Wochenschau | KW07-2026: Alaaf, Alaaf, Alaaf

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


09 Februar 2026, Köln

In der Stadt laufen die Vorbereitungen für den Straßenkarneval. Kneipen werden geschmückt, Toilettenhäuschen aufgestellt und in Schaufenstern informieren Aushänge über die Ladenöffnungszeiten während der tollen Tage. Beziehungsweise über die Nicht-Öffnungszeiten.

Ein solcher Zettel hängt auch an der Tür von Zendo Köln, einem Verein, der Zazen praktiziert – die stille Sitzmeditation im Zen – und anderen zugänglich machen will. Aber nicht an Weiberfastnacht und Rosenmontag. Da wird nicht sitzmeditiert, sondern Karneval gefeiert. „Alaaf“, statt „Ommm“.

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Wochenschau | KW06-2026: Winter Horrorland

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


02. Februar 2026, Berlin

Der Sohn hat sich den Wecker gestellt. Für 6 Uhr. Weil er mit Freunden zum Schlittenfahren verabredet ist. Bei -9° (gefühlt -15°). Anschließend gehen sie ins Gym.

Was ist nur mit der Jugend von heute los? Muss man sich da Gedanken machen?

Nun gut, wenigstens konsumieren sie keine Drogen. Zumindest nicht beim Rodeln.

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Wochenschau | KW05-2026: Freed from desire

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


26. Januar 2025, Berlin

Krkkk, krkkk, krtsch, krtsch, ratsch, ratsch.

Kurz vor 6. Unschöne Geräusche dringen ins Schlafzimmer und reißen mich aus der REM-Phase. Unschöne Geräusche, die nichts Gutes verheißen.

Ein verschlafener Blick aus dem Fenster. Ich hatte recht: Schnee und Eis sind zurück.

Straße und Bürgersteig liegen unter einer Puderzuckerschicht, Menschen kratzen eingefrorene Windschutzscheiben frei, Fußgänger trippeln vorsichtigen Schrittes über den Gehweg, wie Pinguine nach einem aus dem Ruder gelaufenen Kneipenbesuch.

Ich möchte das alles nicht mehr. Zugegebenermaßen ist das für Ende Januar natürlich keine vollkommen ungewöhnliche Wetterlage. Schließlich sind wir mitten im Winter. Sogar nicht einmal in der Mitte. Er vier Wochen haben wir hinter uns gebracht, zwei Monate stehen uns noch bevor. Eine Erkenntnis, die weder die Gegenwart noch den Ausblick auf die Zukunft erträglicher macht.

Grün gerahmte Türen in einer Backsteinfassade mit großem Schriftzug „ZUNFTHALLE“. Auf den Türfeldern sind vier Motive zu den Jahreszeiten (Frühling, Sommer, Herbst, Winter); rechts steht ein leicht verschneiter Container.
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Wochenschau | KW04-2026: Der Teufel ist feminin

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


19. Januar 2025, Berlin

Nachmittäglicher Einkaufsspaziergang. Das 10.000-Schritte-Tagesziel erreicht sich nun mal nicht von allein.

In der Beusselstraße komme ich an einem Späti vorbei. Im Schaufenster läuft Werbung für die EXPO 2035 in Berlin.

Wusste bis zu diesem Moment nicht, dass die EXPO 2035 in Berlin stattfindet. Da sieht man: Werbung wirkt.

Allerdings nicht so richtig. Später google ich nach und lerne, es geht gar nicht um die EXPO 2035 selbst, sondern um die Bewerbung dafür.

Frage mich, was eine Expo eigentlich überhaupt ist. Also, eine Weltausstellung, das ist mir schon klar. Aber wofür? Für Kunst, Unterhaltungselektronik oder Landwirtschaftsmaschinen? Für Katzentrockenfutter vermutlich nicht.

Und wie steht man zu einer EXPO? So politisch-moralisch. Findet man das gut, wegen Fortschritt, Fremdenverkehr, Steuereinnahmen? Oder muss man das ablehnen, wegen Kapitalismus, Geldverschwendung und weil man in Berlin prinzipiell anti ist?

Während ich so nachdenke, fällt mir auf: 2035 bin ich 60. Somit bin ich eindeutig gegen die EXPO 2035.

Graureiher, der mit eingezogenem Hals auf einem Bein auf einer Mauer steht
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Eine kleine Wochenschau | KW03-2026: PowerPoint-Folien für das Seelenheil

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


12. Januar 2025, Berlin

Heute ist Festtag der fabelhaften wilden Männer. Bei der aktuellen Weltlage bräuchten wir eher einen Festtag der weniger fabelhaften, aber dafür ganz und gar unwilden Männer.

Ich möchte nicht ausschließen, dass ich diesen Gedanken am 12. Januar schon einmal hatte. Und ich werde ihn wieder haben. Wahrscheinlich regelmäßig.

Abgeschmückter Tannenbaum, der am Straßenrand liegt
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Eine kleine Wochenschau | KW02-2026: Laufen, Frost und jede Menge Träume

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


05. Januar 2025, Berlin

3 Uhr. Meine volle Blase holt mich aus dem Schlaf und dirigiert mich ins Bad. Das ist bedauerlich, denn im Traum war ich gerade auf dem Geburtstag von Queen Elizabeth II. Während ich im Halbschlaf durch den Flur trotte, denke ich: „Den musst du dir merken.“

Habe ich natürlich nicht. Vier Stunden später beim morgendlichen Kaffee nur schemenhafte Erinnerungsfetzen: Ein großer Ballsaal, Menschen in feierlicher Garderobe. Mich selbst sehe ich nicht und hoffe einfach, dass mein Traum-Ich nicht in meinem anthrazitfarbenen, zehn Jahre alten Anzug herumstand.

Sehr präsent ist der Teller in meiner Hand: zwei halbe Käsebrötchen, garniert mit einem Streifchen Paprika, zwei russische Eier und drei Käse-Trauben-Spießchen. Kulinarisch lag der königliche Geburtstag irgendwo zwischen 70er-Jahre-Buffet und Verpflegung auf einem Judoturnier in Brandenburg.

Von der Queen keine Spur. Vielleicht steht sie am Dessertbuffet. Bei der Fürst-Pückler-Bombe.

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Eine kleine Wochenschau | KW01-2026: Warum liegt hier überall Schnee?

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


29. Dezember 2025, Westerburg

Jogge morgens auf dem Radweg Richtung Wallmerod. Letzter Lauf des Jahres. Um kurz nach sieben, bei -4°, im Dunklen, bei Nebel. Fühle mich wie ein Supernatural-Komparse, der innerhalb der ersten fünf Minuten einer Episode von einem Dämon, einem Werwolf oder irgendeinem anderen gruseligen Getier gemeuchelt wird.

Warum ich mir das antue? Weil meine Lauf-App das will. Laut dieser fehlen mir noch sechs Kilometer, um dieses Jahr auf 3.000 Kilometer zu kommen.

Schon ziemlich zwanghaft, diese Zahl unbedingt erreichen zu wollen. Dafür kann man sich ja nichts kaufen. Gut, die Menschen bringen dir eine gewisse Bewunderung entgegen, wenn du so viel läufst. Und noch mehr Befremden, das sie aber zu verbergen versuchen. (Ihren Augen sieht man es meistens an: „Was für ein Freak.“)

Andererseits wäre es sehr gewollt gleichgültig, die wenigen letzten Kilometer nicht noch zu laufen. Unangenehm kokettierend: „Mir ist das egal. Ich laufe nur aus Freude an der Bewegung.“

Was fett gelogen wäre. Ich laufe aus Freude an Süßigkeiten. Da zählt jeder Kilometer. Besonders in der Weihnachtszeit.

Eine verschneite Straße mit geparkten Autos links und rechts.
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Eine kleine Wochenschau | KW16/2025: Einmal mit Profis entrümpeln

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


14. April 2025, Berlin

Der Montag beginnt mit Delfinen. Nicht für uns, aber für den Sohn und N. Die sind auf Bali für eine Sonnenaufgangs-Bootstour in aller Herrgottsfrühe aufgestanden. Zwischendurch begleitet von einer Flipper-Gruppe, die fröhlich durchs Wasser pflügte.

Sie waren aber nicht die einzigen auf dem Wasser, außer ihnen waren rund 80 bis 100 weitere Kähne unterwegs. Deswegen hoffte der Sohn, dass die Delfine gute Laune hatten, aber er ist skeptisch. Sehr wahrscheinlich war der Spaß für die Delfine eher begrenzt und sie flohen den Touri-Schiffen.

Derweil beginnt in Kiel für die Tochter das Sommersemester. Kurz vor Ostern sind die Professor*innen jedoch noch nicht in Vorlesungsstimmung und ein Großteil der Veranstaltungen fällt aus. Somit hat die Tochter ebenfalls einen guten Start in Woche, wenn auch ohne Delfine.

Titelbild mit einem altem Leder bespannten Holzstuhl, der am Straßenrand entsorgt wurde
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Eine kleine Wochenschau | KW14-15/2025: Die neuen Möglichkeiten des Älterwerdens

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


31. März 2025, Berlin

Erster Montag nach der Sommerzeitumstellung. Kein guter Tag und nicht nur wegen Montag. Körper, Biorhythmus und mentale Verfasstheit sind noch auf Winterzeit gepolt, dem Wecker ist das vollkommen wumpe und er plärrt dich eine Stunde zu früh aus dem Schlaf. Also schon um 6 Uhr, wie vorgesehen, aber im Grunde genommen bereits um 5 Uhr, was in Euro sogar 2.30 Uhr ist.

Du liegst wie erschlagen im Bett, trauerst dem jäh unterbrochenen Schlaf hinterher, die Müdigkeit liegt wie eine extraschwere Gewichtsdecke auf dir und der Gedanke aufzustehen übersteigt deine Vorstellungskraft. Einfach liegen bleiben ist jedoch keine Option, denn Leistungsgesellschaft und kapitalistische Verwertungsmaschinerie verlangen nach deiner Arbeitskraft.

Im Hintergrund sitzt Christian Lindner und spuckt tatkräftig in die Hände. Da verlässt du wirklich unverzüglich das Bett, denn wer will schon, dass der ehemalige Finanzminister – die Älteren erinnern sich – in deinem Schlafzimmer abhängt. Außer Franca Lehfeldt. Vielleicht.

Titelbild mit einem großen, bunten Geburtstagskuchen
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Eine kleine Wochenschau | KW13/2025: Banale, aber trotzdem nervende First-World-Problems

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


24. März 2025, Berlin

Aus der Reihe „Banale First-World-Probleme, die trotzdem tierisch nerven“: Werbung bei Amazon Prime.

Du bezahlst fast 100 Euro im Jahr, um Filme und Serien bei dem Dienst von Jeff „Meine Angestellte müssen in Flaschen pinkeln, damit sie ihre Zeitvorgaben einhalten“ Bezos zu streamen, und dann kommt alle zehn Minuten eine Unterbrechung, um Verdauungsmittel, Grippemedikamente oder – nach 21 Uhr – Gleitgel anzupreisen.

Dazu kommt, dass neue Serien nur noch stückchenweise Woche für Woche erscheinen. Statt sie in einem Rutsch wegbingen zu können, bekommst du am Ende der Folge eine Cliffhanger-Nase gedreht und musst sieben Tage auf Nachschub warten. Wie so ein Höhlenmensch in den 80ern.

Was kommt als nächstes? Sitze ich bald wieder mit Mutter auf dem Sofa und schaue Die Wicherts von nebenan? (Da hielten sich die Cliffhanger allerdings in Grenzen.)

Titelbild mit einer Keramik-Spardose in Form einer weißen Karl-Marx-Büste. Unterhalb des Kopfes klebt ein Messingschild auf dem "Karl mag's" steht.
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