Eine kleine Wochenschau | KW38-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


20. September 2021, Berlin

Seit einigen Tagen haben wir eine kleine Fruchtfliegen-Plage in unserer Küche. Eigentlich dachte ich, der Herbst sei gar keine Fruchtfliegen-Saison, aber den Fruchtfliegen ist meine Unkenntnis über ihren Lebenszyklus egal und sie tummeln sich in großer Zahl bei uns und fliegen immer aufgeregt umher, sobald jemand den Mülleimer öffnet. Vielleicht ist ihnen jetzt draußen zu kalt und sie suchen bei uns nach ein wohliger Gemütlichkeit. Oder unsere Wohnung wird mal wieder im Insekten-Airbnb gefeaturet.

Meine Frau versucht mit fiebrigem Eifer, der Fruchtfliegen-Plage Herr zu werden. (Bzw. Herrin zu werden.) Die Fruchtfliegen mit hektischem Handwedeln zu vertreiben, hat nicht zum Erfolg geführt. Als nächstes hat sie die Obstschale ausgewaschen und eine spätreife Banane in einen Tupperbehälter verbannt. Den Fruchtfliegen gefallen diese Hygienemaßnahmen und sie haben noch ein paar Kumpels Bescheid gesagt, die jetzt auch in unserer Küche abhängen.

21. September 2021, Berlin

Der Morgenshow-Moderator von Radio Eins weckt mich mit dem schönen Spruch: „Wer nichts weiß, der staunt viel.“ Wenn das stimmt, hätte ich früher im Chemie-Unterricht nicht aus dem Staunen herauskommen dürfen. Dazu hätte ich allerdings zuhören müssen.

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Heute ist Tag der Dankbarkeit und Minigolf-Tag. Ich bin dankbar, dass ich nur alle zwei Jahre Minigolf spiele. Im Urlaub. Dafür, dass ich Urlaub machen kann, bin ich auch dankbar.

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Meine Frau verfolgt weiterhin mit emsigem Bemühen ihren Kampf gegen die Fruchtfliegen. Sie hat nun ein Schälchen mit Apfelessig aufgestellt. Der Geruch soll die Fruchtfliegen angeblich vertreiben. Oder anziehen, so dass sie sich in dem Apfelessig ertränken. So genau kenne ich mich damit nicht aus, ich bin schließlich nicht der Fruchtfliegen-Terminator in der Familie.

Die Fruchtfliegen scheinen auch nichts von der wahlweise abschreckenden oder tödlichen Wirkung von Apfelessig zu wissen. Sie sitzen in großer Zahl am Rande des Schälchens, feiern eine Fruchtfliegen-Pool-Party und haben eine richtig gute Zeit.

22. September 2021, Berlin

Heute ist autofreien Tag und Ehrentag der Elefanten. Also ein ganz besonderer Tag für Elefanten, die kein Auto fahren.

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Meine Kollegin ist heute zum Arbeiten da und wir holen uns mittags Döner. Das erste Mal seit ungefähr anderthalb Jahren. Ich stelle fest, dass ich den Dönerbestellvorgang anscheinend verlernt habe und bin mit der Situation einigermaßen überfordert.

Zuerst vergesse ich beinahe zu sagen, dass ich kein Brot, sondern eine Box will. (Zumindest habe ich nicht vergessen, das Brot aus bösen Kohlenhydraten besteht.) Dann fällt mir im letzten Moment ein, dass ich kein Fleisch, sondern die vegetarische Variante möchte. Dabei stellt sich mir die Frage, ob ein Döner in der Box ohne Fleisch überhaupt noch ein Döner ist. Egal, jetzt will der Dönermann von mir wissen, was alles in die Box soll. Erst nach sehr ausgiebigem Überlegen entsinne ich mich, dass ich immer mit Allem aber ohne Zwiebeln nehme. Danach erinnere ich mich schemenhaft, dass ich ausschließlich scharfe, aber keine Kräuter- oder Knoblauchsoße esse. Zum Abschluss kann ich die Frage, ob wir unsere Bestellung hier essen oder mitnehmen erst mit unnormal langer Verzögerung beantworten.

Bleibt nur zu hoffen, dass ich das Döneressen an sich nicht verlernt habe.

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Die Apfelessig-Fruchtfliegen-Falle hat immer noch nicht den gewünschten Effekt. Meine Frau schüttet zwar mit großer Entschlossenheit täglich neuen Apfelessig in das Schälchen, das führt aber lediglich dazu, dass immer mehr Fruchtfliegen zu uns kommen. Wahrscheinlich geht unsere Insekten-Airbnb-Bewertung gerade durch die Decke und unsere Küche ist der Fruchtfliegen-Place-to-be in diesem Herbst. Würde mich nicht wundern, wenn zur Zeit bei vielen Fruchtfliegen-Tik-Toks oder -Instagram-Stories im Hintergrund unsere roten Küchenfliesen zu sehen sind.

23. September 2021, Berlin

Bei meinem morgendlichen Einkauf stehe ich an der Kasse hinter einer jungen Frau mit einem circa einjährigen Kind. Ich verkürze die Warterei, indem ich mir mit dem Kleinen einen Anstarr-Contest liefere. Nach ungefähr 30 Sekunden schaut er weg. Ich habe gewonnen. Heute ist alles möglich.

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Penny hat gerade eine Treueaktion, bei der Kund*innen kleine Stofftierchen geschenkt bekommen. Ich lehne dankend ab. Die Kassiererin fragt die ältere Dame hinter mir, ob sie gerne ein paar Tierchen hätte. „Für die Enkel zum Spielen?“ Die Frau schüttelt den Kopf. „Nee, die sind schon 20. Die spielen lieber an ihren Freundinnen rum.“

Ich glaube, für diese Art von Information bin ich am frühen Morgen noch nicht bereit.

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Mehrmals am Tag höre ich meine Frau in der Küche schimpfen und fluchen, weil die Fruchtfliegen keinerlei Anstalten machen, sich irgendwo anders zu vergnügen. Wahrscheinlich fragen sich die Fruchtfliegen inzwischen, wer eigentlich diese nervige Frau ist, die andauernd vorbeikommt und grundlose Hektik verbreitet. Vielleicht hat das eine abschreckendere Wirkung als die Apfelessig-Falle.

24. September 2021, Berlin

Es ist kurz nach 23 Uhr, wir liegen im Bett. Draußen zieht ein Gruppe Jugendlicher vorbei. Aus ihrer Boom-Box lärmt laut Musik und sie singen mit. Ebenfalls laut. Das passiert häufiger. Bei uns um die Ecke gibt es ein Hostel, in dem sich viele Schulklassen und Jugendgruppen einquartieren. Da kann es schon mal zu der ein oder anderen musikalisch unterlegen Hostel-Rückkehr kommen.

Ich finde das aber nicht schlimm. So lange die Musik nicht schlimm ist. Ist sie aber heute. „Verdammt ich lieb dich“ von Matthias Reim. Unterlegt mit einem Dance-Beat, was den Song tatsächlich noch schlimmer macht. Es muss mehr als 30 Jahre her sein, dass das ein Nummer-1-Hit in Deutschland war, und heute hören die jungen Menschen das Lied wieder. „Verdammt ich lieb dich“ ist wie die Fruchtfliegen: Einfach nicht totzukriegen.

25. September 2021, Berlin

Meine Frau hat nun doch Erfolg mit ihrer Fruchtfliegen-Kill-Mission. Sie hat über das Apfelessig-Schälchen Frischhaltefolie gespannt, in die sie kleine Löcher gemacht hat. Die Fruchtfliegen klettern gierig durch die Löchlein, sind aber zu doof, um wieder herauszufinden, und ertrinken schließlich im Apfelessig.

Das hört sich an, als sei meine Frau ein durch und durch grausamer Mensch, der vom Hass auf Fruchtfliegen zerfressen ist. Aber das stimmt nicht. Zumindest ist sie kein durch und durch grausamer Mensch. Bei dem Hass auf Fruchtfliegen bin ich mir nicht so sicher.

26. September 2021, Berlin

Es ist Wahlsonntag. Eigentlich wollten wir Briefwahl machen, aber die Tochter darf das erste Mal wählen – zwar nur die BVV, aber wer die Kommunalwahl nicht ehrt, ist der Bundestagswahl nicht wert – und da soll sie das Wahlritual so authentisch wie möglich erleben. Das heißt, in irgendeine baufällige Grundschule oder Kita gehen, in einer wackeligen Wahlkabine deine Kreuzchen machen und dann deinen Stimmzettel in eine unscheinbare Wahlurne versenken.

Der Sohn ist froh, dass er noch nicht wählen darf, denn er wüsste nicht, für wen er sich entscheiden sollte. Definitiv nicht für die AfD und auch nicht für die Linke oder die CDU. Wobei er Laschet gar nicht so schlimm findet, wie er in den Social-Media-Kanälen gemacht würde. Der sähe irgendwie aus wie ein lustiger Onkel. Ich finde eher wie ein nerviger Onkel, den du allenfalls alle vier Jahre auf einer Familienfeier sehen willst, aber nicht vier Jahre als Bundeskanzler haben möchtest.

Meine eigene Stimmung bei dieser Wahl schwankt zwischen „Das ist die letzte Möglichkeit, die Klimakatastrophe vielleicht nicht abzuwenden, aber wenigstens abzumildern“ und „Dem Universum ist es scheißegal, wer in Deutschland regiert.“ Allerdings ist es dem Universum auch scheißegal, ob die Erde zerstört und unbewohnbar wird. Deswegen hoffe ich dann doch, dass es einen Regierungs- und echten Politikwechsel gibt. Manchmal bin ich einfach hoffnungslos naiv.

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20 Uhr. Aktuelle Hochrechnung. Wird das der notwendige Regierungs- und Politikwechsel? Ich habe meine Zweifel.


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33 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW38-2021

  1. Kleiner Tipp zu den Frucht Fliegen, wir nehmen balsamico, und etwas spüli mit Wasser aufschäumen, wg der Oberflächenspannung 😊 für ganz tierfreundliche gibt es wohl sogar lebendfallen 😀

  2. Mein vollstes Mitleid zur Fruchtfliegeninvasion. Hilfreich erweist sich ein kleines Glas mit Saft, in das man einen Schuss Spülmittel gibt. Das verändert die Oberflächenspannung, weshalb das Getier jämmerlich ersäuft. Ich bekenne mich schuldig, diesem Massensterben vielfach gewahr worden zu sein.
    Es empfiehlt sich darüber hinaus, ein Gummi um das Glas zu spannen, damit andere bequeme Mitbewohner nicht arglos daraus trinken.

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