Eine kleine Wochenschau | KW21-2021 (jetzt mit richtiger KW-Zählung)

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


24. Mai 2021, Berlin

Pfingstmontag. Einer dieser merkwürdigen christlichen Feiertage, von denen fast niemand so richtig weiß, was es mit ihnen auf sich hat. Kleiner Hinweis: An Pfingsten kam der Heilige Geist über die Jünger, die ohne Jesus ein bisschen lost waren. Eine Erklärung, die auch mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Wer zur Hölle ist dieser Heilige Geist? Und was heißt „er kam über sie“? Klingt irgendwie nach unsittlicher Berührung.

Aber egal. Auch wenn wir nicht genau wissen, warum es Pfingsten überhaupt gibt, liefert uns dieser Tag einen freien Montag und damit ein verlängertes Wochenende. Und das schon seit Jahrzehnten. Da ist es dann auch egal, was an Pfingsten genau gefeiert wird.

25. Mai 2021, Berlin

Beim Einkaufen fällt mir auf, wie viele Corona-Teststationen es bei uns in der Gegend inzwischen gibt. Was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass du pro Test 18 Euro bei der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen kannst, ohne nachzuweisen, dass du die Tests überhaupt durchgeführt hast.

In vielen Läden, die die Pandemie nicht überlebt haben, kannst du dich jetzt auf Corona testen lassen, um dann shoppen zu gehen, damit nicht noch mehr Läden pleitegehen. Einige der Teststationen sind an bestehende Läden angegliedert, zum Beispiel an Cafés, Friseurgeschäfte oder Barbershops. Ein Späti beherbergt sogar ein Testzentrum. Zumindest laut dem großen Banner, das über dem Schaufenster hängt. Das Testzentrum besteht aber lediglich aus einem kleinen Holztisch und einem wackeligen Plastikstuhl.

Das breite und niederschwellige Testangebot ist sicherlich hilfreich und sinnvoll, um zu so etwas wie Normalität zurückzukehren. Trotzdem möchte ich mir nicht von jemandem mit einem Stäbchen in meiner Nase rumpopeln lassen, der, wenn überhaupt, lediglich ein Corona-Test-Tutorial im Internet angeschaut hat, und dessen Geschäftsmodell normalerweise darin besteht, Schnaps und Zigaretten an minderjährige Jugendliche zu verticken.

26. Mai 2021, Berlin

Auf meiner morgendlichen Laufrunde stelle ich erfreut fest, dass die Schafe zurück im Schlosspark sind. Sie grasen stoisch vor sich hin. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich dabei um ein pädagogisches Projekt handelt, damit Städter:innen mal echte Schafe sehen, oder ob es eine Rationalisierungsmaßnahme ist, um Wiesen mähendes Personal einzusparen.

Die Schafe riechen etwas streng, aber bei mir verursacht ihr Anblick so etwas wie Urlaubsfeeling. Was auch eine sehr spezielle Perspektive ist. Für einen Schäfer bedeutet ein Schaf Arbeit, für mich ruft es Erinnerungen an Nordsee-Urlaube hervor. Umgekehrt funktioniert das wohl eher nicht. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass sich ein Schäfer nach Feierabend entspannt, indem er sich Excel-Tabellen und PowerPoint-Präsentationen anschaut.

Wie dem auch sei, mir machen Schafe gute Laune. Wer kann schon schlecht drauf sein, wenn es um einen herum blökt und mäht.

27. Mai 2021, Berlin

In den Frühnachrichten wird verkündet, dass Eric Carl, seines Zeichens Autor des All-Time-Kinderbuch-Bestsellers „Die kleine Raupe Nimmersatt“, verstorben ist. Der Nachrichtensprecher lässt es sich nicht nehmen, die Raupen-Story kurz zusammenzufassen. Das ist gleichzeitig anrührend und bizarr. Eben hat er noch von der Verhaftung weißrussischer Oppositioneller, von der steigenden Gewalt gegen Kinder und der undemokratischen Präsidentenwahl in Syrien berichtet und nun erzählt er von der Raupe, die sich tagelang vollfuttert, bevor sie sich verpuppt und dann in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt.

Die Geschichte der Raupe Nimmersatt ist zwar sehr niedlich, weckt aber unrealistische Erwartungen, was die Konsequenzen von unkontrollierter Nahrungsaufnahme angeht. Wenn ich ohne Sinn und Verstand alles Mögliche in mich reinstopfe, metamorphiere ich nicht in einen hübschen Schmetterling, sondern werde einfach nur fett. Und wenn ich mich dann in ein Schmetterlingskostüm zwänge, findet das niemand bezaubernd, sondern ich gelte als „der Merkwürdige“. Schönen Dank auch, kleine Raupe Nimmersatt!

Schmetterlinge, Schmetterling, Cartoon, Comic, Niedlich

28. Mai 2021, Berlin

Wir unterhalten uns beim Abendessen darüber, worauf wir uns freuen, wenn die ganze Corona-Scheiße irgendwann vorbei ist. Die Tochter will endlich mal wieder mit ihrer Freundin ins Kino gehen. Ich wende ein, für einen Kinobesuch müsste ich extra das Haus verlassen, außerdem sei das ziemlich teuer und garantiert sitze dann jemand neben mir, der unangenehme Gerüche verströmt.

Immer wenn ich ins Kino gehe, gibt es nach mir an der Kasse bestimmt immer folgenden Dialog:

„Hatten Sie Döner mit allem zum Abendessen?“ „Ja.“
„Haben Sie dazu Bier getrunken?“ „Ja.“
„Hat ihr Deo im Laufe des Tages versagt?“ „Ja.“
„Sehr gut, dann gebe ich Ihnen den Platz neben dem Typ mit dem Bart und der Brille.“

Meine Frau will endlich mal wieder auf ein Konzert gehen. Ich gebe zu bedenken, für ein Konzert müsste ich extra irgendwo hinfahren, ganz schön kostspielig sei das auch und bestimmt stünde eine wahnsinnig nervige Person neben mir, so dass ich nie wieder unbeschwert meine Lieblingsband hören kann, weil ich nicht den gleichen Musikgeschmack wie so eine unsympathische Arschgeige haben möchte.

Jedes Mal wenn ich auf ein Konzert gehe, gibt es beim Einlass wahrscheinlich immer folgenden Dialog:

„Sind Sie mindestens 1,90m groß und ist es Ihnen scheißegal, wenn Menschen hinter Ihnen nichts sehen.“ „Ja.“
„Werden Sie sofort pampig, wenn Sie höflich gebeten werden, doch ein wenig zur Seite zu treten?“ „Ja.“
„Filmen Sie während des Konzerts unablässig mit Ihrem Handy und unterbrechen Sie die Aufnahme nur kurz um Ihren Kumpel anzurufen, dem Sie mitteilen, dass Sie auf einem Konzert sind?“ „Ja.“
„Sehr gut, dann stellen Sie sich vor den Typ mit dem Bart und der Brille.“

Der Sohn freut sich darauf endlich mal wieder in einem Restaurant zu essen. Ich werfe ein, für einen Restaurantbesuch müsste ich extra rausgehen, zudem sei das viel teurer als daheim zu essen, und am Nachbartisch säßen garantiert merkwürdige Menschen, die mir den ganzen Abend vermiesen.

Wenn ich in ein Restaurant gehe, gibt es zwischen dem Kellner und neuen Gästen sicherlich immer folgenden Dialog:

„Haben Sie ein sehr lautes Organ und sind nicht in der Lage, so leise zu sprechen, dass nicht das ganze Lokal an ihrer Unterhaltung teilhaben muss?“ „Ja.“
„Haben Sie einen grenzwertigen Mario-Barth-Humor und klopfen Sie während des ganzen Abends saudämliche Sprüche?“ „Ja.“
„Haben Sie latent ausländer-, frauenfeindliche und homophobe Ansichten und scheuen Sie sich nicht, diese lautstark zu vertreten?“ „Ja.“
„Sehr gut, dann platziere ich Sie an den Tisch neben dem Typ mit dem Bart und der Brille.“

Ich würde gerne behaupten, erst durch die ganzen Corona-Isolationen und Social-Distancing-Maßnahmen zu einem trägen Stubenhocker und menschenscheuen Sonderling geworden zu sein, aber ich befürchte, das war ich schon vorher.

29. Mai 2021, Berlin

Heute ist „Lerne, wie Kompostieren geht“-Tag. Eltern kennen ihn auch als „Entdecke am Ende der Sommerferien die Brotdose im Schulranzen“-Tag.

30. Mai 2021, Berlin

Langsam steigt bei uns das EM-Fieber und ich recherchiere im Internet nach Panini-Alben. Möglicherweise denken Sie jetzt: „Sind die Kinder mit 14 und 17 nicht ein bisschen zu alt, um Fußball-Bildchen zu sammeln?“ Da haben Sie natürlich recht. Das Album ist ja auch für meine Frau.

Bei der WM 2014 hatte meine Frau mit dem Sohn, der damals sechs war, gemeinsam Panini- Sticker gesammelt. Er durfte immer die Tütchen aufmachen und sie hat die Bildchen eingeklebt. Bis heute betont meinte Frau, dass sei doch ein schönes Gemeinschaftsprojekt gewesen, an das sich der Sohn später mit nostalgischer Freude erinnern wird. In Wahrheit ertrug sie es aber einfach nicht, dass er die Bildchen immer schief und krumm und nicht innerhalb der vorgesehenen Linien einklebte, weswegen sie das dann selbst gemacht hat.

Bei der Suche stelle ich fest, dass das Sammeln von Fußballbildchen eine recht kostspielige Angelegenheit ist. Für die WM 2018 hatte ein walisischer Professor ausgerechnet, dass du mehr als 4.800 Sticker, also knapp 970 Tütchen, kaufen musst, um das komplette Album zu füllen, was umgerechnet 870 Euro kostet. Das Album für die anstehende EM ist ungefähr genauso umfangreich, aber die Tüten sind zehn Prozent teurer. Das heißt, der Sammelspaß könnte uns knapp 1.000 Euro kosten.

Billiger wird es, wenn du mit anderen doppelte Bildchen tauschst. Mit Mitte 40 adäquate Tauschpartner:innen zu finden, ist aber gar nicht so leicht. Du kannst ja schlecht vor Grundschulen rumlungern und Zehnjährige fragen:. „Soll ich euch mal meinen doppelten Glitzer-Ronaldo zeigen?“ Da liegt die Kaution, um dich aus dem Knast zu holen, wahrscheinlich weit über 1.000 Euro.

Gerade als ich das Projekt Panini-Album zu den Akten legen will, stoße ich auf einen Artikel, der berichtet, dass das allererste Sammelalbum zur WM 1970 bei einer Online-Auktion für 12.000 Euro versteigert wurde. Eine Rendite von 11.000 Prozent macht so ein Sammelheft doch zu einem interessanten Anlageobjekt. Wenn wir den Kindern schon keine Immobilien vererben werden, dann vielleicht ein vollständiges Panini-Album der EM 2021. Dass sie dafür die nächsten zwei Jahre kein Taschengeld bekommen, müssen wir ihnen ja nicht sagen!


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36 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW21-2021 (jetzt mit richtiger KW-Zählung)

  1. Auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt als was weiß ich oute: was ist denn ein Späti?

    Und mir geht es mit der Stubenhockerei vor und während Corona ähnlich.. 🤪

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