Eine kleine Wochenschau | KW18-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


26. April 2021, Berlin

Ich beginne die Woche mit einem Besuch beim Urologen. Krebsvorsorge. Nachdem ich Zuhause losgehe, muss ich nochmal zurück, weil ich mein Handy mit der Adresse der Praxis auf dem Schreibtisch liegengelassen habe. Dann muss ich nach 200 Metern erneut umkehren, denn ich habe vergessen, eine Maske aufzusetzen. Anscheinend bin ich doch nervöser, als ich mir eingestehen will.

Als mich später der Arzt bei der Untersuchung auffordert, meine Hose runterzuziehen, tue ich dies pflichtschuldig sofort und denke nicht darüber nach, dass ich noch mitten im Raum stehe. Er bittet mich dann, ich möge doch rüber zu ihm in den Behandlungsbereich kommen, so dass ich würdelos wie eine besoffene Ente durchs Zimmer watscheln muss.

Während der Urologe meine Hoden abtastet, fragt er plötzlich etwas unvermittelt, was ich beruflich mache. Kann er an der Form und Beschaffenheit meiner Hoden erfühlen, dass ich einer überwiegend sitzenden Tätigkeit nachgehe, und will jetzt seine Vermutung bestätigt haben? Hoffentlich fragt er mich bei der Untersuchung meiner Prostata nicht nach meinem Lieblingsessen.

Nach nicht einmal zwei Minuten ist der Arzt fertig und erklärt, es sei alles in Ordnung und ich müsse erst in einem Jahr wiederkommen. Nun gut, es gibt sicherlich Schöneres, als dir von jemandem an den Hoden rumfummeln und einen Finger in den Po stecken zu lassen. Aber noch unschöner ist es, an Krebs zu sterben, weil du dir nicht einmal im Jahr von jemandem an den Hoden rumfummeln und einen Finger in den Po stecken lässt.

Also, werte Leser:innen: Wenn Sie älter als 45 sind, gehen Sie regelmäßig zur urologischen Krebsvorsorgeuntersuchung!

27. April 2021, Berlin

Ich bringe Wäsche ins Zimmer des Sohns. Er hockt am Schreibtisch und spielt gerade FIFA. Es steht 2:11. Gegen einen Spieler namens MZK 149. Ich bin entsetzt. Wir lassen den Sohn ja wohl nicht quasi unbegrenzt zocken, damit er sich von irgendeinem Lümmel aus dem Internet, der sich auch noch so einen phantasielosen Namen wie MZK 149 gegeben hat, den Arsch versohlen lässt.

Der Sohn versichert mir aber glaubhaft, er spiele gar nicht richtig, sondern schaue nebenher YouTube-Videos und chatte mit seinen Freunden. Na gut, dann ist ja alles in Ordnung. Außerdem ist es auch schön, dass er seine Zeit produktiv und mit sozialer Interaktion verbringt.

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Bei Spiegel Online gibt es einen Bericht über einen Eremiten, der 32 Jahre allein auf der sardischen Insel Budelli gelebt hat. Weil sein Haus umgebaut wird, muss er die Insel nun verlassen.

32 Jahre allein! Da wirken 14 Monate Corona-on-and-off-Lockdown gar nicht mehr so lange. Und für Eltern, die seit einem Jahr gleichzeitig Home Office und Home Schooling ertragen müssen und pausenlos und ohne Unterbrechung von ihren Kindern umgeben sind, klingt 32 Jahre Einsamkeit geradezu himmlisch.

28. April 2021, Berlin

Heute ist Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Wie groß ist wohl die Gefahr, dass ich im Home Office auf dem Weg von meinem Schreibtisch zum Kühlschrank einen Unfall habe?

Vielleicht sollten wir ein paar Sicherheitsvorkehrungen treffen. Zum Beispiel einen Handlauf im Flur. Oder rutschfeste PVC-Bodenbeläge mit diesen Noppen, wie es sie auf Flughäfen immer gibt. Und an die Wände hängen wir Schilder, dass das Rennen in der Wohnung verboten ist.

Oder noch besser: Ich lasse mir meine Snacks und meinen Kaffee einfach von meiner Frau und den Kindern bringen. Dann kann mir nichts passieren und sie kommen außerdem täglich auf ihre 10. 000 Schritte.

29. April 2021, Berlin

Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung von 2019 sei teilweise verfassungswidrig. Die Regelungen zur Emissionsminderung bis 2030 gingen nicht weit genug und verletzten die Freiheitsrechte künftiger Generationen.

Wirtschaftsminister Altmaier twittert geradezu euphorisch, dieses Urteil sei epochal für den Klimaschutz und die Rechte junger Menschen. Umweltministerin Schulze freut sich, die Entscheidung stärke den Klimaschutz deutlich.

Ich bin verwirrt. Sind Frau Schulze und Herr Altmaier etwa nicht mehr Mitglieder der Bundesregierung, die vom Bundesverfassungsgericht mit dem Urteil abgewatscht wurde? Wie viel kognitive Dissonanz muss ein Mensch aushalten können, um so etwas zu twittern?

30. April 2021, Berlin

Der 30. April ist Ehrentag der Frisur. (Zumindest laut dem obskuren Kalender, den ich regelmäßig konsultiere, um zu erfahren, welcher Jahrestag ist.) Muss die Frisur dieses Jahr besonders geehrt werden, weil wir nur zum Friseur dürfen, wenn wir einen Test absolviert haben, bei dem uns ein Stab so tief in die Nase gerammt wird, bis er unser Kleinhirn kitzelt?

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In Moabit gibt es eine neue Parkraumbewirtschaftung. Deswegen werden in unserer Straße Parkautomaten aufgestellt. 30 Minuten kosten 50 Cent, jede weitere angefangenen anderthalb Minuten 5 Cent.

Dass dies alles hier Erwähnung findet, deutet darauf hin, dass die Corona-Lockdown;-Shutdown- oder -was-auch-immer-down-Zeit eher ereignisarm ist.

01. Mai 2021, Berlin

Heute ist Tag der Arbeit. An einem Samstag. Da freuen sich die Arbeitgeber:innen und die Gewerkschaften ärgern sich. Als Kind habe ich mich immer gefragt, warum an einem Tag, der Tag der Arbeit heißt, nicht gearbeitet wird. Ich fand, dass wäre wie am Geburts­tag nicht Geburtstag feiern. (Als Erwachsene in der Midlife Crisis macht das Nichtfeiern von Geburtstagen durchaus Sinn, als Kind, das hofft, zum Geburtstag das Playmobil-Piratenschiff geschenkt zu bekommen, natürlich überhaupt nicht.)

Meine Frau hat in dieser Woche an der Arbeit eine Rundmail des Betriebsrats erhalten, in der dieser den Mitarbeitenden einen schönen und hoffentlich bildschirmfreien 01. Mai wünscht. Die Nachricht endete dann mit einem Link zum Livestream der DGB-Kundgebung in Berlin. Genau mein Humor.

02. Mai 2021, Berlin

Weitere super spannende Neuigkeiten aus Mobait: Im nahegelegenen Otto-Park gibt es eine Aktion, um die Parkbesucher:innen dazu anzuhalten, den Park sauber zu halten. Und zwar durch motivierende Sprüche auf den Mülleimern. Zum Beispiel mit: „Für den Park ein guter Tipp: Nimm‘ den Müll doch einfach mit.“

Ich habe große Zweifel, dass mit so einem leicht passiv-aggressiven, schlichten Reim-Sprüchlein Menschen erreicht werden, die ihren Abfall achtlos in die Gegend werfen. (Die diversen leeren Take-away-Boxen, die direkt neben dem Mülleimer liegen, könnten meine Vermutung bestätigen.)

Effektiver wäre es doch, wenn ein Klaus-Kinski-Double den Park patrouillieren würde. Sobald er Menschen sieht, die ihren Müll auf den Boden werfen, brüllt er ihnen direkt ins Gesicht: „Was ist das denn für eine Scheiße! Schmeiß‘ deinen Scheiß-Abfall gefälligst in die Scheiß-Mülltonne. Oder soll ich dir mit deinem Dreck in deine Scheiß-Fresse hauen!“

Das fände ich toll. Vielleicht zermürbt mich aber der ganze Corona-Mist auch allmählich und ich habe ein leicht gesteigertes Aggressionspotenzial.


Buch-Tipp der Woche

Ich bekomme immer mal wieder Bücher von Verlagen oder Autor:innen zugeschickt. Da mir die Zeit für aufwändige Rezensionen fehlt, sollen sie wenigstens hier Erwähnung finden.

Alu Kitzerow, auch bekannt als Mrs. Blogfamilia und als weibliche Hälfte von Große Köpfe, hat die Corona-Zeit produktiv genutzt und Alltagserlebnisse mit ihrer Familie niedergeschrieben und unter dem schönen Titel „Dein Po ist so weich wie ein Kissen“ veröffentlicht. Quasi eine kleine Corona-Eltern-Schau in Buchform.

Alu Kitzerow: Dein Po ist so weich wie ein Kissen. Life is a Story – story.one. 2021. (Affiliate Link)

Unter allen Leser:innen, die bis Donnerstag, den 06.05., einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen, verlose ich mein Leseexemplar. Der Rechtsweg ist ebenso wie der Linksweg ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, blablabla …


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79 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW18-2021

  1. Großartig, ich lese schon unglaublich gerne die großen Köpfe, das Buch würde hier als Klolektüre gute Verwendung finden!

  2. Oh wie schön, es gibt etwas Schönes zu gewinnen! Das macht gute Laune!
    Die wird hier grad dringend benötigt, denn wir verbringen die Tage in Quarantäne in einer Mietwohnung mit zwei zauberhaften Kindergarten-Jungs! Grund: Eine andere Kindergarten-Familie war im Urlaub in Spanien und war so aufgeregt, wieder in den Kindergarten zu kommen, dass sie das Ergebnis ihres PCR-Tests vor lauter Spannung nicht mehr abwarten konnten.
    War dann positiv.

    So, deshalb freue ich mich über Bücher und auch sonst alles, das Anlass zum Lachen bietet. :)

  3. Ein Buch von Alu. 😀. Darüber würde ich mich sehr freuen. Etwas zum Lachen, wir haben hier die Kombi Distanz Unterricht mit einer Erstklässlerin und einem 3 jährigen.

  4. Täglich lachen sollte zur Pflicht werden. Was mir dabei gerade hilft, ist bei mir herzlich Willkommen und darf bleiben.

  5. Wenn das Buch genauso herrlich geschrieben ist, wie die kleine Wochenschau, dann würde ich mich sehr über das Lese-Exemplar freuen. Danach muss ich nur noch Zeit finden, in der ich nicht auf der Couch eingeschlafen bin (aufgrund eines anstrengenden Arbeits-und Kinderbetreuungstages) und das Buch lesen😊

  6. Der Buchtitel erinnert mich an meine Kinder: „Mama, du hast so schön viel Kuschelspeck!“ „dein Bauch ist so schön weich“… 😂
    Das Buch könnte ich gut gebrauchen 🙂

  7. Ich möchte sehr gerne ein weiteres Buch in diesem Jahr lesen, aufjedenfall. Das einzig positive in dieser Zeit, ist die Zeit zum Lesen….also gerne her damit! 😉

  8. Oh, das wäre ja mal eine Abwechslung im tristen Homeoffice/HomeSchooling … ein lustiges Buch um Abends vielleicht doch noch ein paar Minuten Ruhe zu haben!

  9. Zum Thema „6 Minuten Lesen reduziert Stress“ hätte ich gerne das Buch, das mich in die Zeit zurückversetzt. 😉

  10. Gerne würde ich das gebrauchte Leseexemplar gewinnen ;-) lesen senkt das Stresslevel, und dann Homeschooling und homeoffice hab ich Bedarf ♡

  11. Ich freue mich jeden Sonntag auf die E-Mail mit der Wochenschau. Natürlich auch auf das Lesen der Wochenschau.
    Auf neuen Lesestoff freue ich mich auch.

  12. Wenn ich das Buch gewinnen sollte, werde ich mir – wohl oder übel (übel für meine „Mitbewohner“ ) – ZWISCHEN Homeoffice, Home Schooling, Home Kinderbetreuung, Home aufräuming und Home Köchin die Zeit nehmen müssen, es zu lesen, vorwärts, rückwärts und wenn’s sein muss auch auf dem Kopf :)

  13. „Dein Bauch fühlt sich immer so an wie ein Weihnachtsgeschenk, wo man weiß, dass da ein Pullover drin ist!“. Alu Kitzerows Buch muss dringend seinen Weg in eine Familie finden, in der Sätze fallen wie der obige. Vom damals 5-jährigen Kind, das neben dem sitzenden Papa steht und seinen Kopf auf dessen umfänglichen Bauch abgelegt hatte.

  14. Wie jede Woche freu ich mich auf den Wochenblick und diesmal gibt’s auch noch so was Feines zu gewinnen! Da schmeiß ich mich doch in den Lostopf dazu 😊

  15. „Mami, ich kuschel sooo gern an deinem Popo…“ das höre ich hier auch öfter. Und mit ein bisschen Humor lässt sich der Wahnsinn doch viel besser ertragen.

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