Eine kleine Wochenschau | KW17-2022 (Teil 2)

Teil 1


29. April 2022, Berlin

An meinem morgendlichen Spaziergang laufe ich an einem Elektroladen vorbei. Es ist diesmal kein Fachgeschäft, bei dem im Schaufenster elektrische Geräte vorteilhaft und verkaufsfördernd in Szene gesetzt werden. Der Laden sieht eher aus wie eine Mischung aus Reparatur-Service, Second-Hand-Laden, Pfandleihe und Umschlagplatz für Hehlerware.

Auf einem großen Plakat neben der Eingangstür hat der Ladenbesitzer sein Angebot in Großbuchstaben aufgelistet. FERNSEHER, RADIOS, HIFI, SATANLAGEN. Während ich weiter gehe, denke ich sehr lange über das Wort Satan-Lagen nach und grüble darüber, was für ein teuflisches Angebot sich dahinter verbirgt. Anscheinend regt die zusätzliche Sauerstoffzufuhr aufgrund meiner ausufernden Spaziergänge nicht mein Denkvermögen an.

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Die Leichtathletik-Abteilung des TSV GutsMuths, wo ich vor drei Wochen eingetreten bin, in der Hoffnung, dass dies für meine Marathonvorbereitung förderlich ist, schickt mir eine Einladung zu ihrem alljährlichen Sportfest. Das Event findet unter dem Motto „Springen, Laufen, Werfen kann jeder“ statt und umfasst für Erwachsenen die Disziplinen 100m-Sprint, Weitsprung, Kugelstoßen und 800m-Lauf. Da hätte ich das Motto „It’s Bundesjugendspiele-Trauma all over again“ irgendwie passender gefunden.

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Meine Frau hat für unseren Balkon in Ergänzung zu den Pflänzchen, die ich letzte Woche besorgt hatte, ein Zitronenbäumchen gekauft. Das ist zwar nicht das angeblich von Martin Luther beschworene und von Reinhard Mey besungene Apfelbäumchen, das ein Zeichen der Hoffnung in einer hoffnungslos erscheinenden Welt setzen soll, aber ich finde, es ist trotzdem eine gute Wahl. Sofern das Bäumchen nicht unserem braunen Daumen zum Opfer fällt, können wir irgendwann die Zitronen für unseren Gin Tonic selbst ernten. Und das ist doch auch ein Zeichen der Hoffnung in einer hoffnungslos erscheinenden Welt.

30. April 2022, Berlin

Durch eine unglückliche Verkettung von Ereignissen klingelt heute Morgen um 5.30 Uhr der Wecker und wir müssen eine gute Stunde mit dem Bus in einen Berliner Außenbezirk – beziehungsweise in einen Berliner Vorort – fahren, um uns dort kurz nach sieben in einer Grundschulsporthalle einzufinden. Die Ereigniskette wurde vor fünfzehneinhalb Jahren in Gang gesetzt, als der Sohn zur Welt kam, vier Jahre später meldeten wir ihn beim Judo an, vor ein paar Monaten entschied sein Trainer, ein Nachwuchs-Turnier zu organisieren, und wir sagten vor ein paar Wochen zu, als Helfer*innen zur Verfügung zu stehen.

Absurderweise wurde mir bei dem Turnier die nicht gänzlich unverantwortungsvolle Aufgabe zugewiesen, mittels eines Computerprogramms, das ich mir ein paar Tage vorher das erste Mal anschauen konnte, für die 250 Teilnehmer*innen in den verschiedenen Altersgruppen und Gewichtsklassen Kampflisten zu erstellen. Für diese Aufgabe qualifiziere ich mich allenfalls, weil ich keine allzu große Scheu vor der Benutzung von mir unbekannten Computerprogrammen habe, aber auf keinen Fall aufgrund irgendwelcher Detailkenntnisse über die Regularien bei Judoturnieren. Die sind bei mir nämlich trotz mehr als zehn Jahren Turnierbegleitung nur sehr rudimentär vorhanden.

Dementsprechend nervös bin ich, denn selbstverständlich möchte ich, dass alles reibungslauf abläuft. Zum einen, weil ich mir gegenüber eine sehr geringe Fehler-Toleranz habe, zum anderen, weil ich mir nicht den Zorn von Judotrainern zuziehen möchte, die mich mit einem einzigen Wurf quer durch die Halle befördern können.

Alles in allem passieren mir im Laufe des Tages aber nur wenige Fehler, die nicht korrigiert werden können. Lediglich bei einem bedauernswerten Jungen übersehe ich, dass er nicht in die Liste aufgenommen wurde, was aber erst auffällt, als seine Gruppe schon fertig ist und er nicht mehr mitmachen kann. Glücklicherweise war der Bub aus dem Verein des Sohns, so dass mir der Trainer-Wurf quer durch die Halle erspart blieb. Er durfte dann zum Trost gegen alle Teilnehmer seiner Alters- und Gewichtsklasse Freundschaftskämpfe bestreiten.

Trotz meines Fauxpas sind die anderen Vereinsmitglieder angetan davon, wie souverän ich das Programm bedient habe. Das ist ungefähr so, als würde eine Gruppe von Blinden einen Einäugigen, der an einer ausgeprägten Farbsinnstörung leidet, dafür loben, wie schön er Farben beschreiben kann.

01. Mai 2022, Berlin

Heute ist Tag der Arbeit. An einem Sonntag. Da freut sich der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer weint. Der Sohn ist auch nicht zufrieden. Er findet, es sei voll unfair und eine regelrechte Verschwendung, dass ein Feiertag aufs Wochenende fällt.

Buch-Tipp der Woche

Ich bekomme immer mal wieder Bücher von Verlagen oder Autor:innen zugeschickt. Da mir die Zeit für aufwändige Rezensionen fehlt, sollen sie wenigstens hier Erwähnung finden.

Am 11. April ist das dritte Buch der Twitter- und Instagram-Legende Marlene Hellene erschienen. „Bauch frei!“ enthält keine Mode-Tipps und auch keine lustigen Glossen, wie ihr Erstlings- und Zweitlingswerk, sondern behandelt vom Schwangerschafts-Test bis zum Wochenbett alle wichtigen Themen um die Schwangerschaft. Trotzdem ist es kein klassischer Ratgeber, sondern wie es der Untertitel verkündet „Ein Plädoyer für eine selbstbestimmte Schwangerschaft.“ Ein sehr lesenswertes Buch. Nicht nur für Schwangere, sondern auch für Nicht-Schwangere und vor allem auch für Männer.

Unter den Leser*innen, die bis Donnerstag, den 05.05.22, einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen, kann ich ein Exemplar von „Bauch frei!“ verlosen. Vielen Dank dafür an den Rowohlt-Verlag. Der Rechtsweg ist ebenso wie der Linksweg ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, bliblablö …

Marlene Hellene: Bauch frei! Ein Plädoyer für eine selbstbestimmte Schwangerschaft. Rowohlt-Verlag 2022.


Alle Beiträge der Wochenschau finden Sie hier.



Kann seit dem 21. März bestellt werden. Muss aber nicht. Wäre aber trotzdem schön. (Affiliate-Link)

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18 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW17-2022 (Teil 2)

  1. Oh, ich liebe Gewinnspiele, vor allem wenn es um Bücher geht von Autor*innen, denen ich schon so lang folge 🙂

  2. Marlene Hellene ist einfach spitze! Trotz abgeschlossener Familienplanung würde ich auch ihr neuestes Werk sehr gerne lesen.

  3. Schöne Wochenschau! Über den Freudschen Verleser der Satan-Lagen habe ich laut gemacht, das ist genau mein Humor!

    Ich reihe mich gerne in die Schlange der Gewinnspielteilnehmenden mit ein

  4. Na da habe ich ja Glück,das ich gerade (ein letztes Mal) Schwanger bin 🤰
    Bisher ist mein Repertoire an Schwangerschaftsbüchern bereits stattlich, aber ich verleihen sie auch sehr gern und konnte mir tatsächlich aus allen etwas mitnehmen.
    Und so wurde aus einer traumatischen ersten Geburt eine wundervolle zweite Geburt die sich eigentlich nur noch Tippen lässt, indem ich noch selbstbestimmter Handeln kann. Nicht,weil die Hebammen es nicht zugelassen hätten, sondern weil ich einfach “nicht bereit” dazu war und noch zu verkopft von der ersten Erfahrung.

  5. Ich würde mich mega über das Buch freuen und versuche hier einfach mal mein Glück :) Guten Start in die neue Woche!

  6. Na dann versuch’ ich mal mein Glück :)
    Da ich momentan zum 4. und dann auch letzten Mal schwanger bin, käme mir das Buch ganz gelegen. Abgesehen davon, dass es mit Sicherheit auch ohne Baby im Bauch lesenswert ist – allein der Autorin wegen :)

  7. Meine Frau würde sich bestimmt über das Buch freuen … und ich natürlich auch ;-)
    Die Twitterergüsse von Marlene Hellene sind auf jeden Fall immer sehr unterhaltsam!

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