Bretagne 2014 – 12. Tag: Street-Art

Heute, letzte morgendliche Laufrunde. Das Wetter meint es gnädig und malt pitoreske Wolkenbilder an den Himmel.

Ein Morgen. Wie gemalt.

Ein Morgen. Wie gemalt.

Und der Bonner Freund ist wieder mit von der Partie. Die offene Blutblase am kleinen Zeh, sie ist wieder verheilt. Bin vollkommen beseelt, nicht länger als einsamer Eremit joggen zu müssen.

Erzähle dem Bonner Freund von all meinen Lauferlebnissen ohne ihn, von meinen Gedanken, meinen Begegnungen. Beglücke ihn außerdem mit allen meinen humoristischen Bonmots, die ich mir beim Solo-Laufen ausgedacht habe. Nach 500 Metern hat er eine Blutblase am Ohr und macht den Eindruck, dass er den schnellen Heilungsprozess seines Fußes zutiefst bedauert.

Frage auf dem Rückweg, ob er Lust hat, eine alternative Route nach Hause zu laufen. Den Berg hoch, raus aus Audierne in Richtung Supermarkt und dann über die Dörfer zurück zum Ferienhaus. Er schaut mich an, als hätte ich angeregt, die restliche Strecke unbekleidet zu laufen. Er willigt trotzdem ein.

Nach knapp zwei Minuten im Anstieg schnaufen wir beide wie zwei altersschwache Dampflokomotiven. Verfluche mich für meinen idiotischen Vorschlag. Würde jetzt lieber den normalen Weg zurücklaufen. Von mir aus auch nackt.

Oben angekommen versuchen wir zu schätzen, wie lange wohl unser Lauf bergauf war. Vielleicht knapp zwei Kilometer? Oder anderthalb? Möglicherweise auch nur 900 Meter. Oder 600 Meter. Aufgerundet von 350. Aber wer will da schon kleinlich sein. Immerhin haben wir zum Abschluss noch einen richtig knackigen Berglauf hingelegt.

Der letzte Lauf. In Zahlen.

Der letzte Lauf. In Zahlen.

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Beim Frühstück materialisiert sich der Urlaubsende-Blues im immer karger gedeckten Tisch. Längst gibt es nicht mehr alle Lebensmittel im Angebot  (Nutella, Honig), von einigen nur noch wenig und es wird rationiert (Erdbeermarmelade, Butter) und andere wiederum stehen im Überfluss zur Verfügung und die Kinder werden animiert, viel davon zu essen (Naturjoghurt ohne Zucker, Blauschimmelkäse). Und wir Erwachsenen müssen Kaffee trinken, als gäbe es kein Morgen mehr. Nur mit der Milch müssen wir sparsam umgehen. Sie neigt sich dem Ende entgegen.

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Das Wetter zeigt sich ebenfalls in Urlaubsendstimmung. Es ist zu kühl und zu bewölkt, um an den Strand zu gehen, aber auch zu warm und nicht regnerisch genug, um im Haus zu bleiben. Beschließen, in den Supermarkt zu fahren für einen letzten Großeinkauf. Die Freude der Kinder ist so groß, dass es zu Übersprungshandlungen kommt, die unwissende Außenstehende vorschnell als motzige Gesichter und patziges Genörgel fehlinterpretieren könnten.

Kaufen dann im Supermarkt ein paar wenige essenzielle Kleinigkeiten für die letzten Mahlzeiten und für den Reiseproviant auf der Heimfahrt ein. Die gleichen ahnungslosen Außenstehenden, die schon die Verhaltensweisen der Kinder missgedeutet haben, könnten nun fälschlicherweise der Meinung sein, die Einkaufssituation sei eskaliert und wir hätten viel zu viel eingekauft. Dabei handelt es sich wirklich nur um ein paar unabdingbare kulinarische Notwendigkeiten.

Der letzte Einkauf. Vor der Apokalypse.

Der letzte Einkauf. Vor der Apokalypse.

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Auf dem Heimweg fällt der Freundin auf, dass sich Audierne zu einem Zentrum der subkulturellen Street-Art entwickelt hat und fast alle Straßenschilder verschönert wurden.

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Stelle abends entsetzt fest, heute keine ‚French Challenge‘ unternommen zu haben. Lese zum Ausgleich die Online-Seiten von ‚Le Monde‘, um mich über das Weltgeschehen der letzten zwei Wochen zu informieren. Da ich kein Wort verstehe, gehe ich davon aus, dass nichts allzu Außergewöhnliches geschehen ist.

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Bei der abendlichen Kniffelrunde sind mir die Würfel endlich wieder gnäidg und ich werfe meinen 25. Kniffel in diesem Urlaub. Dennoch schmettern die anderen meinen Vorschlag ab, dass wir von dem restlichen Geld aus der gemeinsamen Urlaubskasse eine kleine silberne Krone für mich erwerben. Der pure Neid!

Nummer 25. Der silberne Urlaubs-Kniffel.

Nummer 25. Der silberne Urlaubs-Kniffel.

Gute Nacht!

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel "Nackte Kanone" geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch "Wenn's ein Junge wird, nennen wir ihn Judith"* erschienen. (*Affiliate-Link)

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