haben. Wahrscheinlich regelmäßig.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
05. Januar 2025, Berlin
3 Uhr. Meine volle Blase holt mich aus dem Schlaf und dirigiert mich ins Bad. Das ist bedauerlich, denn im Traum war ich gerade auf dem Geburtstag von Queen Elizabeth II. Während ich im Halbschlaf durch den Flur trotte, denke ich: „Den musst du dir merken.“
Habe ich natürlich nicht. Vier Stunden später beim morgendlichen Kaffee nur schemenhafte Erinnerungsfetzen: Ein großer Ballsaal, Menschen in feierlicher Garderobe. Mich selbst sehe ich nicht und hoffe einfach, dass mein Traum-Ich nicht in meinem anthrazitfarbenen, zehn Jahre alten Anzug herumstand.
Sehr präsent ist der Teller in meiner Hand: zwei halbe Käsebrötchen, garniert mit einem Streifchen Paprika, zwei russische Eier und drei Käse-Trauben-Spießchen. Kulinarisch lag der königliche Geburtstag irgendwo zwischen 70er-Jahre-Buffet und Verpflegung auf einem Judoturnier in Brandenburg.
Von der Queen keine Spur. Vielleicht steht sie am Dessertbuffet. Bei der Fürst-Pückler-Bombe.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
29. Dezember 2025, Westerburg
Jogge morgens auf dem Radweg Richtung Wallmerod. Letzter Lauf des Jahres. Um kurz nach sieben, bei -4°, im Dunklen, bei Nebel. Fühle mich wie ein Supernatural-Komparse, der innerhalb der ersten fünf Minuten einer Episode von einem Dämon, einem Werwolf oder irgendeinem anderen gruseligen Getier gemeuchelt wird.
Warum ich mir das antue? Weil meine Lauf-App das will. Laut dieser fehlen mir noch sechs Kilometer, um dieses Jahr auf 3.000 Kilometer zu kommen.
Schon ziemlich zwanghaft, diese Zahl unbedingt erreichen zu wollen. Dafür kann man sich ja nichts kaufen. Gut, die Menschen bringen dir eine gewisse Bewunderung entgegen, wenn du so viel läufst. Und noch mehr Befremden, das sie aber zu verbergen versuchen. (Ihren Augen sieht man es meistens an: „Was für ein Freak.“)
Andererseits wäre es sehr gewollt gleichgültig, die wenigen letzten Kilometer nicht noch zu laufen. Unangenehm kokettierend: „Mir ist das egal. Ich laufe nur aus Freude an der Bewegung.“
Was fett gelogen wäre. Ich laufe aus Freude an Süßigkeiten. Da zählt jeder Kilometer. Besonders in der Weihnachtszeit.
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