Der Schlager-Marathon (3): Das ist Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle?

Ich befinde mich immer noch auf der Marathonstrecke und es fühlt sich an, als sei ich schon seit zwölf Wochen unterwegs. Meine Playlist ist weiterhin mit Kultschlagern der 60er-Jahre sowie Hits der Neuen Deutschen Welle gefüllt. Im Training hatten diese sich befremdlicherweise als meine optimalen rhythmischen Laufbegleiter erwiesen, was große Fragen bezüglich meines Musikgeschmacks und meines Laufstils aufwirft. Sportlich hatte ich mir das Ziel gesetzt, den Marathon in dreieinhalb Stunden zu laufen und das Ganze pathetisch-idiotisch „Projekt 210“ getauft. Ein Beleg, dass in einem gesunden Körper nicht zwangsläufig auch ein gesunder Geist lebt.

Den ersten Teil des Schlager-Marathons finden Sie hier, den zweiten hier.

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Inzwischen habe ich zwei Drittel des Marathons hinter mir, was nach dem guten Adam Riese heißt, dass ich noch ein Drittel vor mir habe. Es freut mich, trotz der körperlichen Strapazen noch zu solch komplexen mathematischen Berechnungen in der Lage zu sein. Was mich allerdings weniger freut, ist der Umstand, dass das Marathondrittel, das ich noch zurücklegen muss, vierzehn Kilometern entspricht. Eine überschaubare Distanz, wenn man sie mit dem Auto oder dem Zug fährt. Zu Fuß im flotten Tempo, nachdem man bereits 28 Kilometer in den Beinen hat, erscheint die Strecke dagegen deutlich länger zu sein. Ein mathematisch-physikalisches Phänomen, das mal untersucht werden müsste. Aber nicht von mir. Ich muss laufen. Weiter und immer weiter.

Pippi Langstrumpf untermalt meine mathematischen Gedankenspiele musikalisch, indem sie enthusiastisch „Drei mal drei ist vier“ grölt. Eigentlich hat diese Dyskalkulie-Hymne nichts auf meiner Laufliste zu suchen, aber wahrscheinlich war mal wieder eines der Kinder verbotenerweise an meinem Handy. Das ist mir jetzt auch egal. Wenn man fast zweieinhalb Stunden ununterbrochen gelaufen ist, kann man sich über so etwas nicht aufregen. Es fehlt einem einfach die Energie dazu.

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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im Oktober 2018 erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“*. (*Affiliate-Link)