Föhrien 2013 – 5. Tag: Als Flitzer am FKK-Strand

Verlasse frühmorgens für die nächste Laufeinheit die Ferienwohnung und trabe ohne großes Ziel und auch ohne Sinn und Verstand über das kleine Eiland. Gewinne dabei viele neue Erkenntnisse #trialanderror, auf die ich eigentlich gerne auch verzichtet hätte:

  • ‚Einfach mal so’ einen Schotterweg einschlagen, führt selten zu etwas Gutem und man findet sich zuerst auf engen schilfgespickten Dünenwegen und dann am Strand ohne befestigtem Weg wieder #spectacularmistake.
  • Während Rocky Balboa elegant, dynamisch und spurtstark mehr über den Sandkörnern zu schweben als zu rennen scheint, ist der eigene Laufstil am Strand von eher fragwürdiger Ästhetik und ruft Erinnerungen an eine altersschwache Schindmähre hervor, die ungraziös stolpernd auf dem Weg zur Notschlachtung durch den Sand stapft #runfatboyrun.
  • Später am FKK-Strand vorbeizurennen, ist eine zweifelhafte Belohnung, da die dortigen Sonnenanbeter eher nicht in die Kategorie Victoria-Secret-Model oder Abercrombie&Fitch-Verkäufer fallen. Werde außerdem von dem Gedanken gepeinigt, als bekleideter Mensch am FKK-Strand als Flitzer zu gelten und von ein paar unförmigen Freikörperkulur-Fanatikern gezüchtigt zu werden #einenzahnzugelegt.

Erreiche erschöpft den Strandkorb und werde von einem energiestrotzenden Sohn mit der Frage empfangen, ob ich mit ihm kicken will. Auf meinen Einwand, ich müsse mich erst noch ausruhen, schlägt er vor, wir könnten auch ‚Pock-Pock‘ spielen, dies sei weniger anstrengend. Lasse ihn dann auf die fußballspielenden Strandkorbnachbarn #nichtdieorkas los, ohne den dazugehörigen Vater zu warnen, dass Emil unkaputtbar ist #60minutenspäter #17-12füremil.

Werde danach unfreiwillig und ungewollt Zeuge einer Unterhaltung im Nachbarstrandkorb #immernochnichtdieorkas, bei der sich eine Frau bei ihrer Schwägerin über die von ihrer Therapeutin diagnostizierte emotionale Kälte ihres Ehemann Erics, die Ungerechtigkeit ihrer Schwiegermutter und den Unwillen Erics das elterliche Ferienhaus auf Föhr zu übernehmen #bloodymoron auslässt. Ohne besagten Eric zu kennen, kann er sich meines Mitgefühls sicher sein #poorbastard.

Überlege nach einem weiteren Großeinkauf, bei dem das Schrumpfen der Urlaubskasse geradezu physisch greifbar ist, zur Finanzierung der zweiten Urlaubswoche an der Strandpromenade Kunststücke vorzuföhren #check. Nehme aber in Ermangelung eines artistischen Repertoires #jonglierenmiteinemball? wieder Abstand von der Idee. Ab morgen Pfandsammeln!

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel "Nackte Kanone" geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch "Wenn's ein Junge wird, nennen wir ihn Judith"* erschienen. (*Affiliate-Link)

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