Wochenschau | KW09-2026: Stimmung, gute Laune

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


23. Februar 2026, Berlin

Die Woche beginnt träge und antriebslos. Und ein wenig schwermütig. Nach vierzehn Tagen Urlaub mit Karneval, Besuch im Westerwald und 80. Geburtstag meiner Mutter bin ich noch nicht bereit für Alltag und Arbeit.

Da ist noch zu viel Karnevals-Blues in mir. Außerdem hatte ich in den letzten Tagen auf den Geburtstagsfeierlichkeiten so viele soziale Interaktionen, dass ich nun erschöpft und ausgelaugt auf dem Sofa sitze.

Mein Versuch, mittels Kaffee meine Lebensgeister zu wecken, ist rückblickend als hoffnungslos überambitioniert und gescheitert zu bezeichnen.

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Raffe mich trotzdem zu meiner morgendlichen Laufrunde auf. Treffe im Wildtiergehege im Volkspark Rehberge auf ein riesiges Wildschwein. Es schläft friedlich. Mein neues Krafttier. Würde mich am liebsten dazulegen. Befürchte allerdings, meine Sympathie und Zuneigung könnten nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. Und für ein Wettrennen mit einem missgelaunten Wildschwein fühle ich mich definitiv nicht fit genug.

Die körperliche Ertüchtigung hat meine Lust- und Antriebslosigkeit nicht verscheucht. Im Gegenteil: Nun bin ich auch noch körperlich ermattet. Keine guten Aussichten für die Broterwerbs-Arbeit.

In der Selbstständigkeit kannst du dir das aber mal leisten. Da musst du nicht wie ein Angestellter im Büro erscheinen und geschäftige Tüchtigkeit vortäuschen. Als Selbstständiger kannst du am Schreibtisch hocken und untätig aus dem Fenster starren. Und dich dabei von Selbsthass und Versagensängsten peinigen lassen. Toll.

24. Februar 2026, Berlin

Laufrunde im Schlosspark Charlottenburg. Treffe dort wieder auf die Graureiher. Die hängen erneut in der Nähe des Schlosses ab, fernab der Spree. Sechs Stück insgesamt. Eine kleine Armee, die fast etwas bedrohlich wirkt. Insbesondere weil so ein Reiher gar nicht mal so klein ist. Stehend schätzungsweise knapp einen Meter groß. Und ein Reiherschnabel hat auch eine imposante Länge.

Mein Respekt vor Tieren hängt stark davon ab, ob ich denke, ich könnte in einem Zweikampf gegen sie bestehen. Bei Reihern bin ich mir da nicht sicher. Vor allem nicht bei einer Sechser-Gang. Laufe daher mit gebührendem Abstand an ihnen vorbei und verzichte auch auf eine fotografische Dokumentation. Man möchte schließlich keine unnötige Fight-Club-Auseinandersetzung mit Reihern provozieren.

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Das Arbeiten geht im Vergleich zu gestern etwas motivierter von der Hand. Wobei da die Messlatte auch nicht besonders hoch liegt.

25. Februar 2026, Berlin

Die Tochter ist für drei Tage auf Exkursion in Berlin. Für ein Politik-Seminar zum Thema NATO und hybrider Bedrohung. Der erste Termin findet bei der Bundesakademie für Sicherheitspolitik statt. Eine Einrichtung, von der ich vorher noch nie gehört habe.

Möglicherweise liegt das daran, dass sich ihr Angebot an Führungskräfte im Bereich Sicherheitspolitik richtet. Da falle ich doppelt raus. Weder bin ich Führungskraft noch habe ich mit Sicherheitspolitik zu tun. Als ex-Zivi kann ich nicht einmal damit dienen, gedient zu haben. (Ein Wortspiel, dass Sie daran erinnern soll, dass das hier alles kostenlos ist.)

Ohnehin beschäftige ich mich eher wenig mit der NATO und hybrider Bedrohung. Das sind so Artikel, bei denen ich auf Spiegel Online zügig weiterscrolle. Was den Vorteil hat, dass ich in unbedarfter Sorglosigkeit und mit einer naiven, aber auch befreienden Ignoranz durchs Leben gehen kann.

Das ist natürlich eine sehr privilegierte Position, die ich da habe. Dass ich mir erlauben kann, mich nicht dafür zu interessieren. Andererseits befürchte ich, wenn ich zu sehr bei Themen wie Verteidigungsfähigkeit, militärische Bedrohung und Ähnlichem einsteige, wie Anton Hofreiter zu enden. Da kannst du irgendwann im Schlaf Waffengattungen sortiert nach Reichweite, Feuerkraft und taktischen Einsatzmöglichkeiten herunterbeten. Und plötzlich schreist du auf der Straße wildfremde Menschen an: „You can’t handle the truth!“ – die Älteren erinnern sich – und das will ja auch niemand.

26. Februar 2026, Berlin

Der Tag präsentiert sich erfreulich vorfrühlingshaft. Die Temperaturen sind mild, der Himmel ist blau und die Sonne scheint. In Berlin ist das im Februar eher unüblich.

Bei dem Wetter kann endlich die Winterjacke im Schrank verbleiben und du kannst die Übergangsjacke hervorholen. Was bei mir allerdings daran scheitert, dass ich meine Übergangsjacke nicht finde.

Nach längerem Suchen und anschließendem Überlegen komme ich zu dem Schluss, dass ich möglicherweise gar keine besitze. Schon seit mehreren Jahren. Wenn ich mich recht erinnere, formulierte ich vor einiger Zeit den Gedanken: „Du müsstest dir mal wieder eine Übergangsjacke zulegen.“ Weil ich das aber nie in die Tat umsetzte, muss ich die Wohnung übergangsjackenlos und dafür in einer modisch fragwürdigen Fleece-Jacke verlassen.

Meiner als heiter zu bezeichnenden Stimmung tut das keinen Abbruch. Dazu ist der Tag einfach zu schön. Die Außengastro breitet sich auf den Bürgersteigen aus, sonnenbebrillte Menschen genießen Kaffeespezialitäten und du siehst die ein oder anderen nach oben gezogenen Mundwinkel. Das ist in Berlin noch seltener ist als Sonne im Februar. Sogar ganzjährig.

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Die Tochter berichtet abends von ihren Treffen im Verteidigungsministerium und im Kanzleramt. Dort stufen die Gesprächspartner die Gefährdungslage in Deutschland vorsichtig optimistisch ein. Ein direkter Angriff durch Russland sei eher unwahrscheinlich. Das hört man gerne. Aber man sollte sich darauf einstellen, auch mal drei Tage ohne Strom auszukommen. Damit hat Berlin dieses Jahr ja bereits seine Erfahrung gemacht. (Kai Wegner richtet schon mal sein Tennis-Outfit.)

27. Februar 2026, Berlin

Für den letzten Exkursions-Termin muss die Tochter in die litauische Botschaft. Ich habe keine Ahnung, wo die liegt. Was aber irgendwie passt, denn bei Litauen weiß ich das auch nicht.

Also, grob schon. Im Osten. (Das ist auf einer Landkarte rechts.) Aber die Chance auf einer leeren Karte Litauen, Lettland und Estland richtig einzutragen, liegt bei mir bei ziemlich genau 33 Prozent. Wobei sich die Trefferwahrscheinlichkeit nicht verschlechtern würde, wenn ich dabei die Augen schließe.

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Die Temperaturen kratzen an der 20-Grad-Marke. Da kannst du einfach im Pullover rausgehen. (Nimm das Übergangsjacke!)

Das gute Wetter überträgt sich auf meine Laune und ich laufe mit Dauergrinsen durch die Gegend. Wobei man das hier nicht übertreiben darf. Sonst giltst du im Kiez schnell als „der Merkwürdige“.

Trotzdem lächle ich, als mich ein Typ auf einem grünen Lime-Leihrad fast umfährt, das einfach weg. Er schaut dagegen mürrisch. Das scheint mir etwas unangebracht. Wegen des guten Wetters und weil er es war, der auf dem Bürgersteig um die Kurve geschossen kam. Vielleicht war er missmutig, dass er mich so knapp verfehlt hat.

28. Februar 2026, Berlin

Im Briefkasten ist Post für den Sohn. Von der Polizei. Ein etwas pixeliges, aber ansonsten recht gut getroffenes Portraitfoto. Kostet auch nur 50 Euro.

01. März 2026, Berlin

Bekomme auf Insta Werbung für das neue Buch von Steffen Henssler eingespielt.

„Hensslers Schnelle Nummer-morgens, mittags, abends“

Bei dem Titel hat sich jemand entweder sehr, sehr viel oder sehr, sehr wenig gedacht.


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