Eine kleine Wochenschau | KW07-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


08. Februar 2021, Berlin

Der Heizkessel im Keller funktioniert wieder und die Wohnung heizt sich allmählich auf. Zumindest in den Kinderzimmern und im Wohnzimmer. Im Schlafzimmer bleibt es kalt. Ungünstigerweise steht dort mein Schreibtisch. Als treusorgender Vater und Ehemann sollte ich mich darüber freuen, dass es der Rest der Familie warm hat. Ich verspüre aber vor allem Neid. Wenn sich meine Füße allmählich in Eisklötze verwandeln, fällt es mir anscheinend schwer, ein guter Mensch zu sein.

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Ich sitze mit dem Sohn beim Kieferorthopäden. Er braucht eine Zahnspange, um eine Zahnfellstellung zu korrigieren, die auf einen überschüssigen Schneidezahn zurückzuführen ist. (Der Sohn ist quasi der Anti-Jürgen-Vogel.) Der Kieferorthopäde überbringt uns die unschöne Nachricht, dass die Krankenkasse für die Behandlung nicht aufkommt. Sie würde nur für Zahnspangen bezahlen, wenn ein Zahn fehlt. (Gut für Jürgen Vogel.) Die Logik dahinter erschließt sich weder mir noch dem Kieferorthopäden. Die Kosten für die Zahnspange belaufen sich auf einen mittleren vierstelligen Betrag. Ich bin mir nicht sicher, ob der Sohn das nach der erfolgreichen Behandlung als Zahn-Model wieder reinholen kann.

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Nun zu etwas anderem: Falls es in ihrem Bekanntenkreis werdende Väter gibt, verschenken Sie doch eines meiner Bücher. Und falls Sie keine werdenden Väter kennen, kaufen Sie meine Bücher trotzdem. Oder überweisen Sie mir einfach Geld.

Überall erhältlich, wo es Bücher gibt.

09. Februar 2021

Es ist kurz nach sieben, draußen sind es knapp zehn Grad minus und ich habe mich entschieden, trotzdem laufen zu gehen. (Eine meiner weniger klugen Ideen im immer noch recht jungen Jahr 2021.) Um der Kälte zu trotzen, trage ich ein langärmliges Funktionsshirt, darüber ein langärmliges Laufshirt, darüber ein kurzärmliges Laufshirt, darüber noch ein kurzärmliges Laufshirt und darüber eine Laufjacke. Da die Jacke meiner Frau gehört, ist sie mir etwas zu eng und ich gebe eine leicht michelinmannartige Erscheinung ab. Nach knapp drei Kilometern ist mir trotz meiner vielen Textilschichten zu kalt, ich breche den Lauf ab und jogge zurück.

Auf dem Heimweg bin ich genervt und sauer, dass ich meinen gewöhnlichen 10-Kilometer-Lauf nicht durchgehalten habe. Irgendwie bescheuert. Einen Freund, der bei zweistelligen Minustemperaturen eine halbe Stunde laufen geht, würde ich ja auch nicht als Weichei und Jammerlappen beschimpfen. Gerade als ich so etwas wie Selbstliebe und Respekt für meine frühsportliche Leistung entwickle, kommt mir ein anderer Läufer entgegen. Er trägt kurze Hosen. Möglicherweise bin ich doch ein Weichei und Jammerlappen.

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Beim Dienstags-Einkauf entdecke ich an der Käsetheke am rechten Rand ein Schild mit der Aufschrift Gute-Laune-Käse. Interessant. Heißt das, dass auf der anderen Seite der schlecht gelaunte Käse liegt? Könnte schon sein, denn dort gibt eine Käsesorte mit der Bezeichnung Wilder Bernd. Wenn ich ein Käse wäre und irgendein Marketing-Fuzzi käme auf die bescheuerte Idee, mich Wilder Bernd zu nennen, hätte ich auf jeden Fall schlechte Laune.

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Die Heizung im Schlafzimmer funktioniert immer noch nicht richtig. Ich sitze am Schreibtisch und friere. Im Bad ist es aber mollig warm. Ich spiele mit dem Gedanken, ins Klo Office überzusiedeln.

10. Februar 2021, Berlin

Der Lockdown wird bis zum 7. März verlängert. Ich fühle nichts. Eine Lockerung soll es aber geben: Ab dem 01. März dürfen Friseure wieder öffnen. Während einer tödlichen Pandemie, in der sich mutierte Virus-Varianten ausbreiten und in der Impfstoffe knapp sind, ist es anscheinend eines der wichtigsten Anliegen, dass wir die Haare schön haben. Oder wie Markus Söder sagt: „Die Frage der Frisur ist auch eine Frage der Würde.“ Wäre es für den Infektionsschutz nicht besser, anstatt die Friseurläden wieder aufzumachen, einfach Mützen an alle zu verteilen? Damit würde auch die Textilindustrie unterstützt.

(Herr Söder, falls Sie noch mehr Anti-Corona-Tipps benötigen, finden Sie meine Kontaktdaten im Impressum.)

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Nachmittags spielt mir der Google-Algorithmus eine Werbung für eine Telefonbox in den Browser. Dabei handelt es sich um eine stylishe, gläserne Telefonzelle, die in Großraumbüros aufgestellt wird und in die sich Mitarbeiter:innen zum Telefonieren zurückziehen können, um niemanden zu stören.

Kein Möbelstück ist so gut für die Stimmung wie eine Telefonbox? Schon mal über die Anschaffung einer mobilen Bar mit kostenlosen Cocktails nachgedacht? (Frau Podewils, falls Sie noch mehr Tipps zur Mitarbeiter:innen-Motivation benötigen, finden Sie meine Kontaktdaten im Impressum.)

Ohnehin habe ich das Gefühl, dass eine Pandemie, in der alle im Home Office arbeiten sollen, nicht der beste Zeitpunkt ist, um so ein Produkt zu vermarkten. Eine gute Zielgruppe sind dagegen homeschoolende und homebetreuende Eltern. Für die wäre so eine Box, in der sie verschwinden können, ideal. Allerdings dürfte sie nicht gläsern sein, sondern müsste über eine Tarnvorrichtung verfügen, damit die Kinder die Eltern nicht entdecken. Der Parent-Vanisher! In der Luxus-Variante mit Kaffeemaschine, Mini-Kühlschrank und Süßigkeiten-Schublade.

(Endlich eine Geschäftsidee, mit der ich zum Millionär werde! Gleich mal beim Kieferorthopäden anrufen und die Zahnspange für den Sohn bestellen.)

11. Februar 2021, Berlin

Ich gehe seit über fünfzehn Jahren mehrmals pro Woche im Schlosspark joggen und dabei ist mir schon einiges untergekommen. Ein Mann, der seilspringend einen Anstieg hochgelaufen ist, eine Frau, die sich sambatanzend fortbewegt hat, oder ein sehr betagter Senior, der Rumpfbeugen bis zu den Ellenbogen gemacht hat. Heute gibt es ein Novum: Mich überholt eine ältere Frau auf Langlaufskiern! Zumindest trägt sie kein Biathlon-Gewehr auf dem Rücken.

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Falls Sie zum Valentinstag keine Blumen, sondern etwas Besonderes verschenken möchten, hat mein Twitter-Kollege Dave vielleicht das Richtige für Sie im Internet gefunden. In Großbritannien gibt es einen Laden, wo du deinen Anus in Schokolade gießen lassen kannst.

Ein Geschäftsmodell, das sehr viele Fragen aufwirft.

  • Wie kommt jemand auf so eine Idee? („Mmh, was wollen sich Liebespaare schon immer mal schenken? Genau, einen Schokoladen-Anus!“)
  • Wie verlief das Gespräch bei der Bank, um einen Kredit für das Geschäft zu bekommen? („Ich möchte einen Schokoladen-Arschloch-Laden eröffnen. Bitte geben Sie mir 50.000 Euro.“)
  • Und wer kauft so etwas? („Womit könnte ich meiner geliebten Partnerin eine Freude machen? Warum nicht mit meinem Arschloch aus Schokolade? Gleich mal einen Termin ausmachen.“)

Aber eigentlich ist die Idee auch nur konsequent. Wenn Liebe durch den Magen geht, muss sie ja auch irgendwo wieder rauskommen. Guten Appetit!

12. Februar 2021, Berlin

Beim Freitags-Einkauf zieht die dm-Kassiererin das Waschmittelpaket der Kundin nach mir nicht direkt über den Scanner, sondern hält es sich vors Gesicht und nimmt einen tiefen Atemzug. „Das riecht so gut nach Blumenwiese“, sagt sie anschließend entschuldigend. Es wird Zeit, dass die Pandemie vorbei ist und die Menschen wieder richtig raus dürfen.

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Am frühen Abend kommt ein Klempner vorbei, um sich die nicht funktionierenden Heizkörper in unserer Wohnung anzuschauen. Während er an der Heizung herumfuhrwerkt, versuche ich, einen nicht allzu ahnungslosen Gesichtsausdruck aufzusetzen, und durch fachmännische Fragen handwerkliche Kompetenz vorzutäuschen. „Und falls es wieder kalt wird, muss ich nur das Drehding abschrauben und den Schniepel da rausziehen?“ Der Klempner zuckt kurz zusammen, murmelt etwas von, „nur auf eigene Verantwortung“ und fragt sich wahrscheinlich, was er verbrochen hat, dass er kurz vor Feierabend noch zu diesem Einsatz geschickt wurde.

13. Februar 2021, Berlin

Kurz vor Ende meiner morgendlichen Laufrunde muss ich an einer roten Ampel warten. Auf einem Bauzaun neben der Ampel sitzt ein kleiner Stoffesel. Er tut mir leid und ich überlege kurz, ihn mitzunehmen, damit er in der bitteren Kälte nicht frieren muss. Aber vielleicht gehört er einem Kind, das ihn schon verzweifelt sucht und ihn dann nie wieder zurückbekommt. Also lasse ich ihn dort sitzen. Als die Ampel auf Grün springt, tätschle ich seinen Kopf und wünsche ihm alles Gute. Auch für mich wird es Zeit, dass die Pandemie endlich vorbei ist und ich unter Menschen komme.

Verlorener Stoff-Esel (Symbolbild)

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Beim Abendessen erzählt die Tochter von einem Klassenkameraden, der in allen Fächern immer alles weiß und mitunter sogar von Lehrern gefragt wird, ob ihre Erklärung richtig sei. Gleichzeitig würde er viel Party machen, rauchen und saufen. Der Sohn mutmaßt, es läge vielleicht am Rauchen und Saufen, dass er so schlau sei. Das klingt natürlich erstmal absurd, aber je länger ich darüber nachdenke, könnte da unter Umständen etwas dran sein. Ich habe beispielsweise nie geraucht, trinke nur gelegentlich Alkohol und habe ein Gedächtnis wie ein Sieb. Das einzige Wissen, das sich auf Lebzeiten in mein Hirn gebrannt hat, sind die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 1982. Auch fast 40 Jahre später kann ich mich jederzeit an jedes einzelne Ergebnis erinnern. Eine Inselbegabung, die mir allerdings noch nie in meinem Leben weitergeholfen hat.

14. Februar 2021, Berlin

Heute ist Valentinstag. Zur Feier des Tages dürfen in ein paar Bundesländern die Blumenläden trotz Corona aufmachen. Ich finde das gut. Schließlich gibt es nichts Romantischeres, als deiner Partnerin oder deinem Partner gegenüberzutreten und zu sagen: „Als Zeichen meiner Liebe überreiche ich dir diesen Strauß roter Rosen. Und ein paar tödliche Viren.“

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Apropos Romantik. Meine Frau und ich verbringen den Sonntagnachmittag wieder im Waschsalon, da sich unsere Waschmaschine nicht auf wundersame Weise selbst repariert hat und die neue Maschine erst am Dienstag geliefert wird. Normalerweise sind Waschsalons Orte, die du unter allen Umständen meidest. Nicht zuletzt, weil sie zu den verkeimtesten Orten der Welt zählen. (Neben infektionsbiologischen Laboren und Kinderartzpraxen) Aber nicht so in unserem Waschsalon mit dem grammatikalisch grenzwertigen, aber originellen Namen „Freddy Leck sein Waschsalon“. Dort ist es sauber, die Mitarbeiter:innen sind freundlich und der Salon ist geradezu wohnlich eingerichtet. Es gibt gemusterte Tapeten, an den Wänden hängen Bilder und über den Trocknern steht eine große Heiligenfigur.

Außerdem tragen die Waschmaschinen und Trockner bei Freddy Leck alle Namen. Unsere Wäsche wird von Annika, Helmut und Frau Loth gewaschen, getrocknet wird sie von Patricia – liebe Grüße an Das Nuf –, Jan und Karl-Heinz. Das ist fast wie unter Menschen sein. (Es wird wirklich Zeit, dass die Pandemie vorbei geht!)


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59 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW07-2021

  1. Fast wünsche ich mir meine Waschmaschine wäre auch kaputt. Jetzt muss ich eine Kirche ausräubern, damit ich auch eine Heiligenfigur überm Trockner aufstellen kann. Freddy sein Waschsalon ausräubern kommt nicht in Frage, Moabit ist zu weit weg.

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