Bretagne 2012 – Anreise: Nachtzugfahrt im Pumakäfig

Spiele kurz mit dem Gedanken, ein Umzugsunternehmen mit dem Transport des Urlaubsgepäcks zum Bahnhof zu beauftragen, bestelle dann aber doch ein Großraumtaxi. Die Begeisterung des Taxifahrers, das Gepäck im Kofferraum zu verstauen, hält sich in Grenzen, genauso wie sein Trinkgeld. Versorge uns am Bahnhof erst mal mit Kaffee, Kakao und süßen Teilchen, um den Reiseproviant zu schonen. Verputzen alles noch auf dem Bahnsteig, damit sich die Reiseaufregung mit einer gewissen Übelkeit vermischen kann. Funktioniert ziemlich gut.

Große Vorfreude bei den Kindern ob der Aussicht mit dem Nachtzug nach Paris zu fahren. Im Zug reagieren sie dann allerdings leicht panisch auf die eindringlichen Hinweise des Schaffners, nachts auf jeden Fall die Waggontür von innen zu verschließen, damit es zu keinen Diebstählen kommt. Wahrscheinlich denken sie nun, dass der Räuber Hotzenplotz sein Unwesen im Zug treibt.

Meine eigenen romantisch-verklärten Kindheitserinnerungen an eine Nachtzugreise Ende der 70er-Jahre werden mit der harten Realität von Liegepritschen konfrontiert, die maximalen Schlafkomfort lediglich für Kleinwüchsige bieten, und der Zustand der Schlafdecken ruft unschöne Gedanken an die unzähligen Körper, die sich schon in die räudige Wolle eingewickelt und auf den ranzigen Laken geräkelt haben, hervor.

Werde in der Nacht von der Tochter geweckt, die erklärt, sie müsse auf Toilette, würde sich aber alleine trauen. Dies erweist sich allerdings als Trugschluss, nachdem sie auf eine Gruppe Jugendlicher stößt, die im Gang rumlungert.

Begleite daraufhin die Tochter und mache dabei im Gang olfaktorische Grenzerfahrungen, hervorgerufen von Ausdünstungen, die aus den anderen Abteilen wabern und darauf schließen lassen, dass die Mitreisenden südamerikanische Wildkatzen mit sich führen.

Nachtzugfahrt - unscharf

Nachtzugfahrt – unscharf

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel "Nackte Kanone" geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch "Wenn's ein Junge wird, nennen wir ihn Judith"* erschienen. (*Affiliate-Link)

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