Eine kleine Wochenschau | KW20-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


10. Mai 2021, Berlin

Die Tauben im Baum vor unserem Haus werden immer nerviger. Mehrmals am Tag glotzen sie ins Arbeitszimmer und schauen dabei so missbilligend, dass ich mich frage, ob ihnen meine Arbeit nicht gefällt, sie meinen Lebensstil öde finden oder einfach mich als Person ablehnen.

Heute früh vergnügen sich die Tauben mit ungezügelten Sexspielchen. So wild wie es dabei zugeht, scheinen sie sehr leidenschaftliche Liebhaber*innen zu sein. Oder es handelt sich um eine spezielle SM-Spielart, bei der sich die Sexualpartner*innen gegenseitig verprügeln.

Nehmt euch gefälligst ein Zimmer! Oder ein Tauben-Dungeon.


11. Mai 2021, Berlin

Es ist kurz vor halb sechs und der Tauberich weckt uns mit ohrenbetäubendem Gegurre. Meine Güte, du hattest doch gestern erst Sex, was willst du denn noch, du notgeiles Stück? Vielleicht teilt er auch einfach nur der ganzen Straße mit, was für ein toller Hecht er ist.

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Heute ist Iss-was-du-willst-Tag. Außer du hast während der Pandemie schon zu viele Iss-was-du-willst-Tage eingelegt. Dann ist heute Verzichte-vor-der-Glotze-besser-auf-die-Tüte-Chips-Tag.

12. Mai 2021, Berlin

Das morgendliche Joggen gestaltet sich etwas schwierig. Meine Hose rutscht. Zum einen habe ich seit Anfang des Jahres ein paar Weihnachtskilos verloren, zum anderen – und das ist der eigentliche Grund – ist die Hose ungefähr 15 Jahre alt und vollkommen ausgeleiert.

Damit mir die Hose nicht runter an die Kniekehle rutscht und ich allen Mitmenschen, die zu der frühen Stunde unterwegs sind, meine Unterbuchse präsentiere, muss ich sie während der kompletten 10-Kilometer-Runde mit einer Hand am Bund festhalten.

Ich komme mir vor wie ein exhibitionistisch veranlagter Perversling, der jederzeit zur Entblößung bereit sein will. Diesen Eindruck haben anscheinend auch die mir entgegenkommenden Läufer*innen, Walker*innen und Spaziergänger*innen, so befremdet wie sie mich anschauen. Zumindest halten sie coronakonform immer den größtmöglichen Abstand zu mir ein.

Auch die Tiere im Park sind von meinem Gebaren irritiert. Sobald mich die Eichhörnchen erblicken, rennen sie noch hektischer als sonst weg und suchen das Weite.

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Heute ist Internationaler Tag des chronischen Erschöpfungssyndroms. Oder: 14 Monate Corona-Pandemie.

13. Mai 2021, Berlin

Vatertag. Bei uns auch bekannt unter dem Namen Nobody-gives-a-shit-Tag. Als die Kinder noch kleiner waren, war das anders. Da gab es zum Vatertag immer Gebasteltes oder Gemaltes aus der Kita. Zum Beispiel Bilder von Kopffüßer-Familien, die aussahen, als müsste der genetische Pool bei der Fortpflanzung unbedingt mal erweitert werden. Oder Pfeifenputzer-Figuren mit kleinen Styroporköpfen, auf die die Kinder Gesichter gemalt haben, die eine große Ähnlichkeit mit dem Joker aufwiesen.

Mit zunehmendem Alter wurden die Geschenke der Kinder dann anders kreativ. Von der Tochter bekam ich mal ein „Gutscheinheft“, in Form von hastig beschrifteten Post-it-Notes. Leider habe ich die Zettel verloren. Sonst könnte ich heute meinen „1x Spülmaschine ausräumen“-Gutschein einlösen.

14. Mai 2021, Berlin

Die Tauben haben meine Aufforderung, sie sollen sich doch ein Zimmer nehmen, zu Herzen genommen. Sie bauen in dem Baum vor unserem Fenster ein Nest. Wahrscheinlich gibt es bald eine Eyes-wide-shut-Einweihungsparty mit allen Vögeln aus dem Kiez.

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Meine Frau und ich haben heute Hochzeitstag. Ich muss gestehen, dass ich immer etwas überlegen muss, um auf das richtige Datum zu kommen. Da wir schon 19 Jahre zusammen waren, bevor wir geheiratet haben, ist mir unser Jahrestag – der 29. Januar – präsenter. (Vielleicht bin ich aber auch einfach nur sehr vergesslich und unaufmerksam!)

Inzwischen habe ich aber eine gute Gedankenstütze, damit mir das Datum einfällt. Ich weiß, dass wir an einem Samstag im Mai geheiratet haben, und ein Tag vorher war Freitag, der 13. Ergo ist unser Hochzeitstag am 14. Mai. Jetzt brauche ich nur noch eine Eselsbrücke, um mir zu merken, in welchem Jahr wir geheiratet haben.

15. Mai 2021, Berlin

Der DHL-Kurier bringt einen großen Karton mit Pflanzen für unseren Balkon, die meine Frau im Internet bestellt hat. (What a time to be alive!).

Die Pflanzen und Blumen heißen:

  • Rote Bidens Beedance Painted Red
  • Sommerblumen-Set Flotte Biene
  • Zauberglöckchen Superbells Pomegranate Punch
  • Waldphlox Chattahoochee
  • Heiliger Bambus Obsessed
  • Teppich-Fetthenne pink-rosa

Das hört sich an wie eine krude Mischung aus Namen für sehr biedere Stripperinnen aus den 80er Jahren, ungenießbaren Smoothie-Sorten, die experimentierfreudige Hipster in Berlin-Mitte trinken, um ihre Darmflora anzuregen, und französischen Parfums, bei denen in der Werbung normschöne Menschen durch Paris laufen und dabei vollkommen unbeteiligt schauen (natürlich in schwarz-weiß).

16. Mai 2021, Berlin

Auch heute früh werden wir von lautem Vogellärm geweckt. Diesmal ist es kein orgiastisches Liebesspiel, sondern eine stattliche Krähe hat es gewagt, sich auf einen Ast direkt neben das Taubennest zu setzen, und wird lautstark von den beiden Tauben vertrieben. Anscheinend ist der Berliner Wohnungsmarkt auch in der Vogelwelt sehr umkämpft.

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Meine Frau und ich schauen uns die Angebotsprospekte der Discounter und Supermärkte an. Die Seiten mit besonders attraktiven Schnäppchen markieren wir mit Eselsohren.

Den Sonntagnachmittag mit dem Lesen von Werbeheftchen verbringen, ist wohl ein untrügliches Zeichen, dass wir nicht mehr das junge und hippe Pärchen sind, das wir nie waren. Als nächstes kaufen wir uns wahrscheinlich Partner-Funktionsjacken. Gleich mal in den Prospekten nachschauen, ob es welche im Angebot gibt.


Buch-Tipp der Woche

Ich bekomme immer mal wieder Bücher von Verlagen oder Autor:innen zugeschickt. Da mir die Zeit für aufwändige Rezensionen fehlt, sollen sie wenigstens hier Erwähnung finden.

Der heutige Buch-Tipp beschäftigt sich nicht mit Erziehungsfragen, sondern mit einem anderen wichtigen Familienthema: Dem Auto. Beziehungsweise dem Verzicht darauf. Der von mir sehr geschätzte Heiko Bielinski, einer der freundlichsten und humorvollsten Menschen auf Twitter, die ich kenne, gibt in seinem lesenswerten Ratgeber „#Einfach autofrei leben“ Tipps, wie der Umstieg zu einer umweltschonenden Alternative zum Auto erfolgreich gelingen kann und zwar nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land.

#Einfach autofrei leben

Heiko Bielinski: #Einfach autofrei leben: Nachhaltig mobil: Die besten Alternativen – Mit Corona-Spezial. Südwest Verlag. 2021. (Affiliate Link)

Unter allen Leser*innen, die mobil genug sind, bis Donnerstag, den 20.05., einen Kommentar unter diesem Beitrag zu hinterlassen, verlose ich mein Leseexemplar. Der Rechtsweg ist ebenso wie der Linksweg ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, blablabla …


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43 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW20-2021

  1. Erstmal Danke für die vielen erheiternden Beiträge, freut mich immer wieder!
    Und das Buch würde ich gern gewinnen, weil ich zu gern wüsste, wie autofreie Mobilität auf dem platten Land funktionieren soll, mich aber auch immer gern überzeugen lasse, sofern die Argumente passen :)

    • Autofrei. Klingt gut. Oder zumindest öfter stehen lassen.
      Die Tauben auf unserem Baum neben dem Parkplatz würden sich freuen. Der Lack am Auto nicht.

      Besten Dank für die witzigen Wochenzusammenfassungen. Und für die Familientweets. Meine Frau und ich feiern Sie jede Woche.

  2. Ich würde mich über das Buch freuen 🙂 ein sehr gutes und wichtiges Thema! Unsere Gesellschaft ist viel zu abhängig vom Auto… Zeit dass sich was ändert!
    Ich freue mich zu lesen wie jeder im kleinen etwas verändern kann (auch wenn ich mir dringend vor allem eine Veränderung von Seiten der Politik wünsche)

  3. Das autofreie Leben auf dem Land als 5köpfige Familie inklusive Baby wird hier seit 7 Monaten erprobt… Nervt langsam genauso wie die Corona Pandemie. Ich wäre interessiert an Tipps und hüpfe mal in den Lostopf.

  4. Ich hätte das Buch auch gerne weil ich es für unmöglich halte hier ohne Auto auszukommen. Es sei denn ich hätte sehr viel Zeit und Geld und ewigen Sommer. Hab nix davon. Bin gespannt

  5. Guten Morgen,

    vielen Dank für den Einblick in deine spannende zurückliegende Woche. Da wir uns gerade sehr mit dem Thema Autofrei befassen, würde ich mich freuen, wenn das Losglück mich träfe.
    Viele Grüße!

  6. Ich dachte deshalb graviert man sich das Hochzeitsdatum in den Ehering? Damit man/frau im Zweifel schnell nachgucken kann?
    In meinem Fall steht noch der Vorname des Ehemannes dabei. Die Info wird vermutlich erst benötigt, sollte ich verschiedene Ringe von verschiedenen Ehen haben. Man stelle sich vor dem Gatten zum Hochzeitstag mit dem Vorgänger Blumen mitzubringen! :-)

  7. Vielen Dank für die wöchentlichen Zusammenfassungen. Es freut mich jede Woche aufs Neue, dass wir nicht allein sind mit unserem derzeit von Banalitäten und Homeschooling geprägten Leben. 😎

    Der Buchtitel klingt interessant. Bei uns auf dem Land mit wenig ÖPNV und Bergen vermutlich nicht ganz so einfach umsetzbar. Dennoch kann man das Auto ja vielleicht hin und wieder doch stehen lassen. 🤔

    Antworten

  8. Vielen Dank für die immer wieder netten, banalen und allzu normalen Einsichten in dein Leben. Du hast die Gabe, das Gewöhnliche so zu beschreiben, dass es witzig und bemerkenswert ist. Ich bin auch großer Fan deiner Familientweets.
    Nehme auch gerne an der Verlosung teil!

Reposts

  • Martina Moser

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