Eine kleine Wochenschau | KW24-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


10. Juni 2024, Berlin

Noch zwei Tage bis zum mündlichen Abi. Der Sohn erzählt, er habe heute zwei Stunden am Stück gelernt. Mehr als in der ganzen letzten Woche zusammen. Ich denke, das wird am Mittwoch eine sehr interessante Prüfung.

Der Sohn macht fast auf den Tag genau drei Jahrzehnte nach mir Abitur. Das klingt sehr unschön. Drei Jahrzehnte. Aber es ist nicht zu leugnen. Vor allem, weil wir am Wochenende 30-jähriges-Abi-Treffen im Westerwald hatten. Ich konnte nicht hinfahren, aber in der WhatsApp-Gruppe wurden fleißig Bilder geteilt. Auf den Fotos waren allerdings nicht meine alten Klassenkamerad*innen, sondern irgendwelche alten Menschen. Merkwürdig.

Titelbild mit einem Straßenlaternen-Aufkleber, auf dem ein Hamster abgebildet ist und unter dem steht: Ghetto Herbert
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Eine kleine Wochenschau | KW23-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


03. Juni 2024, Berlin

Kundentermin. Zunächst gemeinsames Mittagessen, anschließend Strategie-Workshop. Eine jüngere Kollegin, nicht älter als Mitte 20, fragt in der Kaffeepause, ob sie Kekse und Kuchen besorgen solle.

Die Ü45-Männer im Raum werden blass. Da wir nicht mehr über den Stoffwechsel von Teenagern verfügen, müssen wir, um ein Stückchen Gebäck kalorisch zu verarbeiten, mindestens achteinhalb Stunden Ausdauersport treiben. Nur dann können wir hoffen, nicht mehr als anderthalb Kilo zuzunehmen. Aus Rücksicht auf uns wird auf Süßes verzichtet.

Titelbild mit einem Toastbrot auf dem mit Nutella zwei Augen und ein Strichmund gemalt wurden
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Eine kleine Wochenschau | KW22-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


27. Mai 2024, Berlin

Interessante Mail im Spam-Ordner: ein Liebeszauber-Angebot. Mit diesem kannst du eine Person, die du heimlich begehrst, besessen von dir machen.

Das Vorgehen ist denkbar einfach: Termin ausmachen, Informationen zu der begehrten Person bereitstellen (Name, Geburtsdatum, Foto (auch verpixelt möglich), was alles datenschutzrechtlich etwas bedenklich ist), dann wird der Liebeszauber ausgesprochen und zum Schluss gibt es eine Bestätigungsmail. Letzteres klingt mehr nach deutscher Bürokratie als nach magischer Amore, ist aber von größter Wichtigkeit. Die Nachricht enthält eine Nummer, die du benötigst, falls du den Liebes-Zauber wieder aufheben lassen willst, weil dir die vormals angebetete und nun liebesverzauberte Person inzwischen so richtig auf den Zeiger geht.

Ach ja, bezahlen musst du das Ganze natürlich auch. Das ist zurzeit aber ein richtiger Schnapper. Mit dem exklusiven Sama-Drishti-Discount, bezahlst du statt 230 Euro nur 30 Euro. Eine Ersparnis von 87 Prozent. Wer da nicht zuschlägt, ist selbst schuld.

Oder man gesteht dem auserwählten Menschen einfach so seine Zuneigung, ohne auf irgendwelchen Hokuspokus zurückzugreifen. Das ist noch billiger.

Titelbild mit Spruch in orangener Farbe auf einer Hauswand: Frauen bildet Banden!
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Eine kleine Wochenschau | KW21-2024

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20. Mai 2024, Berlin

Pfingstmontag. Einer dieser Feiertage, bei denen du nicht so richtig weißt, warum sie existieren. Was dir aber egal ist. Einem geschenkten Feiertag-Gaul, schaut niemand ins Frei-Maul.

An Pfingsten wird daran gedacht, dass der Heilige Geist über die Jünger kam. Die waren, nachdem Jesus gen Himmel gezogen war, vollkommen verängstigt und orientierungslos. Dann erschien der Heilige Geist, wer auch immer das ist, und alles war tutti. Auch mit diesen Informationen bleiben sehr viele Fragen rund um Pfingsten offen. Aber, wie gesagt, das ist unerheblich, sofern du an dem Tag nicht arbeiten musst. (Stichworte: geschenkt, Feiertag-Gaul, Frei-Maul)

Heute ist außerdem Sei-ein-Millionär-Tag. Ein Gedenktag, der im Gegensatz zu Pfingsten sehr einfach zu verstehen ist. Die Umsetzung ist dennoch herausfordernd. Sagt zumindest unser Bankkonto.

Titelbild mit einem Holzschild, auf dem in roter Farbe steht: Hier ist kein Hundeklo
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Eine kleine Wochenschau | KW20-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


13. Mai 2024, Berlin

Heute Theaterbesuch. Im Berliner Ensemble. „Die Dreigroschenoper“. Die zählt zu meinen – vielen – Bildungslücken. Ich habe sie noch nie gesehen und auch versäumt vorab eine Zusammenfassung zu lesen, um zu wissen, um was es geht. Lediglich der Name Mackie Messer ist mir geläufig.

Von Brecht habe ich bisher „Der gute Mensch von Sezuan“ und „Der kaukasische Kreidekreis“ angeschaut. Das hilft mir aber bei dem Dreigroschenoper-Inhalt nicht weiter. Brecht ist ja nicht wie Dan Brown, wo du nur ein Buch lesen musst, um alle zu kennen. (Rätsel, katholische Kirche, Verschwörung)

Die Aufführung im Berliner Ensemble hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei mir. Auf dem gesamten Heimweg habe ich das Lied von Mackie Messer im Kopf. Auch noch nachts, als ich aufwache und aufs Klo muss.

Titelbild mit einem Foto einer Pusteblume auf einer grünen Wiese
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Eine kleine Wochenschau | KW18/19-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


29. April 2024, Berlin

Wache vollkommen gerädert auf. Fühle mich wie erschlagen. Als hätte ich die ganze Nacht kein Auge zugetan. Dabei war es nur eine Stunde Schlaf weniger als gewöhnlich. Weil wir gestern Abend unbedingt „Ripley“ zu Ende schauen mussten. Das rächt sich heute früh.

Um es positiv zu sehen: Ich bin noch nichts so alt, dass ich mit wenig Schlaf auskomme. Im Gegenteil: Ich bin so jung, dass ich das Schlafbedürfnis eines Teenagers habe. Meine Frau ist von meiner Argumentation nicht überzeugt.

Titelbild mit einem Foto mit Blick auf den Strand, das Meer ist in der Ferne, der Himmel blau mit ein paar Schleierwolken
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Eine kleine Wochenschau | KW17-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


22. April 2024, Köln

Beobachtungen beim Stadtspaziergang durch Köln:

  • Das „Atelier de Vries“ bietet Haustier-Portraits an. Weird, aber immer noch besser, als Bello, Miezi oder Pieps ausstopfen zu lassen und sich ins Wohnzimmer zu stellen.
  • Verein „Dritte Lebensphase“. Wer ist die Zielgruppe? Gehöre ich schon dazu? (Phase 1: Schule, Phase 2: Studium, Phase 3: Job) Oder bin ich schon in der vierten Phase, weil ich vor der Schule im Kindergarten war?
  • Unklares Speisenangebot im Restaurant „Katzen-Tempel“. Gibt es dort Essen für Katzen oder Katzen als Essen?
  • Wort-Bild-Schere bei „Sushi de Lux“. Der Laden sieht maximal unluxuriös aus. Passenderer Name wäre „Sushi de Trash“.
  • Wort-Wort-Schere beim Brettspiel-Café „Bingo Club“, denn Bingo ist kein Brettspiel. Nerdquote im Café: 137 Prozent. (Konservative Schätzung)
  • Toilette mit der Aufschrift „Holy Shit“. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Scheiß.
Titelbild mit einem großen Döner
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Eine kleine Wochenschau | KW16-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


15. April 2024, Berlin

Großer Tag für den Sohn. Erste Abi-Klausur. In Philosophie. Als er nach Hause kommt, zeigt er sich zufrieden. Moralphilosophie kam dran. Da hätte sich das Pokern gelohnt, meint er. Sein bester Freund und er hatten sich fast ausschließlich auf die Moralphilosophen vorbereitet.

Bei einem anderen Thema hätte er nicht so wahnsinnig viel gewusst. Zum Bestehen hätte es aber gereicht, sagt er. Sehr beruhigend.

Titelbild mit einem Wandgemälde. Eine Frau befindet sich in einem Park und wird von ihrem kleinen Hund an der Leine weggezogen.
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Eine kleine Wochenschau | KW15-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


08. April 2024, Berlin

Kontaktanzeigen in Das Magazin. Normalerweise betonen die Menschen in den Anzeigen, dass sie kulturell interessiert sind, gerne an die frische Luft gehen, Humor haben und tiefgründige Gespräche führen möchten.

Diesmal ist alles anders:

  • Zwei Annoncierende äußern unverhohlenes Interesse an sexuellen Affären. Oder wie einer der beiden es nennt: „Zweitbeziehungen“. Vielleicht schreiben sie sich gegenseitig an. Fände ich schön.
  • In einer Anzeige heißt es schlicht: „Junge Alte sucht alten Jungen im Raum Berlin oder an der Ostsee.“ Sonst nichts. Die Definition von Alt und Jung bleibt ebenso offen wie das, was die junge Alte mit dem alten Jungen in Berlin oder an der Ostsee vorhat.
  • Ein 61-jähriges „unperfektes Apfel-Weib“ sucht einen bewegten Mann für die schönen Momente. Vielleicht sollte ihr jemand sagen, dass es in dem Film „Der bewegte Mann“ in erster Linie um homosexuelle Männer geht. Dafür endet die Anzeige mit dem wunderbaren Satz: „Und manchmal bin ich müde.“ Das ist ehrlich, da wird kein Aktionismus vorgegaukelt, sondern die Dame gibt offen zu, dass sie manchmal kein Bock auf Spaziergänge, Unterhaltungen oder Kulturgedöns hat, weil sie lieber schlafen will. Toll.
Titelbild mit einem Mann in Arbeitskleidung und Schutzhelm, der suchend in die Ferne schaut. Dazu ein Schriftzug: Wo ist mein Bagger?
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Eine kleine Wochenschau | KW14-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


01. April 2024, Berlin

Heute Legalisierung von Cannabis in Deutschland und Geburtstag meiner Frau. Sie bekommt trotzdem einen gewöhnlichen Geburtstagskuchen, ohne Zusätze von Haschisch oder anderen Drogen.

Den Kuchen hatte ich als mehrstöckige Zirkustorte geplant. Unten Schokoladenkuchen, ummantelt mit Kitkats (als Bretterzaun), dann ein grün eingefärbter Vanille-Pistazienkuchen mit grünem Frosting (die Wiese), darauf ein weißer Schokoladenkuchen mit weißem Cheesecake-Frosting verziert mit Smarties (das Zirkuszelt) und ganz oben ein kleines Schokoküchlein (die Manege), auf dem zwei Marzipan-Frösche sitzen. Eigentlich hatte ich Löwenfiguren bestellt, aber der Backshop-Anbieter lieferte versehentlich Frösche, die ich kurzerhand als verzauberte Raubkatzen deklariere.

Zum Abschluss füge ich M+Ms, kleine Luftballons und Regenbogen-Aufstecker hinzu. Als ich fertig bin, findet der Sohn, das Ganze sähe weniger nach Geburtstagskuchen, sondern mehr nach Gay-Reveal-Party aus.

Titelbild mit einer mehrstöckigen, bunten Geburtstagstorte, auf der oben zwei Marzipan-Frösche und einen Regenbogen sitzen
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