Eine kleine Wochenschau | KW13-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


22. März 2021, Berlin

Die Ministerpräsident:innen und Frau Merkel wollen heute diskutieren, ob über Ostern kontaktarmer Urlaub im eigenen Bundesland möglich sein soll. Kann ich dann ins Naherholungsgebiet Spandau fahren oder einen Wanderurlaub durch Neukölln unternehmen? Oder einen Städtetrip nach Marzahn mit Museums- und Galeriebesuchen? Und soll ich die Familie Zuhause lassen, damit der Urlaub auch wirklich kontaktarm ist? So viele Fragen!

23. März 2021, Berlin

Kurz nach dem Aufstehen lese ich die Corona-Beschlüsse von gestern Abend beziehungsweise heute Nacht durch. Über Ostern soll es eine fünftägige Ruhephase geben. An Karsamstag dürfen aber die Supermärkte öffnen. Außerdem werden die Kirchen ganz lieb gebeten, über Ostern doch bitte, bitte keine Präsenzgottesdienste abzuhalten. Und Unternehmen mögen Mitarbeiter:innen, die nicht im Home Office arbeiten, regelmäßig Schnelltest zur Verfügung stellen. Also, wenn sie wollen und es keine Umstände macht.

Trotz Inzidenzwerten von über 100 und der vereinbarten Corona-Notbremse – die Älteren erinnern sich – bleibt ansonsten alles beim Alten. So richtig viel Bock hatten die Ministerpräsident:innen anscheinend nicht.

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Beim Einkaufen sehe ich, dass Penny Jägermeister im Angebot hat. Einen Tag nach den Corona-Beratungen scheint mir das ein ziemlich smarter Marketing-Move zu sein.

24. März 2021, Berlin

Frau Merkel entschuldigt sich für die Beschlüsse zur Osterruhe und nimmt sie zurück. Ersatzlos. Wir haben also exponentiell ansteigende Ansteckungszahlen, die Intensivstation werden immer voller und es gibt mutierte Viren, die ansteckender und tödlicher sind, aber es gibt quasi keine neuen Maßnahmen, um der dritten Welle zu begegnen. Und das Saarland scheint sich in einer Art Paralleluniversum zu befinden und verkündet, nach Ostern den Lockdown zu beenden.

Irgendwie kommt mir der Kampf gegen das Corona-Virus vor, als würde sich Bayern München mit den drei besten Fußballern der Welt verstärken und dann in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen die Sportfreunde Eisbachtal spielen, wobei die Sportfreunde sagen: „Wisst ihr was, Jungs? Ihr bekommt fünf Tore Vorsprung. Und wir spielen ohne Torwart. Viel Glück!“

Motivationspostkarte von Freunden (erhältlich bei Wolfgang Philippi.

25. März 2021, Berlin

Auf der Straße geht vor mir ein Mann mit seinem Hund. Der Hund hebt an jedem parkenden Auto sein Bein und pinkelt dagegen. Ich weiß nicht, ob er sein Revier markiert oder ob er für eine nachhaltige Mobilitätswende demonstriert, die Fußgängern, Radfahrern und dem ÖPNV Vorrang gegenüber PKWs einräumt.

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Etwas später kommt mir eine Frau mit einem knapp vierjährigen Mädchen entgegen.

„Hast du deinen Bruder gar nicht vermisst?“, fragt die Mutter.
„Nein.“
„Gar kein bisschen?“
„Nur ganz, ganz wenig.“

Okay, die Liebe des Mädchens zu ihrem Bruder ist wohl noch ausbaufähig, aber dafür hält sie die Tugenden wie Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe hoch. Das ist doch auch etwas.

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Im Suez-Kanal steckt das Containerschiff „Ever Given“ fest und blockiert den kompletten anderen Schiffsverkehr. Kurz zuvor ist der Kapitän ein Wendemanöver gefahren, das auf dem Navigationssystem wie ein Penis aussieht. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Fake-Bild ist, aber ich möchte einfach, dass es wahr ist.

26. März 2021, Berlin

Als ich morgens mein Handy anmache, funktionieren fast alle Apps nicht richtig und stürzen ständig ab. Auch mehrmaliges Hoch- und Runterfahren des Handys ändert nichts daran. Es ist kurz nach sechs und ich bin maximal genervt. Dabei sind abstürzende Apps wirklich ein lächerliches First-World-Problem. So etwas sollte mich eigentlich nicht so aus der Fassung bringen und mir die Laune vermiesen. Nun bin ich genervt, dass ich davon genervt bin.

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Im Supermarkt stelle ich fest, dass die Einkaufslisten-App ebenfalls nicht läuft. Ich muss improvisieren und mich irgendwie daran erinnern, was alles auf der Liste stand. Das ist auch nicht gut für meine Laune.

Kurz vor der Kasse packe ich Osterhasen und Ostereier in den Wagen. Die standen zwar definitiv nicht auf der Liste, aber Süßigkeiten wirken sich ja bekanntermaßen positiv auf die Glückshormonproduktion aus und schon der Gedanke an Schokolade hebt meine Stimmung merklich.

Das erinnert mich daran, wie meine Frau und ich uns vor ein paar Jahren zu Ostern nicht abgesprochen hatten und beide für unsere Kinder, die Kinder im Haus und für Freunde und Verwandte Unmengen von Schokohasen und Schokoeiern gekauft haben. Das war ein sehr schönes Osterfest. (Mangelhafte Kommunikation in der Ehe muss nicht immer etwas Schlechtes sein.)

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Der Sohn erkundigt sich nachmittags leicht nervös, ob wir rein zufällig eine Mail seines Latein- und Griechischlehrers erhalten hätten. Der Vater eines Klassenkameraden wurde anscheinend angeschrieben, weil seine Mitarbeit und Zuverlässigkeit bei der Abgabe von Hausaufgaben zu wünschen übrig lässt. (Also, die des Schulfreundes, nicht des Vaters)

Auf unsere Nachfrage, ob wir den mit einer Mail rechnen sollten, meint der Sohn, das wäre doch eher unwahrscheinlich. Er würde seine Hausaufgaben eigentlich immer pünktlich hochladen. Und im Unterricht würde er auch mitmachen. Zumindest, wenn er etwas weiß. Wir verzichten darauf, nachzufragen, was „eigentlich“ bedeutet, und wie häufig ihm sein Nichtwissen die Mitarbeit unmöglich macht, sondern warten einfach ab, ob wir demnächst eine schulische Mail erhalten.

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Abends kommt tatsächlich eine Mail von der Schule. Aber nicht vom Lateinlehrer, sondern eine Einladung zum „Elternseminar Cannabis am 14.04.“ Leider nur eine Digital-Veranstaltung ohne Vor-Ort-Verkostung.

27. März 2021, Berlin

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlicht einen Rückruf für naturreines, kalt gepresstes Hanföl von Westermair. Es enthalte psychoaktiv wirkende Substanzen. In der gegenwärtigen Situation klingt das für mich weniger nach Rückrufgrund, sondern nach einem ziemlich überzeugendem Verkaufsargument.

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Eigentlich hatten wir uns für heute vorgenommen, im Wohnzimmer sauber zu machen. So richtig gründlich. Mit Bücherregal ausräumen, Türen abwischen, hinter dem Sofa saugen, Bilder abstauben und Boden putzen. Das volle Programm also. Schließlich wollen wir nächste Woche die Ostereier nicht hinter Staubmäusen verstecken.

Sogar die Fenster wollten wir putzen. Es regnet aber den ganzen Tag, da macht das natürlich keinen Sinn. Außerdem stellt sich heraus, dass wir kein Holzputzmittel für unseren Dielenboden mehr haben. Das ist auch irgendwie doof. Meine Frau meint, da wäre das restliche Aufräumen, Staubwischen und Putzen auch sinnlos. Um ehrlich zu sein, sehe ich keinen direkten Kausalzusammenhang, warum uns Regen und fehlendes Holzputzmittel daran hindern sollten, die Bücherregale und die Bilder abzustauben und richtig gründlich zu saugen, aber ich finde, sie hat trotzdem Recht.

Wir können das alles ja noch Karsamstag erledigen. Sofern es nicht regnet. Und ich vorher daran denke, Holzputzmittel zu kaufen.

28. März 2021, Berlin

Heute Nacht wurden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Eine Stunde weniger Corona-Pandemie also. Ist ja auch ganz schön.

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Auf Radio Eins wird in der Rubrik „Stimmt’s oder hat er recht?“ der Frage nachgegangen, ob Frauen eher zum Orgasmus kommen, wenn sie Socken tragen. Tatsächlich erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines weiblichen Orgasmus durch das Tragen von Socken um 30 Prozent. Frauen, die dieses Jahr in ihrem Osternest Socken finden, müssen sich also nicht ärgern. Das ist kein einfallsloses Präsent des Partners – oder der Partnerin -, sondern nur zu ihrem besten.

Ob sich der männliche Orgasmus um 100 Prozent reduziert, wenn die Sexualpartnerin selbstgestrickte Socken mit Hasenohren trägt, wurde übrigens nicht erforscht.

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Nachdem es bei der Bundesregierung und den Ministerpräsident:innen mit den Corona- Maßnahmen nicht so recht klappt, gibt es im Internet einen Corona- Maßnahmen-Generator.

Einige der Vorschläge klingen absurd genug, dass sie bei der nächsten Ministerpräsident:innen-Konferenz tatsächlich diskutiert werden könnten.

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52 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW13-2021

  1. Gerade von jemanden gehört, dass es sehr motivierend ist, wenn man unter Blogartikeln kommentiert.
    Dies sei hiermit getan.

    ….meine Frau sieht mich gerade mit hochgezogenen Brauen an.

    Ähm, Ja natürlich finde ich die Wochentagebücher* toll. Ich finde alles toll, was du hier so schreibst, darum habe ich ja auch das Newsletter bestellt.
    Also bitte lasse uns weiter an deinen Erlebnissen teilhaben, wir haben wieder sehr gelacht.

    Lieben Gruß
    Andi
    * Ist die Wochennummer immer so gemeint, dass man eine Woche Zeit hat, dein Wochentagebuch zu lesen?

    • Vielen Dank für den Motivationskommentar.

      Bei der Wochennummer habe ich mich anscheinend verzählt. Ich habe die erste Teil-Januarwoche als erste Woche gezählt, aber das ist wohl die 53. Woche von 2020 gewesen. Nun ja, wenigstens etwas gelernt für nächstes Jahr.

  2. Das „Scheiss Corona“ Plakat ist von dem in Wuppertal lebenden Künstler Wolfgang Philippi. Der freut sich bestimmt, wenn er auch als Urheber deutlich gekennzeichnet wird. Oder hab ich das irgendwo übersehen?

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  • aufnimmernaekkemiin

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