Corona-Föhrien 2020 – Tag 1: Von Schafen, neuen Supermärkten, fehlenden Strandutensilien und Strandkorb-Adeligen

Der (fast) alljährliche Urlaubsblog. Diesmal nicht live, aber dafür in Farbe und HD. Zur besseren zeitlichen Orientierung sei erwähnt, dass der Urlaub Ende Juni / Anfang Juli stattfand. Die kompletten Beiträge finden Sie hier.


Der mit den Schafen läuft

„Einen wunderschönen guten Morgen!“ Ich winke einer Gruppe von Schafen zu, um einen guten Eindruck als höflicher Tourist zu machen. Die Schafe grasen unbeeindruckt weiter.

Es ist 8.30 Uhr und ich laufe den Deich an der Ostseite der Insel entlang Richtung Norden. (Falls Sie in Geographie genauso schlecht sind wie ich: Der Deich ist rechts von der Insel und ich laufe nach oben. Bittegerne.) Vor zwei Jahren war das schon eine meiner Lieblingsstrecken, weil du hier direkt neben den freilaufenden Schafen herjoggen kannst.

Schaf auf Wiese vor Landschaft

Für einen Großstädter ist das etwas ganz Besonderes. In Berlin bist du von der Natur so entfremdet, dass du Tieren normalerweise nicht so nahekommst. Außer aufdringlichen Tauben. Und unangeleinten Kampfhunden, bei denen du nicht weißt ob von ihnen oder von ihren stiernackigen Herrchen mehr Gefahr ausgeht. Und Ratten, die im Park vor dir ungeniert den Weg queren. Okay, je länger ich darüber nachdenke, ist das mit der Entfremdung von der Natur in der Großstadt vielleicht doch keine schlechte Sache.

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Griechenland 2016 – Tag 9: Von beschützenden Hundegangs, Wasser-Volleyball-Rekorden und keinen Wanderungen

Es ist 7.00 Uhr, als ich erwache. (Auch im Urlaub ist der Montag ein Montag und erlaubt kein Ausschlafen.) Gehe auf den Balkon, um zu überprüfen, ob zu der frühen Stunde die Wetterbedingungen zum Laufen einladen. (Wobei ‚einladen‘ eine sehr euphemistische Wortwahl ist.)

Guten Morgen, Psakoudia.

Ein von Familienbetrieb (@betriebsfamilie) gepostetes Foto am

Auf dem Balkon sitzt bereits der innere Schweinehund, genießt die Morgensonne und trinkt Kaffee. Er bietet mir auch eine Tasse an. Lehne ab und erkläre, heute wirklich mal wieder laufen gehen zu müssen, wo ich es doch die letzten beiden Tage schon aufgeschoben hätte. Der innere Schweinehund macht mit seinen Händen eine Scheibenwischergeste vor seinem Gesicht und verzieht sich.

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Griechenland 2016 – Tag 4: Von streunenden Hunderudeln, Gedanken über Sonnencreme und Judith-Büchern

Es ist 7.45 Uhr, als ich aufwache. Wenn sich meine Schlafphase weiterhin in gleichem Maße sukzessive ausdehnt, werde ich am letzten Urlaubstag richtig lange ausschlafen. Wie so ein junger Mensch.

Die Temperaturen und die leichte Brise sind sehr angenehm und bieten leider keinerlei Ausreden, das für heute eingeplante Joggen ausfallen zu lassen. Da ich diesmal auf eine hündische Laufbegleitung verzichten möchte, schlage ich die andere Richtung des Feldwegs ein. Er verläuft parallel zum Strand und erlaubt einen freien Blick aufs Meer. Das ist sehr schön. Auf der anderen Seite erlaubt er einen freien Blick auf viel trockene Vegetation, illegal entsorgten Müll und ein paar vereinzelte, wahllos in die Gegend gestellte Ferienbungalows die als Zeugnis mangelnden architektonischen Talents gelten können. Das ist nicht so schön.

Irgendwann tauchen am Strand ein paar selbst gebaute Hütten auf. Eigentlich eher Verschläge aus Zeltstangen mit improvisierten Dächern aus verdorrtem Gestrüpp. Wirkt ein wenig wie eine Filmkulisse von „Lost“, wo die überlebenden Passagiere von Oceanic Flight 815 am Strand hausen und von dem schwarzen Smoke-Monster drangsaliert werden.

Lost-Filmkulisse. Mit Smoke-Monster. (Nicht im Bild.)

Ein von Familienbetrieb (@betriebsfamilie) gepostetes Foto am

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Griechenland 2016 – Tag 2: Von hündischen Laufbegleitern, chilligen Strand-DJs und Einhand-Kniffeln

Es ist 6.30 Uhr und ich bin hellwach. Wahrscheinlich eine Art senile Urlaubsbettflucht. Allerdings ohne aufs Klo zu müssen.

Trete auf den Balkon, um zu sehen, was der Tag klimatisch und meteorologisch so bringen wird. Der Himmel ist leicht bedeckt, es weht ein laues Lüftchen und die Temperaturen liegen bei knapp 20 Grad. Eigentlich ideale Bedingungen, um Laufen zu gehen. Also, wenn es im Urlaub morgens um halb Sieben überhaupt ideale Laufbedingungen geben kann.

Aber wer abends Feta und Moussaka mit fettreicher Béchamelsauce in industriellen Mengen verzehrt und dazu ordentlich Bier trinkt, der muss halt morgens laufen. Ein den Körperkult unangemessen überhöhendes Postulat, das eigentlich kultur- und gesellschaftskritisch hinterfragt gehört, aber durchaus seine Berechtigung hat, möchte man doch nach 14 Tagen Urlaub nur ungern die Heimreise als Moby-Dick-Look-Alike antreten.

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Gastgebloggt: Verliebt in den Tod

Wiederkehrende Leser kennen die “Gespräche mit dem Tod”, die hier regelmäßig auf dem Blog erscheinen. Allerdings war mir nicht bewusst, dass meine Unterhaltungen mit dem Sensenmann beobachtet werden. Dies weiß ich inzwischen dank Jessi vom Blog “Terrorpüppi”. Diese schreibt normalerweise auf ihrem sehr lesenswerten Blog über das Leben mit Kind, Doktorarbeit und Job und wie sie das alles unter einen Hut bringt oder manchmal auch nicht. Nebenbei ist sie aber anscheinend auch die Biografin von Alekto, eine der drei Furien aus der griechischen und römischen Mythologie. In dieser Funktion hat sie den folgenden Gastbeitrag verfasst. Das klingt jetzt vielleicht etwas verschroben, aber ich durfte Jessi schon persönlich kennenlernen und sie ist vollkommen normal. Oder genauso verrückt wie ich. Das müssen andere beurteilen.

Viel Spaß beim Lesen!

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Es ist Sonntag und scheiße früh. Auch noch November. Unglaublich, was diesem alten Zausel schon wieder einfällt. Jetzt geht der Lump vom Familienbetrieb auch noch joggen. Und mit ihm mein angebeteter Tod, der anscheinend den nur wenig mit Adonis oder Herkules vergleichbaren Zauselbart als Freund betrachtet. Wäre ich nur eine überaus wütende, aber nicht auch äußerst verliebte Furie, hätte ich zumindest diesen stets nach Käsekuchen gierenden Kerl längst zur Strecke gebracht.

Ach Tod. Wenn du mich doch nur endlich bemerken würdest. Seit der Schlacht bei den Thermopylen folge ich dir nun schon. Fast 2500 Jahre begleite ich dich auf Schritt und Tritt und doch hast du mich nie eines Blickes gewürdigt. Nur für dich habe ich meine Schwestern Megaira und Tisiphone verlassen, um dir unaufhörlich nachjagen zu können. Einst war die Rache mein Geschäft, doch längst bin ich, Alekto, nur noch ein Schatten meiner Selbst. Ja, es gab einmal Zeiten, da hatte die Welt noch Angst vor mir. Da fürchtete ein jeder meine fürchterliche Rache. Niemand war vor mir sicher. Kein Versteck war verborgen genug.

Der Tod.

Der Tod.

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Gespräche mit dem Tod (6): Sport ist Mord

Sonntagmorgens, 8 Uhr, im November. Jogge verschlafen die Spree entlang. Mein verzweifelter und sysiphosischer Versuch, meine durch kohlehydrathaltige Teigwaren und zuckriges Hefegebäck weniger adonishaft als barock geformten Hüften durch regelmäßiges Laufen zu stählen. Trabe daher mit trüben Gedanken über alternative Freizeitbeschäftigungen, die mein Bedürfnis nach hedonistischer Lustmaximierung viel besser befriedigen könnten, über den Kiesweg.

Plötzlich holt mich eine stark keuchende Gestalt ein. Sie trägt ein weites Kapuzenoberteil aus dunkelbraunem grob gewebtem Leinenstoff (wahrscheinlich nicht atmungsaktiv), das einen süsslich-modrigen Geruch verbreitet. Die Beine stecken in einer labberigen kurzen Hose aus dem gleichen müffelnden Material und an den Füßen trägt sie ein Paar Laufschuhe, die schon zu Zeiten Emil Zatopeks nicht mehr dem aktuellen orthopädisch-sportwissenschaftlichen Stand entsprachen.

Die Gestalt krächzt mir ein freundliches „Guten Morgen!“ entgegen. Da erkenne ich, dass es mein Freund, der Tod, ist. Ich mag ihn wirklich gern, aber ihn beim Sport zu treffen, beunruhigt mich doch ein wenig.

Der Tod.

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Bretagne 2015 – 3. Tag: Von Nebel, Strand-Erholung und Sonnenbränden

Der Start in den Tag ist eher ernüchternd. Nicht nur, dass ein frühmorgendlicher 10-Kilometer-Lauf zum Bäcker ansteht, sondern auch das Wetter lässt weiterhin schwer zu wünschen übrig. Die gestern von der Wetter-App euphorisch angekündigte Sonne mit lediglich leichter Bewölkung ist noch nicht in Esquibien angekommen. Eventuell handelt es sich um eine Touristen-App, die falsche Wettervorhersagen vorspielt, um tumbe Deutsche bei Laune zu halten.

Esquibien. Das Wetter ist kaputt. Oder die Wetter-App.

Esquibien. Das Wetter ist kaputt. Oder die Wetter-App.

Wie dem auch sei, es ist auch heute sehr diesig (Kategorie ‚Erbsensuppe‘). Befürchte gleich wird hier das Set für eine Verfilmung des Edgar-Wallace-Klassikers ‚Im Nebel siehst du keinen Feind‘ aufgebaut. Das Wetter wäre auf jeden Fall perfekt dafür.

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Die fetten Jahre sind vorbei. Vielleicht.

Es ist der erste Samstag des neuen Jahres. Stehe morgens nach dem Aufstehen im Bad und schaue in den Spiegel. Ein pausbäckiger Enddreißiger grinst mich freundlich an. Allerdings entgleitet ihm das Lächeln und wird durch einen Ausdruck des Entsetzens ersetzt, als er an sich runterschaut und ein unübersehbares Feiertagsbäuchlein entdeckt – und die Verniedlichungsform dient hier eher der Wahrung der eigenen Selbstachtung als der adäquaten Beschreibung der körperlichen Konstitution.

Auch durch Baucheinziehen und ausdauerndes Luftanhalten, das eines professionellen Apnoe-Tauchers würdig wäre, weigert sich der Bauch zu verschwinden. Er will einfach nicht weggehen, sondern bleibt da. Wie phlegmatische Verwandte, die sich selbst zum Kaffeetrinken eingeladen haben.

Dicker Buddha. Unerklärlich ausgelassen.

Dicker Buddha. Unerklärlich ausgelassen.

Anscheinend hat die stark kohlehydrat- und fetthaltige und sich nicht am Hunger- sondern Lustgefühl orientierende Ernährung im Dezember und insbesondere über die Feiertage zur Bildung von ein paar Fettpölsterchen geführt. Die obligatorischen neujährlichen guten Vorsätze lassen sich somit nicht länger aufschieben. Da laut Volksmund Leid durch teilen halbiert werden kann, möchte ich die Familie in Sippenhaft nehmen.

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