London 2017 – Tag 2: Von Judo-Brexits, Spielzeugverkäufern auf Speed und männlichen Pub-Besuchen

Wache um 4.50 Uhr auf, da ich Angst habe, zu verschlafen. Es wäre ja auch äußerst ungünstig, hunderte von Kilometern zu fliegen und hunderte von Euro auszugeben, um dann den Start des Judoturniers zu verpassen.

Um 6.45 Uhr wecke ich den Sohn. Meine eigene Nervosität überkompensierend frage ich ihn mehrfach, ob er vor dem großen Turnier aufgeregt sei. Er verneint mehrfach, aber meine Fragerei scheint ihn allmählich aufzuregen. (Er ist immer etwas ungehalten, wenn er hungrig ist. Mein Magen knurrt verständnisvoll.)

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Mit der Bahn fahren wir drei Stationen zu einer Sporthalle der University of East London, wo das Turnier stattfindet. Um genau zu sein, fahren wir drei Stationen in die Nähe der Sporthalle. Denn obwohl sie angeblich nur 300 Meter von der Bahnstation entfernt sein soll, kann ich sie nicht finden. Zu viele Kreisverkehre, Baustellen und Häuser aus roten Backsteinen, die alle gleich aussehen.

Google Maps ist auch keine große Hilfe, was aber weniger an veraltetem Kartenmaterial liegt, sondern mehr an meiner Unfähigkeit, Stadtpläne zu lesen. (Und es ist auch wenig hilfreich, wenn Google einen auffordert, man solle einfach den Woolwich Manor Way in Richtung University Way gehen, wenn man keinen blassen Schimmer hat, wo der University Way überhaupt liegt.)

Der Weg zur Judohalle. So nah und doch so fern.

Der Weg zur Judohalle. So nah und doch so fern.

Nach längerer Suche frage ich einen städtischen Beamten, der gerade dabei ist, Knöllchen an falsch parkende Autos zu heften, nach der Halle. Leider kennt er sie nicht und zuckt nur mit den Achseln. Retrospektiv betrachtet, ist es schwierig zu beurteilen, ob seine Unwissenheit oder meine Frage peinlicher ist, denn wir stehen direkt neben dem ‚Sports Dock of the University of East London‘. Und das prangt in mannshohen Lettern an dem Gebäude.

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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“* erschienen. (*Affiliate-Link)