Der ruinöse Friedenslauf

Heute ist wieder Friedenslauf in Berlin. Eine tolle Veranstaltung, bei der Schülerinnen und Schüler Geld für einen guten Zweck erlaufen. Dieses Jahr kommt das Geld der Friedensarbeit für syrische Flüchtlinge zugute. Die folgende Geschichte hat sich beim letztjährigen Friedenslauf zugetragen. Oder so ähnlich.

###

Freudestrahlend empfangen mich Tochter und Sohn abends an der Tür und erklären mir, sie wollen mit ihrer Schule beim Friedenslauf teilnehmen. Nicke wohlwollend, da ich körperliche Ertüchtigung auch schon in jungen Jahren begrüße und auch gegen Frieden prinzipiell nichts einzuwenden ist (sofern man sein Geld nicht mit der Produktion von Panzern und Sturmgewehren verdient).

Meine Zustimmung löst Jubelstürme bei den Kindern aus. Sogleich erklären sie mir, ich müsse ihr Sponsor werden. Muss zugebenen, dass für Frieden bezahlen zu müssen, sich nicht mehr ganz so attraktiv anhört. Erkläre ihnen, dass ich doch bereits mit meinen Steuergeldern die Bundeswehr mitfinanziere, die angeblich am Hindukusch den Frieden verteidigt, und ob dies nicht reiche.

Die Kinder schauen mich mit fragenden Augen an als hätte ich Klingonisch gesprochen. Erkundige mich daher, für wen das Geld bestimmt sei. Sie zucken mit den Achseln und sagen, so genau wissen sie das auch nicht, es sei halt für den Frieden.

Willige schließlich ein und bekomme erläutert, dass ich einen Betrag in ihre Spendenkarten eintragen müsse und dann für jede Runde, die sie innerhalb von 90 Minuten rennen, diesen Betrag zu spenden habe. Nachdem ich erfahre, dass eine Runde 1,2 km lang ist, notiere ich jeweils generös zehn Euro in den Karten. In Abschätzung der dauerläuferischen Leistungsfähigkeit der Kinder sollte dies eine Spende von 20 Euro bedeuten, was ich für einen angemessenen finanziellen Beitrag zum Weltfrieden meinerseits erachte. Weiterlesen

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im Oktober 2018 erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“*. (*Affiliate-Link)