Corona-Föhrien 2020 – Heimreise: Von verstörenden Träumen, letzten Bäcker-Besuchen, einer fast verspäteten Fähre und einer schnittigen Heimfahrt

Der (fast) alljährliche Urlaubsblog. Diesmal nicht live, aber dafür in Farbe und HD. Zur besseren zeitlichen Orientierung sei erwähnt, dass der Urlaub Ende Juni / Anfang Juli stattfand. Die kompletten Beiträge finden Sie hier.


Alles nur geträumt

„Es ist ein Mädchen“, sagt der Gynäkologe und reicht mir ein weinendes und von der Geburt noch leicht derangiertes Baby. „Wie soll es denn heißen?“ Nach kurzem Überlegen antworte ich: „Waltraud.“

Dann wache ich auf. Verwirrt und mit einer gehörigen Portion Vaterstolz, was mich noch mehr verwirrt. Warum träume ich so etwas? Und vor allem, warum haben wir uns nicht mehr Mühe bei der Namenswahl gegeben? Okay, es ist nur ein Traum-Baby, aber auch das soll ja später nicht von seinen Traum-Klassenkamerad:innen gemobbt werden, weil es heißt als würde es schon als Kleinkind Kittelschürze und Lockenwickler trägt.

Was will mir mein Unterbewusstsein mit diesem Traum sagen? Hat es etwas mit unserer letzten Nacht in der Ferienwohnung zu tun? Wenn etwas endet – eine Schwangerschaft oder ein Urlaub –, fängt immer auch etwas Neues an – eine Elternschaft oder der Alltag und die Erwerbsarbeit? Auf jeden Fall sagt mir meine Interpretation, dass mir wohl keine große Zukunft als professioneller Traumdeuter bevorsteht.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 13: Von Schaf-Abschieden, Abstandhalter-Löwen im Supermarkt, Sonnencreme-Schwierigkeiten, Pok-Pok-Rekorden und Partner-Selfie-Herausforderungen

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Joggen: Sag‘ zum Abschied leise Mäh

„Ihr müsst schon etwas Platz machen.“ Ich will den Schaf-Deich für meine letzte Laufrunde betreten, aber zwei Schafböcke stehen so vor dem Eingangstor, dass ich nicht durchkomme. Streng schaue ich sie an und lege möglichst viel meiner natürlichen Autorität in meinen Blick. Anscheinend habe ich davon aber nicht allzu viel, denn die Böcke schauen unbeeindruckt zurück. Der etwas größere von den beiden blökt kurz. Hört sich an wie „Du kommst hier net rein.“

Sie erinnern sich vielleicht, dass die Schafe mich schon vor zwei Tagen beim Laufen drangsaliert haben und mir andauernd in den Weg gelaufen sind. Wahrscheinlich ist es eine Übersprungshandlung, weil es heute mein letzter Lauf ist und wir uns dann verabschieden müssen. Indem sie mich nicht reinlassen, fällt der letzte Lauf aus und – ergo – gibt es keinen Abschied. Genau in dem Moment, als ich das denke, machen die beiden Böcke plötzlich bereitwillig Platz. Sieht fasst so aus, als versuchten sie, das Tor mit ihrem Maul aufzuziehen, damit ich schneller auf den Deich kommen kann. Wie niedlich!

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 12: Von peinlicher Masken-Verweigerung, Wattwander:innen-Typologien, gechillten Robben, Muscheln, die nicht gut drauf sind, und dem Sexleben der Wattwürmer

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Corona-Leugnen für Anfänger

„Guten Morgen“, begrüße ich die Bäckereifachverkäuferin. „Ich hätte gerne drei Campingwecken, ein Dünen-Krusti und einen Kornkracher.“ Ich bezahle – in Corona-Zeiten selbstverständlich immer schön kontaktlos mit Karte –, nehme meine Brötchentüte und freue mich auf ein leckeres Frühstück. Als ich den Laden verlasse und die EC-Karte wegstecke, schaue ich auf meine Hand und erblicke: Meine Maske!

Ja, ich bin tatsächlich maskenlos in die Bäckerei gestiefelt, habe alle freundlich begrüßt, als wäre alles in Ordnung, und habe vollkommen ungeniert meine Aerosole durch den Laden gepustet. Gleichzeitig habe ich die ganze Zeit meine Maske in der Hand gehalten. Deutlicher kannst du deinen Mitmenschen nicht sagen: „Ihr könnt mich alle mal, ich scheiß‘ auf eure Gesundheit. Ich trage keine Maske, weil die zwickt ein bisschen hinterm Ohr und ich lass‘ mir von der Merkelin doch keinen Maulkorb verpassen!“ Bei der Wahl zum Insel-Arsch des Tages sollte mir der erste Platz heute sicher sein.

Auf dem Weg zurück in die Ferienwohnung frage ich mich, wie das passieren konnte. Bin ich im Unterbewusstsein Corona-Leugner und Hygiene-Hetzer? Was kommt als nächstes? Stelle ich mich morgen auf die Strandpromenade und rufe den Vorbeilaufenden zu: „Die wollen uns alle chippen! Gebt euch in acht vor Bill Gates und den Reptiloiden! Wacht endlich auf, ihr Schlaf-Schafe!“ Und organisiere ich dann Hygiene-Demos vor dem Musikpavillon, werde Vorsitzender des nordfriesischen QAnon-Zirkels und agitiere irgendwann gegen Hirse-Hitler Hildmann, weil der mir zu links und wissenschaftshörig ist?

Irgendwann sitze ich schließlich als gebrochener Mann im Strandkorb, murmle „Die Erde ist doch flach!“ und esse so viele Camping-Wecken, bis ich platze. (Das scheint mir auf jeden Fall ein erstrebenswerterer Tod zu sein, als meinem Leben mit einem Schluck aus dem Schierlingsbecher zu beenden.)

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 11: Von missgelaunten Schafen, Wattführer-Legenden, Style-Diskussionen, einem sozialen Strandkorb-Abstieg, lebenslanges Sex-Lernen und Tochter-Telefonaten

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Joggen: Macht doch mal Platz da!

„Na, Dudes, alles fresh? Habt ihr gut gepennt?“ Ich gebe mich betont jugendlich, um mein Bonding mit den Schafen auf meiner Deich-Laufrunde, die ja wesentlich jünger sind als ich, weiter voranzutreiben. Anscheinend hatten die Schafe aber keine gute Nacht und sind nicht fresh. Sie wirken eher leicht genervt. Anfangs liefen die Schafe ja immer ängstlich weg, wenn ich an ihnen vorbeijoggte, nach ein paar Tagen blieben sie gelassen stehen, aber heute lungern sie andauernd im Weg rum, und denken gar nicht daran, auch nur einen Zentimeter Platz zu machen. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, sie machen absichtlich einen Schritt in meine Richtung, um mich zu provozieren.

Podcastmäßig bewege ich mich erneut außerhalb meiner Altersklasse, und ich höre wieder „Deutschland 3000“. Diesmal unterhält sich Eva Schulz mit dem Musiker und Autor Thees Uhlmann.

Unter anderem geht es um die Frage, warum er immer so wütend sei. Er erklärt, er könne einfach nicht anders, als seinen Mund aufmachen, wenn ihn etwas stört. Sähe er zum Beispiel jemanden, der Müll auf den Boden schmeißt, würde er zu ihm sagen: „Einer von uns beiden hebt das jetzt auf und ich bin es nicht.“

Guter Spruch, finde ich. Probiere ich gleich mal aus. Dem nächsten Schaf, das mir den Weg versperrt, erkläre ich: „Einer von uns beiden macht jetzt Platz und ich bin es nicht.“ Es vergehen ungefähr 60 Sekunden, in denen wir uns gegenüberstehen und uns in die Augen starren. Dann gehe ich an ihm vorbei und jogge weiter. Vielleicht muss ich das noch ein bisschen üben.

Thees Uhlmann redet inzwischen über politische Aussagen in der Kunst. Dabei erzählt er von einer Ausstellung, die ihm gut gefallen hat. „Das tut nicht weh und macht nicht aggressiv. Das muss vielleicht reichen.“

Mehr Anspruch habe ich beim Schreiben eigentlich auch nicht. Wie toll wäre es, wenn Thees Uhlmann diesen Satz über mein neues Buch sagen würde?

„Macht’s gut“, rufe ich den Schafen zum Abschied zu. „Übermorgen komme ich noch ein letztes Mal und dann heißt es Abschied nehmen.“ Meine Ankündigung stürzt die Schafe nicht gerade in eine tiefe Depression. Sie grasen einfach weiter. Aber wenigstens rempelt mich keins an. Ich glaube, sie mögen mich doch ein bisschen.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 10: Von euphemistischen Wettervorhersagen, sich schälender Haut, Mitbringsel-Shopping, Akkordeon-Konzerten und der Macht der Enkelkinder

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Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

„Heute nur leichter Regen, am Nachmittag kommt vielleicht mal die Sonne raus und es werden immerhin bis zu 16 Grad.“ Die Wetterfrau legt sich mächtig ins Zeug und gibt alles, um in ihrer Vorhersage positive Aspekte hervorzuheben, die es eigentlich gar nicht gibt. Ob das wohl auch in anderen Berufen funktioniert? Zum Beispiel als Automechanikerin? „Ihr Auto hat nur einen leichten Totalschaden und vielleicht sind die Scheibenwischer noch ganz. Und immerhin sparen Sie jetzt erstmal Benzin, haben keinen Stress mit der Parkplatzsuche und zu Fuß gehen ist ja auch gesund.“

Der Radio-Moderator lässt sich von so ein bisschen Wetter ebenfalls nicht die gute Laune verderben. (Wahrscheinlich hatte er heute früh schon einen großen Schluck aus seinem obligatorischen Amphetamine-Kokain-Ecstasy-Cocktail.) „Der Regen hat ja auch sein Gutes. Da muss man wenigstens nicht die Blumen gießen und den Rasen sprengen!“, frohlockt er ins Mikrofon. Dann lacht er viel zu laut und viel zu übertrieben, wie ein Mensch, der sehr viele Jahre alleine auf einer einsamen Insel gelebt hat, und nicht mehr weiß, wie sich sozial akzeptiertes Lachen anhört. Obwohl ich versuche, ein positiv denkender Mensch zu sein, kann ich seine Begeisterung trotzdem nicht teilen. Wahrscheinlich, weil ich keine Blumen und keinen Rasen habe.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 9: Von Textilproblemen beim Joggen, Energy-Drinks-Geschmacksverwirrungen und dem Comeback der Strandkorb-Community

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Das Hemd klebt und die Hose rutscht

„Warum muss es denn jetzt auch noch regnen?“, beklage ich mich bei den Schafen, als ich joggend den Deich betrete. Dabei hatte die Wetterfrau im Radio vorhin gesagt, die Regenwahrscheinlichkeit läge bei zehn Prozent. Zehn Prozent sind, wenn du zehnmal auf die Torwand schießt und einmal triffst. Ich würde bei 100 Schüssen keinmal treffen, aber für die zehn Prozent Regenwahrscheinlichkeit reicht es. Vielen Dank auch!

In Hollywoodfilmen hat Regen ja häufig etwas Romantisches. Wenn das Liebespaar gegen Ende des Films endlich zusammenkommt und sich küsst, muss es auf jeden Fall – da gibt es irgendein Hollywood-Gesetz – so lange im Regen stehen, bis ihre weißen Oberhemden – auch das ist gesetzlich geregelt Gesetz, dass es immer weiße Oberhemden sein müssen – vollkommen durchnässt sind und sich ihre Oberkörper erotisch darunter abzeichnen. (Zumindest bei günstigem Kamerawinkel und guter Ausleuchtung.) In Actionfilmen ist der Regen wiederum Ausdruck der Willensstärke und Durchsetzungsfähigkeit der Hauptfiguren. Kämpfe auf Leben und Tod finden meist in monsunartigen Regengüssen statt, um dem Publikum zu zeigen, dass dem Helden oder der Heldin die Naturgewalten nichts anhaben können.

Ich bin aber kein Actionheld und mir können die Naturgewalten sehr wohl etwas anhaben. Deswegen ist es total unangenehm und überhaupt nicht romantisch, wenn mein Laufhemd unangenehm kalt und so eng am Körper klebt, dass ich jetzt schon weiß, dass ich es nie wieder ausziehen kann, sondern mir chirurgisch vom Leib operiert werden muss. (Und es gibt auch keinen Kamerawinkel und keine Ausleuchtung, damit sich mein Oberkörper erotisch unter dem Laufhemd abzeichnet.)

Die Schafe stehen aber gleichgültig grasend auf dem Damm. Denen ist alles egal. Sowohl der Regen als auch mein kaltes, nasses Laufhemd, das mir sicherlich eine Lungenentzündung und damit den sicheren Tod einbringen wird.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 8: Von friesischer Karibik im Herbst, Abschieden an der Fähre, Fake-Liedern und der Herausforderung Postkarten zu schreiben

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Das Wetter und andere Verdrießlichkeiten

„Und nun zum Wetter: Heute überwiegend bewölkt mit Schauern und Temperaturen von maximal 17 Grad.“ Erneut gibt mir die Wetterfrau im Radio wenig Hoffnung auf einen sommerlichen Urlaubstag am Strand. Aber das ist noch nicht alles. „Ab morgen dann nochmal ein wenig kühler“, fährt sie ungerührt fort. Noch ein wenig kühler? Als 17 Grad? Wer auch immer sich für Föhr den Marketingslogan „Friesische Karabik“ ausgedacht hat, um Touristen auf die Insel zu locken, ist entweder ein zynischer Bastard oder hat beim Texten zu viel Lösungsmittel geschnüffelt oder war noch nie in der Karibik. Wahrscheinlich eine Kombination aus allem.

Eigentlich hatte ich es mir immer ganz romantisch vorgestellt, mal im Herbst ein paar Tage auf Föhr zu verbringen. Mit langen Spaziergängen an der Strandpromenade, der Wind peitscht das Meer auf und wenn es doll regnet, gehst du rein zum Teetrinken und Kuchenessen. Nachdem ich das jetzt aber ein paar Tage mitgemacht habe, finde ich, der Romantikfaktor eines Herbsturlaubs ist möglicherweise doch überschätzt. Vor allem im Juli.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 7: Von niederschmetternden Wettervorhersagen, verdauungsfreudigen Schafen, semi-spaßigem Mini-Golf und einem epischen Kniffelfinale

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Was für ein Wetter

„Heute stark bewölkt mit Temperaturen bis maximal 16 Grad, ab nachmittags starke Schauer.“ Es ist kurz nach acht und wenn das Radio nicht gerade eine Archivaufnahme der Wettervorhersage vom Oktober letzten Jahres abspielt, wird der Tag heute meteorologisch gesehen eher bescheiden.

Damit ich mir diesbezüglich keine Illusionen mache, erklärt der Wettermann, die Sonnenscheindauer betrage heute null bis eine Stunde. Null bis eine Stunde?! Wie faul ist denn die Sonne? Meine Kollegin würde sich bedanken, wenn ich ihr mitteilte, dass ich künftig beabsichtige nur noch null bis eine Stunde pro Tag zu arbeiten. (Falls sie auf diesen Blogpost nicht reagiert, gehe ich davon aus, dass sie einverstanden ist.)

Wer dagegen nicht faul ist, ist der Wind. Mit Böen bis zu 70 km/h over-performed der sogar ziemlich. Gut, für Nordlichter ist das wahrscheinlich nur eine steife Brise, da ich aber nicht aus dem Norden komme und auch nicht hier lebe, erlaube ich mir, das durchaus als ziemlich windig zu empfinden.

Für den Radiosender ist das Wetterthema noch nicht durch. Es wird erstmal ein Experte vom Deutschen Wetterdienst interviewt. „Und, wann gibt der Sommer hier an der Nordsee endlich sein Comeback?“, will die Moderatorin wissen. Der Meteorologe druckst ein wenig peinlich berührt herum. „Nun, man soll ja nicht zu weit in die Zukunft schauen, aber ich denke, in zwei Wochen sollte die Sonne wieder scheinen.“

In zwei Wochen??? Wenn wir längst abgereist sind? Noch deutlicher können dir der Wetter- und der Urlaubsgott nicht den Mittelfinger zeigen.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 5: Von unpolitischen Musikern und Schafen, funktionaler Supermarkt-Arbeitsteilung, lebensgefährlichem Wikinger-Schach, einem alten, grinsenden Bekannten und Leo Lausemaus

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Schafe, Mark Forster und die Politik

„Guten Morgen, wie geht’s so?“ Es ist kurz nach acht und ich versuche, auf meiner Deich-Joggingrunde Konversation mit den freilaufenden Schafen zu betreiben. Sie bleiben einfach regungs- und wortlos stehen. Eigentlich ist das schon ein Fortschritt, denn sonst sind sie immer hektisch davongelaufen, wenn ich ihnen zu nahe gekommen bin. Ein bisschen bewundere ich die Schafe dafür, wie gelassen sie meine Besuche nehmen. Ich wäre nicht so entspannt, wenn ein Schaf durch unser Wohnzimmer laufen würde.

Allerdings finde ich auch, dass die Schafe manchmal schon etwas zu stoisch auf meine Anwesenheit reagieren. Fast schon gleichgültig. Es könnte fast der Eindruck entstehen, es sei ihnen egal, ob ich da bin oder nicht. Das tut dann schon ein wenig weh. Ab und an ein „Hallo“ wäre schon schön. Oder überhaupt irgendeine Art von Reaktion.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 4: Von Bäcker-Pantomime, Teletubbies-Fitness, die „No-Schatz“-Policy, dröhnenden Spielzeugbaggern, Navy-Seals-Müttern und erzwungenem Ball-Spielen

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No money, no Campingwecken

„Gdn Mgn! Mgn. Hllo! Gdn Dag“, begrüße ich nuschelnd durch meine Maske die anderen Wartenden vor der Bäckerei, bevor ich mich nach einem 20-minütigen Fußmarsch am Ende der Schlange einreihe. Vor mir steht ein Vater mit seinem 3-jährigen Sohn, der voller Stolz den Geldbeutel trägt. Es ist sehr niedlich, wie sein Blick und seine Körperhaltung signalisieren, dass er sich der enormen Wichtigkeit seiner Aufgabe bewusst ist. Ohne Geld, kannst du keine Brötchen kaufen. Und vor allem: Nur mit Geld bekommst du Campingwecken. Ich hoffe, der Vater hat das seinem Sohn schon beigebracht. Für diese Lektion kannst du ja gar nicht jung genug sein.

Weniger niedlich ist es übrigens, wenn deine Teenager-Kinder nach deinem Geldbeutel fragen. Dann möchten sie in der Regel da nichts reintun – zumindest ist mir das noch nie untergekommen –, sondern etwas daraus bekommen. Taschen-, Geburtstagsgeschenke-, Schulausflug- oder Dönergeld. Alles Ausgaben, von denen du selbst herzlich wenig hast. Außer natürlich dem glücklichen Gesichtsausdruck deiner Kinder beim Überreichen des Geldscheins. Und irgendwann später einen vergammelten Dönerrest, der höflich „Guten Tag“ sagt, wenn du ihn im Papierkorb des Kinderzimmers entdeckst, nachdem du die ganze Wohnung abgesucht hast, um herauszufinden, wo eigentlich die ganzen Fliegen herkommen.

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