Gespräche mit dem Tod (14): Die Silvesterparty

Es ist Samstagabend, kurz nach halb elf. Der Rest der Familie liegt bereits im Bett, ich bin damit beschäftigt, den Weihnachtsbaum abzuschmücken. Eine Tätigkeit, die mich immer ein wenig betrübt, weil damit die besinnliche Zeit endgültig vorbei ist, so dass einen nur noch ein paar angefutterte Pfunde und der zwickende Hosenbund an die Feiertage erinnern. Es ist außerdem eine Tätigkeit, die nicht ganz ungefährlich ist, muss ich doch zum Abhängen des Schmuckes in den oberen Zweigen auf unsere wackelige Klappleiter steigen.

Als ich auf der obersten Sprosse stehe und mich auf einem Bein balancierend in den Baum neige, um das kleine rote Metallvögelchen zu entfernen, das bei uns traditionell auf der Baumspitze sitzt, klopft es plötzlich an die Balkontür. Auf dem Balkon steht eine hochgewachsene hagere Gestalt in dunkler Kutte mit hochgeschlagener Kapuze, die ihr fahles Gesicht zur Hälfte bedeckt. Ich überlege, ob an den Gerüchten über den Serienmörder, der angeblich in Moabit sein Unwesen treiben soll, doch etwas dran ist, als die Gestalt die Kapuze zurückstreift und mich fröhlich anlacht. Es ist mein alter Freund, der Tod.

Der Tod.

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Co-Gründer Familienbetrieb

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im Oktober 2018 erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“*. (*Affiliate-Link)

Die fetten Jahre sind vorbei. Vielleicht.

Es ist der erste Samstag des neuen Jahres. Stehe morgens nach dem Aufstehen im Bad und schaue in den Spiegel. Ein pausbäckiger Enddreißiger grinst mich freundlich an. Allerdings entgleitet ihm das Lächeln und wird durch einen Ausdruck des Entsetzens ersetzt, als er an sich runterschaut und ein unübersehbares Feiertagsbäuchlein entdeckt – und die Verniedlichungsform dient hier eher der Wahrung der eigenen Selbstachtung als der adäquaten Beschreibung der körperlichen Konstitution.

Auch durch Baucheinziehen und ausdauerndes Luftanhalten, das eines professionellen Apnoe-Tauchers würdig wäre, weigert sich der Bauch zu verschwinden. Er will einfach nicht weggehen, sondern bleibt da. Wie phlegmatische Verwandte, die sich selbst zum Kaffeetrinken eingeladen haben.

Dicker Buddha. Unerklärlich ausgelassen.

Dicker Buddha. Unerklärlich ausgelassen.

Anscheinend hat die stark kohlehydrat- und fetthaltige und sich nicht am Hunger- sondern Lustgefühl orientierende Ernährung im Dezember und insbesondere über die Feiertage zur Bildung von ein paar Fettpölsterchen geführt. Die obligatorischen neujährlichen guten Vorsätze lassen sich somit nicht länger aufschieben. Da laut Volksmund Leid durch teilen halbiert werden kann, möchte ich die Familie in Sippenhaft nehmen.

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Co-Gründer Familienbetrieb

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im Oktober 2018 erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“*. (*Affiliate-Link)