Men’s Health: Eine kleine Heftkritik

Vor mir auf dem Schreibtisch liegt die aktuelle Ausgabe der Men’s Health. Marco Krahl, stellvertretender Chefredakteur der Men’s Health, hat sie mir geschickt, weil darin ein Beitrag von mir abgedruckt ist. Sicherlich fragen Sie sich jetzt: „Der Christian veröffentlicht Artikel in Fitness-Zeitschriften? Was kommt als nächstes? Ein Beitrag über Die physikalisch-chemische Charakterisierung von chemisch modifizierten Copolymer-Hydrogelen auf Cellulosebasis in der Zeitschrift für Physikalische Chemie?“

Keine Angst. Ich habe den bedauernswerten Men’s-Health-Lesern keine inkompetenten Trimm-Dich-Ratschläge erteilt. Aus Corona-bedingten ökonomischen Zwängen konnte die Herbst-Ausgabe der Men’s Health DAD nicht erscheinen. Stattdessen gibt es in der normalen Men’s Health einen DAD-Sonderteil. Dafür wurde Qualitäts-Content gesucht und weil davon anscheinend nicht genügend aufzutreiben war, wurde ein Auszug aus meinem neuen Buch „Papa braucht ein Fläschchen“ abgedruckt.

Ich muss gestehen, dass mir noch nie eine Men’s Health gekauft habe. (Sorry, Marco!) Wo mir das Heft aber frei Haus geliefert wurde, möchte ich doch einen Blick hineinwerfen. Vielleicht gibt es ein paar gute Fitness- und Ernährungstipps, um den körperlichen Verfall im Shutdown Light aufzuhalten.

Disclosure

Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen ist der Beitrag als Werbung gekennzeichnet, aber ich habe kein Geld dafür erhalten. Ich tue das lediglich aus Spaß an der Freude. Und weil ich ein 20-seitiges Briefing-Dokument prokrastinieren muss.

Marco Krahl hat mir freundlicherweise die Artikel zur Bebilderung des Beitrags zur Verfügung gestellt. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Das Cover

Auf dem Cover prangt ein junger, dreitagebärtiger Mann mit beindruckend durchtrainiertem Oberkörper. Sein ausdefiniertes Sixpack und wohlproportionierten Bizeps lassen vermuten, dass er in seinem Leben die ein oder andere Trainingseinheit absolviert und sich auch in Zeiten von Corona dem Clean Eating verschrieben hat. Seine letzte Süßigkeit hat er wahrscheinlich in der Grundschule gegessen. Der Anblick des Cover-Modells ruft bei mir eine Mischung aus Bewunderung, Anerkennung, Neid und Minderwertigkeitskomplexen hervor. Die zunehmende Gleichberechtigung hat zwar noch nicht dazu geführt, dass Frauen genauso viel verdienen wie Männer, aber dafür können Männer sich jetzt auch als unvollkommen und minderwertig fühlen, wenn sie nicht über perfekte, normschöne Körper verfügen. Toll!

Sport & Ernährung

Auf dem Cover wird bereits auf ein Blitz-Workout für Arme, Rücken und Schultern hingewiesen. „Stark in nur 30 Minuten“ Eine halbe Stunde scheint mir ein vertretbares zeitliches Investment zu sein, um wie Mr. Sixpack auf dem Cover auszusehen. Beim Lesen des Artikels muss ich allerdings enttäuscht feststellen, dass du mehrmals die Woche 30 Minuten trainieren musst und wahrscheinlich über mehrere Jahre, damit du gerippt wie ein Gunther-von-Hagens-Plastinat aussiehst. Dann halt nicht.

Weniger anstrengend als das Turbo-Training klingt der Beitrag „Iss dich fit – Neue Pasta-Rezepte für mehr Power im Gym“. Okay, der Teil mit dem Gym ist nicht ganz so attraktiv, aber Nudeln sind immer gut. Wer es mit dem Pasta-Fit-Essen übertreibt, bekommt in einem anderen Artikel ein paar geniale einfache Bauch-weg-Tricks. Baucheinziehen und Luftanhalten gehört nicht dazu, sondern auf eine ausgewogene Ernährung achten und eine Mischung aus Ausdauer- und Kraft-Training absolvieren. Dann halt nicht.

Wirklich hilfreich scheinen mir die Ratschläge zu sein, wie Hirn, Herz und Haare jung bleiben. Das finde ich stark. Falls mich jemand fragt, wie alt ich bin, kann ich sagen: „45, aber meine Haare sind erst 30.“ Vor allem die Tipps „Schokolade naschen“ und „Kaffee kochen“ halte ich für gut umsetzbar. Allerdings wird auch vorgeschlagen, regelmäßig Rote-Beete-Saft zu trinken. Dann halt nicht. Da nehme ich lieber in Kauf, dass mein Gehirn ein paar Jahre vor mir stirbt. (Wenn Sie bis hier hin gelesen haben, denken Sie möglicherweise, es sei bereits tot. Das ist aber nicht der Fall. Glaube ich zumindest.)

Sehr spannend ist die Reportage über den Ultraläufer Dave Mackey. Der ist 2018 ein 100-Meilen-Rennen durch die Rocky Mountains in knapp 25 Stunden gelaufen. Das ist besonders bemerkenswert, da ihm zwei Jahre zuvor der linke Unterschenkel amputiert werden musste. Mehr als 160 Kilometer auf einem Bein. Chapeau! Ich dagegen habe vor zwei Jahren meine Vorbereitung auf den Köln-Marathon nach 14 Tagen abgebrochen, weil es mich ein wenig an der Hüfte gezwickt hat. Falls Men’s Health darüber eine Reportage machen möchte, stehe ich gerne zur Verfügung. (Arbeitstitel: „Scheitern ist keine Schande. Manchmal aber schon.“)

DAD-Spezial

Der DAD-Sonderteil wartet mit einer Vielzahl an Spielzeug-, Hörspiel, Bücher und Ratgeber-Tipps für Baby-, Kita- und Teenager-Papas auf. Das heißt, für Papas mit Teenager-Kindern, nicht für Papas im Teenager-Alter.

In dem Auszug aus „Papa braucht ein Fläschchen“ ermutige ich dann Eltern, nicht nach Perfektion zu streben, an der sie doch nur scheitern können. Um ein gesundes und sozial einigermaßen kompetentes Kind großzuziehen, reicht Mittelmäßigkeit aus. (Und anscheinend auch, um einen Papa-Ratgeber zu schreiben.)

Wesentlich mehr Alltagsrelevanz als meine fragwürdigen Gedanken zum Thema Vaterschaft weisen die wichtigsten Handgriffe für Väter auf. Von A wie Abhalten – eine nicht zu unterschätzende Kompetenz, weil Kinder immer dann müssen, wenn weit und breit keine Toilette in Sicht ist – bis Z wie Zopf machen, was wiederum hilfreich ist, wenn du Zeit deines Lebens eine Kurzhaarfrisur getragen hast und auch nie eine Frisierpuppe besessen hast.

Style & Fashion

Auch den modebewussten Lesern wird etwas geboten. Zum Beispiel ein Beitrag über verschiedene Varianten des so genannten Lagen-Looks vorgestellt – von rustikal über edel bis stylisch.

Das sieht zwar alles sehr gut aus und bringt einen im Fashion-Game bestimmt ganz nach vorne, ist in der jetzigen Corona-Situation aber trotzdem wenig hilfreich. Was nützen mir ein Mantel mit aufgesetzten Pattentaschen, ein Rollkragen-Pulli aus Schurwolle und rahmengenähte Stiefel, wenn ich Zuhause bleiben und mich im Social-Distancing üben muss? Zeitgemäßer wären die Modestrecken „Der bequeme Gammel-Look für die Quarantäne“, „Die zehn schönsten Hosen mit mehr als 50 Prozent Elasthan-Anteil“ oder „Kaffee, Ketchup und Karottensaft – hippe Batik-Muster aus natürlichen Farbstoffen“.

Ein anderer Artikel widmet sich dem Thema Schnurrbart. Während die Oberlippen-Behaarung in den 80er Jahren ein sozial akzeptiertes Gesichts-Accessoire darstellte und sich insbesondere bei Fußballern – sowohl im Profi- als auch Amateur- und Freizeitbereich – großer Beliebtheit erfreute, geriet sie in den 90er und 00er Jahren als Porno-Balken, Popel-Bremse und Schenkel-Bürste unter Verruf. Seit einigen Jahren erlebt der Schnörres aber eine Renaissance und wird nicht zuletzt von trendbewussten Hipstern zur Schau getragen. Und das sogar vollkommen ironiefrei! Vermutlich das Ergebnis einer Image-Kampagne der internationalen Barbier-Vereinigung.

Anlass des Schnäuzer-Artikels ist der Movember, eine Charity Aktion, bei der sich die Teilnehmer einen Monat lang einen Oberlippenbart wachsen lassen. Damit soll auf das Thema Männergesundheit und insbesondere auf Hoden- und Prostatakrebs aufmerksam gemacht werden. Das ist selbstverständlich ein ehrenwertes Ansinnen, wenngleich es angesichts der Thematik naheliegender wäre, wenn Männer, statt sich einen Moustache stehen zu lassen, hübsche Imtimfrisuren kreierten. Unter Umständen könnte die fotografische Dokumentation auf Instagram aber Anstoß erregen.

Ich selbst habe übrigens noch nie beim Movember mitgemacht. Zum einen weil ich bereits Vollbart trage, zum anderen weil ich mit Schnurrbart wie eine Mischung aus einem Kleinkriminellen und einem drittklassigen Porno-Darsteller aussehe.

Das Fazit

Das Lesen der Men’s Health macht definitiv Spaß. Fitnessinteressierte Menschen bekommen den ein oder anderen Tipp für ein abwechslungsreiches Training und eine ausgewogene Ernährung. Für eher träge Menschen ist die Men’s Health aber auch zu empfehlen, denn du bekommst beim Lesen den Eindruck, dass die Hürde, mal wieder ein wenig Sport zu treiben, gar nicht so hoch ist. Und dabei kannst du Käsekuchen oder einen Laib Marzipanbrot essen. Toll!


Überall erhältlich, wo es Bücher gibt.

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