Bretagne 2015 – 8. Tag: Von Zauseln, Spaziergängen und Wunsch-Feen

Wache morgens kurz nach 7 Uhr auf und danke Wettergott und Wetter-App auf den Knien: Es regnet und stürmt. Das heißt, der vom Bonner Freund gestern Abend angeregte 16/17-Kilometer-Lauf nach Pont Croix muss leider entfallen. Wie bedauerlich!

Esquibien bei Regen. Mal wieder.

Esquibien bei Regen. Mal wieder.

Öffne drei Stunden später erneut die Augen. Nach Adam Riese, der immer herhalten muss, wenn einfachste Rechenoperationen korrekt ausgeführt wurden, ist es jetzt 10 Uhr. Im Haus schlafen alle anderen noch. Kontrolliere kurz, ob die Kinder noch atmen. Glücklicherweise sind sie wohlauf und schlummern tatsächlich noch friedlich.

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Gehe ins Bad und mustere mich im Spiegel. Ein ungekämmter, sonnengebräunter Zausel mit struppigem Bart schaut mich an. Etwas verwahrlost, jedoch nicht vollkommen unsympathisch. Zumindest in meinen Augen.

Unter normalen Umständen wäre es angebracht, mal wieder den Kamm zu bemühen und das Gesichtshaar ein wenig zu trimmen. Aber es ist Urlaub und im Urlaub gebe ich mich gerne als leicht zerzauster, entrückter Intellektueller. Visuell gelingt mir das schon ganz gut. Und so lange ich den Mund halte.

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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im Oktober 2018 erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“*. (*Affiliate-Link)

Der Glühwei(h)nachtsmarkt

Es ist ein Tag vor Heiligabend und die Freundin und ich kommen auf die naive Idee, schnell noch die letzten Besorgungen vor dem nahenden Weihnachtsfest zu erledigen. Als sei dies nicht schon lebensfremd genug, entscheiden wir uns, dieses Vorhaben in der nahegelegenen Fußgängerzone in die Tat umzusetzen.

Dort befindet sich nämlich ein Weihnachtsmarkt. Meine Begeisterung für Weihnachtsmärkte hält sich stark in Grenzen, denn sie sind meistens grell, laut und hektisch, treiben einen in den finanziellen Ruin und bei dem ständigen Weihnachtslied-Gedudel wünscht man sich einen kräftigen Tinnitus, nur um von den immer gleichen tumben Melodien abgelenkt zu werden.

Weihnachtsmarkt. Ort der trügerischen Idylle.

Weihnachtsmarkt. Ort der trügerischen Idylle.

Die Kinder dagegen sind enthusiastische Weihnachtsmarkt-Fans. Sie können gar nicht genug bekommen von den vielen Fahrgeschäften, den unzähligen Fress-Buden und den spannenden Verkaufsständen. Kaum ist der Weihnachtsmarkt in Sichtweite, fragt die Tochter schon, ob sie und der Bruder Karussell fahren dürfen. Die Freundin und ich schütteln sofort synchron den Kopf.

Tochter: „Die Oma hat es uns gestern aber erlaubt.“
Ich: „Das ist das Privileg der Omas.“
Tochter: „Was ist ein Pravileg?“
Ich: „Ein Privileg ist das Recht, etwas zu tun, was andere nicht dürfen.“
Tochter: „Ist es dann dein Pravileg, total spießig zu sein und immer alles zu verbieten, was Spaß macht?“

Diese durchaus scharfsinnige, aber mich in keinem guten Licht erscheinen lassende Einschätzung kann ich selbstverständlich nicht auf mir sitzen lassen. Steuere daher den nächsten Bankautomaten an und hebe einen stattlichen Geldbetrag ab, wobei ich den vorweihnachtlich stark in Mitleidenschaft gezogenen Kontostand ignoriere. Die Maschine blendet mir eine Werbung für einen Sofortkredit von 3.000 Euro ein. Bezweifle aber, dass diese Summe für einen Weihnachtsmarktbesuch ausreicht.

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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im Oktober 2018 erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“*. (*Affiliate-Link)

Bretagne 2014 – 11. Tag: Wenn der Postbeamte zweimal stutzt

Die Fahrt zum Bäcker gestaltet sich heute Morgen erstaunlich problemlos. Radle zügig und flott die Berge hoch und wieder runter. Winke einem kleinen Mädchen, das bei seinem Vater im Kindersitz mitfährt, fröhlich zu. Das Kind fängt an zu weinen. Möglicherweise ist meine Fahrt doch nicht so locker und meine durch die Anstrengung zur grimassenhaften Fratze verzogene Visage hat dem Kind Angst gemacht.

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Auch beim Bäcker läuft alles bemerkenswert glatt bei meiner ‚French Challenge‘. Bestelle unfallfrei meine Baguettes und Croissants. Leicht euphorisiert verlange ich danach noch nach „Dix crêpes, s’il vous plaît.“ Die Bäckersfrau antwortet kurz und knapp: „Douze.“

Bin nun etwas verunsichert. Handelt es sich hierbei um eine Art bretonisches Bäcker-Pokern und ich muss erhöhen? Überlege, ihre Entgegnung mit einem selbstbewussten „Quatorze!“ zu erwidern. Da sehe ich, dass die Crêpes immer nur im 6er-Pack verkauft werden. Sage daher: „D’accord. Bon. Oui.“ Mehr Zustimmung geht nicht.

Bäckerei. Hier knetet der Chef persönlich.

Bäckerei. Hier knetet der Chef persönlich.

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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im Oktober 2018 erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“*. (*Affiliate-Link)