Eine kleine Wochenschau | KW37-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


13. September 2021, Berlin

Es ist 22 Uhr. Gegenüber vor dem Kloster streitet ein jugendliches Pärchen lautstark. Um was es genau geht, lässt sich nicht heraushören. So laut sind die beiden dann doch nicht.

Ich verstehe nur, dass die junge Frau wie eine springende Schallplatte immer wieder fragt: „Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby?“

Ich bin kurz davor, zu brüllen, dass Baby verdammt nochmal sagen soll, was er mit ihr macht, damit sie endlich aufhört. Baby nuschelt schließlich eine unverständliche Antwort, die mit „Walla“ endet.

Der Streit wird immer emotionaler und droht in Handgreiflichkeiten auszuarten. Von irgendwoher ruft ein Mann die beiden zur Räson. Daraufhin beschimpf das Pärchen den Mann aufs Übelste und zieht schließlich einträchtig von dannen. Es geht doch nichts über die gemeinschaftsstiftende Funktion eines gemeinsamen Feindes.

Leider werden wir, das heißt ich, nie erfahren, was Baby denn nun angestellt hat.

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Eine kleine Wochenschau | KW36-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


06. September 2021, Berlin

Wichtige Erkenntnis zum Montag: Der Start in den Morgen, in den Tag, in die Woche verläuft eher suboptimal, wenn dir der volle Kaffeebecher aus der Hand rutscht und du die komplette Arbeitsfläche plus Kaffeemaschine, Wasserkocher und Aufbewahrungsdosen abwischen musst. Und das alles, bevor du deinen ersten Kaffee trinken konntest.

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Heute ist Kampf-gegen-die-Prokrastination-Tag. Eine Information, die ich beim Surfen im Internet lese, während ich eigentlich eine Präsentation für einen Kunden erstellen müsste. Als Speerspitze der Prokrastinationsbekämpfung scheine ich nur bedingt geeignet zu sein.

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Eine kleine Wochenschau | KW35-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


30. August 2021, Berlin

Meine Vermutung, dass unsere Wohnung bei einem Insekten-Airbnb gelistet ist, scheint sich zu bestätigen. Als ich morgens joggen gehen will, krabbelt eine monströse Spinne aus meinem Laufschuh. So eine Hausspinne mit kleinem Körper und dünnen Beinen. Wobei die Begriffe „kleiner Körper“ und „dünne Beine“ einen vollkommen falschen Eindruck von den Ausmaßen dieses Spinnen-Exemplars vermitteln. Die Spinne ist so groß, dass ich vermute, sie hat meinen Schuh anprobiert, um zu sehen, ob er ihr passt. (Wahrscheinlich war er ihr zu klein.)

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Eine kleine Wochenschau | KW34-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


23. August 2021, Berlin

Wir liegen abends im Bett und lesen noch, als plötzlich irgendein Getier in meine Haare springt und von dort auf das Kopfteil des Bettes. Es ist ein Grashüpfer.

Was zur Hölle macht ein Grashüpfer in Berlin und dann auch noch in unserem Schlafzimmer? Grashüpfer gehören doch aufs Land, wo sie – wie es ihr Name sagt – im Gras rumhüpfen. Vielleicht macht er einen kleinen Städtetrip und es gibt ein Insekten-Airbnb, über das er sich bei uns eingemietet hat. So ein Insekten-Aribnb würde zumindest erklären, warum wir seit fast einer Woche nachts von einer Mücke heimgesucht werden, die uns unsere Gastfreundschaft dankt, indem sie uns zersticht.

Da der Grashüpfer keine Miete gezahlt hat, fange ich ihn mit einem Glas und schmeiße ihn aus dem Fenster. So läuft das in der großen Stadt.

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Eine kleine Wochenschau | KW33-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


16. August 2021, Berlin

Hatte heute Nacht mal wieder einen bizarren Traum, in dem ich mir mit einem ungefähr 75- bis 80-jährigen Mann einen Boxkampf geliefert habe. So richtig im Ring mit kurzen Hosen, Handschuhen und Mundschutz. Der Greis war klein und schmächtig, aber ich hatte erschreckenderweise kein Problem damit, ihm immer wieder ins Gesicht zu boxen, bis er umgefallen ist. (Das macht den Traum sehr, sehr unrealistisch. Viel wahrscheinlicher wäre es, dass der Alte mich umboxt.)

Was will mir mein Unterbewusstsein mit diesem Traum sagen? Dass ich eine psychopathische Arschgeige bin, die es okay findet, schwächliche Senioren zu schlagen? Oder dass ich Angst vor dem Altern habe und es mit allen Mitteln bekämpfe?

Laut dem Ringrichter habe ich den Boxkampf gewonnen. Mit 7: 5, 6: 4. Mein Unterbewusstsein hasst also nicht nur alte Menschen, sondern hat auch keine Ahnung, wie Boxen funktioniert.

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Eine kleine Wochenschau | KW32-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


09. August 2021, Berlin

Erster Schultag nach den Ferien. Als der Sohn nachmittags nach Hause kommt, frage ich ihn: „Und, wie wars?“
„Gut.“
„Irgendwas Besonderes?“
„Nö.“

Alles wie immer.

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Während in Berlin heute die Schule wieder losgeht, haben in Bayern und Baden-Württemberg die Sommerferien erst vor gut einer Woche angefangen. Als Kind habe ich immer davon geträumt, durch einen geschickten Umzug in den Genuss von zwölf Wochen Sommerferien zu kommen. Es war mir unverständlich, dass mein Vater nie auf diese Idee gekommen ist. Als Lehrer hätte er doch auch davon profitiert. Und noch mehr, wenn wir direkt nach den Sommerferien in das Bundesland gezogen wären, wo als nächstes die Herbstferien anfangen. Anscheinend fehlte ihm mein visionärer Weitblick.

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Eine kleine Wochenschau | KW31-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


02. August 2021, Berlin

Im Zuge der Neugestaltung unserer Küche wollen wir auch einen neuen Fußboden verlegen lassen. (Ein weiteres Indiz, dass geistige Umnachtung nicht erst im Greisenalter einsetzen muss.) Der Bodenverleger, mit dem ich gestern telefoniert habe, erklärte mir, ich solle ihm schreiben, was wir uns wünschen, er würde sich dann darum kümmern.

Ich wünsche mir seit vielen Jahren, täglich Käsekuchen essen zu können, ohne dick zu werden, aber ich glaube, der Mann hat das mit den Wünschen anders gemeint.

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Eine kleine Wochenschau | KW30-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


26. Juli 2021, Berlin

Die 13-jährige Japanerin Momiji Nishiga gewinnt olympisches Gold im Street-Skateboarden. Wahnsinn! Als ich 13 war, habe ich überlegt, ob ich nicht mal langsam die Stofftiere aus meinem Bett schmeißen sollte und ob das Sammeln von TKKG-Cassetten in meinem Alter noch sozial akzeptiert oder vollkommen uncool ist.

(Spoiler Alert: Es ist vollkommen uncool und du punktest auf keinen Fall bei Nina aus der 8b, wenn du sie fragst: „Hast du Lust, mit mir Mordkomplott im Luxus-Klo zu hören?“)

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Eine kleine Wochenschau | KW28/29-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


12. Juli 2021, Berlin

Mein erster Termin nach dem Urlaub führt mich zum HNO-Arzt. Er spült mein verstopftes Ohr aus, das ich mir im Meer vor Santa Teresa eingehandelt habe. Währenddessen fragt er mich, ob wir gemeinsam mit den Italienern den EM-Titel gefeiert hätten. Ich verneine, wir hätten uns von größeren Menschenansammlungen ferngehalten. Dass es auch schlicht unmöglich wäre, gestern Abend mit den Tifosi zu feiern und heute früh in seinem Behandlungsstuhl zu sitzen, behalte ich für mich.

Der Arzt findet, so eine EM auf dem ganzen Kontinent sei zwar gut für die Völkerverständigung, aber schlecht für die Pandemiebekämpfung. Jubelnde Fußball-Fans würden sich mal nicht so gut benehmen wie das Publikum bei den Wagner-Festspielen und mehr Aerosole verströmen.

Trotz des damit verbundenen Distinktionsdünkels hat er mit dieser These wohl Recht. Es ist nur schwer vorstellbar, dass die Bayreuth-Besucher:innen in ihren Abendroben und Smokings angeleitet vom Anführer der Rheingold Ultras Wolfenbüttel bei den Aufführungen grölen: „Steh‘ auf, wenn du ‘ne Walküre bist, steh‘ auf, wenn du ‘ne Walküre bist.“

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Eine kleine Wochenschau | KW25-2021

Da morgen unser Urlaub beginnt, gibt es nicht zum Sonntagabend, sondern schon heute meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Aber wie immer banal, trivial und egal.


21. Juni 2021, Berlin

Heute ist ein besonderer Tag. Für die Tochter, weil sie ihr Abitur-Zeugnis verliehen bekommt. Für mich, weil ich meinen ersten Corona-Test mache, denn der Zutritt zur Aula ist den Geimpften, Genesenen und Getesteten vorbehalten.

Falls Sie sich jetzt fragen, was ist der Typ für ein asoziales Schwein, dass er sich in 18 Monaten Corona-Pandemie kein einziges Mal hat testen lassen, kann ich Sie beruhigen. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes ein asoziales Schwein und habe mich 18 Monate lang mit fast niemandem getroffen und habe auch keine Veranstaltung mit vielen Menschen besucht, so dass bei mir nie ein Test erforderlich war. (Dafür muss mir niemand anerkennend auf die Schulter klopfen, das ist mehr oder weniger mein normales pandemie-unabhängiges Sozialverhalten.)

Die Testprozedur ist weniger unangenehm, als ich befürchtet hatte. Ein junger, freundlicher Mann fummelt mir mit dem Teststäbchen im Mund rum und eine Viertelstunde später bekomme ich das Ergebnis aufs Handy geschickt. Negativ. Alles andere wäre auch ein ziemlicher Downer gewesen.

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