Mein Leben als digitaler Höhlenmensch

Inspiriert durch das kürzliche Microsoft-Bloggertreffen zum Thema „Familization of IT“ hat Co-Daddylicious Kai Bösel darüber geschrieben, wie Software, Apps und Devices seinen Tag als Vater und Unternehmer einerseits erleichtern, andererseits aber auch zum dominierenden Faktor werden können. Und weil er so schön in Fahrt war, hat er dazu unter dem Hashtag #einfachmachen eine Blogparade gestartet und unter anderem mich gefragt, ob ich mich beteilige. Da ich auch mal den Eindruck erwecken möchte, ein cooler Dad zu sein, bin ich gerne mit von der Partie. Als Ausdruck meiner tiefen Wertschätzung für Kai sowie meiner grenzenlosen Kreativität kopiere ich seinen ethnologischen Auto-Beobachtungsansatz und beschreibe ebenfalls, wie die Digitalisierung meinen Alltag beeinflusst oder auch nicht: Mein Leben als digitaler Höhlenmensch!

 

5.45 Uhr

Der Wecker klingelt unerbittlich. Es ist kein Handy-Wecker oder gar ein iPod, der mich mit einem meiner Lieblingslieder begrüßt, sondern ein neun Jahre alter Radio-Wecker. Somit bin ich auf Gedeih und Verderb der Musikredaktion von Radio Eins ausgeliefert, die mich hoffentlich mit einem guten Lied in den Tag schickt.

Das Radio ist schon etwas altersschwach und wenn man auf die Snooze-Taste drückt, besteht die Gefahr, dass sich der Sender-Regler verschiebt. Daher ist es allen Familienmitgliedern – und insbesondere denen unter 12 Jahren – strengstens verboten, besagte Taste zu berühren. Man möchte schließlich nicht, dass sich der Regler auf einen Schlager-Sender einstellt und Helene Fischer morgens bei einem mit ‚Atemlos‘ einen anaphylaktischen Schock auslöst.

Radio Eins beschert mir heute Morgen dankenswerterweise ‚Lieblingsfarben & Tiere‘ von Element of Crime und damit die für heute programmatischen Liedzeilen:

„Die Emails und die Kurznachrichten
kannst Du zusammen mit den
Excel- und Word-Dokumenten dahin tun,
wo die Sonne auch an warmen Tagen
niemals scheint und wo auch schon die Meetings
und die Skype-Kontakte ruhn.“

Weiterlesen

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“* erschienen. (*Affiliate-Link)