Eine kleine Wochenschau | KW02-2026: Laufen, Frost und jede Menge Träume

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


05. Januar 2025, Berlin

3 Uhr. Meine volle Blase holt mich aus dem Schlaf und dirigiert mich ins Bad. Das ist bedauerlich, denn im Traum war ich gerade auf dem Geburtstag von Queen Elizabeth II. Während ich im Halbschlaf durch den Flur trotte, denke ich: „Den musst du dir merken.“

Habe ich natürlich nicht. Vier Stunden später beim morgendlichen Kaffee nur schemenhafte Erinnerungsfetzen: Ein großer Ballsaal, Menschen in feierlicher Garderobe. Mich selbst sehe ich nicht und hoffe einfach, dass mein Traum-Ich nicht in meinem anthrazitfarbenen, zehn Jahre alten Anzug herumstand.

Sehr präsent ist der Teller in meiner Hand: zwei halbe Käsebrötchen, garniert mit einem Streifchen Paprika, zwei russische Eier und drei Käse-Trauben-Spießchen. Kulinarisch lag der königliche Geburtstag irgendwo zwischen 70er-Jahre-Buffet und Verpflegung auf einem Judoturnier in Brandenburg.

Von der Queen keine Spur. Vielleicht steht sie am Dessertbuffet. Bei der Fürst-Pückler-Bombe.

06. Januar 2026, Berlin

Nachmittags kurze Stippvisite im DHL-Kiosk, um eine Büchersendung aufzugeben. Die Warteschlange windet sich mehrfach durch den kleinen Laden bis zur Tür.

Die Stimmung ist trotzdem ausgelassen und fröhlich. Wildfremde Menschen plaudern miteinander, halten sich gegenseitig die Tür auf, der Mann am Schalter ist kompetent und freundlich.

Ich bin verwirrt. Ist das noch Berlin oder befinde ich mich in einem Paralleluniversum? Wenn ich Glück habe, ist in dieser alternativen Realität Donald Trump nicht Präsident. Dann bleibe ich hier.

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Gespräch vor der Kita.

Vater: „Darf ich heute Nacht in Ruhe schlafen, ohne dass du kommst und zu uns ins Bett willst?“
Tochter (schaut ernst): „Ich glaube nicht.“

Wenigstens ehrlich ist sie.

07. Januar 2026, Berlin

Weiterer merkwürdiger Traum. Mein alter Schulfreund H. strebt eine Stelle im Direktvertrieb an. H. ist habilitierter Historiker und Abteilungsleiter einer Kommunalbehörde. Mit Vertrieb, Marketing und Werbung kennt er sich ungefähr so gut aus wie Kai „bumm bumm“ Wegner mit gelungener Krisenkommunikation.

Also gehe ich für ihn zum Vorstellungsgespräch. Warum? Keine Ahnung. Ich habe von Vertrieb, Marketing und Werbung ebenfalls keinen Plan.

Dass H. mich trotzdem dazu gebracht hat, den Termin für ihn wahrzunehmen, spricht für seine Überzeugungskraft. Vielleicht steht ihm doch eine große Direktvertriebskarriere bevor.

Bevor das Vorstellungsgespräch beginnt, wache ich zum Glück auf.

08. Januar 2026, Berlin

9 Uhr. Morgendlicher Lauf. Bei -5°. Keine optimalen Bedingungen, aber bei dem angekündigten Sturmtief Elli weiß man ja nicht, ob Joggen in den nächsten Tagen überhaupt möglich sein wird. Und bei den überschüssigen Weihnachtskilos zählt jeder Kilometer.

Mir begegnen nur wenige andere Läufer. Dick eingemummelt, Mützen tief ins Gesicht gezogen, Schals über Mund und Nase, nur die Augen sind zu sehen. Man grüßt sich knapp nickend. Wie eine verschworene Gemeinschaft beinharter Sportler, die trotz des Wetters ihre Einheit durchziehen. (Oder eine Gruppe von Volltrotteln.)

Setze im Schlosspark Charlottenburg vorsichtig einen Schritt vor den anderen, um nicht auf dem seifigen Untergrund oder einer versteckten Eisplatte auszurutschen. Dann schießt plötzlich ein Typ an mir vorbei, der diese Angst nicht kennt. Er läuft ein Tempo, das ich nicht einmal bei Intervallläufen auf der Tartanbahn erreiche.

Zwischendurch Selfieversuche mit einem Schneemann. Alle misslingen. Am Schneemann liegt es nicht: Der lacht auf jedem Bild fotogen wie ein Hollywood-Schauspieler. Ich sehe aus wie auf einem FBI-Most-Wanted-Fahndungsplakat.

In der Ferne taucht ein anderer Läufer auf. Keine Mütze, keine Handschuhe, dafür kurze Hosen. Es gibt also einen Geheimbund hinter dem Geheimbund. Ihr Erkennungszeichen: rote Ohren.

Nehme mir frierend vor, zuhause Thermo-Laufbekleidung zu bestellen. (Spoiler: Ich werde es vergessen.)

Nach Abschluss meiner Broterwerbsarbeit Einkauf bei Penny. Falls das angekündigte Sturmtief Elli morgen zuschlägt, sind frisches Obst und Gemüse eine gute Idee. Dann müssen wir uns nicht tagelang von Nudeln ernähren.

Drinnen nur wenig Kundschaft. Keine Panik, keine Hamsterkäufe, alle ruhig. Angenehm. Und unerquicklich unergiebig für den Blog.

Im Gegensatz zu einer Penny-Filiale im unterfränkischen Burgsinn Anfang der Woche: Dort sollen sich rund 50 Schafe verirrt haben. Eine spektakuläre Geschichte. Wobei 50 Schafe ein bisschen viel sind. Eins würde mir reichen.

In meinem Penny laufen aber keine Schafe rum. Nicht einmal ein Hund ist vor der Tür angebunden. Dafür ist Feta im Angebot. Das ist ja auch etwas.

09. Januar 2026, Berlin

Nächster weirder Traum. Ein absurd riesiger Seeadler in Menschengröße sucht uns in der Wohnung auf, um mit kaum verhohlenen Drohungen Schutzgeld zu erpressen. Anscheinend ist die US-Außenpolitik in meinem Unterbewusstsein angekommen. Schönen Dank auch.

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Nachmittags warten auf Elli. Die lässt sich in Berlin aber nicht blicken. Nicht eine einzige Schneeflocke schneit in Moabit vom Himmel. Was mir wenigstens die Gelegenheit gibt, nochmal in den Supermarkt zu gehen, um die Sachen zu besorgen, die ich gestern vergessen habe.
(Schafe im Penny immer noch Fehlanzeige. Bedauerlich.)

Dreiteiliges Meme: Ein Mann mit Schnurrbart wirkt gelangweilt und wartet in verschiedenen Szenen (auf einer Schaukelbank, allein am Tisch, in einem leeren Pool). Oben steht der Text „WARTEN AUF STURMTIEF ELLI“.

10. Januar 2026, Berlin

6.30 Uhr. Der Wecker klingelt. Trotz Samstag.

Bin mit O. im Grunewald verabredet. Der hat sich für einen Halbmarathon in Marrakesch Ende Januar angemeldet und mein Dezember-Ich hat ihm zugesichert, dass ich alle langen Vorbereitungsläufe mit ihm absolviere. Das muss mein Gegenwarts-Ich nun ausbaden.

Checke mein Handy in der Hoffnung, O. könnte abgesagt haben. Hat er aber nicht.

Die Wetter-App zeigt -7° an. Gefühlt sogar -13°. Seit wann ist das eigentlich in Mode gekommen, die gefühlte Temperatur? In unserem Haushalt gäbe es da erhebliche Abweichungen. Bei mir fühlt sich -7° wie -6° an, bei meiner Frau wie -20°. Was im Durchschnitt tatsächlich -13° ergibt.

Zwänge mich in möglichst viele Kleidungsschichten, wobei mir einfällt, dass ich immer noch keine Thermo-Laufklamotten bestellt habe. (Was ich auch bis Sonntagabend nicht tun werde.)

Unsere Grunewaldrunde verläuft ereignislos. Wir nehmen uns 18 Kilometer vor und kommen bei immerhin 17,5 raus. Bei unserem Orientierungssinn keine Selbstverständlichkeit. Wir könnten auch nach fünf Kilometern wieder am Ausgangspunkt landen. Oder uns so verirren, dass daraus ein Ultramarathon wird.

Also sind 500 Meter eine tolerierbare Abweichung.

11. Januar 2026, Berlin

2026 ist anderthalb Wochen alt. Laut Knigge muss man ab morgen nicht mehr ein frohes neues Jahr wünschen. Angesichts der weltpolitischen Lage, Brandkatastrophen und Stromausfällen scheint das ohnehin nicht angebracht zu sein.

Da fragt man sich eher, ob man 2026 irgendwo umtauschen kann. Oder man legt es in die Schrottwichtel-Kiste – in der schon die Jahre 2020 bis 2025 liegen.


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3 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW02-2026: Laufen, Frost und jede Menge Träume

  1. Ich freue mich wirklich sehr, dass Sie die kleine Wochenschau wieder aufgenommen haben! Und weiterhin Respekt für das Laufen bei Minusgraden. Da frierts mich schon beim Lesen.

Erwähnungen

  • Claudia
  • Christian Hanne
  • Mirko Quaas

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