Eine kleine Wochenschau | KW12-2022 (Teil 2)

Teil 1


24. März 2022, Berlin

Nach dem Buch ist bekanntlich vor dem Buch. Deswegen sitze ich am Schreibtisch und entwerfe Jahreszeiten-antizyklisch ein Konzept für einen Weihnachtsratgeber. Um in Stimmung zu kommen, werfe ich meine Christmas-Playlist an und höre Fairytale of New York, Last Christmas und We wish you a merry Christmas.

Trotzdem wollen sich die weihnachtlichen Gefühle nicht so recht einstellen. Das ist gar nicht so leicht, wenn draußen die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und die Krokusse blühen. Vielleicht sollte ich Vanillekipferl oder Zimtsterne backen. Das hilft bestimmt bei den weihnachtlichen Gedanken. Oder einen Glühwein trinken. Dann sprudeln die Ideen von ganz alleine.

25. März 2022, Berlin

Auf meinem Abendspaziergang läuft vor mir ein Mann, der an jedem Finger goldene Ringe von beachtlicher Größe trägt, dazu am linken Handgelenk eine güldene Armkette von der Dicke eines Fahrradschlosses und eine ebenso amtliche güldene Halskette rundet das Schmuckensemble ab. Sieht aus, als sei er unterwegs zu einer Mr.-T.-Motto-Party.

Allerdings ist es wohl besser, wenn ich meine Vermutung für mich behalte, denn der Mann schaut nicht nur grimmig drein, sondern ist auch am Hals tätowiert und wenn ich eins aus drittklassigen Actionfilmen gelernt habe, dann dass Hals-Tätowierungen ein untrügliches Zeichen sind, dass die Person Teil der organisierten Kriminalität ist und bei Berufskriminellen ist die Fähigkeit, über Scherze auf ihre Kosten zu lachen, in der Regel eher unterdurchschnittlich ausgeprägt. Außerdem ist der Typ doppelt so breit wie ich und seine Unterarme haben den Umfang von Baumstämmen, so dass ich eher schlechte Chancen hätte, sollte sich unsere Konversation nicht an die Regeln des herrschaftsfreien Diskurses halten. Daher bleibe ich stumm und gehe mit gebührendem Abstand an ihm vorbei.

26. März 2022, Berlin

Habe beim Joggen eine Begegnung mit einem kleinen kläffenden Hund. Er hat ungefähr Dackelgröße und ein gräuliches, sehr wuscheliges Fell. Sieht ein bisschen aus wie eins dieser Puschelmikrofone bei windigen Außenaufnahmen. Dem Wuschelhündchen passt es anscheinend nicht, dass sich unsere Wege kreuzen und er schnappt nach mir. Bei seiner Größe – beziehungsweise Kleine – und der damit verbundenen unterdurchschnittlichen Beißkraft – beziehungsweise Beißschwäche – stellt das für mich wahrscheinlich eine eher überschaubare Gefahr dar.

Trotzdem möchte ich morgens um halb acht nur ungern in die Knöchel gezwickt werden. Daher beschleunige ich, der Hund allerdings ebenfalls. Also laufe ich noch schneller, aber der Kläffer will sich nicht abschütteln lassen, so dass wir immer schneller und schneller durch den Schlosspark rennen. Für Außenstehende muss das ein ziemlich bizarres Schauspiel sein, wie ich mir mit einer tollwütigen Wollwurst ein Wettrennen liefere.

Irgendwann habe ich es geschafft und das Hündchen bricht seine Verfolgungsjagd ab. Das stimmt mich hoffnungsfroh für den Marathon im Herbst. In der Kategorie der puscheligen Außenmikros sollte ich einen vorderen Platz belegen.

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Es ist immer schön, im Internet auf überraschende Fakten zu stoßen. Zum Beispiel wie in dem Tweet, den mir meine Frau heute geschickt hat. Der weist darauf hin, dass Tom Cruise und Meister Eder das gleiche Alter haben. Sie sind beide 60!

Während die größte Action-Szene von Gustl Bayrhammer darin bestand, Pumuckl aus einer Pfütze zu retten, springt Tom Cruise aus Helikoptern, liefert sich wilde Verfolgungsjagden auf dem Motorrad oder klettert die Fassaden von aberwitzig hohen Hochhäusern hinauf. Ich bin dreizehn Jahre jünger als Tom Cruise und kann nicht mal freihändig Fahrrad fahren. Und wenn ich mich zu einer Pfütze runterbücke, handle ich mir wahrscheinlich sofort einen Hexenschuss ein.

27. März 2022, Berlin

Heute nacht war Zeitumstellung. Deswegen bin ich nach dem Aufwachen vollkommen gerädert. Als wäre die Uhr nicht leidglich um eine Stunde vorgestellt worden, sondern als hätte ich einen Flug nach Australien hinter mir und würde nun unter einem Monster-Jetlag leiden. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir das früher so viel ausgemacht hat. (Tom Cruise fühlt sich heute früh bestimmt nicht, als sei er vom Bus überfahren worden.)


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2 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW12-2022 (Teil 2)

  1. 2 kleine anmerkungen:

    1. der WurstUli aka BayernHoeneß soll auch immer im supermarkt seine wurstprodukte in die 1. reihe drapiert haben. daher, nachvollziehbar :-).

    2. bei lotto kann man im profil/einstellungen hinterlegen, dass man über die gewinnhöhe informiert wird. auch als sms möglich, nicht nur email.

    schöne woche.

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