Kizz-Kolumne: Sind Väter die entspannteren Eltern?

In der Zeitschrift ‚Kizz. Das Elternmagazin für die Kitazeit‘ darf ich unter der Rubrik ‚Das sagt Papa‘ regelmäßig meinen Senf zu Themen geben, von denen ich auch nicht mehr Ahnung habe als andere Eltern. Pädagogisch wertvoll wie ein kleines Steak. Ein sehr kleines. Eines, das man nicht essen möchte. Der folgende Beitrag erschien in Ausgabe ‚KIZZ – 3/2018‘.

Väter gelten im Vergleich zu Müttern oftmals als gelassener im Umgang mit den Kindern. Sie seien weniger streng, schimpften seltener und drückten ein bis zwei Augen zu, wenn es um lästige Dinge wie Aufräumen geht. Vielleicht sind das aber auch gar keine entspannten Väter, sondern einfach nur olle Knackwürste, die sich in der Rolle als „Good Cop“ gefallen, während ihre Partnerinnen den „Bad Cop“ geben müssen. Eine Rollenaufteilung, die allenfalls zielführend ist, um in TV-Krimis dem Verdächtigen ein Geständnis zu entlocken. Für eine gleichberechtigte Partnerschaft ist es aber keine gute Basis, der Mutter alleine die mühselige Erziehungsarbeit aufzubürden.

Ohnehin scheint es eher unwahrscheinlich zu sein, dass die primären Geschlechtsorgane ursächlich dafür sind, wie entspannt Eltern mit ihren Kindern umgehen. Es ist wohl vielmehr die Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen. Sie kennen das ja sicherlich: Wenn Sie nur kurz einer stressigen Situation ausgesetzt sind, ertragen Sie diese viel besser, als wenn Sie den ganzen Tag genervt werden. Anders gesagt: Ein Lied von Rolf Zuckowski hören ist okay. Aber wenn die Kinder 38-mal hintereinander die Radio Lollipop-CD auflegen, haben Sie das dringende Bedürfnis, irgendetwas anzuzünden – zum Beispiel die CD.

Da Väter in der Regel weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen als Mütter, sind sie auch gelassener. Also, liebe Väter, kümmern Sie sich einfach mal mehrere Stunden um die nölenden Kinder, bis Sie genauso unentspannt sind wie Ihre Partnerin. Das ist gelebte Gleichberechtigung!

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Falls Sie eine Frage haben, die Sie in einer der nächsten Kizz-Ausgaben von mir mit pädagogischer Inkompetenz beantwortet haben wollen, dann hinterlassen Sie doch einen Kommentar. Ich freue mich darauf.

237 Kommentare zu “Kizz-Kolumne: Sind Väter die entspannteren Eltern?

  1. Irgendwann, lieber Christian, werde ich Ihnen einen käsekuchen backen. Ich werde Inke fragen, wann sie mal wieder zusammen treffen. Ihre Kommentare sind einfach herrlich und verdienen eine „süsse“ Belohnung.

  2. Zeit ist sicherlich ein Faktor. Und daneben die individuell unterschiedlichen Toleranz- und Schmerzgrenzen. Aber auch die Bequemlichkeit dürfte nicht zu unterschätzen sein. Doch vor allem: wer ist bzw. fühlt sich zuständig und verantwortlich. Stichwort mental load.


  3. „Also, liebe Väter, kümmern Sie sich einfach mal mehrere Stunden um die nölenden Kinder, bis Sie genauso unentspannt sind wie Ihre Partnerin. Das ist gelebte Gleichberechtigung!“😁



  4. In unserem Fall müssten die Väter erstmal da sein… KV1 hat keinen Bock auf seine Tochter und KV2 wohnt 350 km weit weg und hat andere Prioritäten. Sieht man daran, dass er Geld für Konzerte hat und kein Geld für den Zug zu uns. Und nein, ich kann nicht mal eben spontan zu ihm



  5. Naja, ich habe meine Kinder wochenweise und somit die hälftige Arbeit. Ich bin deutlich strenger als die Mamas und trotzdem geht es bei uns gechillter zu.
    Klare Regeln zu setzen hilft allen.
    Aber das ist nur meine persönliche Erfahrung.


  6. Geht es eigentlich noch einseitiger? Nicht ein Wort zu den ganzen Vätern, die sich gleichberechtigt um Ihre Kinder kümmern. Mit dieser Kolumne ist niemandem geholfen. Mich hätte interessiert, wie sieht es denn in den Beziehungen aus, wo der Vater gleichberechtigt die Kinder erzieht?

    Schade Chance vertan…

    Und ja es gibt diese Modelle!

    • Herzlichen Dank für Ihre Anmerkungen und Ihre Auseinandersetzung mit dem Text.

      Zu Ihrer ersten Frage: Bestimmt geht es noch einseitiger. Aber wahrscheinlich war das nur eine rhetorische Frage, die gar nicht beantwortet werden sollte.

      Ansonsten kann so eine Kolumne mit begrenzter Zeichenzahl nie die komplette Wirklichkeit in seiner ganzen Komplexität abbilden, sondern es geht um Häufigkeiten, Mittelwerte, Normalverteilungen und dieses ganze statistische Zeug. Selbstverständlich gibt es die Paare, in denen sich gleichberechtigt um Kindererziehung und Hausarbeit gekümmert wird, oder bei denen der Mann als Hausmann Zuhause bleibt, während die Frau der Erwerbsarbeit nachgeht. (Das gab es sogar schon vor 40 Jahren in dem kleinen Ort, aus dem ich ursprünglich herkomme.)

      In der Kolumne ging es aber gar nicht um dieses Thema, sondern um die Frage, ob Väter entspanntere Eltern sind als Mütter. Und da lauten meine – unbewiesenen – Hypothesen:
      a) Nein, sind sie nicht.
      b) Falls doch, hat das weniger mit der Existenz oder Nicht-Existenz eines Penisses zu tun, sondern mit der Zeit, die Elternteile mit den Kindern verbringen. Und da ist es statistisch nun mal so, dass Frauen erheblich mehr Zeit für Kinderbetreuung aufwenden als Männer. Mehr als doppelt so viel und bei Paaren mit Kindern immer noch 50 Prozent mehr. (Nachzulesen in der Zeitverwendungserhebung von 2012: https://www.vaeter.de/wp-content/uploads/2015/08/150826-Zeitverwendungserhebung-Statistisches-Bundesamt.pdf)

      Somit ist mein Appell an Väter, sich mehr um die Kinder zu kümmern, in seiner unterkomplexen Pauschalisierung vielleicht nicht korrekt, statistisch gesehen aber trotzdem richtiger als falsch.

      Nun noch zu ihrer abschließenden Frage, wie es in Beziehungen aussieht, wo sich beide Elternteile gleichberechtigt, um die Kindererziehung kümmern. Hier wären laut meiner – wie gesagt unbewiesenen – Hypothese Vater und Mutter gleichermaßen unentspannt.

  7. Ich habe keine Ahnung von Pädagogik, aber mein gesunder Menschenverstand unterschreibst das sofort! Mein Mann sieht das zum Glück auch so, aber viele Väter sind von so einer Einstellung leider noch weit entfernt. Umso mehr freut mich der Text!


  8. Ich finde die Jubelarien ein wenig übertrieben.

    Im Grunde sagt der Artikel doch nur lasst uns alle Opfer unserer gestressten Gesellschaft sein.

    Es gibt keine Hilfestellungen/Hinweise wie man es besser machen kann.

    • Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Auch mir persönlich sind Jubelarien immer suspekt. Egal ob sie mir oder anderen gelten.

      Die Fragestellung der Kolumne lautete allerdings „Sind Väter die entspannteren Eltern?“ und nicht „10 Tipps, wie Väter und Mütter entspannter werden“. Falls meine – unbewiesene – Hypothese, dass der Grad der Entspanntheit mit der Zeit, die ein Elternteil mit den Kindern verbringt, zusammenhängt, dann hat sich doch ein kleiner Tipp versteckt. Damit nicht ein Elternteil super unentspannt und das andere super relaxt ist, sollten im Sinne der Gleichberechtigung beide gleich viel Zeit mit den Kindern verbringen.

      • Ich würde mir wünschen das Sie Ihre Publikationsmacht für Verbesserungsideen einsetzen anstatt für populistische pseudofeministische Väterhetzartikel.

        Kinder sind Kooperationsweltmeister und wenn man ihnen die eigenen Grenzen kommuniziert (die CD beginnt mich beim 3. Mal zu nerven) sind sie bemüht Alternativen zu finden.

        Der Haushalt lässt sich auch reduzieren. Z. B kann man Klamotten (Tshirts, Pullover,…) auch nur auslüften und mehrfach anziehen und so die Anzahl der zu waschenden Maschinen pro Woche reduzieren. Oder man löst das Problem Männer-like in dem man Geld drauf wirft. Z.B. In dem man sich eine Reinigungskraft für ein paar Stunden leistet. Oder Technik gestützt ein paar Dinge vereinfacht – Staubdaugroboter.
        Viele Dinge kann man auch (meist zur Freude der Kinder) mit den Kindern zusammen machen und je nach Alter der Kinder auch ein paar Sachen die Kinder machen lassen. Auch hier gilt es wieder die Grenzen zu respektieren. Lasst die Kinder aussuchen welche Aufgaben sie machen wollen, anstatt Sie zu zwingen eine bestimmte zu machen.

        Ein weiterer Punkt den man dank Internet und Feminismus als Mann heute weiss, ist dass das Stresspotiential von Kindern am besten gesenkt wird (ab einem gewissem Alter) in dem man ein ähnlich altes Kind „hinzufügt“. Das ist dann eine Win-Win-Win Situation. Die Kinder sind zufriedener, man selbst hat weniger Stress und die Eltern des Gastkindes haben sich um eine Kind weniger zu kümmern.
        Man kann sich dann noch die Frage stellen wie man diese Situation einfacher, automatisch herstellen kann. Warum haben Wohnhäuser/Mehrfamilienhäuser selten (mehrere) Gemeinschafträume in denen sich Nachbarn und Nachbarskinder einfach treffen können. Warum wird es immer schwieriger in der Stadt das Kinder sich draußen ohne Erwachsene beschäftigen können?

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