Eine kleine Wochenschau | KW16-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


15. April 2024, Berlin

Großer Tag für den Sohn. Erste Abi-Klausur. In Philosophie. Als er nach Hause kommt, zeigt er sich zufrieden. Moralphilosophie kam dran. Da hätte sich das Pokern gelohnt, meint er. Sein bester Freund und er hatten sich fast ausschließlich auf die Moralphilosophen vorbereitet.

Bei einem anderen Thema hätte er nicht so wahnsinnig viel gewusst. Zum Bestehen hätte es aber gereicht, sagt er. Sehr beruhigend.

Titelbild mit einem Wandgemälde. Eine Frau befindet sich in einem Park und wird von ihrem kleinen Hund an der Leine weggezogen.
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Eine kleine Wochenschau | KW15-2024 (Teil 2)

Teil 1


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Einkaufsbegegnungen bei Penny:

  • Eine Frau kommentiert alles, was sie einkauft. „Pudding, mmh lecker.“, „Oh, Körnerbrötchen, knackig.”, „Ah, Cola, spritzig“
  • Ein Kunde sieht aus wie Kanye West. In seinem Einkaufswagen liegen acht Flaschen Bier (Berliner Pilsener) und drei Tetra Pak Weißwein. Das deutet darauf hin, dass er vielleicht doch nicht Kanye West ist. Ebenso wie der Umstand, dass er bei Penny einkauft.
  • Ein älterer Mann in einem elektrischen Rollstuhl trägt einen Camouflage-Anzug. Der Rollstuhl ist knallrot. Wie will er sich damit im Unterholz tarnen?

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Riesiges Paket vom DHL-Boten. Darauf klebt ein „Retour verweigert“-Etikett. Kann mich weder erinnern, dass wir so etwas Riesiges bestellt haben, noch dass wir es zurückgeschickt haben.

In dem großen Karton befinden sich rund ein Dutzend mehr oder weniger derangierte kleinere Pakete. Eins enthält eine XXL-Dose Magnesium, eins ein Band für ein Fitness-Gerät und ein weiteres ein Kabel für 3D-Drucke. Alles andere ist zu gut verpackt, um zu sehen, was drin ist.

Stellt sich heraus, dass die Kollegen aus dem DHL-Kiosk in der Parallelstraße, wo wir immer unsere Pakete abgeben, versehentlich ein Retour-Etikett von uns auf diesen riesigen Karton geklebt haben. Nun frage ich mich, wo die Hosen gelandet sind, die meine Frau zurückgeschickt hat.

Die Jungs aus dem Kiosk sind happy, dass ich die Sachen zurückbringe. Sonst hätten sie dafür aufkommen müssen. Den ehrlichen Finder zu geben, war allerdings nicht besonders schwer, denn ich habe keinerlei Verwendung für den Krempel aus dem Paket. Und ich habe auch nur ganz kurz überlegt, ob es sich lohnt, das Zeug auf eBay zu verticken.

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Der Sohn geht täglich mit seinem besten Freund in die Bibliothek der Technischen Universität und lernt fürs Abi. Gestern war er bis 23 Uhr dort, heute kam er kurz nach Mitternacht nach Hause. Ob wir uns Sorgen machen müssen?

12. April 2024, Berlin

Militärische Begegnung beim Laufen: Am Hohenzollern-Kanal kommen mir marschierende Soldaten entgegen. Der Kamerad ganz vorne trägt eine schusssichere Weste. Scheint mir am Hohenzollernkanal ein wenig paranoid zu sein. Ich glaube nicht, dass hier Scharfschützen lauern, um Soldaten abzuknallen. Vielleicht ist der Typ aber der Vorgesetzte der anderen und fürchtet, einem Attentat seiner Untergebenen zum Opfer zu fallen. Dann ist so eine schusssicher Weste doch sinnvoll.

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Hole die reparierte Brille ab. Vollkommen neues Seherlebnis. Wie ein Upgrade von HD auf 4K.

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LinkedIn-Kontaktanfrage in der Inbox. Die Person wirbt mit der Zeile „Follow to communicate like the top 1% of CEOs“ Weil ich nicht wie Elon Musk oder Jeff Bezos kommunizieren möchte, lehne ich den Kontaktwunsch ab.

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Werbetafel vor einem Coffee-Shop in der Stromstraße: „Gähnen ist der schrille Schrei nach Kaffee.“

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Der Sohn kommt mit der Erkenntnis aus der Bibliothek zurück, dass er gar nicht so gut im Auswendiglernen ist. Bei Vokabeln schon, nicht aber bei philosophischen Theorien. Doof, dass er am Montag keinen Vokabeltest, sondern seine Philo-Abiklausur schreibt.

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Sushi zum Abendessen. Wie bei reichen Leuten. In meinem Glückskeks steckt folgender Spruch: „You have been stepping on the successful journey. “ Oder wie es Jemand übersetzt hat, der weder Englisch noch Deutsch kann: „Sie haben auf die erfolgreiche Reise getreten verstärkt.“

13. April 2024, Berlin

Der Sohn fragt, ob wir Bargeld im Haus hätten. Er soll seinem Freund und dessen Freundin Kaffee und Kaugummis mit in die Bibliothek bringen. Anscheinend zählt es zu seinen Aufgaben, seine Freunde mit Koffein und Kaffee zu versorgen. Und zu unseren, dafür zu bezahlen. Nun gut, wenn es beim Lernen hilft, soll es mir recht sein.

14. April 2024, Berlin

In einem Magazin-Artikel geht es um eine Frau von Anfang 50. Denke beim Lesen, dass das schon recht alt ist. Mehr so die Generation meiner Eltern als meine. Dann fällt mir auf, dass sie nur zwei bis drei Jahre älter ist als ich.

Wenigstens habe ich meine Brille wieder und muss den Bericht nicht mit der Lupe lesen.


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Eine kleine Wochenschau | KW15-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


08. April 2024, Berlin

Kontaktanzeigen in Das Magazin. Normalerweise betonen die Menschen in den Anzeigen, dass sie kulturell interessiert sind, gerne an die frische Luft gehen, Humor haben und tiefgründige Gespräche führen möchten.

Diesmal ist alles anders:

  • Zwei Annoncierende äußern unverhohlenes Interesse an sexuellen Affären. Oder wie einer der beiden es nennt: „Zweitbeziehungen“. Vielleicht schreiben sie sich gegenseitig an. Fände ich schön.
  • In einer Anzeige heißt es schlicht: „Junge Alte sucht alten Jungen im Raum Berlin oder an der Ostsee.“ Sonst nichts. Die Definition von Alt und Jung bleibt ebenso offen wie das, was die junge Alte mit dem alten Jungen in Berlin oder an der Ostsee vorhat.
  • Ein 61-jähriges „unperfektes Apfel-Weib“ sucht einen bewegten Mann für die schönen Momente. Vielleicht sollte ihr jemand sagen, dass es in dem Film „Der bewegte Mann“ in erster Linie um homosexuelle Männer geht. Dafür endet die Anzeige mit dem wunderbaren Satz: „Und manchmal bin ich müde.“ Das ist ehrlich, da wird kein Aktionismus vorgegaukelt, sondern die Dame gibt offen zu, dass sie manchmal kein Bock auf Spaziergänge, Unterhaltungen oder Kulturgedöns hat, weil sie lieber schlafen will. Toll.
Titelbild mit einem Mann in Arbeitskleidung und Schutzhelm, der suchend in die Ferne schaut. Dazu ein Schriftzug: Wo ist mein Bagger?
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Eine kleine Wochenschau | KW14-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


01. April 2024, Berlin

Heute Legalisierung von Cannabis in Deutschland und Geburtstag meiner Frau. Sie bekommt trotzdem einen gewöhnlichen Geburtstagskuchen, ohne Zusätze von Haschisch oder anderen Drogen.

Den Kuchen hatte ich als mehrstöckige Zirkustorte geplant. Unten Schokoladenkuchen, ummantelt mit Kitkats (als Bretterzaun), dann ein grün eingefärbter Vanille-Pistazienkuchen mit grünem Frosting (die Wiese), darauf ein weißer Schokoladenkuchen mit weißem Cheesecake-Frosting verziert mit Smarties (das Zirkuszelt) und ganz oben ein kleines Schokoküchlein (die Manege), auf dem zwei Marzipan-Frösche sitzen. Eigentlich hatte ich Löwenfiguren bestellt, aber der Backshop-Anbieter lieferte versehentlich Frösche, die ich kurzerhand als verzauberte Raubkatzen deklariere.

Zum Abschluss füge ich M+Ms, kleine Luftballons und Regenbogen-Aufstecker hinzu. Als ich fertig bin, findet der Sohn, das Ganze sähe weniger nach Geburtstagskuchen, sondern mehr nach Gay-Reveal-Party aus.

Titelbild mit einer mehrstöckigen, bunten Geburtstagstorte, auf der oben zwei Marzipan-Frösche und einen Regenbogen sitzen
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Eine kleine Wochenschau | KW13-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


25. März 2024, Berlin

Beim Laufen sehr nass geworden. Ansonsten ereignisloser Tag. Schön.

Titelbild mit einem Osternest mit Schoko-Hase, Schoko-Eiern und zwei gefärbten Hühnereiern
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Eine kleine Wochenschau | KW12-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


18. März 2024, Frankfurt/Berlin

Frankfurt, Bahnhofsvorplatz. Ein Schild weist hier zwischen 20 und 5 Uhr eine Waffenverbotszone aus. In dieser Zeit sind Schusswaffen, Messer, Schlagringe und Reizgas untersagt.

Fragen: Schert sich jemand mit Schlagring darum, dass dieser hier ab 20 Uhr nicht erlaubt ist? Warum ist es zwischen 5 und 20 Uhr in Ordnung, eine Pistole mit sich zu führen? Welche Waffen benötigst du, um Menschen, die mit Pistolen, Messern und Schlagringen unterwegs sind, davon zu überzeugen, den Bahnhofsvorplatz zu verlassen.

Titelbild mit Kinderhochstuhl aus Plastik, auf dem ein Durstlöscher-Trinkpäckchen steht
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Eine kleine Wochenschau | KW12-2024 (Teil 2)

Teil 1


22. März 2024, Berlin

Heute verkleiden sich die Abiturient*innen als Filmhelden. Zunächst hatte sich der Sohn für Rocky entschieden. (Grauer Trainingsanzug, graues T-Shirt, Chucks, schwarze Mütze und weiße Handbandagen.) Dann schlug ein Mädchen aus seinem Jahrgang vor, sie ginge als Bond-Girl und da könne er doch ihr James Bond sein. Der Sohn war sofort überzeugt – so wie jeder (heterosexuelle) Teenager, dem sich eine Klassenkameradin als Bond-Girl andient. Somit geht er heute in Smoking mit Weste, weißem Hemd und schwarzer Fliege (alles von seinem Großvater geliehen) in die Schule.

Der Sohn meint, dass sei auch für uns ein gutes Kostüm, weil wir dafür nichts extra kaufen müssten. Schön, dass der Junge an uns denkt.

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Ungewöhnliche Einkaufswagen-Knappheit bei Penny. Muss mich in eine Schlange einreihen und auf einen freien Wagen warten.

Ein junger Mann ist mit dem Verpacken seiner Einkäufe fertig und verschließt seinen Rucksack. Dann öffnet er ihn wieder, macht ihn erneut zu, zieht ein paar Schnüre fester, lockert sie, öffnet und verschließt den Rucksack ein weiteres Mal. Minutenlang. Die Wartenden werden allmählich unruhig und missmutig.

Eine ältere Frau räumt in aller Seelenruhe Lebensmittel in ihren Einkaufstrolley. Holt sie teilweise wieder raus, arrangiert sie neu, ist immer noch unzufrieden, packt den Trolley noch einmal um, stellt fest, dass eine Packung Salzstangen nicht mehr reinpasst und startet den Einräumvorgang von vorne.

Haben diese Menschen noch nie im Leben Einkäufe verräumt und machen das heute zum ersten Mal?

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In seiner freitäglichen Wochenmail zieht der Schulleiter eine insgesamt positive Mottowochen-Bilanz. Die Schüler*innen hätten alles in allem gesittet gefeiert und auch von den Anwohner*innen hätte es keine Klagen gegeben. Allerdings seien fünf Besen aus der Schule mitgenommen und beschädigt zurückgebracht worden. Er erwarte, dass diese ersetzt würden.

Fünf beschädigte Besenstiele. An einem altsprachlichen Gymnasium fällt das unter Peak-Vandalismus.

23. März 2024, Berlin

Vom Zivildienst geträumt. Nicht von meinem tatsächlichen Zivildienst mit 19/20, sondern einem weiteren mit Ende 40. In welcher Einrichtung bleibt unklar. Alle Beteiligten sind verwirrt, was sie mit einem 48-jährigen Zivi anfangen sollen. Vor allem weil es keinen Zivildienst mehr gibt.

Was will mir mein Unterbewusstsein mit diesem Traum sagen? Dass ich ein Helfersyndrom habe? Oder Probleme mit dem Älterwerden habe und mich nach meiner Jugend zurücksehne?

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Entgegen meiner leichtsinnigen Ankündigung von letzter Woche, der Frühling sei unwiderruflich da, hat er sich verzogen. Dafür ist der Herbst vorbeigekommen. Diese Woche schon das zweite Mal Laufrunde bei kühlen Temperaturen (lange Hose), starkem Wind und noch stärkerem Regen. Den Elementen der Natur ganz nah. Unmittelbar, unverfälscht, unverfremdet. Und sehr unangenehm.

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Gestern und heute hat der Philosophie-Leistungskurs des Sohns in der Stadt ein Philo-Café betrieben. Interessierte konnten sich bei Kaffee und Kuchen mit den Schüler*innen über philosophische Themen austauschen.

Das Fazit des Sohns fällt skeptisch aus. Er musste sich mit einem Mann unterhalten, „der wie ein Querdenker aussah“. (O-Ton des Sohns) Außerdem hätte der viel zu viel Energie gehabt. Wie jemand auf Speed oder Kokain. Möglicherweise war der Mann aber gar nicht so energiegeladen, sondern der Sohn nach fünf Tagen Mottowoche einfach geistig sehr, sehr verlangsamt.

24. März 2024, Berlin

Spam-Kommentar auf dem Blog. „Seien Sie attraktiv!“, schreibt eine Frau. Im Befehlston, aber zumindest nicht in Großbuchstaben. Sie verweist auf einen Webshop, der unter anderem Herren-Leggings anbietet. Wie das bei der angemahnten Attraktivität helfen soll, bleibt mir schleierhaft. Schließlich zählen Leggings zu den Top3 der unkleidsamsten Kleidungsstücke. (Neben Kurzarm-Hemden und Cargo-Hosen in dreiviertel Länge)


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Eine kleine Wochenschau | KW11-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


11. März 2024, Berlin

Heute wäre Start der Marathonvorbereitung. Für den Cuxhaven-Marathon Anfang Mai. Mit flotten Tempoeinheiten, schnellen Intervallen, langen 35-Kilometerläufen. Ich hatte mich richtig darauf gefreut. Aufs Kilometer fressen, mich quälen und an die eigenen Grenzen gehen.

Meine Güte, was stimmt mit mir nicht? Wie bin ich so geworden? Und was kommt als nächstes? Erzähle ich meinen Menschen ungefragt, dass ich gerne grüne Smoothies trinke? Die wären besser als Käsekuchen. Super lecker, vitalisierend, fördern den Stoffwechsel und sind voller Antioxidantien. (Was auch immer das ist.)

Aufgrund meiner Leistenbruchdiagnose musste ich mein Marathontraining radikal ändern. Weniger, kürzer, langsamer. Klingt wie das Motto der Olympischen Spiele der Ambitionslosen.

Titelbild mit einer Hauswand, auf die in rot und blau "ekelhafd" geschrieben wurde.
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Eine kleine Wochenschau | KW11-2024 (Teil 2)

Teil 1


15. März 2024, Berlin

Aus dem Dominikaner-Kloster gegenüber tritt ein Mönch. Ziemlich jung. Vielleicht Anfang/Mitte 20. Was bewegt einen Menschen, in so jungem Alter ins Kloster zu gehen? Die Liebe zu Gott? Die Verzweiflung an der Welt? Die Suche nach geistiger Erleuchtung?

Während ich über seine Beweggründe für ein Leben in einer Ordensgemeinschaft nachdenke, kramt der junge Mönch ein paar AirPods aus seinem Gewand, steckt sie sich in die Ohren und vertieft sich auf dem Weg Richtung Turmstraße in sein Smartphone. Er scheint auch weltliche Bedürfnisse zu haben.

Was er sich wohl anhört? Einen Podcast mit Anselm Grün? Gregorianische Choräle? Oder bläst er sich „Highway to hell“ von AC/DC in die Ohren? Das würde mein kindliches Gemüt erfreuen.

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Unübersichtliche Ansteh-Situation im Post-Kiosk-Shop. Ich glaube, eine junge Frau ist vor mir an der Reihe und sage zu ihr: „Du warst zuerst da, oder?“ Sie schaut mich irritiert an. Wahrscheinlich denkt sie: „Warum duzt mich der alte Knacker?“

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Bei Penny fragt ein circa achtjähriger Junge seine Mama, ob er eine Plastikschrottzeitschrift haben darf. Sie erlaubt es ihm, aber er müsse sie von seinem Taschengeld selbst bezahlen. Voll ekstatischer Freude umarmt der Kleine sie und ruft: „Du bist die Allerbeste!“

Entweder versteht er nicht, was „selbst bezahlen“ bedeutet oder er spekuliert darauf, dass seine Mama das Geld nie von ihm eintreiben wird.

16. März 2024, Berlin

Lauf-Gedanke: Die Welt wäre ein friedlicherer Ort, hätten alle Länder ausschließlich Clowns-Armeen. Keine Einheiten hochgerüsteter und hochtrainierter Elitekämpfer, sondern mit Clown-Soldaten.

Diese verbuddeln keine Minen, sondern legen Bananenschalen aus, statt mit scharfer Munition aus Maschinengewehren zu schießen, verspritzen sie Wasser aus Revers-Blumen und sie verwickeln sich nicht in tödliche Nahkämpfe, sondern treten sich mit ihren riesigen Schuhen gegenseitig in den Hintern. Blutvergießen gleich Null. Außerdem zettelt niemand einen Krieg an, wenn er weiß, dass dann ein Bataillon aus hunderten von Clowns anrückt.

Ich sollte noch mehr laufen, wenn ich dabei so gute Ideen habe. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass ich nicht der erste Mensch bin, der die Idee einer Clowns-Armee hatte. (Im Zweifel gibt es eine Simpsons-Folge dazu.)

17. März 2024, Berlin

4.40 Uhr Aufstehen. Zugfahrt nach Frankfurt, wo ich abends mit meinen Eltern und meinem Bruder in die Oper gehe. Carmen. Das Weihnachtsgeschenk meines Bruders und mir für unsere Eltern.

Der Schaffner spricht breitestes Hessisch, stellt sich als Alfred Tetzlaff vor und macht bei jeder Lautsprecher-Durchsage miese Ein-Euro-Gags, für die sich selbst Fips Asmussen zu schade wäre. („Den nächste Bahnhof erreische mir drei Minute früher. Isch bitte die Unannähmlichkeite zu entschuldige.”) Schlimm. Nicht nur, aber vor allem zu der frühen Uhrzeit.

Die ältere Frau neben mir („Ich bin das letzte Mal vor 30 Jahren Bahn gefahren.”) findet die Ansagen lustig. Bei jeder Durchsage lacht sie laut und herzhaft. Allerdings hat sie an ihrem Handy Tastentöne eingeschaltet, so dass ich ihrer Urteilsfähigkeit skeptisch gegenüberstehe.

Auf Höhe meines Sitzplatzes hat von außen jemand ein Herz in das dreckige Fenster gemalt. Liebe in Zeiten des Schmutz. (Schöner Titel für einen Groschenroman.)

Muss die Zugfahrt zur inhaltlichen Vorbereitung auf die abendliche Oper nutzen, denn ich habe keine Ahnung, um was es bei Carmen geht. Außer dass es in Spanien spielt. Was ich aufgrund des titelgebenden Namens schlussfolgere. Außerdem weiß ich noch, dass George Bizet das Stück komponiert hat. Dessen Name hört sich für mich aber eher nach Französisch als nach Spanisch an. Was daran liegt, dass er Franzose war. (Wikipedia)

Ich kann nicht ausschließen, dass ich Carmen bereits einmal gesehen habe. Vor vielen Jahren in der Deutschen Oper. Zumindest erinnere ich mich, dass ich dort einmal bei einer Vorstellung eingeschlafen bin. Nicht aus Langeweile, sondern weil wir damals unsere Wohnung renovierten und ich hundemüde war. Oder das war „Der Barbier von Sevilla“, den ich damals verschlief. Spielt ja auch in Spanien, da kann man das schon mal verwechseln.


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Eine kleine Wochenschau | KW10-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


04. März 2024, Berlin

Auf dem Waldweg am Hohenzollernkanal hält eine Frau mit weit ausgebreiteten Armen einen entgegenkommenden Radfahrer auf. Ihrer Ansicht nach darf der hier nicht radeln. Die beiden tauschen ein paar Unfreundlichkeiten und Mittelfinger aus, dann ziehen sie ihrer Wege. Guten Morgen, Berlin.

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