Eine kleine Wochenschau | KW38-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


19. September 2022, Berlin

Mein Nachmittagsspaziergang führt mich am Stromeck vorbei. Eine Eckkneipe an der Stromstraße, wie der Name unschwer vermuten lässt. Davor sitzen zwei Männer. Sie trinken Bier und erklären sich gegenseitig die Welt. Als ich auf gleicher Höhe bin, sagt der eine gerade: „Das Wichtigste im Leben sind Gesundheit, Frieden und dass du nicht deinen Arsch verkaufst, um dir unnützen Luxus zu leisten.“

Wäre ein schöner Spruch für einen Foto-Kalender „Berliner Kneipen-Philosoph*innen“. (Eine weitere 1-Milliarde-Euro-Geschäftsidee meinerseits. Zuerst muss ich aber noch die Dusche-to-go und die Brioche-Matratze verwirklichen.)

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Die Tochter erzählt, ein älterer Herr hätte auf der Straße zu ihr gesagt: „You brought the sunshine with you, love.“ Meine Frau hatte während des Studiums in Marburg ein ähnliches Erlebnis. Da hat sie ebenfalls ein älterer Mann angesprochen und meinte, sie sähe aus wie Schneewittchen.

Das ist vielleicht ein klein wenig übergriffig, aber irgendwie auch schön. Die Welt wäre sicherlich kein schlechterer Ort, wenn wir Fremden häufiger ein Kompliment machen würden.

Mir ist so etwas noch nie passiert. Das liegt sicherlich an mir. Wahrscheinlich strahle ich zu wenige Sonnenschein- und Schneewittchen-Vibes aus. Dafür hat mir mal eine Frau an Karneval an den Po gefasst. Ich glaube allerdings nicht, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn wir Fremden häufiger an den Hintern langen würden.

20. September 2022, Berlin

Meine Frau fährt heute für drei Tage auf Dienstreise nach Wien. Wobei Dienstreise wörtlich zu verstehen ist. Sie verbringt zwei der drei Tage im Zug. Als ich sie gestern Abend gefragt habe, ob sie für mich vorgekocht und das Essen eingetuppert hätte, hat sie sehr laut gelacht. Keine Ahnung warum.

21. September 2022, Berlin

Bisher dachte ich immer, die Tauben in Berlin behandeln nur mich mit Geringschätzung und mangelndem Respekt. Sie machen keinen Platz, wenn sie auf meiner Laufstrecke stehen, fliegen erst im allerletzten Moment weg oder sitzen auf der Fensterbank und glotzen mich so lange an, bis ich den Blickkontakt nicht mehr halten kann.

Heute lerne ich, dass es nicht nur mir so geht. Auf dem Weg zum Supermarkt sehe ich, wie eine Taube einem Mann den Weg versperrt. Als er nach links ausweicht, geht sie nach rechts, so dass er nicht vorbeikommt. Er bewegt sich nach links, sie trippelt nach rechts und schneidet ihm wieder den Weg ab. Das geht noch zweimal so, bis die Taube ein paar Schritte zur Seite macht und ihn passieren lässt. Der Mann trottet mit hängenden Schultern weiter, die Taube reckt ihren Hals und schaut ihm triumphierend hinterher. Dem hat sie gezeigt, wer hier der Alpha ist!

Ich mache lieber einen großen Bogen um den Tauben-Boss-Man, bevor er auf die Idee kommt, mir mein Handy abzuziehen.

22. September 2022, Berlin

Auf dem Marathon-Trainingsplan stehen heute dreimal vier Kilometer im Marathontempo. Dazwischen neun Minuten Pause. (Letzteres hört sich ganz gut an.) Ich gehe auf den Sportplatz des TSV-Gutsmuths, um auf der Tartanbahn zu laufen.

Nach circa anderthalb Stunden des eintönigen Runden-Drehens bemerke ich am anderen Ende der 100m-Bahn eine ungewöhnliche Bewegung. Anscheinend ist ein Hund auf den Sportplatz gelaufen und kommt mir entgegen. Vielleicht trainiert er auch für den Marathon.

Als wir nur noch 50 Meter voneinander entfernt sind, stelle ich fest, dass es gar kein Hund ist, der auf mich zuläuft. Es ist ein Fuchs. Im Versuch, in der Situation das halbvolle Glas zu sehen, denke ich, dass das immer noch besser als eine Begegnung mit einem Wildschwein ist.

Ich frage mich, wer von uns beiden nervöser ist. Der Fuchs oder ich. Zumindest weiß ich, dass ich mich nicht in einer Übersprungshandlung auf den Fuchs stürzen und ihn beißen werde. Umgekehrt bin ich mir nicht so sicher.

Ob ich wohl in einem Sprintduell gegen den Fuchs bestehen würde? Wahrscheinlich nicht. Auf der Marathondistanz hätte ich vielleicht eine Chance. Sofern es sich nicht um einen kenianischen Fuchs handelt.

Mir fällt auf, dass ich sehr wenig über Füchse weiß. Mein Fuchswissen stammt in erster Linie aus Fabeln, die wir in der Schule lesen mussten. Da galt der Fuchs immer als schlau und verschlagen. Zum Beispiel in der Geschichte mit dem Raben und dem Käse. Da schmeichelt der Fuchs dem Raben, er habe so eine schöne Stimme und würde ihn gerne singen hören. Als der Rabe den Schnabel öffnet, um seinen Gesang anzustimmen, fällt der Käse runter. Der Fuchs schnappt sich ihn und macht sich aus dem Staub. Ich sollte also auf der Hut sein, wenn mir der Fuchs erzählt, ich hätte wunderschöne Beine, die besonders gut zur Geltung kämen, wenn ich stehenbliebe.

Aber vielleicht hätte so ein Fuchsbiss auch sein Gutes. Möglicherweise hat er Tollwut. Wenn er mich beißt, verleiht er mir Superkräfte und ich laufe den Marathon nächste Woche in Weltrekordzeit.

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Die Tochter hat heute ihren ersten Tag an der Uni. Erstmal nur eine Einführungsveranstaltung, in der die First-Year-Students die wichtigsten Dinge erklärt bekommen. Die Seminare und Vorlesungen gehen nächste Woche los.

Das St. Patricks College, auf das die Tochter geht, ist die zweitälteste Uni Irlands. Es wurde 1782 gegründet und war bis 1989 war in erster Linie ein katholisches Priesterseminar. Zu den namhaften Absolventen zählt laut Wikipedia unter anderem John Terry. Nicht der englische Fußballer von Chelsea FC, sondern ein Priester, der sich im 19. Jahrhundert dadurch hervorgetan hat, den Katholizismus in Australien zu verbreiten. Ich bin mir nicht sicher, ob die Australier*innen davon genauso begeistert waren wie der Verfasser des Wikipedia-Beitrags.

Bei der Einführungsveranstaltung präsentiert sich auch die Students Union. Unter anderem gibt es einen Entertainment Officer. Der ist für die Organisation der Einführungswoche, der Halloweenparty, die Weihnachtsfeierlichkeiten und andere Festivitäten zuständig. Ich gehe davon aus, dass er der beliebteste Student der ganzen Uni ist.

Außerdem werden verschiedene Angebote im Bereich Students Support vorgestellt. Zum Beispiel gibt es Unterstützung für Studierende, denen es schwerfällt, sich an der Uni einzuleben, die Probleme mit ihren Prüfungen und Hausarbeiten haben oder generell unter Lernbeeinträchtigungen leiden. Das ungewöhnlichste und gleichzeitig großartigste Angebot ist PAWS Officer Alfie. Alfie ist ein registrierter irischer Therapiehund. Zu ihm können Studierende gehen, die unter Stress und Sorgen leiden, und mit ihm kuscheln. Wahrscheinlich ist Alfie noch beliebter als der Entertainment Officer.


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