Bretagne 2015 – 10. Tag: Von Jedi-Nilpferden, Rippen und Postkartenschreiben

Wache aus dem Tiefschlaf auf, weil mich jemand an der Schulter rüttelt. Es ist der Sohn. Er trägt Sportklamotten und will mit mir joggen. Anscheinend habe ich ihm das gestern versprochen. Behauptet er zumindest. Kann mich nicht daran erinnern oder habe es verdrängt. Ganz tief ins Unterbewusstsein. Komme aber nicht mehr aus der Nummer raus, denn der Sohn insistiert, dass wir zusammen laufen.

Esquibien. Ein Tag, wie zum Laufen gemacht. Oder zum Schlafen.

Esquibien. Ein Tag, wie zum Laufen gemacht. Oder zum Schlafen.

Ziehe mich also schnell an und langsam traben wir, Vater und Sohn, gemeinsam los. Eigentlich macht es mich auch ein wenig stolz, dass der Sohn meinem Hobby nacheifert und möchte, dass ich ihn in die Geheimnisse des Laufens einweihe. Gewissermaßen wie ein Jedi, der seine Weisheiten an seinen jungen Padawan weitergibt.

Gut, so wie wir nebeneinander herlaufen, ist vielleicht das Bild eines jungen überschwänglichen Zickleins und eines gemütlichen Nilpferd-Bullen etwas zutreffender. Das Jedi-Nilpferd und das Padawan-Zicklein. Könnte eine super Story werden. Auch für Hollywood.

Gemeinsam joggen wir in der frischen Morgenluft den Küstenweg entlang. Das Padawan-Zicklein flötet allen entgegenkommenden Spaziergängern ein fröhliches „Bon Jour!“ zu, das Jedi-Nilpferd bietet seinen Gruß grunzend dar.

Nach der halben Strecke und ein paar Hügel später ist das Köpfchen des Padawan-Zickleins zwar etwas gerötet, aber es ist immer noch guter Dinge. Gemeinsam holen wir beim Bäcker unsere tägliche Ration an weißmehligen Backwaren. Dann geht es auf den Rückweg zum Ferienhaus.

Das Padawan-Zicklein ist inzwischen nicht mehr ganz so energiegeladen. Auf die Frage des Jedi-Nilpferds, ob man vielleicht eine kleine Gehpause einlegen solle, schüttelt es aber trotzig den Kopf.

Kurze Zeit später gehen wir doch ein kurzes Stück. Weil man dann besser so Sachen anschauen könne, wie das Padawan-Zicklein mit ernster Miene erklärt. Das Jedi-Nilpferd hat gegen eine kleine Regenerationsphase gar nichts einzuwenden. Es ist sogar ein wenig enttäuscht, als das Padawan-Zicklein doch recht bald wieder in einen Laufschritt verfällt.

Während wir die Hügel hinauf- und hinabrennen, winken uns andere Läufer und Spaziergänger fröhlich zu. Einige klatschen sogar und feuern uns an. Bin ein wenig verstimmt. Wenn der Bonner Freund und ich uns die Berge hochquälen oder ich mit dem Rad die bretonischen Hügel mit letzter Kraftanstrengung bewältige, bricht niemand in Jubelstürme aus oder leistet seelischen Beistand. Im Gegenteil, die Mienen der Leute spiegeln eine Mischung aus Ekel und Fremdscham wider. Gemein!

Am Anstieg zum Ferienhaus sammelt das Padawan-Zicklein noch einmal alle Kräfte und springt scheinbar mühelos den Berg hoch wie ein olympischer Langstreckenläufer beim Zielsprint. Es spurtet sogar die Einfahrt hinauf und nimmt von den anderen die gebührende Anerkennung und Beifallskundgebungen entgegen. Meine Ankunft wird lediglich geschäftsmäßig registriert. Möge die Macht dennoch mit dem Padawan-Zicklein sein.

Laufen. Wenn der Vater mit dem Sohne.

Laufen. Wenn der Vater mit dem Sohne.

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Stelle nach dem Frühstück fest, dass die Rippe durch den spektakulär gescheiterten Versuch, die Zeit zurückzudrehen und am Strand artistische Frisbee-Kunststücke vorzuführen, noch etwas in Mitleidenschaft gezogen ist. Ertrage den Schmerz aber mannhaft wie Bruce Willis. Also, so mannhaft wie ein Bruce Willis mit einem Büro-Job, der sich häufiger vornimmt, Sport zu treiben, als er es tatsächlich umzusetzt, der sich nicht für Autos interessiert, nicht gerne am Grill steht und das letzte Mal vor 30 Jahren in der freien Wildnis gezeltet hat. Und der gerne eine Ibuprofen 600 hätte.

So stark schränkt mich die lädierte Rippe aber auch gar nicht ein. Nur beim Niesen, Husten und Lachen ein wenig. Oder beim Schneuzen. Bücken geht nur so mittel. Socken anziehen und Schuhe binden ist dadurch vielleicht nicht ganz einfach. Sich schnell umdrehen, sich strecken und schnell gehen, tut jedoch kaum weh. Beim Toilettengang schränkt mich die Rippe so gut wie gar nicht ein (Ich denke, das ist eine Information, die Sie brennend interessiert.). Und schwere Dinge hochheben klappt nahezu problemlos. Sofern ich in die Hocke komme. Alles in allem, kein großes Ding! Außerdem bewege ich mich in würdevoller Langsamkeit und strahle dabei viel Eleganz aus. Stelle ich mir zumindest in meiner Phantasie vor, die sehr blühend ist, obwohl ich gar keine Ibuprofen 600 hatte.

Beißholz. Gegen Rippenschmerzen.

Beißholz. Gegen Rippenschmerzen.

Möchte mich aber auch gar nicht zu sehr wegen der Rippe beklagen. Sonst spricht die Freundin wieder von Notschlachtung und tauscht mich womöglich gegen ein jüngeres, moderneres und vor allem unversehrtes Exemplar aus. Den Kindern erzählt sie dann, dass der Papa auf einem tollen Bauernhof, wo er viel Auslauf und frische Luft hat, einen ganz langen Urlaub macht, wo er mit anderen Papas spielen kann und sich dolle wohl fühlt. Ich weiß doch, wie so etwas läuft. Ob ich eventuell doch ein paar schmerzlindernde Opiate geschluckt habe?

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Wettermäßig finden in der Bretagne weiterhin die schottischen Wochen statt. Nach dem morgendlichen Lauf hat es angefangen, zu regnen und es sieht nicht so aus, als würde es bald wieder aufhören. Wenigstens gibt mir das unstete Wetter die Gelegenheit, endlich die fälligen Urlaubskarten zu schreiben. Eine Aufgabe, die in der Familie mir obliegt, da die Freundin sie hasst. Daher verfasse ich auch die Karten an ihre Mutter, an ihre Brüder sowie an einige Mitglieder ihrer krummbuckligen Verwandtschaft, die ich größtenteils gar nicht kenne (was ich in einigen Fällen auch nicht bedauere).

[Sollten Verwandte der Freundin eine Urlaubskarte von uns erhalten und dies hier lesen, sei ihnen versichert, dass sie selbstverständlich mit dem letzten Satz nicht gemeint sind.]

Nach getaner Arbeit begutachtet die Freundin dann die Karten, merkt den einen oder anderen Schreibfehler an, macht einige kritische Anmerkung zur fehlenden Originalität der Texte und setzt schließlich ihre Unterschrift unter die Karten. Wie so eine Vorstandsvorsitzende, die von ihrem Sekretär die Unterschriftenmappe vorgelegt bekommt. Wir nennen es gelebte Emanzipation. Also, zumindest die Freundin nennt es so.

Postkarten. Für jeden etwas dabei.

Postkarten. Für jeden etwas dabei.

 

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Da man mit Postkartenschreiben keinen ganzen verregneten Nachmittag verbringen kann, nutze ich die restliche Zeit, um die Fotos unserer gestrigen Wanderung am ‚Pointe du Millier‘ zu sichten. Finden Sie hier eine Auswahl von Bildern, die demnächst auf meinem neuen Blog „Die Bretagne in 1.000 schlecht aufgenommenen und noch miserabler nachbearbeiteten Fotos mit häufig fast identischen Motiven“ erscheinen. Damit die URL leichter zu merken ist, besteht sie nur aus den Anfangsbuchstaben: www.dbi1000saunmnfmhfim.de. Wird bestimmt ein echter Bringer.Pointe-du-Millier

Pointe-du-Millier

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Plage Pors-Péron Plage Pors-Péron Plage Pors-Péron Plage Pors-Péron Plage Pors-Péron Plage Pors-Péron

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Das heutige Kniffeln zeigt, dass man nicht unbedingt jeden Tag sechs Kniffel werfen muss, aber dennoch die abendliche Spielrunde für sich verbuchen kann. Das finden die Mitspieler auch vollkommen okay. Wenn man sich mit dem Trash Talk etwas zurück hält. Aber so etwas weiß man ja immer erst hinterher.

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Alle Artikel der „Bretagne 2015″-Serie finden Sie hier.

5 Kommentare zu “Bretagne 2015 – 10. Tag: Von Jedi-Nilpferden, Rippen und Postkartenschreiben

  1. Zensiert die Freundin auch manche Blogabsätze? Und sagt sie solchen Sätze wie: “Das darfst du so aber nicht schreiben!” oder “So war das doch gar nicht!”

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