Griechenland 2011 – Anreise: Klugscheißender Taxifahrer

Starten nach anstrengenden letzten Arbeitswochen mit großer Vorfreude auf Entspannung und Ruhe in den Urlaub. Erholung ist allerdings auch zwingend vonnöten, da es die wenig verbraucherfreundlichen Eincheck- und Abflugzeiten der Fluglinie unserer Wahl erfordern, bereits um 3.45 Uhr vom Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Der Taxifahrer lässt mich auf dem Weg zum Flughafen seine Verachtung spüren, nachdem ich nach seiner Belehrung, unser Flugziel Thessaloniki heiße eigentlich Saloniki und gehöre zu Mazedonien, entgegne, mir sei lediglich ein Fußballverein namens PAOK Saloniki bekannt und meine allenfalls als rudimentär zu bezeichnenden Geographiekenntnisse des europäischen Kontinents basierten ohnehin größtenteils auf dem akribischen Verfolgen von Europapokalspielen deutscher Mannschaften in meiner Kindheit. Was kann ich auch dafür, dass wir von einem promovierten Geographen zum Flughafen chauffiert werden?

Gelange beim Boarding zu der Erkenntnis, dass das Fehlen von festen Sitzplätzen als Mittel der Kosteneinsparung ein unschönes massenpsychologisches Verhalten hervorruft, das sonst allenfalls bei Sommerschlussverkäufen und chinesischen All-you-can-eat-Buffets zu beobachten ist und mit dem Begriff des Drängelns nur unzulänglich beschrieben werden kann. Stelle dann im Flugzeug mit Freuden fest, dass außer uns weitere 80 Familien mit Kindern, die das Fliegen nicht sonderlich gut vertragen, die Flugreise nach Griechenland antreten.

Machen nach der Ankunft am Flughafen unsere erste Erfahrung mit der mediterranen Einstellung zur Pünktlichkeit und freuen uns nach Ablauf des hellenischen Dreiviertels, dass das vor Wochen vorbestellte Taxi für den Transfer zu unserem Urlaubsort erscheint.

Der Fahrer entpuppt sich als ein griechischer Sebastian Vettel, der uns mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h innerhalb von Ortschaften und von 140 km/h auf den nur rudimentär ausgebauten Landstraßen nach Psakoudia bringt. Hoffe aufgrund seiner waghalsigen Überholmanöver, dass die Auslandsreisekrankenversicherung auch für Krankentransporte nach Deutschland per Helikopter aufkommt.

Suchen nach Bezug des pittoresken Ferienhauses den lokalen Supermarkt auf und leisten mit einem Großeinkauf, durch den das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 % ansteigt, unseren Beitrag zur Überwindung der griechischen Finanz- und Wirtschaftsmisere. Bereiten selbst ein landestypisches Abendessen zu – Spaghetti mit Tomaten und Mozzarella – und schließen den Tag in familiärer Runde mit dem vielfach besungenen griechischen Wein ab.

Hinflug - Billigfliegerromantik

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Ferienhaus - aus Stein

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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel "Nackte Kanone" geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch "Wenn's ein Junge wird, nennen wir ihn Judith"* erschienen. (*Affiliate-Link)

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