Eine kleine Wochenschau | KW27-2022

Wegen unseres anstehenden Urlaubs gibt es nicht erst zum Sonntag-, sondern schon Freitagabend meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


04. Juli 2022, Berlin

Impressionen auf dem Weg zum Einkaufen:

  • Vor einer Kita stehen zwei bullige, stiernackige Männer mit Gesichtstätowierungen und Rocker-Lederwesten. Sie unterhalten sich über die Vor- und Nachteile von verschiedenen Kinderhochstühlen.
  • Eine Frau kommt mir entgegen, die ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Niveau ist keine Creme“ trägt.
  • An der Straßenecke unterhalten sich zwei Männer auf Arabisch. Zum Schluss verabschiedet sich der eine mit einem fröhlichen „Tschüssikowski!”, der andere antwortet: „Tschö mit Ö!“, der andere antwortet „Tschüssikowski!“ Bin mir nicht sicher, ob das ein Zeichen für Multi-Kulti im besten Sinne ist oder ob es die beiden beiden bei der Integration ein wenig überperformt haben. Nun ja, zumindest tragen sie keine Krachledernen und Trachtenjankerl.
  • Ein kleines Mädchen schaut sich ein Werbeplakat für einen Rasierapparat an und erklärt seiner Mutter mit ernster Miene: „Damit entfernt man sich das Gesicht.“
  • Auf einer Bank sitzt ein verwirrter Mann und brüllt: „Wir müssen mit dieser Scheiße endlich aufhören!“ Vielleicht ist er auch gar nicht verwirrt, sondern der einzige Mensch mit Durchblick.
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Eine kleine Wochenschau | KW26-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


27. Juni 2022, Berlin

Der Sohn fährt heute auf Klassenfahrt. Fünf Tage Heidelberg. Unabhängig voneinander fragen meine Frau und ich, ob er genügend Unterwäsche und Socken eingepackt, die Zahnbürste nicht vergessen und an die Regenjacke gedacht hat. (Ja, hat er. Nein, hat er nicht. Braucht er nicht). Irgendwann ist er so genervt, dass sich wenigstens sein Abschiedsschmerz in Grenzen hält.

Pro forma hat meine Frau ihn gestern Abend gefragt, ob wir ihn zum Bahnhof bringen sollen. Der Sohn meinte, dass sei nicht nötig. Wirklich nicht. Ob er es wohl lustig findet, wenn wir trotzdem zum Bahnsteig kommen und ihm vor versammelter Klasse einen Teddy und ein Schnuffeltuch mit den Worten überreichen: „Ohne die schläfst du doch so schlecht ein, Spätzchen.“

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Eine kleine Wochenschau | KW26-2022 (Teil 2)

Teil 1


01. Juli 2022, Berlin

Heute ist Internationaler Witzetag. Keine Pointe.

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Der Sohn kehrt wohlbehalten von der Klassenfahrt zurück. Er ist zwar etwas müde, aber ansonsten körperlich unversehrt. Fast. Im Schwimmbad ist er in eine Wespe getreten und am nächsten Tag in den Ohrring einer Klassenkameradin. Das sei aber eigentlich ganz praktisch gewesen, meint er, denn so hätten sie den Ohrring wenigstens wieder gefunden. Eine angenehm pragmatische Sichtweise.

02. Juli 2022, Berlin

Heute ist Fest der Niederlegung der Muttergottesgewänder. Ob das wohl so eine Art FKK-Body-Positivity-Tag für Maria ist?

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Seit ungefähr zwei Tagen steht bei uns vor dem Haus ein sehr niedriger, länglicher Couch-Tisch. Entweder hat da jemand seinen Sperrmüll wild entsorgt, weil der Weg zum Wertstoffhof zu lästig war, oder es handelt sich um eine der Nachhaltigkeit verpflichteten „Zu verschenken“-Aktion, bei der allerdings der „Zu verschenken“-Zettel vergessen wurde. Vielleicht beides.

Gegen 23 Uhr wählen ein junger Mann und eine junge Frau, beide circa Anfang 20, diesen Tisch als Sitzgelegenheit, um ein Bier zu trinken und sich zu unterhalten. Das ist ein bisschen nervig. Nicht wegen der Ruhestörung, sondern weil sie nicht laut genug reden, dass ich verstehen kann, um was sich ihre Unterhaltung genau dreht. Dem Gemurmel entnehme ich lediglich, dass sich die Frau kürzlich von ihrem Freund getrennt hat. Das empfindet sie inzwischen aber als Chance, um sich weiterzuentwickeln. Der junge Mann ist da ganz ihrer Meinung.

Sofern es sich bei dem jungen Mann nicht um den schwulen besten Freund der jungen Frau handelt, mit dem sie sich super über Männer austauschen kann, gehe ich aufgrund meiner Lebenserfahrung davon aus, dass er nicht abgeneigt ist, die vakante Stelle des GV-Partners einzunehmen. Oder zumindest ein wenig zu knutschen. Das haben Männer nämlich meistens im Sinn, wenn sie sich nachts, leicht angetrunken mit Frauen über deren Beziehungsproblemen unterhalten. Ungünstigerweise freuen sich die Frauen häufig einfach, dass es Männer gibt, die so gut zuhören, und packen sie in die „friend zone“. Eine klassische Lose-win-Situation.

03. Juli 2022, Berlin

Heute ist Schmeichle-deinem-Spiegelbild-Tag. Ein Ehrentag, der am besten in Verbindung mit dem Schalte-das-Licht-im-Bad-nicht-an-, dem Trinke-schon-vor-dem-Zähneputzen-Gin-Tonic- und dem Belüge-dich-selbst-Tag funktioniert.

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Beim Joggen sehe ich eine Frau, die mit ihrem Hund Gassi geht. Wegen ihres grauen Haars schätze ich sie auf Ende 60 oder Anfang 70. (Sie mich aufgrund meines grauen Barts möglicherweise auch.) Sie trägt ein schwarzes T-Shirt, auf dem in großen Buchstaben: „All fucking metall!“ steht.

Irgendwie finde ich es cool, dass die Frau in ihrem Altern ein T-Shirt mit so einem Spruch anzieht. Gleichzeitig bin ich mir unsicher, wie cool ich es fände, wenn meine Eltern so ein T-Shirt trügen.


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Eine kleine Wochenschau | KW24/25-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


15. Juni 2022, Berlin

Der Morgen beginnt unbefriedigend. Zimtschneckenlos. Es beeinträchtigt die Lebensqualität doch erheblich, wenn du zum Frühstück keine Zimtschnecken isst.

Der Tag bringt aber auch Schönes. Die Tochter kommt heute von ihrem Stockholm-Aufenthalt zurück und ich darf sie am Bahnhof abholen. Enttäuschenderweise hat sie keine Zimtschnecken mitgebracht, sondern noch mehr Bücher. Schade. Sehr schade.

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Eine kleine Wochenschau | KW23-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


06. Juni 2022, Berlin

Meine Eltern sind auf einer Busreise in Italien. Gemeinsam mit meiner Tante väterlicherseits und deren Nachbarin. Mein Vater schickt mir ein Gruppenfoto. Mit ihren Sonnenbrillen und so breit wie alle lachen, sieht es aus, als hätte eine Senioren-Gang gerade einen sehr großen Coup gelandet. (Demnächst im Kino zu sehen als Ocean’s 79)

Ich weiß tatsächlich nicht, was meine Eltern genau in Italien machen. Es ist mir aber auch egal. Hauptsache, ich erbe später die Hälfte davon.

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Eine kleine Wochenschau | KW22-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


30. Mai 2022, Berlin

Heute ist Gieß-eine-Blume-Tag. Mir ist das egal. In unserer Ehe herrscht funktionale Hausarbeitsteilung und Blumengießen fällt in den Verantwortungsbereich meiner Frau. Unsere Blumen begrüßen das sehr. Ich habe einen so braunen Daumen, dass mir beim Betreten von Blumenläden die Pflanzen im Chor die Worte: „Wir die Todgeweihten grüßen dich, oh Christian!” entgegenrufen.

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Eine kleine Wochenschau | KW22-2022 (Teil 2)

Teil 1


03. Juni 2022, Berlin

Ich gehe zur Post, um sechs Retouren-Päckchen abzugeben. Die Frau hinter dem Schalter lacht und fragt: „Na, hat Ihre Frau Online-Shopping gemacht und Sie Armer müssen jetzt alles zurückschleppen?“

Meine Güte, bin ich hier auf einem Mario-Barth-Abend oder warum muss ich mir so eine sexistische Kackscheiße anhören? Als ob nur Frauen online-shoppen würden und die Männer das dann immer zurückbringen müssten.

Okay, in diesem Fall hat die Post-Frau vollkommen recht. Meine Frau hat das wirklich alles bestellt und ich muss die Retouren zurückbringen, weil sie das tagsüber nicht schafft. Aber ich habe in meinem Studium nicht mehrere Gender-Studies-Seminare belegt – zwei um genau zu sein –, um so ein rückständiges Weltbild einfach stehen zu lassen. Daher lüge ich spaßbremsend: „Nein, wir haben alle etwas bestellt.“

„Ach?“, erwidert die Schalter-Frau und zieht ihre rechte Augenbraue hoch. Anscheinend glaubt sie mir nicht. Das könnte daran liegen, dass auf allen Rücksendeetiketten der Name meiner Frau steht.

04. Juni 2022, Berlin

Wir verbringen den halben Samstag auf einem Judoturnier des Sohns. Dazu müssen wir knapp anderthalb Stunden nach Hellersdorf fahren, einem Berliner Stadtteil, dessen Architektonik allenfalls DDR-Nostalgiker erfreut, und der nicht gerade Naherholungsgebiet-Flair ausstrahlt. Das Turnier ist auch nicht besonders erquicklich und wird nicht in die Annalen der erfolgreichsten Wettkämpfe des Sohns einziehen. Erst muss er mehr als drei Stunden warten, dann verliert er seinen ersten Kampf mit drei Strafpunkten und schließlich auch den zweiten, obwohl er bereits geführt hat.

Während ich stundenlang in der stickigen Sporthalle mit hunderten von Menschen abhänge, von denen nicht alle morgens die Zeit hatten, sich wenigstens einer flüchtigen Körperwäsche zu unterziehen, und dem Sohn dabei zuschaue, wie er verliert, kommen bei mir wehmütige Erinnerungen an den Corona-Lockdown auf.

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Auf dem Rückweg nach Moabit ist die S-Bahn ziemlich voll. Das liegt nicht an enthusiastischen 9-Euro-Ticket-Inhaber*innen, sondern daran, dass die Linie zum Olympiastadion fährt, wo später Rammstein spielt. Neben uns steht eine Gruppe von jungen Männern, die leicht derangiert wirken. Vermutlich von einem vorabendlichen Alkoholexzess.

Ich persönlich würde mir Rammstein nicht einmal nüchtern anhören wollen, aber schon gar nicht mit Schlafdefizit, Kater und einem Geschmack im Mund, der vermuten lässt, dass sich ein pelziges Tier dort zum Sterben zurückgezogen hat. Allerdings würde mir ein wenig Restalkohol dabei helfen, die Lieder von Till Lindemann erträglich zu finden.

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Nach zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie üben wir uns abends in der Kulturtechnik des Ausgehens und schauen uns im Tempodrom den schottischen Stand-up-Comedian Daniel Sloss an. Die Karten hatten wir ursprünglich der Tochter mal zu Weihnachten geschenkt (2020, wenn ich mich nicht täusche), aber dann wurde der Auftritt wegen Corona so oft verschoben, dass sie nun in Stockholm weilt und nicht selbst hingehen kann.

Das Alter der anderen Besucher*innen liegt ungefähr zwischen Anfang 20 und Mitte 30, meine Frau und ich sind mit Abstand die Ältesten im Saal. Wenigstens bei einem Mann schräg hinter uns vermute ich aufgrund des Schnäuzers, der Minipli-Frisur und dem mintfarbenen Seiden-Blouson, dass er 40 sein könnte. Damit wäre er zwar immer noch in einem anderen Jahrzehnt geboren als wir, aber es würde mir trotzdem ein gutes Gefühl geben. Meine Frau meint jedoch, das sei alles wieder modern und der Typ eher Anfang 30. Scheiß Hipster!

Über den Gang hinweg sehe ich eine junge Frau, die sich eine Packung Nachos mit Käsedip gekauft hat. Sie nimmt sich einen einzelnen Nacho, tunkt ihn in die Käsesauce, isst ihn, leckt sich die Finger ab und verschließt danach die Packung. Im Abstand von fünf Minuten wiederholt sich dieses bizarre Schauspiel immer wieder. Was stimmt mit der Frau nicht? Weiß sie etwa nicht, dass du dir Chips und Nachos in Höchstgeschwindigkeit in den Mund stopfen musst, wie das Cookie-Monster die Kekse, bis die Packung innerhalb von Nanosekunden leer ist? Scheiß achtsam genießende Millennials!

Wir sollten einfach häufiger weggehen. Ich habe es doch mehr vermisst, als ich gedacht hätte, andere Menschen zu sehen, ihre Verhaltensweisen zu beobachten, ihre Frisuren, Klamotten und Tattoos zu kommentieren – sarkastisch, aber selbstverständlich immer respektvoll – und ihre Gespräche zu belauschen. Nur unterhalten möchte ich mich immer noch nicht mit ihnen. Ich scheiß Sozial-Phobiker!

Der Auftritt von Daniel Sloss ist sehr, sehr lustig. Ein wenig tut es mir leid, dass die Tochter ihr Weihnachtsgeschenk nicht selbst wahrnehmen kann. Dafür amüsieren sich halt ihre Eltern und haben eine gute Zeit. Das sollte ihr Geschenk genug sein.

05. Juni 2022, Berlin

Um meine erhellenden Gedanken auf meinen Spaziergängen festzuhalten, habe ich diese Woche versucht, die Diktierfunktion meines Handys zu benutzen. Das geht schneller, als die Sätze unterwegs umständlich ins Smartphone zu tippen. Wenn ich meine Formulierungen ins Handy spreche, kann ich mich außerdem wie ein erfolgreicher Anwalt fühlen, der seiner Sekretärin Klageschriften, Unterlassungsaufforderungen und die Korrespondenz ins Diktafon spricht.

Allerdings scheint die Diktierfunktion des Smartphones noch nicht ganz ausgefeilt zu sein. Meine ersten Einträge lauten:

  • Man sieht war King Styx und postboten
  • treuen Männern mit Leonards kümmert T-shirt
  • finde einen guten von ihr unter den Küchenschrank die das Mädchen nicht konnte sagen
  • weil Jäger sind zu sprechen komme nehmen Abstand

Vielleicht funktioniert die Diktier-App aber auch einwandfrei und meine Gedanken sind einfach weniger erhellend, als ich es mir wünsche.


Buch-Tipp der Woche

Falls Sie denken, dass die Pädagogin, Erfolgsautorin und Viel-Twitterin Inke Hummel, nachdem sie es auf die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft hat, an einem Schreib-Burnout leidet, weil sie seit dem 23. Februar nichts mehr veröffentlicht hat, kann ich sie beruhigen. Schon seit dem 15. März gibt es einen weiteren Band der Mönkel-Reihe, dem erfolgreichsten Serien-Franchise der Welt: „Der Mönkel und der Flüsterstein“. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass es in der neuesten Geschichte des Geheimagenten Mönkel und seiner Assistentin Dr. Pröll – aka Mama – unter anderem um einen Flüsterstein geht. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll die Mönkel-Serie demnächst verfilmt werden. Mit Patrick Bach als Mönkel und Svenja Pages als Dr. Pröll. (In der Hollywood-Adaption mit Tom Cruise und Anne Hathaway.)

„Der Mönkel und der Flüsterstein“ hat Inke Hummel aber schriftstellerisch nicht ausgelastet, so dass sie ebenfalls am 15. März noch das „Mein Mönkel-Mitmach-Buch. Geheimagenten unter freiem Himmel, Miteinander draußen sein – Eltern-Kind-Beziehung stärken“ veröffentlicht hat. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass es in dem Buch um Geheimagent-Aktivitäten geht, die miteinander unter freiem Himmel durchgeführt werden und die Eltern-Kind-Beziehung stärken. Unbestätigten Gerüchten zufolge ist zu dem Buch eine Samstagabend-Show mit Kai Pflaume und Barbara Schöneberger geplant.

Netterweise verlosen Inke Hummel und der Claus Verlag jeweils ein Exemplar von „Der Mönkel und der Flüsterstein“ sowie von „Mein Mönkel-Mitmach-Buch“ unter den Leser*innen des Familienbetriebs. Dazu müssen Sie nur bis Donnerstag, den 09.06.22 einen mönkeligen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen und dazu schreiben, welches Buch Sie gerne hätten. [Bevor mir jemand einen Anwalt auf den Hals hetzt, möchte ich betonen, dass auch unmönkelige Kommentare berücksichtigt werden.]

Der Rechtsweg ist ebenso wie der Linksweg ausgeschlossen, es wird nur ein Kommentar pro E-Mail-Adresse berücksichtigt, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, blablabla …

Inke Hummel und Franzsika Karagür: Der Mönkel und der Flüsterstein. edition claus, 2022.

Inke Hummel und Franziska Karagür: Mein Mönkel-Mitmach-Buch. edition claus, 2022.

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Eine kleine Wochenschau | KW21-2022 (Teil 2)

Teil 1


25. Mai 2022, Berlin

Im Radio läuft eine Sendung zum Thema „Geräusche, die wir lieben, Geräusche, die wir hassen.“ Ein Hörer ruft an und erzählt in jammernden Tonfall und in epischer Breite, welche Geräusche er super nervig findet. Den Wecker am Morgen, Styroporquietschen, Kreidequieken, Schmatzen, seinen Name, wenn der Chef ihn ruft und noch tausend andere Sachen. Nach fünf Minuten finde ich seine Stimme super, super nervig.

26. Mai 2022, Berlin/Westerburg

Heute ist Vatertag. Der wird bei uns noch weniger begangen als Muttertag. Wobei ich in diesem Zusammenhang Abbitte beim Sohn leisten muss. Vor drei Wochen hatte ich geschrieben, dass der Muttertag bei uns quasi ignoriert wird und die Kinder da auch keine Geschenke besorgen würden. Tatsächlich hat der Sohn aber für seine Mutter einen Strauß Blumen gekauft. Ohne dass ich ihn daran erinnert habe und sogar von seinem eigenen Taschengeld. Sie werden also tatsächlich so schnell groß und geben einem wirklich so viel zurück.

Das gilt aber anscheinend nicht für Vatertag. Ich habe keinen Blumenstrauß bekommen. Und auch sonst nichts. Ob der Sohn seine Mutter wohl lieber hat als mich? Und kann er sich nicht mehr daran erinnern, wie wir früher immer Kuckuck gespielt haben? Und zählt es nichts, dass ich ihn regelmäßig bei den Wocheneinkäufen mit Red Bull und Kaugummis versorge? Ich urteile nicht, ich stelle nur Fragen.

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Wir nutzen das verlängerte Himmelfahrtswochenende, um zu meinen Eltern in den Westerwald zu fahren. Das hatten wir eigentlich schon über Ostern vorgehabt, was dann aber auch wegen Corona ausfallen musste.

Impressionen von der Zugreise:

  • Eine Mutter schaut sich mit ihrem circa zweieinhalbjährigen Kind ein Bilderbuch an. Das Kind ist unzufrieden, dass das Polizeiauto nicht tatütata macht.
  • Eine Familie isst, kaum dass wir den Hauptbahnhof verlassen haben, ihre belgischen Waffeln auf. (Die Familie sind wir.)
  • Eine Frau mit Hund setzt sich auf den freien Platz an unseren Tisch. Der Hund klettert in eine große Reisetasche und schläft sofort ein.
  • Ein ungefähr achtjähriger Junge wird von seinem Tablet hypnotisiert.
  • Das Kleinkind freut sich, dass es einen Papagei in seinem Bilderbuch entdeckt hat.
  • Die Tablet-Hypnose wirkt. Der Junge möchte keine Zimtschnecke essen, sondern ein Vollkornbrötchen mit Kürbiskernen.
  • Das Kleinkind freut sich immer noch über den Papagei.
  • Am Nachbartisch schreibt eine Mutter den Deutschaufsatz ihrer Tochter. Die Tochter schaut sich währenddessen YouTube-Videos auf ihrem Handy an.
  • Eine Frau lässt stoisch ihren Rucksack auf dem Sitz neben sich stehen, obwohl andere Reisende nach freien Plätzen suchen.
  • Die Kleinkind-Mutter schaut sich das Bilderbuch inzwischen alleine an. Das Kleinkind leckt derweil an der Scheibe.
  • In der Reihe hinter mir trägt ein circa sechsjähriges Mädchen rosafarbene Kopfhörer mit blinkenden Katzenöhrchen. Bestimmt hat sie die von ihren Großeltern bekommen. Eltern kaufen prinzipiell keine blinkenden Sachen.
  • In Braunschweig steigt eine sechsköpfige Familie aus. Ob die dort wohl einen Kurzurlaub machen?
  • Das Katzenohren-Kopfhörer-Mädchen singt sehr laut ein Lied mit, dass sie über ihre Katzenohren-Kopfhörer hört. Ihre entweder sehr alte Schwester oder ihre sehr junge Mutter ermahnt sie, leise zu sein.
  • Die Frau mit dem Hund steigt in Kassel aus. Der Hund schaut aus, als würde er lieber weiterschlafen.

27. Mai 2022, Westerburg

Ich muss trotz Brückentag ein bisschen arbeiten. Das ist einerseits nervig, aber andererseits darf ich für ein Projekt Schokolade im Wert von 500 Euro bestellen. Das gibt einem irgendwie ein befriedigendes Gefühl. Und ich muss die Schokolade nicht von meinem eigenen Geld bezahlen. Das gibt einem ein noch befriedigenderes Gefühl. Allerdings darf ich die Schokolade auch nicht essen. Das erspart einem aber wenigstens später auf der Waage ein sehr unbefriedigendes Gefühl.

28. Mai 2022, Westerburg

Werde morgens von einem Geräusch geweckt, dass sich wie eine Mischung aus Fön, Staubsauger und Schleifmaschine anhört. Die Nachbarn meiner Eltern renovieren ihre Garage.

Warum zur Hölle renoviert jemand seine Garage und warum samstagmorgens um kurz nach sieben? Okay, Letzteres wahrscheinlich, weil sie erwerbstätig sind und unter der Woche keine Zeit haben. Aber wieso müssen sie die Garage überhaupt auf Vordermann bringen? Da fährt man doch nur mit dem Auto rein, steigt aus und geht ins Haus. Ich schätze die Garagen-Aufenthaltsdauer beträgt pro Tag zwischen 30 und maximal 120 Sekunden. Da ist es doch nicht nötig, dass die Garage wie ein Showroom für Schöner Wohnen aussieht.

Die Nachbarn sind aber anderer Meinung und fön-staubsaugen-schleifen fröhlich weiter.

29. Mai 2022, Westerburg/Berlin

Ich schmiere morgens Brote für die Heimreise. Für den Sohn drei Klappstullen mit so viel Schinken, dass mehrere Schweineherden dafür ihr Leben lassen mussten, für meine Frau zwei Klappstullen mit Salami und Butterkäse und für mich ebenfalls zwei Klappstullen aber mit Ziegen-Gouda.

Vielleicht interessiert es Sie, dass sich meine Frau diesen Ziegen-Gouda gestern im Supermarkt ausgesucht hatte, wofür ich dann den von mir bevorzugten Edamer wieder ins Regal zurückgelegt habe. Aber das nur am Rande. Nach 25 Jahren Beziehung ist es nicht nötig, auf solchen Kleinigkeiten rumzureiten. Ziegen-Gouda ist ja auch lecker. Für mein Empfinden vielleicht nicht ganz so lecker wie Edamer, aber Geschmäcker sind ja verschieden und das ist ja kein Grund, sich unnötig lange aufzuregen. Wenn meine Frau mit ihrer Salami-Käsestulle glücklich ist, bin ich es selbstverständlich auch. Da braucht es wirklich keinen Edamer, um das Glück perfekt zu machen. Das wäre ja Käse.

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Impressionen von der Heimreise:

  • Ich muss der Schaffnerin erklären, dass wir die Bahncard25 des Sohns vergessen haben, und schaue so treuherzigdackelig wie möglich, damit wir nichts nachzahlen müssen. Die Frau denkt bei meinem Gesichtsausdruck wahrscheinlich, dass ich gerade einen Schlaganfall habe, stempelt das Ticket schnell ab und geht weiter.
  • Eine Gruppe älterer Damen am Vierer-Tisch vor mir unterhält sich darüber, dass sie nicht im Ruheabteil sitzen, dass es im Zug aber ein Ruheabteil gibt und dass sie schon mal in einem Ruheabteil gesessen haben.
  • Ein Vater neben mir ist für seine circa 10-jährige Tochter nicht ansprechbar, weil er gerade Salat isst und alte Ladykracher-Folgen schaut. Dafür ist er aber anscheinend empfänglich, denn er lacht mehrmals und sehr herzhaft.
  • In Erfurt steigt ein Vater mit seiner zweijährigen Tochter ein. Er holt Vollkorn-Stullen und allerlei Obst aus seinem Rucksack. Ich bin froh, dass der Sohn so alt ist, dass wir Kuchen, Kekse und Joghurt-Gums essen können.
  • Der Ladykracher-Vater ermahnt seine Tochter, sie soll beim Videoschauen nicht so laut lachen. Ich bin kurz davor, ihn zu ermahnen, er soll nicht so ein Vollpfosten sein. Aber vielleicht ist er ja sonst ganz nett. Nur heute halt nicht ganz so.
  • Die Zweijährige isst eine Stulle, eine Banane, noch eine Stulle, einen Apfel, einen Pfirsich und noch eine halbe Banane. Danach verpuppt sie sich und verwandelt sich kurz vor Berlin in einen Schmetterling.

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Eine kleine Wochenschau | KW21-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


23. Mai 2022, Berlin

Heute Abend darf ich bei Fuchs & Söhne auftreten. Fuchs & Söhne ist eine renommierte Berliner Lesebühne, die die renommierten AutorInnen Kirsten Fuchs, Paul Bokowski, Sebastian Lehmann und André Hermann – der inzwischen von Tilman Birr ersetzt wurde – gegründet haben, die monatlich im Grips-Theater stattfindet und zu der immer wieder berühmte Gäste eingeladen werden. Sarah Bosetti zum Beispiel. Oder Felix Lobrecht vor ein paar Jahren. (Da war er allerdings noch nicht so bekannt wie heute.)

Ich selbst falle in die Kategorie „Gast“, aber ohne den Zusatz „berühmt“. Es ist mehr als drei Jahre her, dass ich das letzte Mal öffentlich gelesen habe. Hoffentlich denkt das Fuchs & Söhne-Publikum heute Abend nicht, was das für eine merkwürdige subversive Performance-Art mit dadaistischem Einschlag war.

Da ich das vermeiden möchte, bereite ich mich penibel vor. Ich suche Geschichten raus, schreibe sie ein wenig um, damit sie auf der Bühne besser funktionieren, und lese mir die Texte laut vor. Das ist die absolute Hölle. Es gibt wirklich nichts schlimmeres, als sich eigene Texte laut vorlesen zu müssen. Also, zumindest aus einer egozentrischen First-World-Perspektive. Global gesehen, gibt es eventuell ein oder zwei Sachen, die noch schlimmer sind. Zum Beispiel rohen Kohlrabi essen.

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Eine kleine Wochenschau | KW20-2022 (Teil 2)

Teil 1


20. Mai 2022, Berlin

Ich muss abends nochmal los, ein Paket abholen. Das wurde heute im Paketshop um die Ecke abgegeben. Selbstverständlich während ich den ganzen Tag zuhause war. Zuerst kamen per Mail minütlich Nachrichten, wo sich das Päckchen gerade befindet, und ich konnte im Internet per Live-Viewing auf einer Landkarte die Fahrt des Kurier-Fahrzeugs verfolgen. Aber dann war der Kurier anscheinend so in Eile, dass er nicht klingeln konnte – oder er hatte keine Lust –, und er hat das Paket stattdessen zu dem Shop gebracht.

Der Begriff „Paketshop“ ist etwas irreführend und könnte den Eindruck erwecken, es handelt sich um ein modernes Logistikzentrum, wo sich fachkundiges Personal professionell um die Pakete kümmert. Tatsächlich ist der Paketshop ein ranziger Späti in unserer Straße, mit einem zwielichtigen Besitzer, der aussieht, als würde er die bei ihm abgegebenen Kartons und Kisten alle unverzüglich auf eBay verticken. (Es handelt sich dabei aber nicht um den gleichen Späti, in dem ich vor zwei Wochen das Paket für meine Frau abholen musste.)

Tatsächlich kann der Mann mein Paket nicht finden. Auch als ich ihm helfe und wir die Regale gemeinsam intensiv absuchen, bleibt es unauffindbar. Es stellt sich aber raus, dass das nicht daran liegt, dass der Typ es veräußert hat, sondern – wie ich nach einem Blick in meine Benachrichtigungsmail feststelle – es befindet sich in einem ganz anderen Laden. (Weil meine Pakete bisher immer in diesem Späti abgegeben worden sind, hielt ich es nicht für nötig, das vorher zu kontrollieren.)

Also gehe ich die drei Straßen weiter zu dem Späti, wo ich früher ab und an Lieferungen abgeholt hatte. Dort lagert mein Päckchen aber ebenfalls nicht. Erneut ist nicht der Späti-Betreiber schuld, obwohl auch er die Vertrauenswürdigkeit eines vorbestraften Gebrauchtwagenhändlers ausstrahlt, sondern – wie ich wieder durch einen Blick in meine Benachrichtigungsmail feststelle – der Laden, wo mein Paket tatsächlich liegt, hat eine andere Hausnummer. (Meine Lernkurve bezüglich des Findens von richtigen Paketshops hat ungefähr den gleichen Verlauf wie meine Lernkurve zurwetteradäquaten Kleidungswahl.)

Nachdem ich vor der Eingangstür überprüft habe, dass ich diesmal wirklich richtig bin, betrete ich den Späti. Der sieht aber gar nicht wie ein Späti aus. Der Boden ist mit neuen, sauberen Dielen ausgelegt, die Regale sind hell ausgeleuchtet und die Ware wird verkaufsfördernd feilgeboten.

An der Kasse steht eine nette, junge Frau, die mich freundlich begrüßt. Auch das ist für Spätis eher unüblich. Ich erkläre, dass ein Paket für mich abgegeben wurde und zeige meinen Ausweis. „Brauchste nicht“, sagt sie. „Ich kenn’ dich doch.“ Das verwirrt mich ein wenig. Nicht weil sie mich duzt, sondern weil ich noch nie in dem Laden war.

Die Frau geht kurz ins Hinterzimmer und holt mein Paket. Als sie es mir aushändigt, fragt sie: „Wie immer noch eine Schachtel Marlboro Light?“ Ich bin noch verwirrter und antworte: „Nein danke, heute nicht.“ Zum Glück hat sie nicht gefragt „Wie immer noch der St. Pauli-Spezial-Report – Dicke Möpse XXL?“

Beim Rausgehen nehme ich mir vor, in den nächsten Tagen in der Nähe des Ladens abzuhängen. Es würde mich doch interessieren, wer der Stammkunde ist, der so aussieht wie ich. (Hoffentlich kein 80-jähriger kettenrauchender Tattergreis, der jeden Tag seine Schachtel Marlboro Light holt.)

21. Mai 2022, Berlin

Sitze morgens, kurz nach sieben, auf dem Sofa, trinke einen kleinen Kaffee, als ich lese, dass es demnächst einen Sperrmülltag in unserem Kiez gibt. Da kann ich endlich die alte Matratze abgeben, die seit einigen Jahren unseren Keller blockiert. Freudig erregt trage ich den Termin im Kalender ein. Eine Erinnerungsfunktion richte ich auch noch ein, damit ich dieses wichtige Datum auf keinen Fall verpasse. Ich kann auch mit Mitte 40 noch das aufregende Leben eines Rockstars führen!

In meiner Kindheit gab es bei uns immer feste Sperrmülltermine, zu denen du deinen alten Krempel an die Straße stellen konntest, und den hat dann die Müllabfuhr am nächsten Tag abgeholt. Oder andere Menschen nahmen die Sachen mit, die sie gebrauchen konnten. Einmal kam mein Bruder mit einem alten Brotkasten nach Hause, den er auf dem Heimweg von der Schule auf einem Sperrmüllhaufen entdeckt hatte. Der sähe total schön aus und sei auch überhaupt nicht kaputt. Fand zumindest er. Meine Eltern teilten seine Begeisterung über diesen spektakulären Fund allerdings nicht und der Brotkasten kam nie bei uns zum Einsatz.

22. Mai 2022, Berlin

Im Internet stoße ich auf eine Seite mit Vorschlägen für höfliche Formulierungen im Büroalltag. Meine drei Favoriten:

Google that yourself.
The internet is a great resource for these types of questions and I am available to clarify elements that you are not able to find online.

That meeting sounds like a waste of my time.
I’m unable to add value to this meeting but I would be happy to review the minutes.

That sounds like a horrible idea.
Are we confident that this is the best solution or are we still exploring alternatives?

Die Seite habe ich durch den phantastischen Recomendo-Newsletter entdeckt. Falls Sie nur einen einzigen Newsletter abonnieren möchten, sollte es definitiv der Recomendo-Newsletter sein. Auf den bin ich wiederum durch den High-Five-Newsletter von Matze Hielscher aufmerksam geworden. Den können Sie bestellen, wenn sie noch einen zweiten Newsletter lesen möchten.


Terminhinweis in eigener Sache

Ich habe die große Ehre und darf am 23. Mai bei der phantastischen Lesebühne Fuchs & Söhne lesen. Gemeinsam mit Kirsten FuchsTilman BirrSebastian Lehmann und Paul Bokowski und der Gast-Leserin  Jacinta Nandi von der Lesebühne Rakete2000. Im Grips-Theater. Um 19.30 Uhr. Falls Sie in Berlin leben, kommen Sie doch vorbei. Das wird bestimmt lustig. Zumindest während Kirsten, Tilman, Sebastian und Paul lesen.

Tickets gibt es hier.


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