Familien-Tweets und -Tröts der Woche (437)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets und -Tröts der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW47-2022 (Teil 2)

Teil 1


25. November 2022, Berlin

Heute ist Black Friday. Das finde ich gut. Dann gibt es ab morgen keine Black-Friday-Werbung mehr. Stattdessen für die Cyber Week. Und für Nikolaus-Rabatte, verkaufsoffene Sonntage, Adventsangebote und Weihnachtsschnäppchen. Hauptsache wir kaufen, kaufen, kaufen. (Mit irgendetwas muss die innere Leere ja gefüllt werden.)

26. November 2022, Berlin

Am Montag werden zusätzliche Regale für das neue, frisch renovierte Arbeitszimmer geliefert. Ich nutze den bevorstehenden Umzug meines Arbeitsplatzes zum Ausmisten. Mir fällt ein alter Nawi-Test des Sohns in die Hände. 6. Klasse. Klima und Vegetation in Europa. Der Sohn hatte die volle Punktzahl erreicht. 1+. Sehr beeindruckend. Die Note, aber noch mehr, dass die Lehrerin seine Schrift entziffern konnte.

In einem Karton entdecke ich einen 50-Euro-Gutschein für einen Berliner Plattenladen. Ein Geschenk zu unserer Hochzeit. Wir haben 2016 geheiratet. Akribisch durchsuche ich alle anderen Umschläge und Karten in der Kiste. Meine Hoffnung, auf Geldscheine zu stoßen, erfüllt sich nicht.

In der obersten Schublade meines Schreibtischs finde ich doch noch zwei Banknoten. 50 dänische Kronen und 10 Schweizer Franken. Wenn ich das nächste Mal nach Dänemark oder in die Schweiz fahre, kann ich es krachen lassen.

In einer anderen Schublade liegen so viele Kästchen mit Musterbeutel-Klammern, als hätte ich eine exklusive, weltweit gültige Vertriebs Lizenz für Musterbeutel-Klammern. Interessanterweise habe ich keinen einzigen Umschlag, der mit Musterbeutel-Klammem verschlossen werden muss.

In den restlichen Schubladen stoße ich unter anderem auf zwei Taschenrechner, drei Locher, zwei Tacker, drei Schachteln mit jeweils 500 Büroklammern, sehr, sehr viele Kugelschreiberminen, einen einzelnen Kugelschreiber, in den die Minen nicht passen, eine Auswahl von Weihnachtskarten von sehr zweifelhafter Schönheit, einige CD-Rohlinge und allerlei anderen Kram.

Ich entsinne mich, wie ich, als ich das letzte Mal ausgemistet habe, irgendwann dachte: „Ach, das stört doch niemanden, wenn das in den Schubladen liegt.“ Da diese Einschätzung heute noch genauso viel Gültigkeit besitzt wie damals, beschließe ich, meine Aufräum-Aktion zu beenden.

27. November 2022, Berlin

Heute ist 1. Advent. Außer dem Stollen haben wir erst eine einzige Plätzchensorte gebacken. Choco Crossies. Die Lieblingssorte der Tochter, die wir ihr nach Carlow schicken.

Unser mangelhaftes Engagement in der Weihnachtsbäckerei liegt nicht nur daran, dass meine Frau gerade sehr viel an der Arbeit zu tun hat und ich mit dem Arbeitszimmer-Umzug beschäftigt bin. Wir haben gerade auch keinen Zugang zu unseren Plätzchendosen. Die liegen in einem abschließbaren Schrank, der dazugehörige Schlüssel befindet sich am Schlüsselbund der Tochter und diese sich bekanntermaßen in Irland.

Hört sich komisch an, aber die Erklärung ist sehr einfach. Ich arbeite schon seit vielen Jahren im Home Office. Gleichzeitig bin ich ein sehr undisziplinierter Mensch, was den Konsum von Süßigkeiten angeht. Deswegen haben wir so gut wie nie Süßigkeiten in der Wohnung. Denn wären welche da, wären sie schon wieder weg.

Die Kombination von Home Office und uneingeschränktem Zugang zu Weihnachtsplätzchen bei gleichzeitig unwilligem Geist und schwachem Fleisch hat sich daher als eher ungünstig erwiesen. Ungünstig für den Hosenbund, der zunehmend mehr zwickt, ungünstig für den morgendlichen Gang auf die Waage, der zunehmend unerfreulicher wird, sowie ungünstig für den Blick in den Spiegel, aus dem dich ein zunehmend hüftspeckigeres Moppelchen anglotzt.

Daher hatte ich vor ein paar Jahren die Idee, die Dosen mit dem Weihnachtsgebäck in dem besagten abschließbaren Schrank aufzubewahren und der Tochter den Schlüssel zur Verwahrung anzuvertrauen. Diese war den größten Teil des Tages in der Schule, was meinen Zugriff auf Vanillekipferl, Kokosmakronen, Dominosteine und Co. verhinderte. Gut, ich hätte den Schrank mit Hilfe von Büroklammern und einer Nagelpfeile aufknacken können, aber so zügellos ist mein Verlangen nach Süßem dann doch nicht.

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An der Weihnachtsbäckerei hapert es zwar noch ein wenig, aber dafür war meine Frau so umsichtig, eine Box mit Süßigkeiten zu bestellen, um die Adventskalender der Kinder zu befüllen. Die Box ist allerdings bereits am Dienstag angekommen. Falls Sie eben aufmerksam gelesen haben, wissen Sie, was das bedeutet: Damit die Kinder nicht nur jeden zweiten Tag ein Adventsleckerli haben, muss ich morgen ein paar Süßigkeiten nachkaufen.


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Eine kleine Wochenschau | KW47-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


21. November 2022, Berlin

Montage zählen gemeinhin nicht zu den beliebtesten Wochentagen. Das müßiggängerische Wochenende liegt hinter und die Woche voller Arbeit oder Schule vor einem. (Bei Lehrer*innen beides.) Den Sohn hat es besonders schlimm erwischt. Er muss diese Woche drei Klausuren schreiben. Heute ist Chemie dran. Er hat mir sogar gesagt, zu welchem Thema, aber ich habe es sofort vergessen.

Chemie war in der Schule mein mit Abstand schlechtestes Fach. Während meiner Schulzeit habe ich insgesamt zwei Sechsen geschrieben. Eine davon im Chemie-Halbjahrestest in der 10. Klasse. Aus Rücksichtnahme auf meine Eltern wollte ich sie mit schulischen Nichtigkeiten und dieser zugegebenermaßen schlechten, aber im Verhältnis zum Weltgeschehen doch irrelevanten Zensur emotional nicht unnötig belasten. Daher ließ ich sie bei der Beantwortung der elterlichen Frage, ob in der Schule irgendetwas Besonderes vorgefallen sei, elegant unter den Abendbrottisch fallen.

Das Ganze kam später allerdings doch raus. Als Zugabe zum Halbjahreszeugnis erhielt ich einen blauen Brief, da meine Leistungen in Chemie nur schwach ausreichend mit Tendenz zum Mangelhaften waren. Persönlich fand ich das gar nicht so schlecht, denn ich musste ja die Sechs aus dem Test ausgleichen. Zu meiner Überraschung teilten meine Eltern diese wohlwollende Einschätzung nicht vollumfänglich. Ihre Dankbarkeit, dass ich ihre Nerven durch das Verschweigen der Sechs geschont hatte, hielt sich ebenfalls in Grenzen.

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Eine kleine Wochenschau | KW46-2022 (Teil 2)

Teil 1


18. November 2022, Berlin

Wir sind zurzeit dabei, das alte Zimmer der Tochter in ein Büro für mich zu verwandeln. Irgendwie ein bisschen traurig, einen Raum, in dem gespielt, gebastelt und Musik gehört wurde, in einen Ort zu verwandeln, in dem du arbeiten musst. Außerdem führt dir diese Zimmertransformation schonungslos vor Augen, dass deine Kinder groß werden und du selbst alt wirst.

Andererseits stehen dann mein Schreibtisch, meine Ordner, der Drucker und all das Gerümpel, das sich so in einem Arbeitszimmer ansammelt, nicht länger in unserem Schlafzimmer rum. Das erhöht die persönliche Wohn- und Schlafqualität doch um einiges. Allerdings muss ich das Zimmer vorher noch streichen. Das senkt meine persönliche Lebensqualität wiederum erheblich.

Die für die Streichaktion notwendige Farbe kaufe ich ganz im Sinne des „support your local everything“ in dem Malereifachgeschäft bei uns in der Nachbarschaft. Nachdem ich mein Anliegen geschildert habe, beweist der Ladenbesitzer, dass er gleichermaßen über Fachkompetenz, Menschenkenntnis und Verkaufstalent verfügt. Er empfiehlt mir eine recht teure Marke. Mit dieser erzielten auch Leute, die nur sehr selten streichen und Angst hätten, ob sie das richtig hinbekämen, gute Ergebnisse. Ich schlage sofort zu.

19. November 2022, Berlin

Zum Streichen des Ex-Kinder-und-Arbeitszimmer-in-spe ziehe ich meine „Arbeitshose“ an. Wie wahrscheinlich bei den meisten Menschen, die ihr Geld am Schreibtisch verdienen und in ihrer Freizeit größtmöglichen Abstand von handwerklichen Tätigkeiten halten, handelt es sich nicht um ein professionelles Arbeitskleidungsstück, sondern einfach um eine ausrangierte Hose, bei der es egal ist, wenn sie schmutzig wird.

Die Hose führte jahrelang ein unbeschwertes Leben in der hintersten Ecke des Kleiderschrankes. Weil wir im Januar schon das Zimmer des Sohns renovierten, trage ich sie dieses Jahr aber bereits zum zweiten Mal. Wahrscheinlich steht sie kurz vorm Burn-out.

20. November 2022, Berlin

Inspiziere morgens das Streichergebnis. Der Mann aus dem Malereifachgeschäft hatte recht. Mit der Farbe kannst du auch als unroutinierter Maler gute Ergebnisse erzielen. Zumindest an den Stellen, an denen du sie aufgetragen hast. Die anderen muss ich heute früh noch einmal nachstreichen. Meine Arbeitshose wimmert leise auf, als ich sei schon wieder anziehe.

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Nach der ganzen Handwerkerei – wenn man das, was ich da gestern und heute veranstaltet habe, so bezeichnen will –, widme ich mich heute einer hauswirtschaftlichen Tätigkeit: Ich backe Stollen. Damit bin ich eigentlich eine Woche zu spät dran. Stollen soll nämlich sechs Wochen vor Weihnachten gebacken werden. Dann kann er richtig durchziehen. Da wir unseren Stollen aber sowieso immer schon nach ein paar Tagen anschneiden, ist es egal, wann ich ihn backe.

Ursprünglich war der Stollen übrigens eine Fastenspeise, die aus Wasser, Hafer und Öl hergestellt wurde. Recht schnell fiel den Menschen aber auf, dass diese Hafer-Öl-Kreation geschmacklich kein Burner war. Daher beschlossen sie, das mit der Fasterei nicht zu übertreiben, und hauten ordentlich Zucker, Eier, Marzipan und in den Teig. Damit der Stollen nicht zu lecker wird, kam irgendein krankes Hirn noch auf die Idee, Zitronat und Orangeat beizumischen. Beides Abfallprodukte, die bei der Herstellung von Autoreifen entstehen, und die mit Zitronen und Orangen soviel zu tun haben, wie Meeresfrüchte mit Obst und Gemüse oder Kichererbsen mit Gelächter.

Mit dem Stollenbacken ist für mich die Weihnachtsbäckerei und damit die Weihnachtsmusik-Saison eröffnet. Einerseits ist meine Frau darüber erleichtert, denn in den letzten Wochen lief bei mir in Vorbereitung auf den 11.11. meine Karnevals-Playlist in Dauerschleife. Andererseits höre ich nun non-stop Feliz Navidad, Silent Night, We wish you a merry Christmas und Co. Für meine Frau ist das wie von der Traufe in den Regen zu kommen, sich zwischen Pest und Cholera entscheiden müssen oder den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Wobei der Beelzebub nach dem 138. „Last Christmas“ wahrscheinlich schnell Reißaus nehmen würde.


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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (436)

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Eine kleine Wochenschau | KW46-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


14. November 2022, Berlin

Nostalgische Kindheitserinnerungen im Supermarkt. Der Kassierer im Supermarkt trägt eine Armbanduhr mit Taschenrechner. Sowie damals in der Grundschule mein Klassenkamerad Thorsten. Dafür habe ich ihn sehr beneidet. Meine Eltern erfüllten mir meinen Wunsch nach einer Taschenrechner-Uhr aber nie und ich suchte auf vielen Geburtstagstischen und unter mehreren Weihnachtsbäumen vergeblich nach ihr. (Schlimmstes Trauma für die wohlbehütet aufgewachsene Generation Golf.)

Auch jetzt an der Kasse denke ich, dass ich gerne so eine Uhr hätte. Dabei trage ich seit über 25 Jahren keine Armbanduhr. Eine Zeit lang hatte ich eine Taschenuhr, weil ich dachte, das sei cool. Stellte sich aber heraus, dass es sehr uncool ist. Außerdem habe ich einen Taschenrechner in meinem Smartphone, den ich so gut wie nie benutze. Und mit „so gut wie nie“ meine ich „nie“. Es gibt im Alltag einfach sehr wenige Situationen, in denen ich zu mir sage: „Was für ein Glück, dass mein Handy einen Taschenrechner hat. Aber noch besser wäre es, wenn ich ihn am Handgelenk tragen würde.“

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Familien-Tweets der Woche (435)

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Eine kleine Wochenschau | KW45-2022 (Teil 2)

Teil 1


11. November 2022, Berlin

11.11. Karnevalsauftakt in Köln. Ich feiere wieder zusammen mit Stadt-Land-Mama-Lisa und Ich-bin-dein-Vater-Janni. Coronabedingt das erste Mal seit zweieinhalb Jahren. Auf dem Weg in die Kneipe bin ich etwas nervös, ob ich überhaupt noch weiß, wie das mit dem Karnevalfeiern geht. Es stellt sich aber schnell raus, dass das genau wie beim Radfahren ist. Also, nicht dass du einen Helm und reflektierende Hosenbänder beim Karnevalfeiern brauchst, sondern du verlernst es nicht. Spätestens nach dem dritten Kölsch gehen die Lieder recht flüssig über die Lippen und nach dem vierten klappt es auch mit dem Schunkeln.

Ich hatte zuerst kurz überlegt, mich als alter, weißer Mann zu verkleiden. Das heißt, mich wie immer anziehen und nach jedem Satz: „DAS WIRD MAN JA WOHL NOCH SAGEN DÜRFEN!“ zu blöken.

„Ich hätte gerne einen Kranz Kölsch. DAS WIRD MAN JA WOHL NOCH SAGEN DÜRFEN!“
„Ich geh’ mal aufs Klo. DAS WIRD MAN JA WOHL NOCH SAGEN DÜRFEN!“
„Ich hol mir ‘ne Wurst. DAS WIRD MAN JA WOHL NOCH SAGEN DÜRFEN!“

Die Verkleidung schien mir aber ein wenig zu konzeptionell-verkopft zu sein. Stattdessen habe ich mich für mein bewährtes Wo-ist-Walter-Kostüm entschieden. Das ist leicht umzusetzen und kostengünstig. Du brauchst nur ein rot-weiß-geringeltes T-Shirt und eine rot-weiße Bommelmütze – eine schwarze Hornbrille habe ich sowieso – und fertig ist die Karnevalsverkleidung.

Außerdem komme ich in dieser Kostümierung sehr leicht in Kontakt mit anderen Menschen. Allerdings in erster Linie auf der Männertoilette, wo mir andauernd irgendein Dude auf die Schulter haut und dabei nuschelt „Isch hab’ den Walter jefunden!“ (Nach dem fünften Kölsch denke ich auch nicht mehr darüber nach, ob sich der Typ, der mir gerade den Rücken tätschelt, vorher die Hände gewaschen hat.)

12. November 2022, Berlin

Wache um 8 Uhr auf. Die Umsetzung meines Nach-jedem-dritten-Kölsch-trinke-ich-ein-Wasser-Plans hat nur semi-gut geklappt. Ich habe eine leicht matschige Birne und einen Geschmack im Mund, als hätte sich eine altersschwache Bisamratte zum Sterben in meine Mundhöhle zurückgezogen.

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Um 10.30 Uhr laufe ich am Rhein entlang in Richtung Hauptbahnhof. Am Zollhafen wird gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut. Die Arbeiter sehen nicht besonders glücklich aus. Das liegt vielleicht am Wetter. Bei 12 Grad plus macht es wahrscheinlich nicht besonders viel Spaß, Glühweinstände zusammenzuzimmern.

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Im Bahnhof spricht mich ein Mann in gebrochenem Deutsch an. Er fragt, was bei der Anzeige zu seinem Zug der Satz „Fährt in umgekehrter Wagenreihung“ bedeutet. Ich versuche, ihm das mit möglichst einfachen Worten zu erklären. Mein Hirn und mein Sprachzentrum laufen aber noch nicht ganz im Normalbetrieb. Meine Ausführungen sind daher so kompliziert, dass ich davon ausgehe, dass der Mann gleich in einen komplett falschen Zug einsteigen wird.

13. November 2022, Berlin

Eigentlich hätte ich heute gerne ausgeschlafen, um mich noch ein wenig von den Karnevalsstrapazen zu erholen. Schließlich bin ich keine 18 mehr, als ich abends noch feiern gehen konnte und trotzdem am nächsten Morgen einigermaßen fit war und in die Schule gehen konnte. (Das lag allerdings hauptsächlich daran, dass mein Vater Lehrer war und es nicht gestattet hat, „krank“ zu sein, wenn du am Vorabend auf einer Party warst.)

Meine Karnevals-Rekonvaleszenz muss jedoch ausfallen. Der Judoverein des Sohns richtet dieses Wochenende die Berliner Mannschaftsmeisterschaften aus. Da wird ein gewisses Engagement von den Vereinsmitgliedern erwartet. Ungünstigerweise auch von den Eltern der Vereinsmitglieder. Ich hatte bereits Kuchen gebacken. Das reichte als Einsatz aber nicht aus, sondern ich war auch noch dafür eingeteilt, ihn zu verkaufen. Und Brötchen und Würstchen und Salate und Bouletten und Getränke.

Um 6 Uhr klingelt der Wecker, weil wir für das Turnier nach Kladow müssen, was eine Bus- und Bahnfahrt von 70 bis 90 Minuten bedeutet. Möglicherweise fragen sie sich jetzt: „Kladow? Ist das überhaupt noch Berlin?“ Um ehrlich zu sein, weiß ich das nicht. Allerdings sieht es dort nicht nach Berlin aus.

Durch den Karneval ist mein Bedarf an Sozialkontakten für die nächsten Tage Wochen gedeckt. Somit versuche ich, mich beim Essensverkauf eher im Hintergrund zu halten. Es kommt mir sehr gelegen, dass immer wieder neue Brötchen geschmiert werden müssen. Ein Job, den meine Frau und ich gerne übernehme. Hauptsache, wir müssen uns nicht mit anderen Menschen unterhalten.

Unterstützung bekommen wir unter anderem von Roy. Roy ist 10 Jahre alt und belegt die Brötchenhälften mit einer zenhaften Langsamkeit mit Käse, Salat, Tomaten und Gurken. Manchmal kommt er bei der Reihenfolge des Belags durcheinander, muss dann alles wieder runternehmen und neu belegen. Dafür drapiert er die Gurken und Tomaten in Blümchenmustern auf den Brötchenhälften, was seine Brötchenbeleggeschwindigkeit auch nicht gerade erhöht.

Roy ist wahrlich nicht der schnellste Brötchenbeleger in der Geschichte des Brötchenbelegens. Dafür ist er aber erfreulich schweigsam. Eine Qualität, die ich insbesondere heute sehr zu schätzen weiß.


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07. November 2022, Berlin

Mein Friseurbesuch in Carlow liegt inzwischen fast zwei Monate zurück. Mein Spiegelbild legt mir daher mit einem gewissen Nachdruck, ich solle mir mal wieder die Haare schneiden lassen. Besser heute als morgen.

Also mache ich einen Termin bei meiner Stammfriseurin Ayşe aus. Wie die aufmerksamen Leser*innen meines Cassis-Urlaubsblogs wissen, ist Ayşe eigentlich gar nicht meine Stammfriseurin, sondern die meiner Frau. Allerdings hätte ich gerne, dass sie meine Stammfriseurin wäre, weil sie eine hervorragende Friseurin ist. Daher gebe ich in dem Online-Tool des Friseurgeschäfts immer an, dass ich meinen Termin gerne bei Ayşe hätte. Bis auf ein einziges Mal hat das aber nie geklappt. Stattdessen musste ich mir immer von einer von Ayşes Kolleginnen die Haare schneiden lassen. Die machten das zwar auch ganz gut, aber nicht so gut wie Ayşe.

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Familien-Tweets der Woche (434)

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