Eine kleine Wochenschau | KW08-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


19. Februar 2024, Berlin

Für die Tochter beginnt in Carlow einer der soziokulturellen Höhepunkte des Jahres für Studierende: die sogenannte RAG Week.

Die RAG Week ist ein Charity-Event, denn RAG steht für „Raise and give“. Mir ist nicht klar, wer Adressat des Giving ist, aber für das Raising sind die Studierenden zuständig. Indem sie in den Pub gehen und Bier sowie andere alkoholische Getränke. Zum einen raisen sie damit ihren Blutalkoholgehalt, zum anderen Geld für irgendeinen guten Zweck. Wahrscheinlich die Vermehrung des Vermögens der Pub-Betreiber.

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Eine kleine Wochenschau | KW07-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


12. Februar 2024, Berlin

Rosenmontag. Für mich nicht. Nach vier Tagen Karneval in Köln steht bei mir die Resozialisierung in den normalen Alltag an.

Das ist gar nicht so einfach. Im Supermarkt laufen keine verkleideten Menschen rum, nirgendwo läuft Karnevalsmusik, niemand will schunkeln und du bekommst nicht von Wildfremden Kölsch angeboten. Schade. Sehr schade.

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Eine kleine Wochenschau | KW06-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


05. Februar 2024, Berlin

Vor mir läuft ein Mann mit einer schwarzen Jacke. Auf dem Rücken steht „Hauptstadtadel“. Aus Strasssteinen gelegt. Der Mann sieht für mich nicht direkt nach Adel aus. In meiner Vorstellung tragen Adelige keine ausgebeulten Jogginghosen und schmutzige Sneaker. Außerdem gibt es kein deutlicheres Zeichen, dass du nicht zum Hauptstadtadel gehörst, als eine Jacke zu tragen, auf der Hauptstadtadel steht.

Ich schätze, die Jacke ist von dem gleichen Label, dass die Hauptstadtrocker-Linie herausgibt. Bei der ziert neben dem Schriftzug noch ein Strassstein-Totenkopf die Kleidung. Auch hier ist eindeutig, dass jemand, der Kleidung trägt, auf der Hauptstadtrocker steht, definitiv kein Rocker ist.

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Eine kleine Wochenschau | KW05-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


29. Januar 2024, Berlin

Jahrestag. Unser 27. Falls Sie sich jetzt fragen: „Wie, 27 Jahre? Sind die beiden schon seit dem Kindergarten zusammen?“ Ja.

In deutlich mehr als der Hälfte dieser Jahre haben wir unseren Jahrestag vergessen. Meistens beide. Zum Glück haben wir noch den Hochzeitstag im Mai. An den denken wir seit acht Jahren nicht. (Dass ich im Ordner „Wichtige Unterlagen“ in unserer Eheurkunde nachschauen musste, in welchem Jahr wir geheiratet haben, verdeutlicht zusätzlich, dass unsere Beziehung zu Jahres- und Hochzeitstagen kompliziert ist.)

Dieses Jahr ist alles anders. Dieses Jahr habe ich an unseren Jahrestag gedacht. Dieses Jahr kann ich mir etwas für den Jahrestag ausdenken. Das ist aus folgendem Grund sehr wichtig: An Weihnachten hat mich meine Frau überrumpelt, indem sie mir einen „Tipi am Kanzleramt“-Gutschein überreichte. Mit der Erklärung, der sei für uns zusammen. Damit wir gemeinsam etwas unternehmen. Das testete die Grenzen unserer seit Jahren geltenden „Wir schenken uns nichts“-Vereinbarung nicht nur aus, sondern verletzte sie aufs Gröbste.

Ein ebenso perfides wie durchschaubares Manöver, um das Gleichgewicht der Kräfte in unserer Beziehung zu ihren Gunsten zu verschieben. Was ihr auch gelang. Als regelbewusster Mensch hatte ich kein gemeinsames Geschenk für uns zusammen vorzuweisen und stand entsprechend blöd da.

Nun überlege ich mir ein Geschenk für unseren Jahrestag, um meine Frau zu düpieren. Darum geht es schließlich bei Jahrestaggeschenken. Die Partnerin oder den Partner schlecht aussehen lassen.

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Eine kleine Wochenschau | KW04-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


22. Januar 2024, Berlin

6.45 Uhr. Sitze auf dem Sofa und beginne langsam meinen Tag. Zumindest versuche ich es. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Heute startet unsere alljährliche Fastenwoche und da steht Kaffee auf der No-go-Liste. Für die die nächsten vier Tage gibt es nur Wasser und kein Brot, sondern Tee. Keine schöne Aussicht.

Ich verspüre Heißhunger. Immerhin habe ich seit zehn Stunden nichts gegessen. Kein Wunder, dass mir blümerant ist. Sicherlich bin ich hochgradig unterzuckert. Was natürlich Unsinn ist. Auch ohne Fasten läge meine letzte Mahlzeit zehn Stunden zurück. Trotzdem stünde ich da nicht kurz vor einem Schwächeanfall.

Frage mich, wie ich ohne Kaffee in den Tag starten soll. Wer weckt dann meine Lebensgeister? Bestimmt nicht das Glas Wasser, das neben mir steht. Und schon gar nicht der Waldfrucht-Tee, der mich vorwurfsvoll anschaut, weil ich ihn so langsam trinke.

Kaffee ist da anders. Kaffee ist wie ein guter Freund. Kaffee macht dir keine Vorwürfe. Kaffee hilft dir, ohne doofe Fragen zu stellen. Ich vermisse Kaffee.

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Eine kleine Wochenschau | KW03-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


15. Januar 2024, Berlin

Heute ist große Bauern-Demo am Brandenburger Tor. Als ich gegen 13 Uhr zum Supermarkt gehe, fahren vereinzelte Traktoren an mir vorbei. Monströs große Maschinen. Die Fahrer hupen immer mal wieder.

Keine Ahnung, was die hier wollen. Das Brandenburger Tor ist rund anderthalb Kilometer entfernt. Wahrscheinlich wollen die Bauern ihren Protest in die ganze Stadt tragen, damit das auch wirklich alle mitbekommen. Als wäre das nicht schon seit Tagen Nummer-1-Thema in allen Nachrichtensendungen, Zeitungen und im Internet. Du musst schon unter einem Stein leben, um von den Bauern-Protesten nichts mitzubekommen.

Vielleicht wissen die Bauern, die hier durch Moabit cruisen, auch einfach nicht, wie sie zum Brandenburger Tor kommen. Deswegen fahren sie den ganzen Tag verzweifelt durch Berlin und suchen ihre demonstrierenden Kollegen.

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Eine kleine Wochenschau | KW50-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


11. Dezember 2023, Berlin

Der Sohn ist den vierten Tag in Corona-Isolation. Das Zimmer verlässt er nur, um ins Bad zu gehen, und immer mit Maske. Wir stellen ihm regelmäßig Essen vor die Tür, später räumt er das benutzte Geschirr in den Flur, wo wir es abholen. Er lebt quasi wie ein Gefängnisinsasse in Einzelhaft. Allerdings wie ein Gefängnisinsasse, der bestens mit elektronischen Unterhaltungsgeräten und Streamingdiensten ausgestattet ist.

Ab und an legt der Sohn auch seine Schmutzwäsche raus. Vielleicht ist er doch kein Gefängnisinsasse, sondern ein Hotelbewohner mit Room Service. Allerdings ein Hotelbewohner, der sein Zimmer nicht bezahlt.

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Eine kleine Wochenschau | KW49-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


04. Dezember 2023, Berlin

Morgendliche Laufrunde im Schlosspark Charlottenburg. Ich werde überholt. Das passiert schon mal. Allerdings nicht ganz so oft, dass es jemand auf Langlauf-Skiern ist.

Der Mann läuft im klassischen Stil. Dass er damit schneller ist als ich, spricht nicht für mein Tempo. Allerdings ist er bei dem verschneiten Untergrund mit seiner Wahl des Fortbewegungsmittels deutlich im Vorteil.

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Eine kleine Wochenschau | KW48-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


27. November 2023, Berlin

Gehe morgens laufen. Über Nacht hat es geschneit. Vielleicht erinnern Sie sich, wie Sylvester Stallone in Rocky IV durch die sibirische Schneelandschaft rennt. Kraftvoll, dynamisch, entschlossen und maximal männlich. Er hängt sogar ein Auto mit KGB-Offizieren ab, die ihn Schritt auf Tritt verfolgen.

Mein Laufen hat rein gar nichts mit dieser Rocky-Szenerie zu tun. Ich tripple übervorsichtig auf den leicht verschneiten Gehwegen, immer darauf bedacht, auf dem matschigen Untergrund nicht auszurutschen. Wie ein gebrechlicher Greis, der Angst hat, hinzufallen und sich einen Oberschenkelhalsbruch zuziehen, von dem er sich nie wieder erholen wird. Mein Laufstil ist nicht maximal männlich, sondern maximal geriatrisch.

Auf der Putlitzbrücke überholt mich eine ältere Frau mit einem klapprigen Damenrad.

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Eine kleine Wochenschau | KW47-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


20. November 2023, Berlin

Wir eröffnen die Weihnachtsbäckerei. Traditionell mit Christstollen. Der soll bekanntlich ein paar Wochen ziehen, damit er besonders gut schmeckt. Wobei ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann, dass er bereits nach ein paar wenigen Tagen ziemlich lecker ist.

Ebenfalls traditionell verwende ich kein Zitronat und kein Orangeat. Nur wer vollends geschmacksverwirrt ist, mag Zitronat und Orangeat. Ist zumindest meine persönliche Meinung. Die aber objektiv richtig ist.

Mir ist schleierhaft, woher überhaupt die Bezeichnungen Zitronat und Orangeat herkommen. Es gibt keine Lebensmittel, die weniger nach Zitrone und Orange schmecken als Zitronat und Orangeat. Geschmacklich scheint mir das eher ein Abfallprodukt der Autoreifenherstellung zu sein.

Das ist der Grund, warum Zitronat und Orangeat nichts im Stollen zu suchen haben. Ist zumindest meine persönliche Meinung. Die aber objektiv richtig ist.

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