Cassis 2022 – Vorbereitung 1 (06.07.): Was Sie noch nie über Cassis wissen wollten und deshalb nicht zu fragen wagten

Der alljährliche Urlaubsblog. Nicht live, aber dafür in Farbe und HD. Falls Sie, aus welchen Gründen auch immer, alle Beiträge des Cassis-Blogs lesen möchten, werden Sie hier fündig.


„Wer in Paris war und nicht in Cassis, der hat noch nichts gesehen.“

Eine ziemlich steile These, die der französische Schriftsteller Frederic Mistral seinem Protagonisten Calendal in den Mund gelegt hat.

Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Monsieur Mistral selbst in Cassis lebte, einem kleinen ehemaligem Fischerdorf in der Provence, das in einer Bucht der Calanque-Küste ungefähr 30 Kilometer von Marseille liegt. Außerdem setzte er sich für die Unabhängigkeit der Provence ein. Da bist du mit herabwürdigenden Statements über Paris schon mal schnell zur Hand. Allerdings erhielt Frederic Mistral Anfang des 20. Jahrhunderts den Nobelpreis für Literatur, was seinem Urteil doch wieder etwas Gewicht verleiht.

(Bitte Fragen Sie mich nichts zum Leben und Schaffen von Frederic Mistral oder seinen Romanhelden Calendal: Ich schreibe hier schließlich auch nur Sachen aus dem Internet ab.)

In Cassis werden wir unseren Sommerurlaub verbringen. Das hat aber nichts mit den touristischen Ratschlägen Frederic Mistrals zu tun. Als wir uns im trüben und regnerischen Herbst des letzten Jahres Gedanken über unser nächstes Urlaubsziel machten, erschien uns Südfrankreich eine gute Wahl zu sein. Weil wir gutes Wetter und Sonne satt für relevante Entscheidungskriterien hielten.

Da wussten wir noch nicht, dass die Durchschnittstemperaturen in Deutschland im Juli irgendwo zwischen Hochleistungs-Hochofen und glühendem Lavastrom liegen wird und es vielleicht klüger wäre, im Sommer in Island oder Nordschweden Urlaub zu machen, um sich ein wenig abzukühlen.

Wir entschieden uns aber nicht nur aus meteorologischen Gründen für Südfrankreich, sondern auch weil wir noch nie dort waren. Im Urlaub ist es ja schön, etwas Neues zu sehen. Von wegen neue Erfahrungen machen, seinen Horizont erweitern, über den Tellerrand blicken und so weiter. (Mit Mitte, Ende 40 bekommt das Thema lebenslanges Lernen ja auch eine immer größere Bedeutung.)

Gut, wir waren auch noch nie in Wanne-Eickel, Bitterfeld oder Bromskirchen. Da könnten wir auch etwas Neues sehen, neue Erfahrungen machen, unseren Horizont erweitern und über den Tellerrand blicken. Trotzdem versprechen wir uns von einem Strandurlaub am Mittelmeer einen leicht höheren Erholungsfaktor.

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Familien-Tweets der Woche (421)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Familien-Tweets der Woche (420)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW27-2022

Wegen unseres anstehenden Urlaubs gibt es nicht erst zum Sonntag-, sondern schon Freitagabend meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


04. Juli 2022, Berlin

Impressionen auf dem Weg zum Einkaufen:

  • Vor einer Kita stehen zwei bullige, stiernackige Männer mit Gesichtstätowierungen und Rocker-Lederwesten. Sie unterhalten sich über die Vor- und Nachteile von verschiedenen Kinderhochstühlen.
  • Eine Frau kommt mir entgegen, die ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Niveau ist keine Creme“ trägt.
  • An der Straßenecke unterhalten sich zwei Männer auf Arabisch. Zum Schluss verabschiedet sich der eine mit einem fröhlichen „Tschüssikowski!”, der andere antwortet: „Tschö mit Ö!“, der andere antwortet „Tschüssikowski!“ Bin mir nicht sicher, ob das ein Zeichen für Multi-Kulti im besten Sinne ist oder ob es die beiden beiden bei der Integration ein wenig überperformt haben. Nun ja, zumindest tragen sie keine Krachledernen und Trachtenjankerl.
  • Ein kleines Mädchen schaut sich ein Werbeplakat für einen Rasierapparat an und erklärt seiner Mutter mit ernster Miene: „Damit entfernt man sich das Gesicht.“
  • Auf einer Bank sitzt ein verwirrter Mann und brüllt: „Wir müssen mit dieser Scheiße endlich aufhören!“ Vielleicht ist er auch gar nicht verwirrt, sondern der einzige Mensch mit Durchblick.
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Familien-Tweets der Woche (419)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Eine kleine Wochenschau | KW26-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


27. Juni 2022, Berlin

Der Sohn fährt heute auf Klassenfahrt. Fünf Tage Heidelberg. Unabhängig voneinander fragen meine Frau und ich, ob er genügend Unterwäsche und Socken eingepackt, die Zahnbürste nicht vergessen und an die Regenjacke gedacht hat. (Ja, hat er. Nein, hat er nicht. Braucht er nicht). Irgendwann ist er so genervt, dass sich wenigstens sein Abschiedsschmerz in Grenzen hält.

Pro forma hat meine Frau ihn gestern Abend gefragt, ob wir ihn zum Bahnhof bringen sollen. Der Sohn meinte, dass sei nicht nötig. Wirklich nicht. Ob er es wohl lustig findet, wenn wir trotzdem zum Bahnsteig kommen und ihm vor versammelter Klasse einen Teddy und ein Schnuffeltuch mit den Worten überreichen: „Ohne die schläfst du doch so schlecht ein, Spätzchen.“

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Eine kleine Wochenschau | KW26-2022 (Teil 2)

Teil 1


01. Juli 2022, Berlin

Heute ist Internationaler Witzetag. Keine Pointe.

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Der Sohn kehrt wohlbehalten von der Klassenfahrt zurück. Er ist zwar etwas müde, aber ansonsten körperlich unversehrt. Fast. Im Schwimmbad ist er in eine Wespe getreten und am nächsten Tag in den Ohrring einer Klassenkameradin. Das sei aber eigentlich ganz praktisch gewesen, meint er, denn so hätten sie den Ohrring wenigstens wieder gefunden. Eine angenehm pragmatische Sichtweise.

02. Juli 2022, Berlin

Heute ist Fest der Niederlegung der Muttergottesgewänder. Ob das wohl so eine Art FKK-Body-Positivity-Tag für Maria ist?

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Seit ungefähr zwei Tagen steht bei uns vor dem Haus ein sehr niedriger, länglicher Couch-Tisch. Entweder hat da jemand seinen Sperrmüll wild entsorgt, weil der Weg zum Wertstoffhof zu lästig war, oder es handelt sich um eine der Nachhaltigkeit verpflichteten „Zu verschenken“-Aktion, bei der allerdings der „Zu verschenken“-Zettel vergessen wurde. Vielleicht beides.

Gegen 23 Uhr wählen ein junger Mann und eine junge Frau, beide circa Anfang 20, diesen Tisch als Sitzgelegenheit, um ein Bier zu trinken und sich zu unterhalten. Das ist ein bisschen nervig. Nicht wegen der Ruhestörung, sondern weil sie nicht laut genug reden, dass ich verstehen kann, um was sich ihre Unterhaltung genau dreht. Dem Gemurmel entnehme ich lediglich, dass sich die Frau kürzlich von ihrem Freund getrennt hat. Das empfindet sie inzwischen aber als Chance, um sich weiterzuentwickeln. Der junge Mann ist da ganz ihrer Meinung.

Sofern es sich bei dem jungen Mann nicht um den schwulen besten Freund der jungen Frau handelt, mit dem sie sich super über Männer austauschen kann, gehe ich aufgrund meiner Lebenserfahrung davon aus, dass er nicht abgeneigt ist, die vakante Stelle des GV-Partners einzunehmen. Oder zumindest ein wenig zu knutschen. Das haben Männer nämlich meistens im Sinn, wenn sie sich nachts, leicht angetrunken mit Frauen über deren Beziehungsproblemen unterhalten. Ungünstigerweise freuen sich die Frauen häufig einfach, dass es Männer gibt, die so gut zuhören, und packen sie in die „friend zone“. Eine klassische Lose-win-Situation.

03. Juli 2022, Berlin

Heute ist Schmeichle-deinem-Spiegelbild-Tag. Ein Ehrentag, der am besten in Verbindung mit dem Schalte-das-Licht-im-Bad-nicht-an-, dem Trinke-schon-vor-dem-Zähneputzen-Gin-Tonic- und dem Belüge-dich-selbst-Tag funktioniert.

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Beim Joggen sehe ich eine Frau, die mit ihrem Hund Gassi geht. Wegen ihres grauen Haars schätze ich sie auf Ende 60 oder Anfang 70. (Sie mich aufgrund meines grauen Barts möglicherweise auch.) Sie trägt ein schwarzes T-Shirt, auf dem in großen Buchstaben: „All fucking metall!“ steht.

Irgendwie finde ich es cool, dass die Frau in ihrem Altern ein T-Shirt mit so einem Spruch anzieht. Gleichzeitig bin ich mir unsicher, wie cool ich es fände, wenn meine Eltern so ein T-Shirt trügen.


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Kann seit dem 21. März bestellt werden. Muss aber nicht. Wäre aber trotzdem schön. (Affiliate-Link)

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Familien-Tweets der Woche (418)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW24/25-2022 (Teil 2)

Teil 1


22. Juni 2022, Berlin

Mit den Ibus halte ich meine Temperatur auf unter 37,5. Die Halsschmerzen begleiten mich weiter. Ab und an nehme ich eine der Halstabletten, die immer noch keinerlei Wirkung erzielen. Da könnte ich auch Werthers Echte lutschen. Die hätten auch keinen Effekt, schmeckten aber besser.

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Der Sohn ist in letzter Zeit etwas vergesslich und unachtsam. Also, noch vergesslicher und unachtsamer als sonst. Er knipst Lichter nicht aus, wenn er Räume verlässt, dreht Wasserhähne nicht wieder zu, verschließt die Tür des Gefrierschranks nicht richtig oder lässt die Dunstabzugshaube laufen, wenn er fertig mit Kochen ist. (Robert Habeck schüttelt missbilligend den Kopf.) Halt wie ein ganz normaler Teenager, der damit beschäftigt ist, zu wachsen und dessen geistigen und körperlichen Kapazitäten hauptsächlich auf Essen und Schlafen ausgerichtet sind, und der sich die Zeit dazwischen mit Zocken, Videos und Serien vertreibt.

Dennoch möchte ich ihm ein paar Worte der mahnenden Ermunterung zusprechen, zukünftig doch etwas sorgfältiger und aufmerksamer zu sein. Schließlich sei das alles Energie- und damit auch Geldverschwendung. Da der Sohn unsere Stromrechnung nicht bezahlt, bin ich allerdings skeptisch, dass ihn dieses Argument erreicht. Aufgrund meiner Halsentzündung krächz-flüstere ich außerdem erbärmlich, was meiner Ansage ein wenig den Nachdruck und die Autorität raubt.

Der Sohn nickt trotzdem, um den Anschein zu wahren, er habe meine Worte vernommen und würde sie sich sogar zu Herzen nehmen. Wahrscheinlich hat er aber gerade seine Ohren auf Durchzug und seine zerebralen Aufnahme- und Verarbeitungskapazitäten auf Null gestellt, um Energie zu sparen. Die braucht er schließlich zum Wachsen.

23. Juni 2022, Berlin

Heute früh geht es mir wieder etwas besser. Auch ohne Ibu liegt die Temperatur unter 37,5 und die Halsschmerzen sind auch nicht mehr ganz so doll. Vielleicht hat der Messer-Jemand irgendwo einen neuen Job mit höherer Bezahlung, Überstundentarif und besseren Sozialleistungen angefangen.

Auf jeden Fall fühle ich mich fit genug für meine übliche Donnerstags-Einkaufsrunde. Dann muss meine Frau das nicht noch nach der Arbeit auf dem Heimweg erledigen. Ich fühle mich ohnehin schon wie ein Pascha, der sich mit Tee, Apfelmus, Kartoffelbrei und Eis verköstigen lässt. (Abgesehen vom Eis spricht die kulinarische Auswahl allerdings eher gegen meine Pascha-These.)

Die Tochter begleitet mich. Da Einkaufen in unserer funktional-arbeitsgeteilten Ehe in meinen Aufgabenbereich fällt, gilt unser gemeinsames Einkaufen quasi als Bring-your-kid-to-work-day.

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Bei DM muss ich feststellen, dass der Lebensmittelbereich neu organisiert wurde. Nichts mehr steht, wo es vorher stand. Ich bin irritiert.

Eigentlich bin ich ein geistig flexibler Mensch, der gut mit Veränderungen umgehen kann. Meistens freue ich mich sogar darüber, denn es macht das Leben doch gerade interessant, wenn du ab und an die eingetretenen Pfade verlässt, nur durch Wandel entsteht Fortschritt und außerdem halten dich Veränderungen geistig frisch.

Diese Kalenderblattweisheiten gelten aber nicht fürs Einkaufen. Da möchte ich Routine und wiederkehrende Gleichförmigkeit und verbitte mir jedwede Abweichungen und Überraschungen. Ich absolviere meine Einkaufstouren seit vielen, vielen Jahren. Meine Einkaufswagenrouten sind effizienzoptimiert und ich habe jeden Griff ins Regal internalisiert.

Ich bin beim Einkaufen quasi wie ein sehr erfahrener Skirennfahrer, der die berühmte Kandahar-Piste in Garmisch-Partenkirchen auswendig kennt und blind fahren kann, weil er weiß, wo der Tröglhang kommt (Hafermilch mit Vanillegeschmack), wo es in den Padöls geht (Knuspermüsli) und wann zum Abschluss der Tauber-Schuss beginnt (Schokocreme).

Falls jemand von meinem örtlichen DM dies lesen sollte, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie den Lebensmittelbereich wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen könnten. Das würde Ihnen – und mir – die unangenehme Situation ersparen, dass ich Ihnen meine Skifahrer-Analogie in einem persönlichen Gespräch erläutere.

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Anscheinend habe ich mir mit meiner vormittäglichen Einkaufstour ein wenig viel zugemutet. Mein Fieber steigt wieder auf 38,7 und die Halsschmerzen sind auch wieder in alter Stärke da. Hat sich der Messer-Jemand also doch keinen neuen Job gesucht, sondern lediglich einen Kurzurlaub eingelegt, um zu frischen Kräften zu kommen.

Ich habe keine Lust mehr. Keine Lust mehr auf Fieber, keine Lust mehr auf Halsschmerzen, keine Lust mehr auf Tee mit Honig, keine Lust mehr auf Apfelmus, keine Lust mehr auf Kartoffelbrei, keine Lust mehr auf Eis (Huch!) und keine Lust mehr auf nutzlose Lutschtabletten. Ich will harte Pharmazeutika mit irgendwelchen gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen, die bewirken, dass ich meinen Hals, Rachen, und Kopf nicht mehr spüre. Und am besten mich selbst ebenfalls nicht mehr. (Eine solche Medizin würde ich dann auch immer vor dem Lesen von Nachrichtenseiten einnehmen.)

24. Juni 2022, Berlin

Heute früh ist das Fieber wieder weg und auch die Halsschmerzen sind viel besser. Vielleicht ist der Messer-Jemand gestern Abend nur kurz zurückgekommen, weil er etwas vergessen hatte und dachte sich: „Na, wenn ich schon mal da bin, kann ich ja noch ein paar Mal zustechen. Um der guten, alten Zeiten Willen.“

Trotzdem besorge ich vormittags in der Apotheke neue Halstabletten. „Aber nicht so einen Quatsch wie beim letzten Mal, sondern das härteste Zeug, dass Sie da haben.“ Der Apotheker schaut zwar etwas irritiert, sucht mir dann aber ein Präparat raus, das eine schnelle Betäubung von Halsschmerzen verspricht. Hört sich gut an. Dass auf der Packung eine Art Superman-Logo abgebildet ist, überzeugt mich endgültig vom Kauf.

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Im Supermarkt hole ich noch ein paar Kleinigkeiten. Unter anderem mexikanischen Honig. Ökologisch gesehen, ist es natürlich fragwürdig, einen Honig zu kaufen, der über den halben Globus geschippert werden muss. Dafür wurde er von einem selbstverwalteten Arbeiter*innen-Kollektiv produziert. Somit schädige ich mit meinem Kauf zwar die Umwelt, sorge aber für Einkommen der lokalen Bevölkerung und trage damit zum globalen sozialen Frieden bei. Auch das gehört zur Ambivalenz der Dinge, die du aushalten können musst.

Ich erhoffe mir von dem mexikanischen Honig, dass er etwas härter drauf ist als sein verweichlichter deutscher Kollege. So ein Mexiko-Honig strahlt sicherlich mehr Respekt aus, wenn er dem Messer-Jemand erklärt, er solle sich gefälligst verpissen.

An der Kasse halte ich meine Payback-Karte zweimal falsch an den Payback-Karten-Scanner, bevor es klappt. Vielleicht sollte ich einen Schluck von dem mexikanischen Honig nehmen, um wach zu werden.

25. Juni 2022, Berlin

Das Thermometer zeigt heute früh das erste Mal seit einer Woche 36,9. Die Halsschmerzen sind zwar noch da, aber viel, viel schwächer. Die reine Anwesenheit der Superman-Tabletten und des mexikanischen Honigs scheint Wirkung erzielt zu haben.

Nachdem ich mich acht Tage lang ausschließlich von Nahrungsmitteln im breiartigen Aggregatszustand ernährt habe, will ich mich heute an etwas Festeres wagen. Ich versuche es erstmal mit Toast. Der ist so labberig, dass er sich im Mund haptisch nicht allzu sehr von dem Kartoffelbrei gestern Abend unterscheidet.

Das Schlucken klappt zwar ganz gut, dafür habe ich das Gefühl, dass die Kaumuskulatur etwas außer Übung ist und der Kiefer sich daran erinnern muss, wie das mit dem Zubeißen funktioniert. Als kleines Incentive bestreiche ich den Toast mit Schokocreme. Danach geht es schon viel besser.

26. Juni 2022, Berlin

Schaue mich morgens im Spiegel an. Durch meine eingeschränkte Nahrungsaufnahme in der letzten Woche habe ich ungefähr drei Kilo abgenommen. Nun bin ich zwar meinem Wunschgewicht deutlich nähergekommen, aber nach Strandfigur sieht mein Körper trotzdem nicht aus. Eher nach ausgemergeltem Schiffsbrüchigem, der sich auf einer einsamen Insel mehrere Monate ausschließlich von Kräutern und Beeren ernährt musste, so dass er sämtliche Muskulatur, nicht aber die überflüssigen Fettpölsterchen auf den Hüften verloren hat.


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Eine kleine Wochenschau | KW24/25-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


15. Juni 2022, Berlin

Der Morgen beginnt unbefriedigend. Zimtschneckenlos. Es beeinträchtigt die Lebensqualität doch erheblich, wenn du zum Frühstück keine Zimtschnecken isst.

Der Tag bringt aber auch Schönes. Die Tochter kommt heute von ihrem Stockholm-Aufenthalt zurück und ich darf sie am Bahnhof abholen. Enttäuschenderweise hat sie keine Zimtschnecken mitgebracht, sondern noch mehr Bücher. Schade. Sehr schade.

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