Eine kleine Wochenschau | KW16-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


12. April 2021, Berlin

Es ist 5 Uhr morgens. Ich werde durch ein lautes Spektakel auf dem Fensterbrett vor unserem Schlafzimmer geweckt. Dort sitzt ein Tauberich, der sich zu einer beachtlichen Größe aufgeplustert hat und in einer Lautstärke und Penetranz gurrt, die um diese Uhrzeit nur schwer erträglich ist.

Entweder hatte Herr Taube schon sehr, sehr lange keinen Sex mehr und lässt nun die weibliche Taubenwelt in ganz Moabit wissen, dass er verfügbar und bereit ist. Oder er hat einen sehr, sehr kleinen Penis und muss das mit seiner Lärmerei kompensieren. Hoffentlich steigt er gleich in seinen Porsche und fährt woanders hin.

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Eine kleine Wochenschau | KW15-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


05. April 2021, Berlin

Wir vertreiben uns den österlichen Montagnachmittag mit Spielen. Unter anderem mit Dr. Bibber. Falls Sie das nicht kennen: Zweck des Spiels ist es, aus einem Patienten mit einer Pinzette verschiedene Gegenstände zu holen, ohne dabei den Metallrand der jeweiligen Öffnungen zu berühren. Sonst wird ein Geräusch ausgelöst, die Nase des Patienten leuchtet rot und der oder die Nächste ist dran.

Wir spielen mit sehr viel Spaß und sehr wenig Talent. Hoffen Sie einfach, dass Sie nie in eine medizinische Notlage geraten, in der Sie darauf angewiesen sind, von einem Mitglied unserer Familie ärztlich behandelt zu werden. Zum Beispiel, wenn Sie einen Splitter im Finger haben. Oder Ihr Blinddarm entfernt werden muss. Oder eine OP am offenen Herzen ansteht. (Wir nehmen ohnehin nur Privatpatienten.)

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Eine kleine Wochenschau | KW14-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


29. März 2021, Berlin

In einem Maximo-Park-Fan-Paket, das meine Frau sich bestellt hat, waren – aus welchen Gründen auch immer – ein paar Samen beigelegt. Die hat sie jetzt zum Keimen auf feuchte Watte in ein paar kleine Einmachgläser gelegt. Es gibt Samen für Tomatenpflanzen, für Chilischoten und für etwas, von dem sie nicht weiß, was es ist. Wenn wir Glück haben, Hanf.

Während der ersten Corona-Welle hat meine Frau gepuzzelt, in der zweiten eine riesige Wolldecke gestrickt und jetzt also Home Gardening. Für die vierte Welle hoffe ich auf eine manische Back-Obsession.

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Eine kleine Wochenschau | KW13-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


22. März 2021, Berlin

Die Ministerpräsident:innen und Frau Merkel wollen heute diskutieren, ob über Ostern kontaktarmer Urlaub im eigenen Bundesland möglich sein soll. Kann ich dann ins Naherholungsgebiet Spandau fahren oder einen Wanderurlaub durch Neukölln unternehmen? Oder einen Städtetrip nach Marzahn mit Museums- und Galeriebesuchen? Und soll ich die Familie Zuhause lassen, damit der Urlaub auch wirklich kontaktarm ist? So viele Fragen!

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Eine kleine Wochenschau | KW12-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


15. März 2021, Berlin

„Das mit den kurzen Haaren und dem kurzen Bart sah richtig gut aus.“ Meine Frau betrachtet ein ungefähr fünfzehn Jahre altes Foto von mir und ich möchte nicht ausschließen, dass sie es extra rausgesucht hat, um mir subtil verstehen zu geben, ich solle endlich zum Friseur gehen, weil meine Corona-Haare allmählich als Erregung öffentlichen Ärgernisses gelten.

Ganz unrecht hat sie damit nicht. Meine Haare sind inzwischen so lang, dass sich hinten ein ganz leichter Spoiler gebildet hat. Eine Frisur, die aus unerklärlichen Gründen in den 80ern in war – insbesondere bei Fußballern –, aber inzwischen sozial wenig akzeptiert ist. (Außer wahrscheinlich bei Hipstern in Berlin-Mitte, aber dort bin ich fast nie!)

Zum Friseur gehen, ist aber schwieriger, als es sich anhört. Aufgrund der geltenden Corona-Vorgaben müsste ich telefonisch einen Termin ausmachen und ich hasse Telefonieren. Außerdem kann ich bei meinem Friseur nicht mit EC-Karte bezahlen. Da wir nie Bargeld im Haus haben, müsste ich also extra zum nächsten Bankautomaten gehen oder beim nächsten Einkauf daran denken, Geld abzu­heben. Beides ist sehr, sehr unwahrscheinlich.

Das sind definitiv zu viele Hürden und es ist mir schlicht nicht möglich, in absehbarer Zeit zum Friseur zu gehen. Aber so schlimm sehe ich mit langen Haaren auch gar nicht aus. (Zumindest für mich, da ich mich ja nicht anschauen muss.) Da ist es okay, den Friseur-Besuch noch ein wenig aufzuschieben. Freuen Sie sich dann im Dezember auf mein traditionelles Weihnachtsbaum-Bild, auf dem ich einen schicken Pferdeschwanz tragen werde. (Wenn meine Frau das liest, wird sie wahrscheinlich unverzüglich beim Friseur anrufen und tonnenweise Bargeld abheben.)

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Eine kleine Wochenschau | KW11-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


08. März 2021, Berlin

Heute ist Internationaler Frauentag aka Internationaler Feministischer Kampftag. Im Gegensatz zum Rest der Republik ist der Frauentag in Berlin ein gesetzlicher Feiertag.

Als dieser Feiertag vor zwei Jahren in Berlin eingeführt wurde, fiel er gleich auf einen Freitag und hat den Berliner:innen direkt ein langes Wochenende beschert. Ein kluger Schachzug, wenn du im Wettstreit um Deutschlands populärsten Feiertag Punkte sammeln willst. Im letzten Jahr wurde dieser Bonus aber gleich wieder verspielt, denn da lag der Frauentag auf einem Sonntag.

Diesmal ist der Frauentag montags – ergo langes Wochenende in Berlin –, aber das ist irgendwie egal. Wenn du seit zwölf Monaten ständig allein Zuhause im Home Office und Home Schooling abhängst und ohnehin nicht mehr weißt, welcher Tag überhaupt ist, dann nimmst du so einen Feiertag nur noch nebenbei wahr.

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Eine kleine Wochenschau | KW10-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


01. März 2021, Berlin

2021 bleibt auch abseits von Corona herausfordernd: Nach ausgefallener Heizung, instabilem Internet und kaputter Waschmaschine ist nun der Strom dran. Das ist der Nachteil, wenn du im Altbau wohnst. Du hast zwar herrschaftlich hohe Räume, hübschen Stuck an der Decke und schicke Dielenböden, aber dafür stammt die Elektrik meistens aus der Vorkriegszeit. (Wenn du Glück hast von vor dem Zweiten Weltkrieg, wenn du Pech hast von vor dem Ersten Weltkrieg und wenn du richtig Pech hast von vor dem 30-jährigen Krieg.)

Eine Steckdose in unserer Küche ist in den Streik getreten und haut gleich die Sicherung für die gesamte Küche raus. Möglicherweise weil gleichzeitig Wasserkocher und Milchschäumer liefen. Das war der Steckdose zu viel und jetzt ist sie beleidigt. Selbst wenn ich nur den leeren Mehrfachstecker einstöpsle, funkt und knistert sie aggressiv.

Ungünstigerweise handelt es sich um die Steckdose, an der auch die Kaffeemaschine angeschlossen ist. Während ich in Panik gerate, wie ich den Tag ohne stetige Koffeinzufuhr überstehen soll, schließt meine Frau die Maschine an eine andere, funktionierende Steckdose an. Gut, wenn wenigstens eine einen kühlen Kopf bewahrt. (Zu meiner Verteidigung: Ich hatte noch keinen Kaffee, da die Steckdose vorher schon den Geist aufgegeben hatte.)

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Eine kleine Wochenschau | KW09-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


22. Februar 2021, Berlin

Der Sohn hat heute ein Mittagsschläfchen eingelegt. Das soll ja gesund sein und hilft Körper und Geist, sich zu regenerieren, und ist daher aus Elternsicht auf jeden Fall zu befürworten. Allerdings vielleicht nicht unbedingt während des Video-Unterrichts bei laufender Kamera. Der Sohn hat aber Glück und sein Power-Nap bleibt unentdeckt. Was, wenn ich darüber nachdenke, möglicherweise nicht gerade für seine sonstige Beteiligung im Unterricht spricht.

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Eine kleine Wochenschau | KW08-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


15. Februar 2021, Berlin

Meine Frau und ich sind erfreut, aber auch etwas irritiert: Der Sohn hatte letzte Woche freiwillig und ohne Aufforderung unsererseits seinen Schreibtisch aufgeräumt und die diversen Arbeitsblätter, die sich im Laufe des Home Schoolings angesammelt hatten, sortiert. Wir müssen uns aber trotzdem keine Sorgen machen, dass er von Aliens entführt und ausgetauscht wurde, denn seit Tagen liegen jetzt die Papierstapel auf dem Boden rum. Laut eigener Aussage hat ihn nach dem ganzen Aufräumen und Sortieren die Energie verlassen, um die Zettel auch noch abzuheften. Das verstehe ich voll und ganz. Nach einem Jahr Corona fehlt uns allen die Energie.

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Eine kleine Wochenschau | KW07-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


08. Februar 2021, Berlin

Der Heizkessel im Keller funktioniert wieder und die Wohnung heizt sich allmählich auf. Zumindest in den Kinderzimmern und im Wohnzimmer. Im Schlafzimmer bleibt es kalt. Ungünstigerweise steht dort mein Schreibtisch. Als treusorgender Vater und Ehemann sollte ich mich darüber freuen, dass es der Rest der Familie warm hat. Ich verspüre aber vor allem Neid. Wenn sich meine Füße allmählich in Eisklötze verwandeln, fällt es mir anscheinend schwer, ein guter Mensch zu sein.

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Ich sitze mit dem Sohn beim Kieferorthopäden. Er braucht eine Zahnspange, um eine Zahnfellstellung zu korrigieren, die auf einen überschüssigen Schneidezahn zurückzuführen ist. (Der Sohn ist quasi der Anti-Jürgen-Vogel.) Der Kieferorthopäde überbringt uns die unschöne Nachricht, dass die Krankenkasse für die Behandlung nicht aufkommt. Sie würde nur für Zahnspangen bezahlen, wenn ein Zahn fehlt. (Gut für Jürgen Vogel.) Die Logik dahinter erschließt sich weder mir noch dem Kieferorthopäden. Die Kosten für die Zahnspange belaufen sich auf einen mittleren vierstelligen Betrag. Ich bin mir nicht sicher, ob der Sohn das nach der erfolgreichen Behandlung als Zahn-Model wieder reinholen kann.

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Nun zu etwas anderem: Falls es in ihrem Bekanntenkreis werdende Väter gibt, verschenken Sie doch eines meiner Bücher. Und falls Sie keine werdenden Väter kennen, kaufen Sie meine Bücher trotzdem. Oder überweisen Sie mir einfach Geld.

Überall erhältlich, wo es Bücher gibt.

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