Weihnachten und Essen gehören zusammen wie Topf und Deckel, Faust und Auge sowie Arsch und Eimer. Nicht umsonst zählt der Song der niederländischen Band Bots „Was wollen wir essen, 70 Stunden lang“ zu den beliebtesten Weihnachtsliedern aller Zeiten. (Weniger erfolgreich war „Iss nicht zu viel, mein kleiner Freund“ von Nicole.)
Die Weihnachtsvöllerei wird am Ende des Heiligabend-Gottesdienstes eingeleitet: Mit einer Spende an ‚Brot für die Welt‘. Dann gehst du nach Hause und wirst für die nächsten drei Tage keinen Hunger verspüren, weil du ununterbrochen isst, bis deine Organe einen Betriebsrat gründen.
Weihnachten. Offiziell: das Fest der Liebe. Inoffiziell: das Fest der Geschenke, des Konsums und des Kommerzes.
Was wäre die Adventszeit, wenn sich nicht alle wegen der Schenkerei so stressen würden, dass sie an Heiligabend mit Burn-out um den Weihnachtsbaum hocken?
Von den Eltern – und mit Eltern meine ich Mütter – über Einzelhandelsangestellte, Warenlager-Räumer*innen, Postfilial-Mitarbeiter*innen und Kurierfahrer*innen bis hin zu den Leuten in den Wertstoffhöfen, die den ganzen Krempel später in Müllpressen stopfen müssen.
Der Adventskalender geht auf den Verleger Gerhard Lang zurück, der 1903/1904 die ersten Exemplare drucken ließ. Weil er kurz davor war, sich heißes Kerzenwachs in die Ohren zu träufeln, nachdem sein Kind zum drölfzigsten Mal gefragt hatte, wann der Weihnachtsmann endlich die Geschenke bringt. Am 1. Dezember, um 5.45 Uhr.
Mit seinem Papp-Heilsbringer musste der gute Gerhard nicht mehr brüllen: „DER VERDAMMTE WEIHNACHTSMANN KOMMT, WANN ER KOMMT!“
Stattdessen schrie er: „JEDEN TAG NUR EIN TÜRCHEN!“
Der Nikolaus – bekannt als spendabler Gabenbringer, der in der Nacht zum 6. Dezember Geschenke an Kinder verteilt. In seinem ersten Leben war er im 4. Jahrhundert Bischof von Myra, in der Region Lykien; damals Römisches Reich, heute Türkei.
Das heißt: Ein türkischer Dude zieht Anfang Dezember nachts um die Häuser und stopft Nüsse und Schokolade in Kinderschuhe. Ob das ins Merzsche Stadtbild passt? Wahrscheinlich würde der Stiefel-Stalker heutzutage schon an der deutschen Grenze abgewiesen.
Weihnachtsmarkt – eine Wort-Bild-Schere, wie sie im Buche steht. Wer glaubt, ein Weihnachtsmarkt ist „weihnachtlich“, denkt auch, er trifft auf einer Flatrate-Party im Artemis die große Liebe. (Falls Sie nicht wissen, was das Artemis ist: Googlen Sie das. Aber besser nicht an ihrem Büro-Rechner.)
Um den Besuch im Lichterketten-Elendsviertel zu einem maximal unerfreulichen Erlebnis zu machen, werden möglichst viele Holzhütten auf möglichst engem Raum aufgestellt. So entsteht ein Gedränge und Geschubse wie im Winterschlussverkauf bei Primark. Auf Hunderte von Besucher*innen kommen fünf Sitzgelegenheiten, bei Regen drei Unterstellmöglichkeiten für maximal zwei Personen – und genau ein Dixi-Klo, das aussieht, als habe es ein Bisonbüffel mit Durchfall heimgesucht.
Der Dominostein – oder wie die sächsische Traditionsbäckerei Dr. Quendt poetisch schreibt: „Der unvergleichliche Geschmack von Weihnachten, liebevoll vereint in einem mundgerechten Stück!“
Das muss jemand verfasst haben, der noch nie einen Dominostein gegessen hat oder zu viel am Bittermandel-Aroma schnüffelt. Wahrscheinlich beides.
Dominosteine sind aus der Weihnachtszeit nicht wegzudenken. Was kein Prädikat ist, sondern eine fatalistische Feststellung.
Die Kalorien-Betonwürfel gelten nicht umsonst als Voldemort unter den Lebkuchenspezialitäten. Sie sind der Lebkuchen, dessen Namen nicht genannt werden darf, und wie der dunkle Zauberer verbreiten sie Angst und Schrecken unter den Menschen.
Zu Dominosteinen gibt es nur zwei Meinungen: Entweder man findet sie ekelerregend oder man hasst sie.
Die Weihnachtsgeschichte ist die wohl wildeste Familiensaga aller Zeiten. Die Hauptakteure: Jesus & Maria & Josef. Na gut, der eigentliche Star ist Jesus – und Maria ein bisschen. Josef ist eher Nebendarsteller, aber ohne Chance auf eine Oscar-Auszeichnung.
Die Origin-Story von Jesus enthält sämtliche Zutaten für eine spektakuläre Trash-TV-Doku-Soap: Teenager-Schwangerschaft, dubiose Vaterschaft, Kuckucks-Kind und Stallgeburt irgendwo im Nirgendwo. Das ist alles so dick aufgetragen, dass man immer wieder denkt: „Das gibt’s doch gar nicht, das hat sich doch jemand ausgedacht.“
Plätzchen: das Hauptnahrungsmittel im Monat Dezember, das uns mit lebenswichtigen Makronährstoffen versorgt. Sie liefern uns 25 Prozent des Tagesbedarfs an Proteinen, 137 Prozent an essenziellen Fetten, 204 Prozent an Kohlenhydraten sowie 316 Prozent unseres Tagesbedarfs an Kalorien. Außerdem enthalten sie Spurenelemente von Vitaminen.
Die Eigenproduktion von Weihnachtsplätzchen wird für gewöhnlich ab dem späten November oder frühen Dezember hochgefahren. Dagegen tauchen die kommerziellen Verwandten bereits ab August im Handel auf. Da schlenderst du durch den Supermarkt, um einen Sack Grillkohle oder eine Wassermelone zu kaufen und – zack – stehst du plötzlich vor einem Regal mit Lebkuchen, Dominosteinen und Spekulatius.
Draußen: 30 Grad, drinnen: es weihnachtet sehr. Darauf einen Glühwein. Oder einen Aperol Spritz.
Der Adventskalender 2025 startet mit Last Christmas: Dem Anti-Christ aus der Weihnachts-Pop-Musik-Vorhölle. Ein Lied geschrieben von Luzifer persönlich in der Gestalt von George Michael, um die Menschheit bis zum Ende aller Tage zu peinigen. Ein Song, der dich in der Vorweihnachtszeit gnadenlos, brutal und unerbittlich verfolgt – im Radio, auf Weihnachtsmärkten, im Rewe und bei Rossmann.
Ganz Deutschland verwandelt sich im Dezember zu einem Last-Christmas-Escape-Room. Ohne Tür und Fenster.
Der 11. November ist nicht nur Start der Karnevalssaison, sondern auch der Tag, an dem Sankt Martin gefeiert wird. Ein römisch-ungarischer Soldat, dessen Popularität darauf beruht, einem mittel- und obdachlosen Mann einen halben Mantel geschenkt zu haben.
Ein Akt von solcher Güte, dass mehr als 1.600 Jahre später bedauernswerte Eltern im November immer noch mit ihren Kindern, die mit Laternen bewaffnet sind, bei Dunkelheit, Kälte und Nässe Lieder singend durch die Straßen ziehen müssen. Danke, Martin.
In gewohnt investigativ-wissenschaftlicher Manier geht die neueste Ausgabe von „Wissen macht: Hä?“ den wichtigsten Fragen rund um Sankt Martin nach: Wer war dieser Martin eigentlich, was ist genau zwischen ihm und dem Bettler passiert, wieso begegnen Gänse dem Martinstag eher skeptisch, warum latschen wir mit Laternen durch die Gassen, und was singen wir dabei?
Alles, damit Sie, werte Leser*innen, beim nächsten Small-Talk tagesaktuell glänzen können. Bitte, gerne.
„Wissen macht: Hä?“, die Infotainment-Rubrik mit mittelmäßig wenig Info und mittelmäßig viel tainment zu Jahres- und Feiertagen, geschichtlichen Ereignissen sowie aktuellem Zeitgeschehen. Wer regelmäßig „Wissen macht: Hä?“ liest wird wahrscheinlich nicht klüger, aber auch nicht dümmer. Vielleicht.