Wissen macht: Hä? – #01 | Alles rund um Ostern

Herzlich willkommen zu „Wissen macht: Hä?“, meiner neuen Infotainment-Rubrik mit wenig Info und mittelmäßig viel tainment. Ich bin zwar wesentlich allgemeinungebildeter als mein akademischer Abschluss vermuten lässt, aber als Mann hindert mich das nicht daran, zukünftig regelmäßig zu erklären, was es mit den wichtigsten Jahres- und Feiertage auf sich hat, geschichtliche Ereignisse zu erläutern oder Hintergründe zum aktuellen Zeitgeschehen zu liefern. Mit zahlreichen Informationen, Fakten und Theorien, die Sie – aus gutem Grunde – sonst nirgendwo finden. Wenn Sie regelmäßig „Wissen macht: Hä?“ lesen, werden Sie wahrscheinlich nicht klüger, aber auch nicht unwissender. Vielleicht. Falls Sie Glück haben.


Ostern – das wichtigste Fest der christlichen Kirchen. Und das zweitwichtigste der Süßwarenindustrie. Aber haben Sie eine Ahnung, um was es an Ostern genau geht? Wenn Ihnen lediglich „Irgendwas mit Jesus“ einfällt, wissen Sie wenig genug, um hier etwas zu lernen. Zum Beispiel, wer die ganzen Oster-VIPs sind, warum der Oster-Termin im März und April umherwandert, was die verwirrenden Palm-, Grün- und Kartage vor Ostern bedeuten, und welche merkwürdigen Sitten und Gebräuche zu Ostern gepflegt werden. Toll!

1) Who is who im Oster-Game? Die wichtigsten Akteure (und eine Akteurin)

Jesus: Sohn Gottes. Wird für die Sünden der Menschen ans Kreuz genagelt. Hätte er das von Anfang an gewusst, hätte er sich auf den Messias-Quatsch wahrscheinlich nicht eingelassen. Spoiler: Darf drei Tage nach seiner Kreuzigung von den Toten wiederauferstehen.

Gott: Vater von Jesus. Lässt seinen Sohn für die Sünden der Menschen ans Kreuz nageln. Sollte eher nicht damit rechnen, zum Vatertag eine World’s Greatest Dad-Tasse zu bekommen.

Osterhase: Meister Lampe taucht nicht in der Bibel auf, gilt aber trotzdem als österliches Krafttier. Nicht weil Jesus Hasenzähne hatte – zumindest ist das nicht überliefert –, sondern weil sich der alte Rammler so rasant fortpflanzt, dass ihn das zu einem Symbol für Fruchtbarkeit, Leben und das ganze Gelärsch macht.
Als Ostereier-Lieferant wurde der Osterhase erstmals 1682 von dem Heidelberger Arzt Johannes Richier in seiner Dissertation „Von Ostereiern“ erwähnt. Ein Promotionsthema, das darauf schließen lässt, dass die wissenschaftlichen Standards im Medizinstudium des 17. Jahrhunderts noch nicht ganz ausgereift waren.
Unbestätigten Gerüchten zufolge hat der Weihnachtsmann den Osterhasen erfunden, weil er keinen Bock hatte, drei, vier Monaten nach Weihnachten schon wieder um die halbe Welt zu reisen und irgendwelche missratenen Gören mit Geschenken und Süßigkeiten zu versorgen.

Pontius Pilatus: Römischer Statthalter in Judäa. Verurteilt Jesus zum Tode am Kreuz und wusch dabei seine Hände nicht in Palmolive, sondern in Unschuld. Pontius ist nicht der Vor- sondern der Nachname. Pilatus ist ein Beiname, der entweder „mit dem Speer“, „eingepflanzt“ oder etwas ganz anderes bedeutet. Im Englischen lautet der Beiname Pilate. Es ist nicht überliefert, ob Mr. Pontius Erfinder eines systematischen Ganzkörpertrainings war.

Apostel: Die ersten zwölf Follower von Jesus. Da es noch keine Social-Media-Kanäle gab, dackelten sie ihm ganz real hinterher. Die Themen Gleichstellung, Diversität und LGBTQI+ spielten zu Jesus Lebzeiten noch keine größere Rolle. Daher waren die Apostel allesamt heterosexuelle Cis-Männer.

Petrus: War so etwas wie der Anführer der Apostel. Verleugnete Jesus nach dessen Verhaftung dreimal. Trotzdem ernannte ihn Jesses zu seinem Nachfolger, was die Frage aufwirft, wie illoyal und unzuverlässig die anderen Apostel gewesen sein müssen. Petrus gilt als erster Papst, was angesichts der merkwürdigen Ansichten und kruden Verlautbarungen, die Päpste so von sich geben, eine eher zweifelhafte Ehre ist.

Judas: Der am schlechtesten beleumundete der Apostel. Verriet Jesus, was zu dessen Verhaftung und Kreuzigung führte. Judas plagte deswegen ein schlechtes Gewissen und er erhängte sich. Laut dem Evangelisten Lukas brachte Judas sich gar nicht um. Von seinem Blutzoll kaufte er sich einen Acker, auf dem er einen splattermäßigen Unfall hatte, bei dem sein Körper aufbrach und alle seine Eingeweide herausfielen. Anscheinend hat Gott ihm das mit dem Verrat seines Sohns ziemlich übelgenommen.

Maria von Magdala: Laut biblischer Überlieferung eine Begleiterin Jesu. Gilt wahlweise als Sünderin, Prostituierte oder von sieben Dämonen besessen. (Letztere wurden von good old Jesus vertrieben.) Gemeinsam mit ein paar anderen Frauen zog sie mit Jesus und seinen zwölf Dudes durch die Lande und sorgte für deren Wohl, weil der feine Herr Gottessohn so sehr mit Umherreisen, Gottes Wort verkünden und Wunder vollbringen beschäftigt war, dass er sich nicht um weltliche Dinge wie Geld verdienen, Einkaufen und Kochen kümmern konnte. Gerüchten zufolge, die vor allem Dan Brown gestreut hat, war Mary mehr als die „Begleiterin“ von Jesus. (*zwinki-zwonki*)

2) Ja, is‘ denn heut scho Ostern? Warum es kein festes Datum für Jesus Todestag gibt

Das exakte Datum, an dem Jesus gekreuzigt wurde, ist unbekannt. Die ersten christlichen Gemeinden feierten Ostern einfach an irgendeinem Tag, der ihnen in den Kram passte. Hauptsache grob im Frühling und nach Möglichkeit nicht parallel zu Tante Sarahs Achtzigstem.

Um alle Unklarheiten zu beseitigen, wollten sich im Jahr 325 ein paar Bischöfe auf dem Konzil von Nicäa auf einen gemeinsamen Oster-Termin einigen. Es wurde aber eher eine Oster-Termin-Korridor festgelegt. Die Bischöfe entschieden, dass Ostern immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling stattfindet. Also irgendwann zwischen dem 22. März und dem 25. April. Hört sich komisch an, ist aber so. Damit es noch komplizierter wird, benutzen die orthodoxen Kirchen einen anderen Kalender und feiern Ostern meistens ein paar Tage später als die unorthodoxen Christen. In seltenen Fällen auch mal früher.

Das ist alles ziemlich verwirrend und dafür, dass es an Ostern um den Todestag von Jesus geht auch erstaunlich unpräzise. Normalerweise stirbt ein Mensch an einem ganz bestimmten Tag. (Außer James Bond. Der stirbt an einem anderen Tag.) So ein Sterbedatum bleibt dann für immer. Das ändert sich nicht später und fällt jedes Jahr auf irgendeinen beliebigen Tag in einem willkürlichen Zeitraum von vier bis fünf Wochen. Bei uns im Familienkalender ist zum Beispiel der Todestag meines Schwiegervaters am 3. April eingetragen und da steht nicht “Todestag Papa – irgendwann im April, vielleicht auch mal im Mai.”

Dass der Todestag von Jesus fröhlich durch den Frühling wandert, lässt die ganze Auferstehungsgeschichte etwas shady erscheinen. Anderseits hatte Jesus auch schon ein merkwürdiges Geburtsjahr. Er kam 4 vor Christus auf die Welt, das heißt vier Jahre vor seiner Geburt. Den Christen ist das aber wumpe. Wenn du glaubst, dass jemand von einer Jungfrau geboren wurde und von den Toten zurückkommt, bist du anscheinend gewillt, ein paar Unschärfen bezüglich der exakten Geburts- und Todestermine hinzunehmen.


Weiter zu Teil 2 mit Infos zu den verwirrend vielen Feiertagen und den wichtigsten Sitten und Gebräuchen


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2 Kommentare zu “Wissen macht: Hä? – #01 | Alles rund um Ostern

  1. Sehr schön geschrieben und für heutige Leser*innen erklärt.
    Ich bin nur über einen Zahlendreher gestolpert. Es sollte doch sicher 1682 heißen, dann passt es auch ins 17. Jahrhundert.

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